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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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*7V 378 — <t viel, dtß wir simultane Gemeindeschulen hätte». Nach dem angeführte» Zahlenverhältniß brauchten die Katholiken solche Schule:, gar nicht, unv e« sei förmlich Protest zu erheben gegen de» Satz de» Magistrat«, „er würde sich nicht länger der Verpflichtung eulziehe» könne,,, die jüdischen Kinder zu unterrichten. „Wir haben gegen alle Kinder gleiche Verpflichtungen", und die Juden werde» Simultanschulen sehr gern acceptiren. Was aber der Magistrat bringe, 4 Schulen nämlich, dar genüge nicht, dazu läge» die neuen Schulen, wo keine Juden ivohnen. Man dürfe sich also nicht wundern, wen» der Versuch des Magistrats scheitere. Redner beantragt daher, dem Magistrat zu sagen, d,e Bersainmlung sehe vorläufig von einer weiteren prinzipiellen Erörterung der Sache ab, bet.achte aber bezüglich der praktischen Ausführung der Angelegenbeit die Sache als unerfüllt — Der Schulrath Dr. Bertram fragt, ob denn der Magistrat die qu. 4 neuen Schulen lieber auch als konfessionelle Schule» Hane hinstellen sollen. Jedenfalls konnte der Magistrat den Gedanken augenblicklich nicht biffer auSführeu, er mußte nach Lage der Gesetzgebung so verfahren, wie geschehen — und er hoffe, daß die Jude», wenn der Magistrat so forlfahre, aus eigene jüdische Schulen verzichten würden. Man werde ja auch jüdische Lehrer au diesen Schulen anstellen und er bitte, wenigstens keine Tadel gegen beu Magistrat auszujprechen. Stadtv Dr. Hermes hat die Vorlage des Magistratmit Freuden begrüßt, denn die Stadt Berlin hat einen Schritt vorwärts gelhan. namentlich durch Beseitigung der Geistlichen als LocalJnspekioreu. Er oeaniragr, dein Magistrat die Anerkennung der Versam»llt'.ug auszuiprechen und ihn zu ersuchen, ans dem belret-nen Wege weiter vorzugeheu — Eine solche besondere Anerkennung will Stadtv. Dr. Stört nicht auSsprechc», um dem Magistrat keine neue Schwicrigkeilen zu machen. Auch vermißt Redner die Versicherung, daß Kinder anderer Konfession auch Religionsunterricht in diesen Schulen erhaltet: werden. Stadtv. Dr. Reumann warnt »ochmalS, nicht tun Schein für Wahrheit zu nehmen; er beharrt bei seiuein Anträge. Die Versammlung beschließt nach dem Anträge Hermes und ersucht den Magistrat, auf dem betretene» Wege forlznfahren. Leipzig. (Or.-Corr.) Ich stelle Ihnen, Herr Redacleur, für Ihr Blatt, das in Rr. 42 die consessionelle Freimaurerfrage berührte, das beifolgende Privatschrciben eines jüdischen Freimaurers, das ebenfalls diesen Puntl in eilt klares Licht setzt, zu Gebote. (Wir entnehmen demselben die nachfolgenden allgemeinen, Gesichtspunkte:) „Die Freimaurerei unifaßl, wie allgemein bekannt, einen Bund oon Männern, deren Streben auf Verbreitung von Gesittung und werklhätiger Nächstenliebe, auf wahre, reine Human lät gerichtet ist. Unser Streben ist offenkundig, unser Ritual ein nur den Brüdern bekanntes Geheimniß Die Jesuiten find die heuigsten und tödtlichslen Feinde der Freimaurer, daraus schon kann man entnehmen, wie edel und rein brüderlich unsere Ziele sind. Gleichheit und Brüderlichkeit, aber niht im politischen, eher im socialen Sinne, werden in de« Logen gepflegt. Es giebt keine Titel, keine Würden. Rutürlich darf ein solcher Bund kerne Borurtheile haben. Er brirgt ja eben die Menschenrechte zum praktischen Ausdruck. So haben denn auch Frankreich, England, Amerika, Dänemark, Sachsen, Hannover, Hamburg u. f. f, kurzum alle Staaten Juden in die Logen als Brüder aufgenonlmen, nur Preußen weigerte sich bis 1873, uuv die große Landesloge auch jetzt noch, dies zu thun Allerdings haben wir diese Weigerung illusorisch gemacht, insofern wir uns in Leipzig aufitehmeu ließen und dann als Brüder auch in Preußen Zutritt haben mußten, aber eine Schande ist cS doch sür unser Jahrhundert und für die preußischen Logen insbesondere, daß wir dies thun mußten. Den äußeren Grund hat dies rn der Eidessormel