Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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®eu* „an fich solche Gewaltakt« im vürgermetsteramt« erlaubte? (Siebt'« denn in Oesterreich nicht auch höhere und höchste Gerichtsbehörden, di« in letzter Jrstanz solche Flegelhaftigkeit gebührend bestrafen?) Schweiz. Pruntrut (Porrentruy). Am 3. September hat auch hier di- Einweihung einer neuen Synagoge stattgefunden. E« wolnen in Pruutrut 32 jüdische Familien, inSgesammt 1871 au« dem Elsaß Ausgewanderte, sie haben da« sehr schöne Gebäude ganz au« eigenen Mitteln aufgesührt. Die Weihe- Predigt hielt der Gr -Rabb. L e v i au« Besoul, welcher bekanntlich auch seme Stelle in Eolmar verlassen hat und nach Frankreich ülergefiedelt ist. Die Predigt liegt gedruckt vor un« Sie spricht von Nächstenliebe, Brüderlichkeit und RechtS-Gleichheit, von den Grundideen de« Judenthum«. Sie klagt mit den vor« Boden der Hemiath Gewanderten Gut, daß sie in einem cbgelegenen Winkel de« Berner Jura gehalten worden ist, e« wäre sür di« „ASin. Zeit." und manch andere« Blatt Stoff zu Ausfällen auf Juden gegeben. Wir freilich werden, stet« ungescheut, an Andern ehren, wa« wir an den unsrigen preisen wiirden, werden über den Grund patriotischer Gefühle nicht rechten, und über den Schmerz Derjenigen, der den Heimathdoden au« Anhänglichkeit an da« Land, welches ihm Vaterland ist, verlassen hat, nicht anders als mit Achtung reden; da» Gegentheil zu thun, gilt un« für Gemeinheit. — Daß ein israel. Prediger darum doch keine „Revanche"-Predigt halten, nicht von Krieg und Erobetung reden, ans eine blutige Restitutiou vertrösten wird, versteht sich für un«, so lange und weil wir Israeliten find, ^ganz von selbst Interessant find auch hier wieder die Aeußeruvgen der Lokalblätter, je nach ihrem religiös-politischen Standpunkte. Anerkennung, volle« Lob, findet die Feier und die Pr.digt in allen. Run aber die Nutzanwendung! Da» liberale Blatt sagt: So hören wir von dem Priester einer so lange verfolgten Religion nur Wort« der Lied« und de« Frieden«; möchten fie bei unserer ganzen politisch-religiös zrrklüfteten Bevölkerung Beherzigung finden." Da« klerikale Blatt sagt: „Möchten die Allkatholiken und Liberalen, welche dem jüdischen Redner Beifall zollten, al« er von Brüderlichkeit sprach, e« fich merken und un« nicht länger verfolgen, unterdrücken, orrauben." Skutzlaud. Warschau, 18. Oktober. Reuerding« find nach einander mehrere Regt-rung-erlaff« erschienen, welche die Beschränkung der ErwrbSlhäligteir der jüdischen Bevölkerung in Litlauen nnd den südwestlichen Gsuvernenient» oder die Verschärfung der staal ichen Aufsicht über dieselben bezwecken. Ich habe bereit« eine« solchen RegierungSerlaffe« erwähnt, durch welchen de» Juden da» Halten von Dorfschänken verboten wird. Ein zweiter Regierung«erlaß beschränkt die jüdischen Pachtungen von Landgütern. Durch «inen dritten RegierungSerlaß werden di« Juden von Beschäftigungen beim Telegraphendienst au«g«schloffen. Unterm 12. d M. find nun auch, wie Petersburger Blätter berichten, neue und strenge vestimniuugen in Betreff der genaueren Führung der Seelenliftcn der jüdischen Bevölkerung crlaffen worden, weil man sich überzeugt hat, daß die bisherige Führung dieser Seelenlifteu, die hauptsächlich den Synagogengemeinden oblag, keine Guranlie für ihre Voll tändigkeil diele», und namentlich die Ausführung de» Gesetze« über die allgenieiue Militärpflicht in Bezug auf die jüdische Bevölkerung unmöglich macht. (Ostsee-Ztg) Vermischte uud neueste Nachrichten. BcrIU, 38. Ccfetcx. »«dbtuer heut« fril) plötzlich verschiede». - »r. «br. «ei,er ist Hamumer, 16. Ort. (Or.