Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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"5»''^' '•’TTWfW v-'-'. ’*-, - * . ' - ' ■■.- — 363 — schmückt. Herr Oberbürgermeister Bachem sprach bei der Ueber gabr derselben an die israelitische Gemeinde beherzigenSwerlhe körte »nd betonte das Enigegenkoninie» der städischen Be- - Hörden, welche den langgehegte» Wunsch der Synago gen-Gemeindr erfüllt und mehr gethan, als sie gesetzlich verpflichtet gewesen wären. Die Einweihungsrede, gedankenreich «nd präcise, wurde von dem Rabbiner vr. Schwarz gehalten, der den Bau dieser Anstalt einen Triumph siegender Gerechtigkeit und ein Zeichen drS Frieden» der verschiedene»» Lonfrssionen nannte; wenn die Ährenden in der confessionellen Schule ihre Aufgabe richtig erkennen und al« Pioniere der Lultur und Bildung, als Kämpen gegen Unwissenheit nnd Lieblosigkeit da» empfängliche Herz und den bildsamen Geist der ihnen anoertrauten Jugend für reine Gottesfurcht und wahre Menschenliebe erwärme» und erleuchten, dann befinden sich diese Anstalten in vollster Harmonie mit den Anforderungen der Gegenwart und können tnrch die Thal den Vorwurf der Ausschließlichkeit von sich weisen. Schon da« Alterthum hat die hohe Bedeutung der Schule erkannt und in der Jugend die wahren Träger der Zukunit erblickt *) Schulinspector Ehargä, anknüpfend an die Worte de» Vorredner», rühmte die groben Leistungen der Stadt aus dem Gebiete de» Unterrichtwährend de» letzten DecenniumS und zollte dein Ober- Bürgermeister den Dank für seine Unterstützung. Ein Ehoral eröffnet« und schloß die Feier. (Köln Z.) Oesterreich. DttS. (Siebenbürgen). Ein Eorrespondent berichtet der „Jew TimeS" zioei SenfaiionSgefchichten; die erste angeblich nach den gerichtlichen Verhandlungen Eine jüdische Frau in einem Dorfe unweit Klansenburg halte einen Knaben geboren. Am siebenden Tage begab sich der Vater in die Stadt, um einen Mohel zn de'orgen und sonst alle» zum Feste Rölhige milzubringen. Er mußte über Nacht auSbleiben. Diese» Umstand suchte die Hebamme, die Frau de« Nachtwächter», zu benutze», um den für vermögend geltenden Dorfjuden zu berauben. Sie zog die Frau de» DorfrichlerS ins Eomplott, beide Ä.iber drangen Nachts, al» Männer verkleidet nnd mit geschwärzte» Gesichtern, in da» Hau», und forderten unter Drohungen von der Wöchnerin Geld und die Schlüffel, um selbst Nachsuchung zu halten. Die Frau ging mit den vermeintlichen Räubern die Treppe hinunter, reichte ihnen die Schlüffel nnd hieß sie in ein nach bet Straße liegende», mit stark vergitterten Fenstern versehenes Ziminer treten, dort möchten sie nehmen, was ihnen beliebe, und sie nur nicht löbten. Während aber jene sich an den Schränken beschäftigen, eilte die Wöchnerin zur Stubenlhür hinaus und verschloß sie. Da die Thür sicher war, so hatte sie die Räuber eingesperrt und sendete nun ihren elfjährigen Knaben ab, um den Wächter zu rufe». Das gereichte dem armen Kinde zum Verderben; der Bösewicht, bei ja wohl wußte, wer die Räuber seien, nahm den Knaben in fein HauS, lödlete ihn, barg den Leichnam und giitg dann zum Hause de» Jude», um die Weiber zu befreien. ErKlopfle an da- Fenster; die Wöchnerin erkannte ihn, hielt ihi» für ihren Reiter und fragte zunächst: „wo ist mein Kind?" — „E» ist hinter mir, sagte der Wächter, öffnet die HauSlhür." Da aber der Knabe auf den Zuruf der Mutter leider nicht antworte» konnte, so schöpfte sie Verdacht und sagte, sie würde nicht öffnen, bi» der Knabe känie. Nun machte der Wächter Anstalt di« Thür zu erbrechen, während die Weiber chm durch die Gitterftangen Werkzeuge reichten, um leichter zum Ziele zu gelangen Die Frau faßte jetzt einen kühnen Entschluß. „Seid ruhig, ries sie, ich mache euch aus, bringt mich «ur nicht um!" Von der Wand nahm sie eine geladene Flinte und ging an die HauSlhür, und während sie mit der linken Hand aufschloß, schob sie mit der rechten da» Gewehr vor, drückte, sobalo die Thür sich öffnete, lo» und lödlete den Wächter, dem sie die Waffe gerade gegen dt« Brust gehalten hatte, auf der Stell«. Der Schuß hatte Nachbarn