Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 872 — auf sie selbstverständlich bat Schloß mit Gewalt entfernen ließ. Run stürzte der adelige Herr herbei und überschüttet« sie dr.für mit einer Fluth der gemeinsten Schimpfwörter. Unser Doktor glaubte die Ehre seiner Gattin dadurch repariren zu muffen, daß er den edeln Edelmann zum Duell forderte. Aber dieser erklärte, „als ahnenalter Edelmann könne er sich mit einem Juden nicht schlagen." Ein Ehrengericht von 12 angesehenen Personen wurde vom jüdischen Doktor zur Intervention angerufen. Dasselbe verurtheilte den vlaublürigen zur Abbitte und erklärte, daß ein Jude — wenn sonst ein ehrenhafter Mensch — duellfähig wäre. Der Edelmann gehör:« jedoch, wie et scheint, zum Hasengeschlecht. Abbitte leistete er zwar nicht, dafür aher blieb er zur festgesetzten Stunoe dein, Duell aus. Der Duellplatz wurde hieraus der Sitte gemäß beschaffen, ein Protokoll aufgenoinmen und dem Edeluianne mittelst Estaffete ein Briefchen zugesandt, worin er als Feigling und Lügner erklärt wurde, mit der Echlußbemerkung. daß gegen solche Leute die Waffen nur auf Weidenboumen gewachsen seien. Vermischte und ueueste Nachrichte». Berlin, 26. Octbr. Heute fand die Beerdigung deS in seineui 64. Lebensjahr« so plötzlich dahingeschiedenen Rabb. Dr. Geiger — er wurde, nachdem er Abend zuvor noch einen Vortrag gehalten, am Morgen deS 23. todt im Belle gefunden -- stall In der neuen Synagoge hielt sein älterer College Di- Bub die Trauerrede, an welche Dr. Goldschniidt (Leipzig) einige Worl« knüpfte; am Grabe sprachen Dr. Ungerleioer und, nach einigen Berl. Bl., auch der Vorsitzende der Repräsentanten RechlSanwall Makower. Reubraudoburg (Mecklenburg). Die hies. jüd. Gemeinde, welche für ihren Gottetdienst zur Zeit noch auf gemiethete Räunilichkeiten angewiesen ist, beabsichtigt, sich ein eigene» Gotteshaus zu bauen und gedenkt eine» Theil der Baukosten im Wege einer Lotterie sich zu verschaffen, zu welcher die landesherrliche Genehinigung bereits ertheilt ist. Hamburg, 25. Oktober. (O.-Eor.) Dr. med. H. M. Lohn, als Arzt weit über Hamburg hinaus rühmlichst bekannt und gleichfehr als Mensch hochgeschätzt und geachtet, ist am 20. d. M. nach kur:er Krankheit hier verschieden. Geboren im Jahre 1800, promovirie der Verstorbene bereits mit 20 Jahren und ließ sich daun ein Jahr später als praktischer Arzt hier nieder, wo er seitdem in einem von Jahr zu Jahr sich erweiternden Wirkungskreis« unermüdlich thälig gewesen ist. Wie allgemein di« Liebe, und wie groß die Hochachtung war, welche Herr Dr. Cohn hier und auswärts in allen Kreisen, denen der hochverdiente Mann näher stand, genoß, dafür hat die Feier seines 50jährigen Jubiläums als Arzt im Jahre 187 l ein überaus beredtes Zeugniß abgelegt. Zttaßburg. Die „Köln, Zeit." berichtet über die am I. Okt- .röffaete Realschule, daß dieselbe von 204 Schülern besucht wird, darunter stammen 138 aus Elsaß-Lothringen (104 aus Slraßburg selbst) 9 aus verschiedenen Ländern, die übrigen au« Altdeutschland. Rach der Consessiou sind 119 evangelisch. 62 katholisch, 23 Israeliten. — Ohne die betreffenden BevölkerungSziffern genauer zu kenneu, darf nian doch als sicher annehnien, daß auch in Slraßburg die Zahl der jüd. Schüler dieser höheren Schule ben Procentjatz erheblich übersteigt. köieu (Ein Journalgründer.) Der HandlungSeomuiiS Moritz K o h n trug sich mit dem Gedanken, ein neues Journal: „Der Schnorrer" oder „Plaudereien" zu gründen, miethele sich & conto dessen im „Hotel Tauber" ein, fuhr in Eomfvrtables und machte allenthalben Schulden auf bas neue Unternehmen. Endlich dem Strafgerichte eingeliefert uud wegen Betruges