Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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und Judenthum gesagt; man hat e» so gesagt, daß man deutlich sieht, die» Lob sei kein freudige», noch weniger ein nach vorgefaßter Meinung gespendete», sondern im Gegentheil trotz Uebelwollen und Tadel und Verkleinerung. (Man vergl. den schönen Artikel von D. K—n in dem mit der vor. Nr. au»- gegebenen Literaturblatt.) ES wird wohl nicht uninteresiant sein, wen» wir einige Belege bringen. (Schluß folgt.) Sk« «Luten. verlad, 7 Sept. (Or.-Corr.*) („Daily Telegraph" und die Juden Rumänien») E» ist eine wunderliche Sach«, wenn man seine Blöße» mit Lumpen decken will, die da» zu Verhüllende dem Blicke de» Einsichtige» nur noch häßlicher erscheinen lassen. Ein solcher Lumpenmantel ist offenbar da» Kleid der Unschuld, da» sich die rumänische Negierung durch den ihr zngetbanen Eorrespondente» de» „Daily Telegraph" umzulegen strebt. Wa» nian von den Aussage» der drei Juden (?) ihm, dem Eorrespondenien, gegenüber zu halten habe, da» beurtheile die Welt (ich verstehe darunter die civilisirtr, und nicht rohe Halbbarbaren und nicht bestochene Mamelucken) »ach dem Jammergeschrei von 200,000 Opfern. Der Daily Telegraph ist Übel daran, wenn ihn sein Correspondent mit Nachrichten von Individuen zweifelhaften Kaliber» versieht. Un» bedünkt e», daß ei» Correspondent nnd namentlich der eine» Weltblatte» von deni Ruse de» D. Tel. um so gewiffcnhafter in da» wahre Leben, oder hier können wir auch sagen: in da» ^ahre Elend eine» unglücklichen VolkStheile», und nicht in de» 'chreckenSbleichen Mund dreier Zweifelhafter blicken soll, u t so gewiffenhafter sage ich, je bedeutungsvoller die Nachi;Y ten sind, welche er der Welt millheilt, je mehr ihn die -.sammle öffentliche Welt für seine Mitlheilungen moralisch verantwortlich machen muß Dies ist ja da» Zeichen der Civilisation, daß die öffentliche Meinung da» Wahre emporhebt, die Lüge verdammt, der Humanität sich zu-, der Barbarei und ihren Sa"'waltcrn sich abwendet. Lächerlich, drei sogenannte Juden und ein Correspondent sollen da» reinwaschen, wa» die rumänische Regierung an über 200,000 Menschen verbrochen und an der Civilisation de» 19. Jahrhundert-! Den Augiasstall zu reinigen fiel einem griechischen Hero» schwer, die rumänische Wäsche vom Schmutze zu waschen ist viel, viel schwieriger, ein blonder Sohn der meenlmrauschten Insel ist dem nicht gewachsen. Und wenn er e» dennoch versuchen wollte, so würden ihm die weiten Meere seiner Heimath nicht dazu hinreichen und trüb und schmutzig werden, und man würde auf ihrem Grunde nicht mehr den treublauen Himmel sehen, sondern den rumänischen Schmutz maffenhast gelagert finden. Vielmehr wasche sich jeder Rumäne männiglich, nnd die» sage ich besonder» der rumänischen Regierung, damit sie dann mit gewaschenem Mund« den civilisirten Staaten sagen könne: Jetzt habe ich mich gereinigt von jeder Bedrückung, jeder Ungerechtigkeit, jeder Grausamkeit, die ich an Tausenden meiner LandeSkinder begangen. Daß aber der Correspondent Alle» von drei Juden erfährt! Er spreche lieber die rumänischen Autoritäten, höre ihr Urtheil über dieselben, lerne ihre Gesinnung diesen gegenüber kenne». Die» ist sehr wichtig! denn nach diesem Unheil« (eigentlich dem Au»fluffe ihre» Haffe») handeln und Nichten sie, sie, die die Macht unb Gewalt in ihren Händen haben. Ganz Andere» würde er bald der Welt berichten. Uebrigen» frage er die drei Juden, wenn e» überhaupt Juden sind,**) dt« ihn, so v»el schätzbares Material über die Lage der I«- raeliten in Rumänien geliefert, wie oft an ihnen selber die rumänischen Beamten Erpressungen verübt oder feiner gesagt, durch wie viele, wie geartete Geschenke oder Dienste sie sich die Gunst der rumän. Autoritäten verschafft. ') Nicht von unserm gewöhnlichen Hrn. Torr.