Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935819--2388-5371876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

\ r* E- V hat, so scheint die Resolution sammt ihrer etwa» conimunisti- Epitz« gegen die reichen Juden ziemlich überflüssig. Wien. Der 13. Jahresbericht der Verein» zur Unterstützung mitteiloser Stubirender spricht die «tage au», „daß in diese», Jahre die Zuflüsse unsere» Vereine» spärlicher denn je waren, und daß gerade die Jetztzeit größere Anstrengungen bei Unterstützung der Sludirendeu erheischt, da die Theuerung . de» Lebensunterhalte» stet» zunimmt, während da» Einkonimen der Sludirendeu bei de» bedrängten Zeitverhältniflen in steter Abnahme begriffen ist" Ist der Grund dieser Beschwerde auch in den Zeiiverhältniffon genügend gegeben, und mag sie auch die Leiter de» Verein» unangenehm berühren, so hat sie doch nur eine relativ« Berechtigung, wenn man nämlich auf frühere bessere Jahre zurückblickl An sich geben die Leistungen de» Verein« Anlaß, recht zufrieden zu sein. Der Bericht sagt: „Wir haben auch im vergangenen Jahre un» sorgiam bestrebt, denjenigen Hilse und Unterstützung augedeihen zu lassen, von denen wir >,»» die Uederzeugung oerschaffleu, daß sie dieselbe durch ihr Verhalten und ihr fleißige» Sludiu.., verdienen; abgewiesen ivurden nur diejenigen Peleuten, au» deren Vorlagen wir nicht ersehe» konnte», daß sie einer Unterstützung würdig sind. — Vorgelegt ivurden dem Vereine 230 Gesuche, von welchen an» dem vorangegebenen Grunde blo» 209 berücksichtigt werden koniileii. Unter diesen waren: 2 Studirende der Philosophie, 49 Hörer der Rechte, 139 Siubirende der Medizin und 19 Studirende der Technik. Dem Vaterlande nach waren: 2 au« Wien, 3 au» dem Lande Riede rösterreich, 91 au» Ungarn, je 36 au» Böhmen und Galizien, 28 au» Mähren, je 3 au» österr. Schlesien, au» den Donau, ürstenthümer» und Slavonien, je Einer alt» der Bukowina, Dalinarien, Triest und Preußen." — Die Gesammtsummen der Unterstützungen betrugen 3013 fl. Auch hat sich trotz alledem da» Grund-Capital (Jahreozinlen derselben pro 1873/74: 7Ü7 fl) wieder um eine ganz anständige Summe »erinehrt. Die Einnahmen de» Verein» flössen und stießen, di» aus sehr löbliche, aber im Ganzen winzige Ausnahmen, au» Wien selbst; daß bi« Unterstützungen Ort-sremden znfließen, zeigen die obige» Ziffern. — Herr Isaak del Solo in Wien, früher in Amsterdam wohnhaft, har de» Armen der portugiesischen Gemeinde in Amstervani 26,000 st. vermacht. Holland. R. Amsterdam, 20. Del. (Or.-Corr.) vorgestern fand die Versammlung der Repräsenlauten de» synagogalen Bezirk» Rord-Holland zur Wahl eine» Oberrabbiner« hier statt. Boit den 30 Erschienenen mußten zwei, bereit Beglaubigungsschreiben nicht in Ordnung waren oder die rin solche» nicht halten, zurückgrwiesen werden. E» gab keine «anditalen-Liste, jede» Mitglied konnte wählen, wen e» wollte. Die Abstimmung geschah durch geschlossene Stimiu»eitel. Und nun kamen au» der Urne hervor: 20 Stinnnen für Herrn vr. Dünner, 1 für Herrn Oberrabbiner Serenstem in Haag, 1 für Herrn Rabbinatt-Assessor Content dahier, ö in olanco, und eine, die auch al» ungültig betrachtet werden mußte, weil der Zettel den Ramen „vr. Pinner" enthielt, wahrscheinlich von Jeuianden, der Dünner niit Pinner verwechselte. Die Frage de» Prüfe» nach der Abstimmung, ob jemand etwa» gegen die Wahl einzuwenden halte, wurde allgemein oeru«inend beantwortet Herr vr. I. M. Dünner ist deninach zum Oberrabbiner 'de» Provinzial-Bezirk» Rord-Hclland erwählt, trotzdem noch zur eUflcn Stunde ein Gemeint-e-Beamler, zugleich Redakteur einer hiesigen jüdischen Zeitung, auf di« Repräsentanten-Bersammlung im entgegengesetzten Sinne zu iufluiren suchte. Wenn «» noch eine» Beweiset bedarf, beweist diese Abstim- «ung zur Genüge, wie lügenhaft die vehauptuilg in der quasi au» Amsterdani datirlen, in Rr. 80 der „Allgem. Zeit, d. Jud." aufgenonlmene Correspondenz sei, al» wäre unsere