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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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gas) aettfn Reisepass« über bie Srenp bet Radziwllow übergetretener, am S Januar wieder zurückgereister ausländischer Kaufmann, wenn er am I. Juli wieder nur für einen oder «entge Lage nach llkußland zu kommen nSthig hätte, gehalten fein, nach der ziemlich entfernten Gouvernement«stadt Zylomir zu gehen und sich einen nicht nur für den Aufenthalt, sondern auch für die Rückreise nach Oesterreich giltigen russischen Pah zu holen. Nachdem e» nicht in der Absicht der russischen Regierung liegen kann, dem internationalen Handelsverkehre solche abnorm« Schwierigkeiten cntgegenzustellen, so gibt sich die gefertigte Handel»- und Gewerbekamnier der Hoffnung hin, daß e» der gütigen Verwendung einer hohen k. und k. Botschaft gelingen wird, die kaiserlich russische Regierung z» einer deutlicheren Auslegung der eigentlichen Erleichterung einet freien fechsmonällicheu Aufenthalte» in Rußland ohne Läsnng eine» russischen AufenthaltSbillet» zu veranlassen." Brody, I. Oktober 1874. E» scheint, bemerkt die R. F. P. hierzu, alt sollte die rage det AufenthaltSrechte» österreichischer Juden auf russchem Bode» nie zur Lösung gelangen. Dank einerseits den verworenen Paßbestiminungeu Rußland», in denen selbst die dortigen Behörden sich nicht zurechtfinden, so daß eine der anderen in ihrer Entscheidung widerspricht und andererseits Davk der geringen Energie und der Unenlschloffenheit unserer Petersburger Vertretung. Bielitz (Oesterreich-Schlesien), 5. October. (Or.-Corr.) Al» gestern, am Gesetzfreudenseste, in unsereni Gotteshause au» der heiligen Schrift verlesen wurde, wie die Israeliten weinten, al» Mose, ihr treuer Führer, verschieden war, welcher wahrhaft andächtige und gefühlvolle Zuhörer hätte sich da der Tdänen erwehren können, wenn er auf die Stätte blickte, die mit dem Anbruche eben diese» Feste» verwaist ward - auf die Stätte unseres geliebten Rabbiner»! — Or. Lazar Frankfurter, ei» erleuchteter Kenner und eifriger Förderer der GotteSlehre, hatte sich während seiner fünfzehnjährigen AmrSthätigkeit die Liebe und Anerkennung seiner Gemeinde erworben und stand in allen Schichten der hiesigen Bevölkening, besonder» durch seine musterhafte Bescheidenheit wie durch sei» leutselige» Benehmen gegen Jedermann, in hohem Ansehen. Ausgerüstet mit einen, gründlichen pädagogischen Wiffrn, batte er, bi» vor sieben Jadren, neben seiner theologischen Wirksamkeit die israelitische Gemeindeschule mit Umsicht geleitet und namentlich auch sehr viel für die Pflege de» hebräischen Unterrichte» gcthan Al» Prediger, besonder» al» Redner bei festlichen Gelegenheiten äußerst beliebt, verstand e» der Verklärte, durch seine mildeil Worte di« Herzen zu bewegen unv bei der Klarheit seiner Ausdrucksweise ivahrhaft belehrend und anregend in seiner Gemeind« zu wirken. Ach! und nun ist deren „Krone gefallen", und wohl Alle, die den Heimgegangenen gekannt und geehrt, stimmen hier tn den AuSrus de» klagenden Dichter» mit ein: „darum jammert unser Herz." Unser guter, biedrer vr. Frankfurter, ein Sohn de» Rabbiner» Frankfurter zu Triesch in Mähren und Schwiegersohn de» Rabbiner» vr. Hirschsetd zu Gleiwrtz, hat im vier- «ndvierzigsten Lebensjahre seine irdische Laufbahn beschloffen, aber lein Name lebt in seiner, würdigen Worten und Thalen fort, wie eü von den Gerechten heißt: „ihre Werke sind ihre Denkmäler". Diesem und ähnlichen Gedanken geben dann auch die bei der heute stattgefundenen Beerdigung de» früh verklärten gehaltenen Reden einen entsprechenden Ausdruck. Der Leicherizug, so groß wie hier noch nie gesehen worden, bewegte sich, unter dem Borantritt der israelitischen Zöglinge der verschiedenen Schnlen, zunächst nach der Synagoge, wo-. selbst der KreiSrabbiner Friedman» au« Teschen die Predigt hielt, und dann nach dem Friedhose, woselbst der Rabbiner von Lipnik-Viala, Dr Glaser, der Rabbiner von Oel«, vr. Cohn, der Rabbiner von Böhm.