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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 386 Comite vor Tunis bittet da» Centralcomite, sich dieser Lache wieder anzunehmen — Ist bereitgeschehen — Taffelbe Eoniite schreibt, daß eS sich seit länger als einenl Monat vergebens bemüht, zwei israelitische junge Mädchen aus Teblba ln Tunis, die unter dein Vorwanve, daß sie den JS-am nugenomnien, in Abwesenheit ihrer Ellern fortgeführt wcrven sind, znrückzuschaffeu; der Ziistizminisier, an den sich die Eltern gewandt haben, erklärte im Ramen deS Key, daß diese Sache nur den Kaksi (G.istlichen) aiiginge, und verweigerte, die jungen Mädchen selbst zum Verhör nach Tunis ko» men zu laffc». — Das Comile von Tunis will sich zuuäch't erst noch an den Premier-Minister wenden, ehe eS einen weiteren Beschluß saßt. Aus zwei Denkschrisicn über Rnß>»»d und Rumänien kommen wir in besonderen Artikeln zurück. Rußland. Petersburg. Ueber die Judensrage in Rußland wird der „R. F. Pr." unter',« I. Roo. Folgendes geschrieben: Die in jüngster Zeit vielfach in Umlauf gej.tzie» G> Nichte von einer bevorstehende» Maffenverfolgung der innerhalld.r Grenze» des russischen Reiches lebenden Israeliten entbehren durchaus der thatsächiichen Begründung. Wob. h ine eS »och vor Kurzem den Anschein, ais trüge sich die Reg erung mit Plänen, deren Verwirklichung die Existenz der Jude» gefährden könnte; allein diese aus Unkenntniß der Vorgänge entsprungenen, von Sensationshaschern demonstrativ colportirten Exstirpaticns Tendenzen der russischen Regierung reduciren sich in Wahrheit nur ans einige durch dte Zertv-rhältirrffe gebotene Reformen in Betreff der israelitischen Eheschließungs - Modalität,,Die Hiera» sich knüpfenden neuen Beiordnungen gewinnen jedoch eine erhöhte Bedeutung, men» man den eigentlichen Zweck inS Auge faßt, den die russische Regierung hierbei versolgi. Es handelt sich uänilich nm die Gewinnnng einer sicheren Basis behufs genauerer und strengerer Control« der in Rußland lebenden Zsrae.iten — e,n Borgehen, welches eine sehr naheliegende, aus der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht sich ergebende Coniequenz i» sich schließt. Diese Basis hofft inan nnn durch eine gründliche Regelung und Uingestalluiig der jüdischen Ehegesetzgebung zu gewinnen. Bisher pflegte,t die Juden ihre Ehen mit gänzttcher Umgehung der cvmpetenleu Behörden, ja, wie die» bekanntlich nach jüdischent RiiuS statthaft ist, nicht einmal im Beisein deS Rabbiners zu vollziehen. Die» hatte natürlich zur Folge, baß die derartigen Ehen entsproffeneu Kinder gar nicht in die Matrikelbücher eingetragen wurde». Diesen allgemein geitbten Mißbrauchen gedenkt nun die russische Verordnung em Ende zu machen, daß künftighin kein russischer Unterthan israelitischer Confession eine Ehe eiiigehen dürfe, ohne vorher die von der Regierung zn diesem Behnsc eingesetzte Behörde von setuem Vorhaben in Kenittniß gesetzt zu haben. Sache dieser Behörde wird es dann sein, den Thatbestand zu prüfen und, wenn kein der Ebeschließung hinderliches Factum vorliegt, den Rabbiner durch ein legal ausgestelltes, allen durch das Gesetz vorgeschriebeuen Bedingungen entsprechendes Attest zur Bollziehung der rituellen TrauungS- Ceremvnte zu ermächtigen. Es ergibt sich hieraus, daß knnfttgbin die Regierung selbst die Matrikclführung in die Hand nimmt, uiii so Veit Juden jede Möglichteit zn benehmen, der Erfüllung ihrer Militärpflicht sich zu entziehen. Wie weit dieses Unwesen bereits ni:> sich gegriffen hat. geht aus der Thalsache hervor, daß beupieleweiie von den 25,000 in Odessa lebenden Juden kein nnziger seiner Wehrpflicht Genüge gelelstet hat, und das Gleiche gilt von fast allen Rußland angehöreubeii Jude». Nimmt inan nun annäherungsweise d:e Zahl der in Rußland lebenden Inden mit ca 2 Mibione», das ist etwa drei Proceut der Gesammi- Bevölkerurig des russischen Reiches, ait — eine genaue Feststellung war >n Anbetracht der mangelhafte» Matrik.lführung und der von den Juden behufs Hintanyaltuug der