—Unliebsam verspätet. et. ", Da« scheint doch so zu sein, wir denken dabei an den Brief an Mos. Montefior«, von de« im nächsten Blatt«. (Red.) Ich komme nunmehr auf Dinge zu reden, die eigentl ch keiner Widerlegung bedürfen und lasse mich nur deshalb auf eine solche ei», weil die absurden Ausflüchte der rumän. Dsinister überall Lachen erregen müssen. Es heißt in der Corresp. de» „D. Tel.": „Wenn, sagen die Minist:r, die Juden von ihren Vorstehern dazu gebracht werden können, daß sie sich in Haltung und Kleidung ihren Mitbürgern assimiliren, daß sie ihr« Haarlocken abschneiden, ihren Rock kürzen, sich unser» Cimlgesetzen unterwerfen, ihre Kinder so erziehen, daß sie diese die Sprache und Geschichte ihre» jetzigen Vaterlandes lehren und ihnen da» Gefühl de» Patriotismus einprägen, dann würden sie un» alle Schwierigkeiten überwinden helfen." Gibt c» etwa wenige Juden, die keine Haarlocken, keine langen Röcke tragen (und die» ohne Zuthun ihrer Vorsteher), die sich der Bevölkerung schon ganz assiniilirt haben, gibt ,4 endlich wenige jüdische Aerzte, Apolhckcr, Advokaten rc., die gleich den langgcröckte», haarlockigen Juden in Rumänien recht»- und schutzlos sind? Oder haben etwa die jüdischen Aerzte im Staatsdienste Runiänien» Haarlocken und lange Röcke getragen, daß man ihnen, wenn sie alt geworden, die ihnen zukommende SlaatSpcnsion widerrechtlich vorenthältl'! Angenommen aber, daß die Minister in ihren EmancipationSbestrebungen zu Gunsten der Juden nur durch die Haarlocken und langen Röcke derselben gehindert werden, i» mögen sie blo» Diejenigen für cmancipirt erklären, welcs« keine Haarlocken und keine langen Röcke tragen. (Hall! da» erst recht nicht! Red.) Wir sind überzeugt, daß die Jude» im Laufe einer Woche Alle» abgelegt haben werde», wa» sie der Emancipation untheilhaftig machen könnte. Wa» aber die Aisimilirung anbelangt, so lhut die Regierung entschieden gar nicht» dazu — denn Alle», wa» sie thut, ist eitel dieser Assimrlirung Hindernisse in den Weg zu legen: durch Aufhetzung de» PöbelS, Einschränkung und Zurücksetzung der Je den. Ja, ich sage noch uiehr: die Organe der Regierung thun alles Mögliche, die Wuth der Proletarier, wenn sie sich einmal gelegt, durch welche Mittel immer, zu erregen, damit sie dann um Schutz angegangen und dafür theuer bezahlt werden. Jetzt komme» wir auf einen feinen Witz, den sich die HH. Minister erlaubt: „Wenn die Juden den Civilgesetzen sich fügen würden." Gelten diese auch für Juden? Ja, aber nur zum Theile, nämlich die in denselben festgesetzte« Strafen gelten im vollsten Umfange, keineswegs aber die Schutz- und Rechrrbestimmungen derselben. Wie indessen die rumän. Behörden die Civilgesetze zu handhaben verstehen, e.» zählt der Correspondent de» D. Tel. selber, indem er de» Juden mit seiner gerechten Forderung den Bauern gegenüber Erwähnung thut. (Siche Nr. 36 Bukarest.) Zur weiter« Illustration de» Gerichtsverfahren» gegen Juden fügen noch hinzu da» schon ohnehin genugsam bekannte Berdict (vor verum dicere!) der Geschwornen von Bezeu. Und doch heißt e», die Juden fügten sich nicht den Civilgesetzen. Tausend oder mehr rumän. Gesetzbüchern fügen sich diese Unglüälichen, denn jeder runiänische Beamte macht sich einen eigens« Codex, nach dem er sie au«saugt. Den Juden, denen da» Wort eine» rumän. Bauernbuben den nöthigen Respekt einflößt, sollten die rumän. Civilgesetze und besonder» die Aussprüche ihrer Hüter nicht Angst und Furcht einjagen! Da» klingt soitderbar. Die Minister selber sind vom Gegentheile ihrer Behauptung überzeugt. Die Sprache de» Lande» aber sprechen unsere Kinder schon, nur ist e« nicht an un» gelegen, daß sie gerade die rohesten Ausdrücke derselben am meisten zu hören bekommen, weil solch« ihnen und un» täglich in» Gesicht geschleudert werden. Ferner: die Geschichte de» Lande« können wir unsere« Söhnen au» dem Grunde nicht beibringrn, weil sie dam« iuerst unsere eigen« hier im Lande erfahren müßten, und d» önntrn gar bittere Gefühl« in ihren jungen Herzen aufkrime« und sie vergiften.