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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 40. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 40.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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tt sei nur einer und ein HülfSlehrer vorhanden. Man müffe noch einen ordentlichen Lehrer haben, wenn man mehr Linder aufnehmen wolle. Nehme man einen Eingebornen, so brauche man 800 Francs JahreSgehalt, wolle man aber einen mehr als mittelmäßigen Lehrer, so müffe man einen aus den hohen Schulen in Beirut hervorgegangenen nehmen, und brauche dann 1500 Francs JahreSgebalt. Dazu sei noch ein Schreiblehrer nöthig Dann könne man eine große Anzahl von Freischülern aufnehmen, und die jetzt nur langsam sich entwickelnde Schule werde bald gute Früchte bringen. Man wird sie dann auch in zwei Hauptklaffen theilen; die obere werde Unterricht im Türkischen und in einer europäischen Sprache erhalten, die untere nur Arabisch, Hebräisch und Schönschreiben lernen. Herr Lurion setzt die Vortheile noch spezieller auseinander, das Centraicomite beschloß in Anbetracht der hervorragenden localen Bedeutung Bagdads die Subvention der Schule um 2000 Francs jährlich zu erhöhen, und hofft, daß die Mitwirkung der Anglo Jewish Affocialion es ermöglichen werde, den englischen Unterricht daselbst zu verbeffern. — Aus Schumla wird Erfreuliches über die Errichtung der neugegriindeten Mädchenschule berichtet. Die Zahl der Schülerinnen beträgt vorläufig 42, darunter 22 arme. Die Schule .vird vorläufig von einer bulgarischen Lehrerin geleitet, den hebräischen Unterricht ertheilt ein Rabbiner, täglich 2 Stunden, und auch Herr Danon, Direktor der Knabenschule der Alliance, erlheilt gegen 2 Stunden täglich in verschiedenen Fächern Unterricht. Ueder die Ackerbauschule in Jaffa erstattet Herr Blan, Lehrer der untern Klaffe, ausführlichen Bericht. (Im „Hamaggid" theilt Herr Hirsch Kalischer mit, daß er dem Centraicomite geschrieben habe, das begonnene Jahr sei ein Schemitajahr, nach Berechnung des MainionideS, es müffe» daher in der Ackerbauschule die belreffetiden Gesetze beachtet werden, worüber er nähere Detail« angegeben habe. DoS Centraicomite habe ihm geantwortet, e« solle Alle» auf da» Pünktlichste gehalten werden. — Der nächste Bericht wird darüber wohl einige« nlittheilen.) Ueber die Lage der Juden in Rußland wird Auszug aus einer Denkschrift mitgetheilt, worüber im nächsten Blatte. Vermischte und ueueste Nachrichten. Berlin» 22. September. (Or.-Corr.) E« ist ein Tag nach Jo,n kippur, und noch klingen in meiner Seele die großen und herrlichen Gedanken, die in unseren Jom-Kippnr- Gebeten enthalten sind, nach, aber zugleich auch der Mißmuth, der sich meiner bemächtigte, al« ich gestern die vom seel. Sach« so vortrefflich übersetzten Gebete in so schlechtem, oft unleserlichem Druck vor mir sah. E« ist unverantwortlich, von der hiesigen Verlagsbuchhandlung (Louis Gerschel) da« Sachs'sche Machsor so zu verunstalten, daß e« mit jeder neueil Auflage unbrauchbarer wird. Ich habe in irgend einem mir nicht mehr erinnerlichem Blatte bereit« eine Mahnung an die Verlagshaildtung hierüber vor einiger Zeit gelesen (es war im „jüd Literaturbl" Red ), aber sie war fruchtlos, die neue Auflage, die neunte, ist nur eine jene gerügten Mängel noch bedeutend vermehrende. Schlechte«, durchschlagende« Papier, abgesprungene Buchstaben und Vocale ohne Zahl, verschobene Zeilen ja Seilen, u. dgl. Für de» Vorbeter ist da« Machsor schon jetzt nicht mehr zu gebrauchen, er kommt mitten im lauten Bortrage oft in die größte Verlegenheit, wenn auf einem Male irgend ein« fremde Wortbildung ohne jede, oder mit abgesprungener falscher Punktation sih seinem Auge präsentirt, und wenn er grammatisch »och so tüchtig ist, er kann hier nicht plötzlich die im