Affentirung a»g wendete» Ränke bis jetzt undurchführbar — so kann man da» nnnmebrige Einschreiten der Regierung gerade nicht ungerechtfertigt nennen. Wiewobl nicht zn leugnen ist, daß diesen Maßregeln eine gr-ße Berechtigung innewohnt, und daß dieselben in den Berhältntffen begründet sind, hat doch diese bevorstehende Neuerung in den hievon betroffenen israelitische» Kreisen vielfache Bestürzung helvorgeruseu, und wenn auch der einsichtsvoller« Theil der israelitischen Bevölkerung Rußlands die sociale Bedeutung derselben nicht verkeunt, so wird es doch lange dauern, bi» di. je bereits im Entwürfe vorliegende und demnächst in Kraft tretende Maßregel der Sympalhie der Betheiligten begegnen wird. Warschau, 7. November. In Rußland ist den Jude« die Ansiedlung nur in ve,t ehemilS Polnischen Provinzen gestattet, so daß man oft von den Russen bürt, die Grenze Polens erstreck« sich bis zum letzten jüdischen Kruge. I» den übrigen Theiien des Reichs dürfen nur jüdische Kaufleute und Handweiker, sowie Juden mit höherer wiffenschaftlicher Bildung, und zwar in beschränkter Zahl, vorübergehend ihren Aufenthalt nehmen. Seit einige» Jahren, seiide,n die Frag« der Rnssificirung der Jude» angeregt wo, den ist, werden in der Russischen Tagespreffe immer hänsiger Stimmen laut,_ welche die Aufhebung der Bejchränknngen verlangen. In' Folge deffen und bei dem erleichterten Eisenbahnverkehr haben sich bereit« zahlreiche Juden den gesetzlichen Vorschriften zuwider in den größer» Städten Rußland» niedergelaffen, um dort ihre» Erwerb zu suchen. Diese unliebsamen und »nr aus kurze Zeit geduldeten Gäste sind jedoch periodisch an» Petersburg, Moskau und anderen Stäoien wieder au»- getrieben worden, und sogar au» Kiew hat »>>u sie wiederholt oeijagl, da eS auch in den edenials Polnischen Provinze» mehrere Städte giebt, in denen den fremden Juden der Aufenthalt verboten oder wenigstens auf bestimmie Sladttheile beschränkt ist. Wie die „Birzn" auf Grund guter Jnsormationcn wiffen will, beabsichtigt jetzt die Regierung die die Freizügigkeit der Juden in Rußland beschränkenden gesetzlichen Bestinimungen insoweit zu ändern, daß sie nicht mehr auf diejenigen Inden, welche da» Zenguiß der Abjolviruug einer höheren UnterrichtSanstalt besitze», Anwendung ftnde». Diese Nachricht ist tnsoser» sehr glaubwürdig, alt ein dahin zielendes Gesetz den R jsificirungszweckeu und der Verbreitung der Russischen Sprachkenntniß unter den Jude» vortrefflich« Dienste leisten könnte. Die Juden würben ihrerseits in großer Zahl und mit regem Eifer di« höher» Schulen besuchen, um nur das für ihre HandelSintereffen wichtige Privtlegium der lieber» siedelung nach den größere» Städten Rußlands zu erlangen. (Oftj.-Z.) Amerika. Lima. Aus dem von einem Israeliten Mr. Isaak Louwton redigirien „South Pacific Times" bringt „I. World" einen Bericht, der uns von Israeliten aus dem fernen Peru einen Bericht bringt. Merkwürdigist es gerade nicht, wa» wir er» fahren; da» aber ist nierkwüroig, daß unsere GlaudenSgen offen im Lande der alten Jnka'S ebenso thun, wie wir hier und aller Orten, und daß wir daher auch von dort seltsam Neues eben nicht höre» — auch die Namen der dortigen Israeliten klingen uns gar nicht fremdartig. Also: Am 22 Ang. war auf den Präsidenten der Republik, Pardo, eia glücklich vereitelter Mornanfall gemacht worden. Am 18. Eepl. fand sich nun eine Deputation deS israelitischen Wohlthätigkeitsveteine zn Lima beim Präsidenten ein, um ihm zu graluliren Es waren die Herren Michael Badt, als Sprecher (wir vermuihen, daß der Herr aus Exin stammt), Charles Herzberg und Jsaac Myer (d. h. natürlich Ai eher). Der Lpncher entschuldigte zunächst, daß die Deputation so spät erscheine. Unser Verein, sagte er, sindet sich nicht oft in voller Zahl zusammen, wir sind metst im Lande zerstreut. Am 12. d. MtS. haben wir unser Neujahrsfest gefeiert, und das hat unS alle zusamniengesührt. Da haben wir für da» Wohl de» Landes, und seine» Oberhauptes gebetet; so thun

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