-Eorr.) Der Provinziallandtag hat in Folge einer Petition de« Landrabbiner Dr. Meyer den jährliche« Beitrag für da« jüdische Synagogen- und Schulwesen von 8000 auf 5500 Thlr. erhöht. Da« jüdische Lehrer- Seminar erhält jetzt jährlich 2500 Thlr. aut dem Priotnzialfond«. — Von dem Oberpräsidenteu find der UnterstützungScasse für jüdische Lehrer vierzig Thai e r zugewandt, von den 500 Thlr., di« ihm vom Kaiser bei seiner jüngsten Anwesenheit Hierselbst für milde Stiftungen rc. zur Bertheilnng überwiesen waren. — Tbvr», 18. Oktober. Heute haben wir eine Zierde unserer Gemeinde, Rabbi Hirsch Kalischer, den in talmudischen Wissenschaften ergrauten und besonder« durch seine Schriften für die Eolonisation Palästina'« weithin rühmlich bekannten jiidischen Gelehrten zu Grabe getragen. Er hätte im Riffan seinen 80. Geburtstag gefeiert; er folgt« seinem Jugend- und Studienfreunde R.Elia Guttmacher nach 12 Tagen inS JeseitS! .1212'? D’P'UC “I2T Nürnberg, 13. Oktober. Vor dem Schwurgerichte in AnSbach fand gestern die Verhandlung wegen Zweikampfe« gegen den Studenten Eugen Block von vrulhe» (Schlesien) statt, welker in einem am 13. Juni d. I. in Erlangen stattgehabten Pistolenduelle seine» Gegner, den Studiosen Lang von Landau, verwundet hatte, so daß derselbe nach wenigen Stunden den Geist aufgab. Mitangeklagt waren der Eartellträger und ein hiesiger Apotheker wegen Theilnahme am Zweikampfe durch Beschaffen, von Waffen und Munition. In Folge de« Wahrspruches der Geschwornen wurde Block de» Verbrechen« des Zweikampfe« im Sinne de« Artikel« 206 de« Reich«- Strafgesetzbuche« für n i ch t s ch u l d i g erkannt, dagegen wegen des Vergehen« des Zweikampfe« zu einer Festungshaft von einem Jahre unter Abrechnung der Sltügige» Untersuchungshaft verurtheilt und die vorläufige Haftentlaffung angeordnet. Die Theilnehmer wurden ganz freigesprochen. Wien. fPrediger-Mannheimer-Stiftung ] Am 17. Oct. kamen die Jntereffen dieser Stiftung zur Vertheilung. Da« Kapital beträgt jetzt im Nominalwerthe 19,000 fl. Die Zinsen diese« Kapital«, Jahresbeiträge nnd Spenden machten e« dem Curatorium möglich, in diesem Jahre 1000 fl. zu vertheilen. Es gingen ein 34 Gesuche, davon wurde» 18 berücksichtigt, und zwar 6 Lehrer, 3 Lehrerwiitwen, 3 Rabbiner uud 6 Rabbinerwittwen. Es erhielt 1 Bittsteller 200 fl., 1 Bittsteller 100 fl., 12 je 50 und 4 je 25 fl. Lemberg. 13. Octob. „Um den Hetzereien von Seiten der polnischen Blätter gegen die galizische Judenschafl, di« hier an der Tagesordnung sind, oorzubeugen, wie im Jntereffe der Verbreitung jüdischer Volksbildung sehen wir un« auf Anrathen der bedeutendsten hiesiege» Eapacitälen veranlaßt, hier ei» Blatt versöhnende» und vermittelnde» Eharakter« herauSzugeden, welche« von Woche zu Woche abwechselnd unter dem Tttel: „Jüdische Preffe" und „Reue jüdische Presse" erscheinen wird." So schreibt un« der Herausgeber Hr. Jak. Sperling und mitunterzeichnet ist der wohlbekannte hebr. Dichter Herr Rath. Samuely. Ein Blatt von jeder Serie ist erschienei» und liegt un« vor. Beide find uiit hebr. Buchstaben gedruckt — offenbar vedürfniß für die einer ändern Schrift nicht Kundigen — die „Preffe" spricht in jargonähnlicher Satzbildung einigermaßen auch Wortsorm, die „Neue Pr." in reinem deutsch, aber sehr einfachem, faßlichem Stil. Inhalt: politische, lokale, jüdische Nachrichten, Feuilleton u. s. w Unter de», versöhnlichen Charakter scheint man da« Streben zu verstehen, den Polen nicht Gleiche« mit Gleichem in Worten zu vergelten; ein einleitender Artikel spricht sehr schön über die Liebe zu dem Heimathlande — quand inöme, setzen wir hinzu, und zwar auch unsrerseits mir ganzem Herzen. Wie lange ist «» denn her, daß e« bei un« viel beffer gewesen? — — Hr. Aron Dornzweig hat eine meisterhafte hebräisch e Uebersetzung de« in Rr. 27 der „J«r. Wochcnschr." erschienenen Kompert'schen Gedicht« „da« Waisenkiird" verfaßt und im „Hamagid" veröffentlicht.