angeklagt, stellte er die Absicht zu beschädigen entschieden in Abrede und meinte, er habe auch Niemanden irregeführl, er habe allenthalben Zahlung versprochen, sobald dat Blatt erscheint, bis nun sei aber daS Blatt noch nicht > erschienen. Der Gerichtshof nahm jedoch den Betrug für er« wiesen an und verurtheilte den jugendlichen Journalgrüuder aut RikolSbnrg zu drei Monaten Kerkers. Italien. Die Deputirtenkammer wird bald wieder neu erwählt werden. Wir wiffen natürlich nicht, wie viel« Israeliten in der zukünftigen sitzen werden, inzwischen wird et nicht unnütz sein, unfern Lesern zu sagen, wie das Verhältniß bet andern diationen steht und wie bei uns. Oesterreich zählt unter 310 Deputtrten 13 Israeliten. Der deutsche Reichstag 7 (davon hat Jacoby abgelehnt.) Frankreich 5, England 5. Seit Italien den Bürgern aller Religionen gleiche Rechte gegeben hat, sehen wir JSraliien im Parlament fitzen. 1861 nach den ersten Annexionen betrug ihre Zahl 6. 1869 unter 493 sieben; in der letzten eben geschlossenen ammer waren unter 508 Deputirten elf JSraelite». (Folgen die Namen.) (Veff. JSr.) Nach dem Verhältniß der Bevölkerung, noch nicht 50,000 auf ca. 27 Millionen, käme auf die Israeliten Italiens eben kaum ein Deputirter. Tiel (Holland). Als einen seltenen Fall theilen wir mit, daß am letzten Sinnhalb-Thora ein vierjähriger Knabe seinen Großvater u. tlrgroßvatcr, welche als min fiin und rrtthOS Tt fungirten, gralulirt hat (Weekbl. v. I. H.) Rumänien Rach dem „Fremdcndlatl"wird dem „Standart" telegraphirt, daß der italienische Eonsul sich geweigert habe, auf Verhandlungen über einen italienisch-rumänischen Handelsvertrag einzugehen, solange die Bedrückungen gegen die Israeliten in den Fürstenthümern fortdauern Die gleiche Erklärung hat für seine Regierung der amerikanische Eonsul abgegeben. Persien. Wir erfahren, daß der Schah sein in Europa wiederholt gegebene» Versprechen rrsüllt hat. Er hat den Pascha» der Provinzen Befehl ertheilt, die Juden auf gleichen Fuß mir den übrigen Uuterthaneu zu behandeln und ihnen in bürgerlicher Beziehung gleiche Rechte mit den Muhamedanern zu gewähren. Wir haben Vertrauen zu dem guten Willen und dem Ernst Sr. Maj, fürchten aber, daß seine Dekret« in Wirklichkeit nicht sehr viel nützen werden. (I. Ehr.) Feuilletou. (ksterka Regina.') Esterka Regina! . . . Wir iraunten sie alle so, wir jungen Schüler, wenn wir in den Sommerserien von den Gymnasien zu Tarnopol und Ezernowitz heimkamen in das kleine podolische Städtlein und später, wenn wir als Student« in Wien zeitweilig zusammentrafen und von den schönen Mädchen der Heimath sprachen, da naimten wir sie wieder mit diesem stolzen, klingenden Namen. Sie hieß aber in Wahrheit Sarah Goldbaum und später, als sie den mageren Chaim, den Ochsenhändler, geheirathet, Sarah Pinkus, und war ein arme» schüchterne» Mädchen auS der .-udengasie zu Barnow. In dem kleinen Häuschen neben der jüdischen Schlächter«' wohnten sie, und ihr Vater, Hirsch Goldbaum war ein Fleischhauer, ein sehr dicker und weg« seiner Grobheit verrufener Mann. Aber das hinderte uns nicht, aus der Ferne für sie zu schwärmen, und die christlich« Elegants von Barnow thaten dasselbe aus der Nähe. Die ledigen Herren vom Bezirks- Gerichte promenirtm in ihren Freistunden nicht in dem gräflichen Gart«, wo es so viel frische Luft und Blumendust gab, sondern in der kleinen Gaffe vor der Schlächterei, wo wentg frische Luft war und durchaus kein Blumendust. Und gar *) Unter dein Titel „Podolische Juden" verSffentlicht Earl Emil Franzos in der „Echtes Presse" zwei Geschichten, deren Abdruck in uns. Bl. die geehrte sieoaction un» sreundlichst bewilligt hat. (Stk.)