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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 362 — halte ypun irrS» *l so gelebt und gewirkt, und ganz besondei» in Polen ward sein Name hochverehrt. Da aus einmal kommen einzelne Unglückliche an« Polen, denen ihre Rabbinen gerathen, zu diesem heiligen Manne zu reisen, ui» von ihm jMe und Heilung zu erbitten; sie wurden abgewiesen mit deni Bemerke», daß er ihnen nicht helfen könne und daß fe sich an einen Arzt wenden sollten. Doch, daS war leicht gesagt. Jene Unglücklichen, die, fest vertrauend auf die Versicherung ihrer Rabbinen, weite Reisen »nteriiommen und oft ilire letzte Habe versetzt hatten, uni die Reisekosten zu bestreiten, ließe» sich nicht abweisen, sie wiche» und wankten nicht und warfen sich bitterlich weinend vor den '21er möchte ihnen doch wenigstens seine,“1212 geben. Diesen Bitter und Thränen konnte das weiche, gefühlvolle Herz de» edlen Greise» nicht widerstehen und er ertheilie ihnen seinen Eeger, erflehte voni himmlischen Vater Heilung sür diese Leid« den. Ganz Polen und Galizien wiederhallte nun von dem Rufe des Grätzer Rabbi, und wo sich ein Leidender fand, der machte sich auf gen Grätz. Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde kamen neue Schaaren, da war kein Einhalt — der Unglücklichen gibt eS leider so Biele. Jetzt sah i.tSk 1 mit Bedauern, daß er sich durch seine Weichhrrzigleit habe zu einenr Schritt verleiten lasten, den er gerne hätte ungeschehen machen mögen. Er erklärte öffentlich im Hauiu agio, baß man ihn doch verschonen möge, daß er nicht helfen könne nnd daß man ihn nicht vom „Lernen" stören niöchte; doch Alles vergebens. Er wendete sich an die Rabbinen in Polen, welche die Leute zn ihm schickten und ersuchte sie, di.' Leute doch zurückzuhalten. Allein diese schrieben ihm, da ih> i von rPOTl die Macht gegeben, zu segnen, dieses doch den Unglücklichen nicht oorzuenthaltcn; ja sie selbst kamen nach Grätz. um sich „benschen" zu laffen. Daß *?"piaC7 llT^K "I zu diesem Glauben an seine Wnnderthätigkeit Beranlaffung gegeben, das bedauerte er selbst am tiefsten; aber er hatte nicht nehr die Energie — er war ja schon 77 Jahre alt, stand an der Schwelle des Grabes —, dieseui gewaltigen j Andrange zu widerstehen, um so weniger, da selbst die bedeutendsten Männer Polens ihn uufsuchlen. Konnte, durfte er srsi.en Segen vorenthalten, wo er vielleicht Trost und Lin- . erung in manches wunde und kranke Herz träufeln konnte? ieses ^«denken, unter den obwaltenden Umstanden, war bei i wncheu Herzen des Grätzer Rav zu entschuldigen" Wir,?immen sonach der „Jüd. Pr." bei, wenn sie „an «in gerechter» und mildere« Unheil, welches ein langes, an Tugenden so .^«cheS Leben und die besonderen Verhältniste würdigk", appeil“1 Dagegen räumt ja das genannte Blatt m dah hie Sac.^ uns deutschen Juden peinlich sein mußte, und »war uns alle 'n> ben orthodoxen wie den nichtorlhodoxen, bi» aus die verschw. '«dend kleine Zahl der wirklich noch an Dämonologie glaub«, **" oder derjenigen, denen wirklich die Wundei niähren den ÄcT>f verwirrt hatten *) - Der Grätzer Rabbiner ftanimle übrig «»* ««* Deutichland und ,oll, wie man u is verficheN, von \ Freund der „Polaken" gewesen sein, al» ob er geah.« hatte, daß sie am Ende seinefriedvollen Lebens noch Unr.uh« und Unannehmlichkeit über ihn bringen würden. Perlt, in, October. In aller Stille hat sich hier eine neue jüdische Gemeinde in der Ge>"nmtgemeinde gebildet. ES handelt sich dabei um keinerlei separcrttstische Gelüste, um keine RiluSftreitigkeiten, (daher) auch nicht um Herrschsucht und Alleins.'ligmacherei. ES galt nur die Befriedigung eines wirklichen, unabweisbaren BedürfnisteS, eben darum kann die Angelegt, heit von jedem nur günstig beurtheflt werden. Wie in allen Großstädten wohnt auch in Berlin die jüdische Bevölkerung längst nicht mehr in gewiffen Vierteln, um gewisse Eentren heruni, wohin vormals Intoleranz sie gewiesen oder Umstände zusanimengedcängt hatten Die Gemeinde-Synagoge«, Schulen u s. w aber befinden sich sämmtlich in und neben jenen alten „Judenquartieren." Wohl hatten