Pijut oft anomale Wortform erratheu oder selbst bilden. Beherzigt die Berl»g«handluug diesen wohlgemeinten Rath in Zukunft »icht, io wird man Schritt« thu« müssen, um die Betenden davor zu schützen, daß ihre hebr. Gebet« «icht vla«ph«mien «erden, vielleicht vermögen auch di« Sachs'schen Erben hierin Abhülfe zu bringen. (Aehnliche Klagen sind auch von ande» rer Seite an un« gelangt, wir-zweifeln nicht, daß die Der» lagsbandlung zu ihrer Ehrenrettung Remedur eintreten lassen wird. - ) Thorn. Soeben geht un« der „Jahresbericht über die jüd. Gemeindeschule" vom Rabb. Dr. I. Oppenheim zu, deren öffentliche Prüfung ani 30. September stattfindet. Die Elementarschule zählt 74, die Religionsschule 152 Zöglinge. Nähere« über die Organisation der Schule, sowie über die zeitgemäßen „einleitenden Worte" behalten wir uns für eine Besprechung der Schulprogramme im Literaturblatt vor. R. AuS Galizien. Die Gehässigkeit gegen die Juden nimmt in Galizien eine immer bedenklichere Gestalt an. Hier nur ein Beispiel. Ein Jude, Namen» Israel Klak, kaufte sich in Korzow ein Haus. Da rottete sich die Bevölkerung de« Ortes zusammen und trieb den Juden sammt seiner Familie aus dem Hause, au« seinem bezahlten Eigenthum. Al« er sich klagend an den Magistrat wandte, erhielt er von diesem den Bescheid, „binnen 14 Tagen unbedingt den Ort zu verlaffen, da die Jude» gemeinschädlich seien" (Da» ist auch russisch! Wir brauchen also nicht erst nach KurSk zu gehen. Vgl. Leitartikel) Krakau. Unter dem Titel p“ricn “TP ist von Hrn. I. M. Zunz Hierselbst eine in schönem Hebräisch geschriebene „Geschichte der Krakauer Rabbinate vom Anfang« de« sechszehnten Jahrhunderts bis aus die Gegenwart, al« Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen" erschiene». (Wir werden darauf im Literaturbl. zurückkommen.) Lemberg, 15 Eept. Der Vorsteher unserer Gemeinde, der srühere, Landtagsabgeordnete Markus Dub« ist im 73. Lebensjahre gestorben. Paris, 7. Sept. Frau Julie Heine, die Time Heinrich Heines, ist, 84 Jahre alt, gestorben O.-R. Isidor hat ihr die Leichenrede gehalten. Bukarest. Wir haben mitgetheilt, daß der Jaffyer Gemelnderaih einige» dortigen Israeliten, Doctoren der Medizin und der Rechte, die in Gemäßheit de« neuen Gesetze« zu den Gemeindewahlen zugclaffe» werden mußten, die Ausübung de« Wahlrechtes verweigert, und daß da« dortige Tribunal da« Vergehen de« Gemeinderathe« bestätigt habe. Hier wiederum hat da« Tribunal einen ähnlichen Ausspruch de« Gemeinderathes verworfen, und die Zulassung der berechtigten Israeliten angeorvnet, worauf auch einige an den Wahlen theilgenommcn haben. Wa« geschieht nun? Die Opposition, wülhend darüber, daß die Communalwahlen zu ihren Ungunsten au-gcsallen seien, setzt eine Lifte auf und sammelt Unterschriften, um beim CaffalionShof gegen die Theilnahme von Israeliten bei den Wahlen zu protestiren, mit der geheimen Hoffnung natürlich, vielleicht dadurch di ganze Wahl al» ungiltig erklären zu können. Der CaflationShof wird, da sich beide Parteien, die zurückgewiesenen Israeliten von Jassy sowohl, wie die Opponeitten von Bukarest , an ihn gewendet haben, in der intercffanten Streitfrage endgiltig zu entscheiden haben. Wie auch sein Unheil auSfallen mag («« ist am de sten, man giedt sich darin keinen heißblütigen Hoffnungen hin), so ist doch der Umstand, daß zwei Gerichtshöfe diametral entgegengesetzte Urtheile in einer und derselben Frage fällen, bezeichnend für unsere Justiz. Lereellt. Auf Montag, den 21. (Jom Kippur) war hier die Prüfung junger Leute zur Aufnahme in die Mtlttärschul« bestimmt. Aus Eingabe deS Rabbiner« Levt hat der KriegSminister di« verschiedenen PrüsungSstellen dahin angewiesen, daß jüdisch« Jünglinge sich am 20. zu melden haben und dann ihr Examen am 22. machen können. , (Besfillo JSr.)

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