Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Verteil. Am 6. t>. M., Morgennach dem Frühgebet« wurde der Grundstein zum neuen Trurpzl, feieitchst» gelegt. Der tüchtige Redner, Rabbiner Eav. Levt, hielt ein« außerordentlich anregende und schwungvolle Festrede. Der Bericht über den Vorgang der Grundsteinlegung wurde in italienischer und hebräischer Sprache verlesen und unterschrieben und hier» auf in eine bleierne Kapsel gethan, die in den Grund de» Vaues hinabgescnkt ward. Dann wurde der erste Stein gelegt, auf welchen der Rabbiner und der Präsident der Gemeind« die erste Schicht Kalk thate», worauf sie den vorgeschrtebenen Eegen-spruch verrichteten. Die Feierlichkeit hintersteb einen erhebenden und tief empfundenen Eindruck (B.J) Amsterdam. Dr. Dünner ist definitiv zum Oberrabbiner erwählt. Nähere« im nächsten Bl. Feuilleton. ' Wilde Seiten und milde Herzen. (Schluß.) Nach drei Monaten war der Eapitän vollständig wiederhergestellt. er hinkte nur noch ein wenig. Vom ersten Tage Suckolh bi« Milte Tebetb hatte er theil« aus dem Krankenlager, lheii» das Zimmer hütend sich im Hanse de« Rabbinen ausgehatten. Der Arzt rieth ihm, im Sommer Seebäder zu nehmen. Am 20. de« genannten Monat« schickte er sich zur Abreise a». Bevor er da« gastliche Hau« verließ, bezahlte er den Arzt und den Krankenwärter in generöser Weise, machte Alle», die ihu während seiner Krankheit besucht hatten, zum Abschied seine Auswartung, dankte ihnen und versprach, später einmal wieder nach Reichshosen zu komme». Am a»d«rn Morgen kam er zu R. Jakob Aron hinunter und bat ihn, nunmehr die Rechnung über die Kosten, welche er ihm während dreier laugen Monate verursacht habe, zu reguliren. „Wenn Sie mich nicht beleidigen wollen, sagte der Rabbiner, so reden Sie »nr weder van Rechnung, noch von Kosten." „Rehmen Sie wenigsten« Ihre baaren Auslagen bezahlt." „Ich habe schon gesagt, daß ich jegliche Bezahlung zurückweije." „Ich werde gehorchen, weil Sie e« so wollen. So haben Sie denn die Güte, mir noch eine einzige Gunst zu erweisen." „Die wäre?" „Begleiten Sie mich gütigst zu Ihrer frommen Tochter, damit ich sie wegen meine» tadelnSwerthen Betragen« gegen sie persönlich uni Verzeihung bitte." Der Rabbiner bewilligte diese Bitte. Iw Hause Beracha'S angelangt, verneigte sich der Eapitän ehrerbietig und sprach: „Tugendhaft« Frau, ich bitte Sie, mir dir Beleidigung, die häßlichen Redensarten, die ich mir gegen Sie erlaubt habe, zu verzeihen. Sie werden von meinen« Gewissen einr schwer« Bürde nehmen, «venn Sie mich »ou meinem groben Fehltritt sreisprechen." veracha sagte schüchtern und ohue aufzublicken: „Mein Herr, ich hgbe Ihnen, bereü« rxrziehen." „Und dies« vertrocknete Frucht, sagte der Eapitän, indem er dieselbe hervorzog, soll da» Zeichen unserer Versöhnung seiu. Leben Sie wohl, verehrte Frau, ich danke Ihnen!" Der Eapitän setzte sich in «inen Wagen, drückte dem R. Jakob Aron noch einmal die Hand und küßte sie — und fuhr auf der Straße nach Weißeuburg ab. Ungefähr einen Monat später kam ein Brief von ihm au» Frankfurt an den Rabbiner an. Der Eapitän meldete in demselben, daß er sich eben anschickr, von dieser Stadl au« tu seine Heimath zu reisen, um, ganz so wie er noch auf de» Krankenlager sich vorgenoinmen habe, sein Erdtheil zu veräußern und sich dann in Holland niederzulaffen. Er sprach wiederholt seine Dankbarkeit gegen die ganz« Gevzeinde Reichshofen au«, und versprach eine« Tage« wiederzukommen. Dann hörte u«an nicht« weiter von ihm. Man verlor sich in Muthmaßungen. Einig« glaubten, der Eapitän