Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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7T-V — 356 — che« und in der Nets«, daß sei zu arg. Und nun giett e» eine Uebersetzung (mit Respekt zu melden) de« Artikel» der „3Uj. fr.*, in der Weise, wie ein Quintaner übersetzt*), und schiebt in diesem Unverstand alle», wa» die „Rep. fr." au» den Reden heran»-, in ste hineinliest und an eigenen Bemerkungi n dazwischen fließen läßt, den armen Rabbiner» in die Schuhe. Und der pure Unverstand ist e» doch nicht, ti ist auch Perfidie dabei. Die „Jüd. Pr* läßt den oben unterstrichmen Satz mitten zwischen dem oorhergehenven und dem folgeiden weg, und läßt so seine Leser, besonder» solche, die eine Quintaner-Uebersetzung yerunterwürgen, auf die Idee gerathen, daß Mr. Rahn die Erklänmg der Menschenrechte den „neuen Dekalog* und Frankreich den „neuen Sinai* genannt habe > Holland. Haag, S. Oktober. (Or.-Corr.) Heute vor acht Tagen hat t.nsere vielgeliebte Königin die prächtige Laubhütte de» Herru vr. jur. D. Polak Daniel» dahier mit einem Besuche beehrt — Herr Polak Daniel» gehört zu den sehr wenigen nnserer zahlreichen jüdischen Juristen und Aerzte, die den Muih haben, al» streng-reliqiöse Juden zu leben. Er schämt sich te» praktischen Judenthum» nicht, obgleich er sehr reich, hoch, gebildet, Ehes eine» der vornehmsten Bankierhäuser, Mitg ied de» Stadtroth» und beim Hofe sehr in Ansehen ist. Dabei ist er ein "ICD rrP. ein min "TOI1?! 27NN. weiß recht gut Bescheid im Schulchan Aruch und lebt danach. Daß da» tzleschäft an Sabbath und Festtagen geschloffen ist, versteht sich r on selbst. Seit vielen Jahren ist er Prüfe» de» hiesigen Gem« inde-Vorstande», und da» Central-Consistorium für d>e Ange egenheiten der nieder!. iSrael. Kirchengenoffenschafl sählt ihn zu seinen hervorragendsten Mitgliedern. Zu bedauern ist e», d lß e» solcher Juden, die Reichthum. hohe sociale Position, feine Bildung, religiöse» Wissen und Thun in sich vereinigen, nur o wenige giebt. Unser Colonial-Minister, Herr Van Goldstein, ist kein Jude und wäre» nie. Die» zur Berichtigung de» von Ihnen in $ r. 38 au» „Jewish World* entnommenen Bericht». Vermischte und neueste Nachrichten. Gratz. Der schon lange weitberühmte und in neuester Zeit auch in weitesten Kreisen so viel genannte Rabbiner S l i a h Guttmacher ist am 5. Oktober, ein Tag »ach deu» Feste gestorben! Schneidemühl. Jüm 16. September fand hier die Abitur« ttenprüfung statt, zu welcher diesmal auch der jüdische RelixionSlehrer, Rabbiner Braun, eingelade» war. Lemberg. Am VersöhnuugStage, al» der große Tempel überfüllt mar, erdröhnte von der Frauengallerie plötzlich ein „Krcch*, ein Fall, und dichte Staubwolken wirbelten auf — die Bestürzung und Verwirrung droheten groß zu werden, denn man dachte gar an Feuer, indessen gelang e» bald einigen Besonnene», zu erforschen, daß sich von der GypSver- Ueidung am Haupleiugange Stücke losgelöst hatten, ohne jemand zu verletzen. Rach Beendigung de» Gebete» bestieg H. Prediger vr. Löwenftein di« Kanzel und ermahnte in einer ebenso schöngedachtr» al» vorgetragenen Red« di« andächtigen Zuhörer: bei *) Die« bezieht sich aus »i« ganz« Uebersetzung, auch da, wo sie dem 2inn« nach richtig; zur Ergötzung aber ein paar Proben »on einzelnen ganz falschen Phrasen. Xu plein eoeur de ce Paris: .mit einem Herzen, »oll von dem Paris" — prise de possession: „Wegnehm mg einer Besitzung" — qui m4rite de leur survivre: „welches verdient es zu erleben." ll n’y a pae i reprendre: „man kann . . . miedergeben." (Für Unkundige hier di« richtige Uebersetzung: „mitten im Herzen »on Paris" — „Besitzergreifung" — „welche ste zu überleben oerdum" — „man kann nicht tadeln" —.] Kann man von Leuten, di« so übersetzen, verlangen, daß sie »erstehen, was sie