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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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drang, daß da» Gebet d«r volle, wahre Ausdruck der Befühle »ad Meinungen fei. Wenn da» Fastengebot de« Jomkippur todtgefchwiegen wurde, so muhte da» Gebot der Tagetfeier folgen und Feiertag« überhaupt? — Da» letzte Wort, wie lautet e«? Beten, GotieShau«, Andacht?.da» letzte Wort II Besprochen ist e» nun freilich und geschrieben — aber fo ist r» hier nicht gemeint. Ohne allen Zweifel gehört eben darum und schon darum G. zu denjenigen, über die ein Ur< thril sich nicht fällen läßt, wenn die letzte Scholle aus den Sarg gesalle». Er wird uoch lange dauern, bi» über sein Wirken und seine Bedeutung da» letzte Wort gesprochen wird. Die Absicht, rin Todtengericht hier halten zu wollen, liegt un» sehr fern, daher lieber noch ein paar anerkennende Worte über die Bedeutnng, die B. ganz unzweifelhaft für den Entwickelung-gang der Judenheit und für die jüdische Literatur besitzt. Diese Literatur, diese Wisseilschaft, sie lagen ihm offeubar und trotzalledem mehr am Herzen, als Eultusresornien u. drgl. Immer kehrt er wieder zur eingehenden Beschäftigung mit Texten, Schriften, Manujcripten, Fragmente» rc. rc. zurück, die für seinen Standpunkt längst jeglichen Werth, jegliche Bedeutung verloren haben muhten. Fast sich selbst zum Trotz beweist er immer wieder die Zulässigkeit einer unwesentlichen EultuSänderung selbst auS halb verschollenen PoSkim. Unbestreitbar ist die Vielseitigkeit, ja die Allseitigkeit seines Wissen«, seines OricntirlseinS auf allen Gebieten jüdischen GeistlebenS in allen Zeiten, nach allen Richtungen. Unbestreitbar gehört er in erster Linie zu denjenigen, die die Aufmerksamkeit christlicher Gelehrtenkreise, auch der abgünstigsten, auf die Winke und Ansichten jüdischer Autoren lenkten, sich jene erzwange». Derartiges und Sehnliches über di« Bedeutung Geiger'» knüpft sich, da e» in eine jetzt schon ziemlich weit zurückliegende Zeit reicht, am besten an persönliche Reminiscenzeir — wir tragen sie gelegentlich i»ach. Berichte uud Correspondenzeu. Deutschland. Poseu. Bekanntlich ist bei einem jüdischen Bankier kürzlich «in kolossaler Diebstahl verübt worden. Die „Wochenschrift" halte keine» Anlaß darüber zu berichten; nachstehende in der „Tribüne" unter der Ueberschrist „Fassung im Unglück" milgetheille Darstellung dürseu wir jedoch unsern Lesern wohl nicht vorenthalten. „Verschiedene europäische Städte haben sich bis auf den heutigen Tag in manchen Dingen ihre allen Traditionen zu bewahren gemuht; einzelne Strahen, selbst größere Städte zeigen »ach ihrer äußeren Physiognomie, daß die Eultur, die alle Well beleckt, daselbst noch nicht ihren friedlichen Einzug Sehallen hat. So haben sich in den Städten Prag, Frankirl und namentlich in Posen noch Ueberbleibsel jener Juden- GhetloS conservirt, vor welchen man heu»e theilS staunend, thellS fragend in Anschauung versunken steht. Und doch schlägt ost in den Herzen der Bewohner dieses Quartiers ein aufrichtiges Gefühl für Pflicht uud Ehrlichkeit, und an mancher derartigen Stätte kann man bas Wort des Dichters bewahrheitet finden: „Tief wurzelt in unserem Volte die Familie". Belanntlich ist vor mehreren Tagen der Bankfirma Saul zu Posen, deren Bureaux in einem Hause in der Judenstraße zu ebener Erde liege», durch einen nächtlichen Einbruch der Eiserne Geldschrank mit einem Inhalt« von 150,000 Thalern in Effecten und baarem Geld« gestohlen worden. Der Inhaber der Firma Saul, Herr L, gehört einer strimg orthodox israelitischen Familie an, au» deren Schooh so mancher treffliche Rabbiner heroorgegangen ist. Al« Herr L am Morgen nach dem verübten Diebstahl sich von seinem Lager erhob, uni dem alten UsuS gemäß den