Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935819--2387-5371875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f 370 — blick. Da- Citratorium empfing die Ehrengäste im Portale, und di. älteste Waisenschülerin begrüßte in «inn rührenden Ansprache den Herrn Ober-Präsidenten, der schon so oft seine Fürsorge der Anstalt angeveihen ließ Um 10 Uhr, nach Beendigung der Morgen-Andacht, wurde die Feier und zugleich ter Einzug in die prachtvoll auSgestattet« Synagoge mit einem Choral, gesungen von den 48 Waisen, unter Begleitung von Instrumental-Musik, eingeleitet. Nach dem Vorträge e niger Psalmen bestieg der Rabbiner der Synagogen- Gemeinre Köln, 0r. Schwarz, die Estrade und dielt die alle Anwese »den lief ergreifenle Weihe-und Festrede. Da-Thema: welche Pflicht lehrt die israelitische Religion gegen Waisenkinder? wurde mit vollendeter Diction erörtert, und die idealen ethischen Anschauungen wirkten »den io erbauend, al» die Historismen Nachweise aus den Bekennt,,ißschristen der Juden eine Fülle von Belehrung darbolen. Patriotische ReminiScenzeu auf den Rüstlag des 18 Oktober und ein eihelinde« Gebet auf den Kaiser, den Vater de« Viterlaudes, und daS fernere Gedeihen der Anstalt bildeten den Schluß der trefflichen Rede. Nach Beendigung des Gottesdienstes ersuchte die Vorsteherin, Fräulein Nalhau, ihre Gäste, die Einrichtuugen der Anstalt in Augenschein zu nehmen und deren Zweckmäßigkeit, verbunden mit mustergültiger Accurat.sie, nnd namentlich die der luftigen schönen Schulzimmer wurden einstimmig lobend anerkannt. Der Herr Ober-Präsident, welcher im Stiftungssaale einen begeisterten Trintspruch aus Se Majestät de» Kaiser erhob, gab auch seinen Gefühlen der Anerkennung für da« unermüdliche Wirken der hochverdienten Vorsteherin und des Cnralori,»»« beredten Ausdruck, und const rtirle di: ausgezeichneten Leistungen des Waisenhauses, das schon längst seine vollen Sympathieen erworben habe. Be: der wachsende» Zahl der Aufnahme suchenden Waisen dürfte es sich wohl empfehlen. eine Separation der Geschlechter vorzunehmen, und die Anstalt für Waisenmädchen der beiden Provinzen nach dem Rheinland — und Köln mit seinen vrrzüglichen Töchterschulen wäre dafür wohl der geeignetste Ort — zu verlegen, da« hiesige dagegen dauernd nur für Knaben bestehen zu taffen. Ein hochmögender Menschenfreund könnte lich durch eine solche Gründung unsterbliche« Verdienst rrwerbeu. Möge er bald gefunden werden! (Köln. Z) Kj,ligSberg i. Pr. Auch die „K Hart. Zeit." enthält «inen Bericht aus Schippenbeil vom 22 Sepl, wonach in der Angelegenheit des dortigen Waisenhauses, insbesondere betreffend den GrundstückSkauf, etwajaul zu sein scheint, wir dieS in mehreren Correspondeuzen der „Wochenjchr." behauptet morden ist Da« genannte woh'.renommirte Blatt schreibt: e Forlexislenz deS vor einige» Jahre» hier aus unvertheilten NothstandSgeldrrn begründeten „Israelitischen Provinzial-WaisenhauS" scheint ernstlich bedroht zu sein, und eS ist fraglich, ob die auf Ende b. Mt« anberauulte Generalversamuilung »n Stande sein wird, der bedrohlichen Lage de« JnstilnlS, da« gegenwärtig 18 Zöglinge enthält, völlig abzuhrlfen. Die pekuniäre Lage der Anstalt wurde hauptsächlich veranlaßt durch den neulich«» Ankauf einer AnstaltSgedäude« für die «nornie Summe von 12,000 Thlr:, da« nach dem Unheil ron Sachkennern kaum die Hälfte des Preises werth sein soll, ii« Folge deffeu auch bereits die drei Vorstandsmitglieder: Kaufmann K. Brinn Hierselbst, Redakteur 0r. S lbermann in Lyck nnd Fabrikant Weinstein in Insterburg ihre Function:» niedergelegt haben. Letztere Beiden hatten noch kurz vor chrem Austritt aus dem Vorstande den Antrag gestellt, das hiesige Jnstituaufzulösea und den Anschluß desselben an d,S Königsberger Waisenhaus anzubahnrn, waren aber mit ihrem wohlgemeinten Rathschlage in der Minorität geblieben." Hegktchei» (Elsaß). Am 29. Sept. ist hier ein Asyl für arme Israeliten feierlich eingeweiht worden. Nachdem fett der Annexion der größt« Theil der vermögenden Jsraelüen auS-i«wandert war, und zwar zumeist »ach der