zusammenstottern? Uebrigenv find derartig« Dinge sür den Bildungsgrad der Scridemm überhaupt bqeichnend. heretubrechende« Unglückrfällen stet« die Fassung zu bswahreu, da« Unglück mit Würde zu tragen; in Gefahren nirmal» dsu Muth zu verlieren, denselben vielmehr beherzt in« Angestcht zu sehe», weil ste schon dadurch allein den größten Theil der Furchtbarkeit verlieren. (Ung. J«r) Prag, 14. Oktober. Die Petition de» i«raelitische« Lande»-Lehrerv«retn» um Umwandlung der israelitischen Schulen in deutsche Bolk«schulen wurde dem Lande»au»schuffe zur Berichterstattung in der nächsten Session zugewiesen. Pari». Durch di« lobenüwerthen Bemühungen de» Rabbiner Blum hat sich in dem bekannten Badeorte Vichy eine jüdisch« Genieinde gebildet. Da an diesem Platze während de» Sommer» sich virle reiche Glaubensgenosse!» aufhalten, so unterliegt e» wohl keinem Zweifel, daß wohlthätig« Männer die nöthigen Mittel geben werden, um eine Synagoge und die andern jüdischen Institutionen zu errichten. Bercelli. Der verstorbeil« Prof. Giuseppe Levi hat in seinem Testamente folgende Summen vermacht: Den Armen der Stal c 5000 Lire, der i»r. Kinderbewahranstalt 5000 Lire, den» i»r. Nächstenliebeverein 5000 Lire, dem Handwerkeroerein 3000 Lire. Die Familie de» Dahingeschiedenen hatte schon bei Gelegenheit seine» Leichenbegängnisse» 300 Kgr. Brot an die-Armen der Parochie von S. Giuliano und 100 Kgr. an bedürftige Israeliten vertheilen lassen. Worte hinzuzufügen, unterlassen wir. Angesicht» solcher Zeugnisse de» Wohlthätigkeit»- sinne» scheint un» solche» völlig überflüssig. Florenz. Eildlich ist der Grundstein zu dem neuen Tempel gelegt, der hoffentlich bald zu Ehren unserer Gemeind« nicht minder zu Ären unserer Religion in unserer Stadt sich erheben wird. Die Feier der Grundsteinlegung hat auf Alle, die daran sich betheiligten, einen tiefen Eindruck gemacht, besonder» verdient die Rede de» Oberrabbiner» D. I. Maroni rühmlichst erwähnt zu werden. Mailand. Da» Ministerium für öffentlichen Unterricht hat den Professor AScoli beauftragt, bei dein ersten Orientalisten - Congreß in London die italienische Wissenschaft zu vertreten. (Beff. i»r.) Reggio. (Wahre Brüderlichkeit.) Während die Einen in Wort und Schrift beweisen wollen, daß die wahre Freisinnigkeit die Werke der Unduldsamkeit gut inachen kamt > und muß, während die Andern ihr Herz nur fjlr die Armen I und Hilfsbedürftigen einer einzigen Confesnon dem Gefühle de» Mitleid« zugäilglich inachen, liefert un» der Herr Vr. Carlo vorsiglia ein treffliche» Beispiel dafür, in welchem Sinne di« wahre religiöse Freiheit und Gleichheit aufzufassen ist. Nicht nur hat er angeordnet, daß auch Nicht-Katholiken an der Suppenvertheilung, die er täglich sür die Armen veranstaltet, Theil nehmen, sondern auch, daß die Suppen in einer Weise zubercilet werden, daß sie auch von jenen Israeliten genossen wcrpeil. welche die besonder» Ceremonien ihrer Religion mit,ängstlicher Gewissenhaftigkeit befolgen wollen. (Das.) Ruuliuie». Da» Organ de« Auswärtigen Amte» in Bukarest, „die Presse*, pudlicirt folgende Erklärung von rumänischen Juden an den Chef-Redacleur: „In Ultserer Eigenschaft al« eingeborene Israeliten drücken wir Ihnen unsere Erkenntlichkeit für die gute Meinung au», welche Sie von un» haben Wir Alle liebe» Rumänien al» da» Land, in welchem wir leben, und in welchem unsere moralischen und materiellen Interessen wurzeln, und wir sind stet» bereit, unser Empfinden durch unsere Handlungen zu bethä- .tigen. Wir versichern, daß wir mit Vertrauen den Augenblick erwarten, welchen die Regierung und di« Gesetzgebung de» Landes für geeignet halten werden, um au» eigener Jilitiativ« die Judenfrag« im Geist unsere» Jahrhundert» zu lösen." Diese» Aktenstück, welche» der Angabe nach von den