Frühgottesdienst in der Synagoge zu besuchen, war ihm in der Eile noch nicht» von dem ihn so lart betreffenden Schlage bekannt gewesen. Mit gewohnter Andacht sandte Herr L inbrünstige Gebet« zu Jehovah; zu Hause augelangt, wurde er unter Schluchzen und Thränen von seiner Faiuilie empfangen, welche ihn oon dem Diebstahl benachrichtigte. In dem Gesicht« de» frommen Manne» verrieth keine Miene irgend welche innere Bewegung, mit Ruhe und Fassung sprach er die Worte: „Der Name de» Herrn sei gelobt." Dann griff er nach seinem Schlüssel und schloß damit thränenden AvgeS eine in seinem Privatbureau befindliche Schublade auf. Plötzlich verklärte sich der Blick de» Manne«, waren doch die ihm von kleinen Leuten als Depot« übergebenen Pfandbriefe und Goldsachen den Argusaugen der Diebe entgangen. Bewegt ries er auS: ,Jch danke Dir, Gott, daß Du diese Armen in Deinen Schutz genommen hast." I» der Stadt Posen hatte man allgemeine Theilnohme für den schwergeprüften redliche» Mann, welcher durch den Diebstahl m» sein ganzes Vermögen gekommen war. Die angesehensten Firmen Posen» traten sofort zusammen und stellten Herr,» L. die Summe von 30,000 Thlr. zur Disposition, damit derselbe sein Geschäft weilcrsübre» kann Bis jetzt sind Herrn L. nur gegen 35,000 Thlr. de» gestohlenen GeldkS wieder zugestellt worden." (Jetztschone 100,000.) Fraukfurt a. M., 23. Oktober. (Or.-Corr.) Wenn Völker sich oft uni die Ehre von Erfindungen, um die Nativnalität der Erfinder streite», warum soll in Ihrem Blatte eine von einem JSraeliten gen,achte Erfindung von Bedeutung unerwähnt bleiben. Die „Franks. Zeit." bringt hierüber unter der Ueberschrist: „Ein neue» Rettungsboot" Folgende»: „Eine Erfindung von unberechenbarer Tragweite, deren Principien über kurz oder lang unser« ganze Schiffsbaukunst in andere Bahnen zu lenken bestimmt sein dürften, hat unser Mitbürger, Herr Joel Sander, gemacht. Derselbe hat den Plan zu einem Rettungsboote entworfen, über dessen Detail» wir zwar einstweilen noch diScreteS Schweigen beobachten niüssen, oon dessen Construklion wir aber im Nachfolgenden wenigstens einen Bericht geben wollen Die leitende Idee de» Erfinder» ist genial, er bekämst den Sturm durch den Sturm und zwingt da» feindliche Element, sich feinem menschenfreundlichen Gedanken dienstbar zu fügen. Dann, wenn jedes andere Fahrzeug unbrauchbar ist, im ärgsten Wüthen de» Sturme», wenn selbst Lootsen gesetzmäßig ihren Dienst versagen dürfen, beginnt die eigentliche Wirksanikeit des neuen RetlugSbooteS. (Wir lassen den Passu» über die Eonstruttion des Boote» als nicht in chieseS Blatt gehörig weg.) Herr Sander hat seine Erfindung den Scebehörden in Triest zur Begutachtung unterbreitet; dieselben haben sofort das Gesunde und Kernhaste der Idee erkannt und den Erfinder zur Einsendung von Spezialplänen und eine» Modells ausgefoidert. Zeichnungen und Modells werden augenblicklich ausgearbeitet. Hier in Frankfurt hat sich Herr vr. Böiger auf das Günstigste dieser neuen Erfindung ausgesprochen. Sander ist ein religiöier Jude, Besitzer einer tlrinen Buchdruckerei, u. stammt.au» Pieschen. Er begibt sich wahrscheinlich selbst nach Triest, um den Bau de» ersten BioteS zu leiten. Ich berichte Ihnen über den Erfolg später. Paderborn, 17. Oct. Das israelitisch« Waisenhaus für die beiden Provinzen feierte heule wiederuni einen Ehrentag. Die Vergrößerung der Anstalt erforderte auch den Umbau der Synagoge, und die Einweihung derselben versammelte eine auserlesene Schaar hochstehender Gönner — unter wei chen der Ober-Präsident oon Westfalen, Herr oon Äühlwetter, Excellenz, der Provinzial-Schulrath Dr. Schulz nebst den Spitzen der städtischer Behörde — in ihren Räumen. Da» Hau», geschmackvoll decorirt, gewährte eine» malerischen An-

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