Schweiz, war die einst wohl situirte Gemeind« verarmt. ES wurde daher vor zwei Jahre» die Gründung der bezeichneten Anstalt angeregt und monatlich durch reiche Beisteuern von Glau» benSgenoffe» in Basel so gefördert, daß ein sehr schöne« Gebäude ausgesührt und eingerichtet werden konnte. Man hat daraus circa 40,000 Francverwandt, wovon nur ein kleiner Rest zu decken ist; die. Anstalt ist vorlänfig ans IS Pfründner berechnet, nnd für die nächsten S Jahre sind einstwetlkn je 5400 FrcS an Beiträgen zugesicherr. Zur Feier halte» sich die Israeliten von Hegenheim und dem benachbarten Basel zahlreich eingefunden. Der OrlSrabbiner Nordmann hielt die Weiherede, und der Baiitier Dreyfu» au« Basel, welcher an der Spitze de« Comiles gestanden hatte, erstattete Bericht über die Gründung der Snftalt Er erivähnte, daß auch Christen namhafte Beiträge gespendet hatten und erzählte unter andern folgenden rührenden Zug: Eine israelitische Wittwe, bei welcher sich die Collecteure eingesunde», batte einen jährlichen Beitrag an die Unterhal« tung«kosten der ersten fünf Jahre gezeichnet, nachher bel'anu sie sich aber eine- Andern, suchte die Collecteure auf, bevor sie »och den Ort verlaffen Hallen, und brachte ihuen den Betrag für alle fünf Jahre mit dem Bemerken, sie wisse nicht, ob sie noch so lange zu leben habe, und wünsche, daß die Anstalt auch nach ihrem Tode fortbestehe. Würzbnrg, den 26. Oktober Dir gegen den ultra montanen Agitator, Caplan Dr. Ritter, vom Äppellgrrichl in Bamberg wegen Vergehen« gegen die öffentliche Ordnung veranlaßte schwurgcrichtliche Verhandlung fand heule statt, derselbr wurde von den Geschworenen für schuldig erklärt und vom Gerichtshöfe zu einer Strafe von einem Monat Gefängniß verurthcilt. Dr. Ritter brachte als Redacteur de- „ultramoiltaneu Fränkischen BolkSblatteS" dahier niedrere Aufsätze unter dem Titel „NatioualliberaliSmu» nnd Juoenschaft," welche eine äußerst gehässige Besprechung deS Judenlhum« in seinen Beziehungen zum modernen Staat der christlichen Bevölkerung enthalten und in dem Schlußsatz culminiren, „die Christenhetz« sollte sich eigentlich in Jude „Hetze verwandeln." In dieser Auslaffnng wurde denn auch ei» Vergehen wider die öffeutl. Ordnung besunde» nach ß 130 de» Reichsgesetzbuche». Oesterreich. Wie», 24 Oct. Im Gemeinderathe gab die Frage der Einweihung oder Richleinweihung de« Zenlralfriedhose« Anlaß zu einer lebhaften Diskussion. Daß der an» Kommunalmittelu errichtete kostspielige Friedhof nicht einer einzelnen Konsefflon überwiesen werdrn könne, sondern interkonfessionell bleiben müsse, schien selbstverständlich. Wenn man aber auch diese- Prinzip nicht anzugreifen wagte, so wmd« doch katholifcherseit« da« Verlangen gestellt, den Friedhof einzuweihe«, während die Israelis Gemeinde die Zuweisung eine« besondere» Areal» forderte. Die radikale Partei de» Gemeind»- rathc» wollte aber nicht nur einen intertonfejsionellen, sondern einen konfessionslosen Friedhof, d. h. derselbe sollte auch jeder Weihe oder Einsegnung entbehren, während di« Majorität doch sich scheute, da« Begräbnis in ungeweihte Erde einzuführen. Die Friedhofs-Kommission traf daher den Au«wrg, daß sie oorschlug, den Friedhof von allen Konfessionen rinweihe» zu laffen, wenn diese nämlich wolle»; der i«r. Gemeinde wurde ein abgesonderte« Areal zugewiesen, für welche« die KultuSgemeinde 60,000 fl. zu zahlen hat — Der sogenannte Riederösterreichische BolkSverein, eine au« katholisch-politischen Elementen bestehende Bereinigung, hielt gestern Abend« bet Dreher eine Versammlung wegen der FriedhofSsrage ab. Der Schluß der angenommenen Resolution lautet: „Die Katholiken Wien« in ihrer Uederzahl können die Erwartung gebührender Rücksichtnahme umsoweniger aufgeben, al« sie ja doch nicht voraussetzen wollen, der Gemeinderath von Wien, der katholischen Hauptstadt, werde die katholischen Mitbürger schlechter behandeln, al« die kleinere, aber reichere Confesfion der Juden." Da der Gemeinderalh bereit« die katholisch« Einweihung de« Friedhöfe» dm» fürsterzbtschöflicheu Ordinariat« zugrstande.