geweckt, *) Wie wie hSr«, wird dies« Red« Un nüchste» Heft« M »ob JUifc. Pr. Matz»«« tzer«iS-«v«b«nru „Piwi^-MagajiB" ««rSffnUUcht »«tkta. die Weiber, die sich nun verloren sahen, erhängten sich in dem Zimmer, in dem die Frau sie ringesperrt hatte. Die andere Geschichte ist weniger tragisch. Ein jüdische» Ehepaar in Radworno war jahrelang kinderlos geblickt n, endlich sollte ihr heißester Wunsch in Erfüllung gehen. Sit Wochen halte der zukünftige Vater der Hebamme 100 G.d. versprochen, wenn sie ihm einen Knaben bringen würde; gäbe eS aber ein Mädchen, jo gäbe eS auch nur die gewühnlbhe Taxe und Trinkgelder, b—10 Gulden. Die Frau gebar ein Mädchen, die Hebamme aber sagte ihr, sie habe einen Knaben zur Welt gebracht, worauf die Mutter hocherfreut sich zufrieden gab und erschöpft einschlief Der Manu war gerade über Land gegangen, somit nahm die Hebamme da» neugeborene Mädchen, brachte dasselbe einem übelberüchtigteu Weibe, welche« en, paar Tilge zuvor einen Knaben geboren hatte, versprach ihr zehn Gulden, wenn die Kinder vertauscht würden, nahm den Junge» und legte ihn in die Wiege ueteu die Jüdin. Bald darauf kam der Mann nach Hause, tanzte freud« ntrunken mit seinem vermeintlichen Söhnche» im Zimmer umher und gab versprochenermaßen der Hebamiue eine Hundertguldennote. Natürlich wurden jetzt die Vorbereitungen „ur BeschneidungSfeier getroffen, und uun entstand auf einmal zwischen den Gatten ein Streit über den dem Kinde zu gebenden Rainen. Der Mann wollte «» nach seinem, dre Matter nach ihrem verstorbenen Vater genannt wiffen. Der Streit wurde nicht alsbald geschlichtet. In der Rucht träumte dem Manne, sein Vater erschiene ihm und sagte chm, da» Kind sei nicht sein Kind, <S solle nicht nach ihm gena rnt werden. Der Man» beachtete die Traum-Denunciaiion we.ter nicht, erzählte auch seiner Frau davon nicht», er sagte ihr jedoch, er sei nnnmehr entschloffen, daß daS Kind »ach ihr ein seligen Vater genannt werden solle In der folgenden Nacht aber hatte nun die Frau den dem vorige» entsprechenden Traum. Sie sah ihre» Vater, welcher ihr enthüllte, daß der Knabe untergeschoben sei, sie habe ein Mädchen geboren. Die Mutter verschwieg ihren Traum dem Galten nicht, und al» die Hebamme am Morgen kam, um da» Kind zu besorgen, inquirirte der Mann sie scharf und bedrohte sie mit euer Pistole, wenn sie nicht die Wahrheit über da» Kind sage. Sie gestand, und der Tausch wurde rückgängig gemacht. Steiuamanger (Ungarn), k. Oktober. (Or.-Eorr.) Am ersten Tage Ehaul hamaud, al» am SS. Sepl. a. c , ereignete sich folgender mißliebiger Vorfall in hiesiger Stadt, de: in manchen Zeitungen schon von sich reden machte. Ein g«achterer und auch wohlhabender Kaufmanu, Namen« David Unger, Israel t, hat von einem ungarischen Klcinedelman», Namens EbergSnyi, dein Bruder der bekannten Mörterin Ebergänyi, ein Quantum Weizen gekauft. Da dieser, stiner Qualität nach, dem früher getroffenen Uebereinkommen nicht entsprach, machte Herr Unger bei der Uebernahme dem bevollmächtigten Beamten de» Edergänyi einen Abzug. Am obgenannten Tage wurde Unger rn da» Bürgermelstr.amt beichiedrn, dorr waren bereit» der Bürgermeister Läriossi, Ebergänhi und ein andere» Individuum anwesend. Ebers änyi stellte Unger wegen de» Abzüge» zu Rede, ui«d als l-ieser kaum zu sprechen anfing, versetzte ihm Ebergänyi einen Schlag in» Gesicht, von dem Unger, aus Mund und Rase blutend, sofort zujammenbrach und in Folge deffea einige Tage da» Bett hüten inußte. Wie man hört, ist die Klage bereit« eingereicht, jedoch läßt sich eine genügende Äenuglhuung kau« erwarten, da Ebergänhi al» Edelmann, von.Edelmäuneril, mit denen alle Beamtenstellen in Ungarn besetzt sind, gerichtet werdeil wird. Die größte Erbitterung «endet sich gegen den Bürgermeister B, der diesem rohen Vorgang mit Seelenruhe zugejehen, und einer Deputation der Kaufna»»- schaft, di« ihm eine Erklärung aboerlangt hat, erwiexrte: Herr Ebergänyi habe ihn um Entschuldigung gebeten und er (der Bürgermeister) habe großmüchig verziehen. Wa» würde «au bei Ihnen in Preußen dazu sngen oder dagegen lhun,