bei der Aufnahme. Mit wenig Worten ließe füh das aber ändern. Der tiefer« Grund ist der Rest vom Eneßbürgerthum, der sich dort noch gehalten hat. — Nach den Ann«kione» von 1866 und 1871 ließ sich für de» ganzen Staat da» Verbot nicht mehr aufrecht erhalten, zumal namentlich di« englische Landesloge energisch gegen die preußischen Brüder vorzugeben drohte, und wie man erzählt, c» auch gerhan hat, so daß von Seiten des preuß. Großmeister» eilte Einwirknng auf die einzelne» Logen un liberalen Sinn« nattgehabt haben soll. Doch das weiß ich io genau nicht; so viel aber steht fest, daß die Loge Royal Dort in Berlin selt 1873 Juden ausnimmt. Brlgard, 2. November. (Or.-Eorr.) Seit mehreren Monaten beiuchen die jüdischen Schüler des hiesigen ProgymuasiumS meine ReligionSschule sehr unregelmäßig; als Entschuldigung wurde angegeben, der Gymnasialarveiren wären so viel, daß >s uuntöglich wäre, auch »och die jüdische Schule zu beiuchen und deren A»beiten zu liefern. Ich begab mich daher znm Recior des Progymnasiuins und er:achte ihn, doch seinen Einfluß auf die jüdischen Schüler geltend zu mache» und diese zn veranlassen, den Religion-- llnterricht pünktlicher zu besuchen Ich bemerkte dabei, eS sei seine moralische Pflicht, nicht nur die wiffenjchastliche, sonder» auch die religiöse oder moralische Sette deS Schülers zu berücksichtigen. Der Herr Rector wies mich aber kurz ab mit den Worten: „Ich bin nicht compelenl dazu, ich besaffe mich Damit gar nicht." Ich wendete m ch daher au daS Königl. Prooinzml-Schulcollegiuiu zu Stettin, stellte diesem die ganz« Sachlage vor, hob ganz besonders hervor, daß die jüdischen Kinder in religiöser Beziehung (v. h. doch wohl: in Beziehung aus ihre ReligiouStenntnlß! Red.) den christlichen sehr nachstehen, und wie ei» religionsloser Mensch an Leib und Seele Schade» nehme u s w. Zum Schluffe dal ich, deit Rector zu veranlaffen, daß er die jüdischen Kinder zur Pünktltchkeit »m Besuche de» RcltgiouSunlerrichlS anhalle, oder weit» dies nicht ginge, einen jüdischen Reltgionslehrer am hiej. Gymnasium anzustellen. Rach acht Tagen erhielt ich n rchstehenden Bescheid: »In Folge oeS Gesuchs Ew. Wohlg. vom 14. d. M. baden wir dem Rector des dortigen PcogyinnasiumS die erforderliche Weisung gegeben und erwarten, daß derselbe fortan bereitwillig die Hand dazu bieten werde, die jüdischen Schüler de» Progymnasiums, soweit es erforderlich . ist, zur Ordnung und Regelmäßigkeit im Besuch Ihre« ReligioitSunterrlchts anzuhalte». Alle weitere Sorge für di« Belheiltguug der Schüler muß Ihne» selbst überlaffen bleiben. Namentlich kann ein jüdischer ReligionSle,rer am dortigeil Progynlnasiunl nicht allgestellt werden. Königl. Proo.-Schulcollegium." Da dem jüd. Religionslehrer sollst teilte Mittel zu Gebote stehen, dl« Schüler zum Besuche seine« Unterricht« zu zwingen, so niuß und kanil er sich damit schon zufrieden geben. R. Bendit, Rel.-Lehrer. Frankreich. Pari». (Aus dem Berichte der A. I. U. für Octob.) Reue Mitglieder 334, darunter au« Deutschland 144. Propaganda: Hr. Dr. LandSberg-Liegnitz hat Nachricht aus Pest erhalten, daß die dortigen Müglieder, die m letzter Zeit mit ihren eigenen Gemeiube-Angelegenheile» viel zu thun hatten, jetzt wieder der Alliance ihr thätigeS Jnlereffe zuwenden wollen; dagegen hat demselben ein deutsches Eomue seine fernere Unterstützung der Alliance verweigert, weil nach einem Bericht einer deutschen Zeitung in den zu Paris bei der Einweihung der dortig»» neuen Synagoge gehaltenen Pre» > diglen von „Revanche" die Rede gewesen sein soll. — Da» Ceirtral-Eomlte bedauert lebhaft, daß diese» Local-Comite von einem völlig ungenaue» Zeitungsberichte zu einem Jrrthu» verleitet worden ist; auf der Kanzel der qu. neuen Synagoge sind nur Worte deS Frieden« und der Eintracht geiprohe« worden. Das Eentrat-Lomste ist übrigens schmerzlich betroffen, zu sehen, daß man di« Alliance mit Angelegenheiten i» Berblnduug bringt, die ihr absolut fremd find.

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