niüss« nicht mehr am Leben sein, die Krieg«! äuste hätten ihu wolfi hiniveggerafft, sonst würde er schreiben oder seinen oersproch» nen Besuch machen. Daß er undankbar Alle» vergeffen könne, selbst wenn er wieder in den Kriegsdienst eingetreten sei» sollte, hielt Jeder für unmöglich. Am Purim 8398 (1638) gegen Mittag hört« man da» Rollen eine« mit zwei Pferden bespannten Wagen«, welcher auf da« Hau« de« Rabbinen, der eben bei Beracha war, z«ifubr. Ei» voruehni gekleideter Herr stieg au« und ließ vor seinem Diener zwei große Koffer adladen. Sara Lea trat an die Hau-thür nnd rief: „Mein Goti, der Eapitän, unser Eapitän! Treten Sie ein, mein Manu kommt gleich, er ist bei unserer Tochter." „Wie geht e» Ihnen allen, theure Freunde? fragte der Eapitän; ist Alle« wohl?" „Gott sei Dank, erwieverte die Frau de« Rabbiners, wir sind Alle ganz gesund." Jetzt erblickte der Eapitän den »ach Haufe kommende«: Rabbiner, eilte ihn« entgegen, umarmte ihn und sprach halb leise mit tiefer Rührung: „Ich heiße jetzt Abraham der. Abraham." „Seien Sie willkommen, theurer Glaubensgenosse, treten Sie mit niir ein und erzählen Sie mir Ihre Schicksale in Ruhe" Der Capitän zog ein Pergament hervor, unterzeichnel von dem Oberraboiner von üuisteroam und seinen Dajauim (Assessoren), welche« beschein gle, daß der Inhaber pünktlich allen den Gerin« obliegenden Pflichten genügt habe, hohe Religiösität zeige und unter die 6er« Zedek zu rechnen fei. Abraham zeigte ferner ein schöne« Etui von Email, >vrlchc« den trockenen Paradiesapfel, den Beracha an« ersten Laubhütte ^l-sttage in die Synagoge mitgenommen hatte, einschloß; er trug e« stet« bei sich. Er verlhrilte an Alle, welch« ihn seiner Zeit besucht oder ihm Freundlichkeiten erwiesen hatten» Geschenke. Der Arzt und der Krankenwärter wurden auch iticht vergeffen. Auf die Empsehlung de« Rabbiner« erhielten die Armen au« Ober- und Riederdronn, Eichbach, Gaustall und einige andere, sowie die armen Christen in Reich«hosen ihren Anlheil an der Freigebigkeit de» ehrmaligen Capitän« Am Purivlabend wurde zu Ehren de« neuen Genoffen eine prächtige Mahlzeit von dem Parneß (Vorsteher) gegeben, der zur Erhöhung der Festlichkeit die gauze Gemeinde und einige Arme au« der Umgegend eingeladen hatte. Am folgenden Sonnabend wurde Abraham beim Morgengebete zur Tbora aufgerufen und machte folgende Spenden: Der Gemeinde Reichühosen 280 Gulden, um ein neue« Sepher schreiben zu laffen; (er bat den Rabbiner, sich mit der Verwendung de» Gelbe« zu diesem Zwecke zu befaffen, den Sopher (Schreiber) zu wählen, auch den etwaigen Rest der Sunlme an Arme der Umgegend z>t vertheilen); ferner 80 Gulden zur Anschaffung eine« Kronleuchter« für die Frauensynagoge; dem Vorbeter (svsd.N '*?) 100 Gulden; dem Synagogendikner 80 Gulden; dem Männerverein 180 Gulden und ebensoviel einem sich bildende» Frauenverein; der armen alten Malka von hier, welch« jetzt 10« Jahre 7 Monate alt ist, eine Unterstützung von 100 Gulden. Rach einigen Tagen reiste Abraham wieder ab. Er versprach, mit Gotte« Hülfe zur Einweihung de» neuen Sepher wiederzukoiumeu." So weit geht da« auf diese Begebenheit Bezügliche im zweiten Theile der Handschrift. Im ersten, au« dem ich Bruchstücke mitgetheilt habe, steht folgende Notiz: „Eabbath Nachmu 8397 (1637) war hier in Reich«- hofen di« Einweihung der neuen Thorarolle de« Gor Zedek Abraham den Abraham, der mit seiner Frau au« Holland gekommen «var. Im zweiten Theile werde ich vou der merkwürdigen Geschichte diese« Manne« mehr erzählen. (Raphael Blum, Eantor zu valbroua. — „Univ. Jsr.')