Gemeind« „der Schauplatz de« Streite» und «rtegSgetümmel» geworden." Ebenso lügnerisch und verleumderisch ssi die da- I selbst u. A. vorkommendr Behauptung, al» hätte vr. Dünner „feierlichst versprochen, orthodoxe ConfessionSschulen bei un» zu errichten." Besagte Correspoudenz ist von Anfang bi» Ende ein giftige» Gemisch von Erflndung, Erdichtung und Unredlichkeit. Au» nur sehr wenigen Personen bestand tte Opposition gegen die Wahl de» Herrn vr. D. Sie war theil» eine ehrliche d. h. sie stritt mit offenem Bisir«, nur mit wenigen Ausnahmen, mit ehrlichen und parlamentarischen Waffen. Sie gründete sich auf den Umstand, daß vr. D. ein Ausländer sei. Diese» Oppositions-Mittel hat man in der Thal den Opponenten, die Herrn D. nicht genau kannten, nicht so sehr zu verargen, denn sie hatten Grund zur Au»- schließung von freniden Geistlichen in Folge einer etnur dnißigjährigen traurigen Erfahrung. Sie bedachten nicht P]icpn mm °72 *?m Karr "rn* W* Die andere Opposition aber, die sich in „verborgenen Höhlen, finsteren Schluchten und unterirdischen Gängen" aufhielt, „heimtückisch verleumderen, grausam verfolgten, meuchlings angriffen und rückling» ermorden wollte» den Manu, der ihren wegen feine» Wissen» oder Wirkens oder au» irgend einem auderii unlauter» Motive ini Wege stand" — diese Opposition ging nur von b r <; i Personen aus, und — e» thut mir herzlich leid e» sagen j,u müssen — alle drei sind keine Riederlnnaer; e» sind Personen, die geistliche Würde bekleide»; der eine ist ein hier aasässiger polnischer Rabbi, die zwei anderen sind Deutsche. Auch nicht ein Ni-derländer war von der Partei. Und diese Leute schreiben in einem anonymen Artikel: „eine ehrlioze Sache müsse da» Tageslicht anichauen können"! schreiben vcn „Charakter, Humanitär, Moral, Fortschritt und Wissen"! Jeder kann sich sein Unheil selbst bilden! Amsterdam, 21. Oktober. (Or.-Eorr.) Mit Bezug ans meine Correspondenzen in Rr. 35 und 39 Ihrer geschätzten Zeitung kann ich Ihnen iniltheilen, daß nachdem Hr. vr. Dünner sich sofort bereit erklärt halft, die Injurien > «läge gegen vr. L. Philippson zurückzunehmeu und nachher sich, auf Verlangen de» Herrn vr. Ph. auch dazu verstanden, di« Hälfte der bereit» gemachten «osten zu zahlen, Hr. vr. Ph. folgen x schriftliche Erklärung dem Anwalt de» vr. D. in Bonn h»t zukominen lassen: „Bonn, 18. Oct. 1874. Die fragt. Artikel in Rr. 30 de» „A Z. d. Jud " au» Amsterdam erhielt ich vom Oberrabbiner vr. Land»b:rg n Mastricht, der ihn vom Oberrabbiner vr. Fränkel in Zwolle empfangen hatte. Beide» ist brieflich anerkannt vr. Ludwig Philippson, Red. d. ». Z. d. Jud." Diese Erklärung, welche nachdem sie gestern hier ringetroffen, sich wie ein Lauffeuer durch die Judenheit von Stadt und Land verbreitete, hat unter derselben eine außerordentliche Sensation erregt. Die Anklage gegen PH. ist selbstverständlich zurückgenommen. 9faflanb. Warschau Der hiesige „J»rarlita" erzählt folgende pikante Begebenheit au» der Wirklichkeit. Ein sehr geschätzter jüdischer Arzt wohnte im Hause seine» Schwager» unkbesetz daselbst «inen schönen Garte» zur ausschließlichen Verfügung. Im selben Haus« war ein Edelmann «ingemiethet, dem b.-r Doktor au» nachbarlicher Gefälligkeit freien Eintritt in dir, Garten gestattete. Eine» Tage» mußte wegen nvlhiger Gartenarbeiten derselbe verschlossen bleiben, so daß der adelige Herr Nachbar keiuen Eintritt erlangte. Gleich nach g«ndtgter Arbeit sandte ihui der Doktor den Gartenschlüffel, ab:r der Edelmann, beleidigt durch die frühere Absage, wollte ihn nicht mehr arceptiren. E» schien, oaß der empfindliche Hein: vom Garlcn weiter keinen Gebrauch machen «olle. Aber dem war nicht so. Al» bald darauf die Gattin de» Doktor» in den Garten gehen wollte, fand st« ein Hängeschloß an d>w Thür, welche« der Edelmann angrhängt hatte. Sie schickt« um den Schlüssel zu diese« Herrn, aber oha« Erfolg, «or-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.