-Leipa, vr. MMer und der erste Santor der Gemeind«, Hecht, den Geifte»oorzügen und Herzen»tugeuden de» Unvergeßlichen bereite Worte der Anikrnnung widmeten. Da» Andenken de» Gerechten bleibt zrim Segen! Arawkrelch. Paris. (Schluß.) Da» „Journal de» Debat»" brachte erst sehr spät einen Artikel über die Einweihung. Der Verfasser will weder selbst von der Feier ergriffen gewesen sein, noch in der Versammlung eine tiefer gehende Erregung bemerkt haben; er macht auch sonst verschiedene tadelnde oxr da« Judeuthum im Allgemeinen wie den Act in»b«sondere herabsetzende Bemerkungen, aber er sagt am Schluffe: „Die jüdische Gesellschaft hat in unserer Mitte noch cinen l-esonoe« ren Charakter, und hat noch eine Rolle zu erfüllen. Qi« wäre bedauerlich, wenn dieser Charakter sich ganz verwischen sollte, denn die Juden würde» davuich die Tugenden und Bestrebungen, welche sie auSzeichnen, verlieren." Wieder andrrS ist die Auslegung — wie wir irohl jagen dürfen — welche die „Republ. frany." der Fe.er und den dabei gehaltenen Reden giebt, der Gang, den sie in ihrem Referat einschlägt. Da» Gambetta'sche Blatt, ivelche» acht selten gehässige Aursälle gegen Juden gebracht hat, ist bie-nial de» Lobe» voll; aber e» schlägt au» den Reden der Herren Isidor und Kahn Kapital für die Republik und die Revolution, unv gegen seine politischen und religiösen Gegner. „Biim Schluffe der Feierlichkeit, heißt e», war in den Herzen Derjenigen, welche ihr beigewohnt hatten, nur für die hohe» unv heilsame» Ideen der gegenseitigen Toleranz, der Versöhn'« ig, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit zwischen allen Menschen Raum." Und weiter heißt r», mit leicht erlernbarer Bezüglichkeil oder Anzüglichkeit: „Es machte einen fcUfamen Eindruck, von einer religiöse» Kauzel herab, so viele gute und heilsame, liberale und patriotische Worte zu höre«; einen Priester, der. selbst bewegt und hinreißend, von der bürgerlichen Ä.selljchaft sprach, ohne sie zu jchmähen, von dem!8aterlande, um chm beizustehen in seinen Schmerzen, und um e» in seinen Hoffnungen zu segnen. Und so hörten wir nohl ohne Erstaunen, aber doch nicht ohne Rührung, da» Gebet für die französische Republik und für da» französisäx Volk, nach dein Rilu» de» Judeuthum» gesprochen. War ta* eine Täuschung?" — E» impouirt dendemokratischen Blatte zu sehen, „wie der Priester einer lange verfolgten Religion di« Hände zum Hiinmel erhebt und den Segen herabfleht auf alle in dem neuen Tempel Versammelten, ohne zwischen den verschiedenen Culten einen Unterschied zu machen." — Run ist e» fast natürlich, daß das Gambetta'sche Organ all« diese Lehren und Grundsätze nicht dem Juoenthum selbst entstammt sein läßt, sondern der sranzösifihen Revolution, der Philosophie de» 18. Jahrhundert», den Ideen vo» 1789. Wir sind an dergleichen so gewöhn: — denn andere Leute, die un» unser Eigenthum eicamotiren, nennen die erhabenen Gruntprincipien: christlich, und wieder Andere: arisch, hellenisch rc., es ist immer dieselbe Melodie — daß wir un» lmrüber nicht sonderlich ärgern. So sagt denn auch die „Step, fr": „Ein religiöser Redner könnte nicht umhin, alle diese Principien auf bie Religio», die er bekennt, zurückzuführen. Für Herrn Kahn entstammen die Princ-vien der ulodernen Cioilisation dem von Gott selbst dem Moje» diktirlen Dekalog Aber für die Jr.den muß dir „Erklärung der Menschenrechte" einem neuen Dekalog und Frankreich einem neuen Sinai gleichen." — Lassen wir Herrn Äambetta seine Illusionen und Aspirationen, da« ist, wte gesagt, weitau» oa« Schlimm,» nicht, wa» wir un» gesallen lassen müssen Wir freuen un» der abgedrungenen Anerkennung quand-mfime. (Zu den Verlästerern der Pariser Eiawechung hat sich nachträglich auch noch die „Jüd. Pr." gesellt. E« ist al» Curiosum und.Dtveniffemenl jch-n der Müh« werth, ein paar Zeile» darüber zu schreiben. Da» Blatt will e« hingehen lassen, daß mau bei der Etnweihung nicht einen p7*vn gesagt, aber daß mau nur von allgemeine« Principien gespro-

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