Einsichtige längst gemahnt, daß man statt einer Synagoge mehrere weniger kostspielige in verschiedenen Stadttheilen habe bauen solle«. Was nützt z. B de» Bewohnern der südöstlichen Stadtthetle der Prachtbau der Oraiiienburger Straße, den zu erreiche« sie 1'/, Stunden gehen müffen? Und noch ivenigrr könne« sie ihre Kinder in die Religionsschulen der Gemeind« senden. So haben sich venn im vorigen Sommer einig« in der genannte» Gegend wohnende Männer zusammengethan, habe« Milgli.der gewo ben, kinen Saal zu einer Synagoge mit etwa 130 Plätzen eingerichtel. eine Schule, welche jetzt 40 Kinder zählt, gegründet und sich ohne vielen Lärm constituirt. Für die Herbstfeiertage ist ein größeres Local gemiethet worden. AlS Prediger fungirt Dr. I Joel (früher in Laurnburg). — Der Vorstand der Gemeinde hat in richtiger Erkenntniß de» Sachverhältniffes eine Subvention für die Religionsschule bewilligt. Die Gemeinde oder bester der Verein nennt sich Ahawath Reim. *7 Unter diesen find aber, wie wir selber «iffen, auch einzeln«, di« t-ineswea« orthodox find und leben, und doch in Krankheiten ' jhre Luslucht nach Grätz nahmen und auf ein verwunderte« ^b«m 'fich hinter dm Sa, flachtet«: M gibt »wischen Srd« und Manul Dingeu. s. w. — womit st« dann ihr« „ Bildung" doppelt , docume uirthatte». Berlil, 8. Oct. (Or.-Eorr.) Allen Denen, welche, wie der Schreiber der Bemerkung in Rr. 40 d. Z. sür die herrlich« Sachs'sche Uebersetzung unserer Fcstgebete sich interessiren, wird es erfreulich sein, zu hören, daß j>tzt, wie wir aus bester Quelle erfahren, eine Ausgabe vorbereitet wird, welche die in die letzten Aufl igen eingevrungenen Mängel gründlich beseitigen soll Die Eorrectur der nenen Ausgabe ist dein durch seine trefflichen Artikel in der jüd Zeitschrift Hamagid und durch die Veröffentlichung des Sachs'sche» EommentarS zum Machsor rühmlichst bekannten Herrn vr. Ehrlich in Berlin übertragen; sür die Ersetzung beschädigter Stereotypplatten durch gänzlich neue ist Sorge getragen worden, und da di« Berlagshandlnng auch sich eine möglichst gute äußere Ausstattung angelegen sein laffen wird, so steht zu hoffen, daß binnen kurzer Frist das Meisterwerk Sachs' in einer Form vorliegen wird, die dein Inhalte angenicffen und dein Rainen de» Uebersetz.rs Ehre mache» wird. H. BreSlau, im Oct. (Or.-Eorr) In akademischen Kreisen macht folgendes launige Geschichlchen die Runde. Vor Kurzein bewarb sich ei» Herr vr. zur. S. um die Gunst, in der juristischen Facultät hiesiger Universität sich habilitiren zu dürfen. Aber vr. S. ist Jude, und die juristische Facultät hatte schwere Gewiffensscrupel gegen die Ausnahme eine» Juden in ihre Zunft, wenn auch nur als Lehrling Sie wies ihn daher mit dem Hinweis aus einen Paragraphen vorsündfluthlicher Zeit, wonach nur Christen ihre Mitglieder sein dürfen, zurück. Herr vr. S. läßt sich nicht >.ren, beschwert sich beim CultuSminister, der sofort den Herren befiehlt, besagten Paragraphen zu streichen und Herrn vr. S. die Habilitation zu gestatten. Der Gewalt weichend, gestattete man eS zwar, aber eine hochwohlweise juristische Facultät weiß sich zu helfen. Eine kleine Schweizer Universität hat einen Profeffor extr. von Röthen, und man empfiehlt Herr« Vr. S., um ihn loS zu werden. Aber Herr vr. S. ist noch schlauer, al» selbst die schlauen Herren der BreSlauer Juriste«- sacultät Zur selben Zeit sucht die sehr angesehene Preußische Facultät in B einen Profeffor, S. meldet sich, indem er sich auf das Empfehlungsschreiben der Breslauer Universität beruft. Diese» wird al» sehr genügend angesehen, und so ist vr. S. Profeffor i» B, noch ehe er auch nur einmal ein Collegium gehalten hatte, die BreSlauer Facultät aber hat ihren Wille» bekommen und ist wieder rein von jüdische« Contagium. Söll, 13. Octob. Gestern wurde die neue jüdisch« Elementarschule in der Echildergaffe, wahrscheinlich die schönst« H derartige in Preußen, welche au» den Mitteln der Co««««« erbaut worden ist, in erhebender Weise eiugrweiht. D«S <fc* bände war festlich mtt Pflanze«, Guirlaude« und Fahne« ge-

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