Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 339 Breslau.) „Bezüglich unserer Mitteilungen Laffale'« Todtenfeier geht uns folgende» Schreiben mit dem Ersuchen um Aufnahme zu: Ein Referat in Ihrem geschätzten Blatte, al» habe vr. Joel am Sterbetage Laffale'» irgend etwa» Besondere» gesprochen oder geleistet, ist folgendermaßen z» bcrtchlige». Die Mutter Laffale'», ein gewesene» Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, hat letztwillig verfügt, daß alljährlich an ihrem Sterbetage, an dem ihre» Gatten und dem ihre» Sohne» Ferdinand Laffale, der Rabbiner in Gegenwart von lO Personen da» für Heimgegangene übliche hebräische Gebet aus dem Friedhöfe sprechen solle. Da» geschah denn auch in diesem Jahre wie alle Jahre. — Herr L)r. Joel erfährt, wie »ir hören, au» diesen, Anlaß ebenso ungerechtfertigte Angriffe, wie seiner Zeit für die Leichenrede, die er am Grabe Laffale» au» dem höchst einfache» Grunde nicht gehalten hat, weil er dazu nicht aufgefordert worden war. Erst bei Setzung de» Letchrnsteine» im Winter 1864 hat er auf Ersuchen der damals trostlosen Mutter einige Worte gesprochen. Vr. W. Wir halten nur die Thalsache gemeldet, daß Herr Vr. Joel an Laffale» Grabe ein Gebet gesprochen habe, wa» in obigem Schreiben lediglich bestätigt wird, gleichwohl haben «ir zur Aufklärung de« Sachverhalte» demselben gern Raum gegeben." (Rach Vorstehendem ist die Beschaffenheit der von Hrn. vr. Joel am 31. Aug. abgehalrenen Gedächtnißseier hinlänglich erklärt. Ob, wie unser der „Brest. Ztg" entnommene» Bericht meldete, ein Sängerchor dabei mitgewirkt hat, kann dahin gestellt bleiben. Unerklärlich bleibt un« aber, warum Hr. vr. Joel nicht, wie es aller Orten und zu allen Zeiten üblich gkwesen ist, da» „Jahrzeitgebet" an dem Tage gesprochen hat, aus welchen der Todestag nach dem jüdischen Kalender fiel. Da Lasalle 1864 gestorben ist, so fällt der Jahrzeitrag aus den 29 Ab; in diesenl Jahre auf den 12. August. Hätte die Feier da stattgesunden, so wäre jede» Aufsehen, jeve Mißdeutung und jede Rechtfertigung vermieden worden. Red. d. J«r. Woch.) W Brauoschveig. (Orig.-Eorr.) Sie wünsche» an» unserem Ländchen einen ähnlichen Bericht, wie den in den letzten Nummern Ihrer gesch. Wochenschrift von ihren, Correspondenten „aus dem Harz" gebrachten. Ich will'» versuchen, einen solchen zusammenzustrllen. — Da» Gemeindeleben sowie auch da!» gottesdienstliche Element spielt hier keine hervorragende Rolle. Die Gemeinden sind, außer der jetzt durch den Zuzug immer zahlreicher wc-denden Gemeinde Braunschweig, sehr klein, man findet in ihnen keine besonderen Gegensätze, weder falsche Aufklärerei noch verkehrte Orthodoxie waltet darin, man leistet dem gelinden Regiment de» Herrn vr. Herzfeld schon recht gern Folge, da er den Auswüchsen nach beiden Seiten hi» rntgegentritt. Doch haben zwei Städte: Wolfenbüttel und Seesen, in diesem Ländchen hohe Bedeutung durch ihre Lehranstalten. Die Samsonschule in Wolfenbüttel steht auf gleicher Stufe mit jeder Realschule zweiter Ordnung und befähigt ihre Zöglinge hinlänglich, daß sie überall da» einschlägige Exanien zum einjährigen Freiwilligendienste bestehen können, dazu wird der i-rarlitisch-religiüse Sinn innerhalb der Anstalt so gehegt und gepflegt, daß man diese Schule unter der dermaligen Leitung de» Direclor» Rose „stock thalsächlich al» Zierde einer höheren tSraelit. Schule bezeichnen kann. Wenn früher wohlhabende Eltern ihre Kinder einer befferen Erziehungsanstalt anvertrauten, so geschah e» zu dem Zwecke, sie für einen höheren und befferen Lebensberuf vorbereiter, und chnen eine höhere Bildung angedeihen zu laffen. Jetzt gibt'» aber gar viele Eltern, die Geist und Herz ihrer Kinder nur für den Waffenrock zustutzen laffen und die der Jugent kein höhere» Ziel vorstecken, als nur die Reif« für de« einjährigen Fretwllligendienst. Wenn die l. Jugend mit dieser Reff« «utlaffe» wir), dann glaubt sie, die fittlich« Höhe >»d de» beste» Bildungsgrad erreicht zu haben. Mit dem Zeugni» dies« Reff« „Arm i« Mrm" zu wandeln, gedenkt er Welten zu erobern; aber die Welt in sich und die Welt wakrer Bildung wird dabet leichter zerstört al» aufgebaut. Ob solche Bildung-anstaltcn, die den Zöglingen blo» die Einjahretpflicht stet» vor Augen halten, dem Staate oder der Menschheit so großen Nutzen leisten, weiß ich nicht. „Er sei Jüngtinq oder Mann, Dein Staat« nütze, wer nur kann." Die Sanison-Schule ist den beste» Erzieh»,,g-anstalt, n an die Seite zu stellen; denn mit der allgemeinen Bildung wird auch da» religiöse Element al» ein heiliges Erbe V:r Väter gefördert und die Reife für den einjährige» Militär - dienst erzielt. Dadurch aber, da , ihnen ein später za iestehende» Exanien noch bevorstehl, sehen sich di« Zöglinge veranlaßt, ihre Fortbildung stet» vor Augen zu haben uno treten nicht al» „gemachte Menschen" in die Welt. In Seesen, dem Orte der Jacobson'schen Stiftungen, bin ich jährlich 3—4 mal. Die Jacobson-Schule ist eine weitkekannte Anstalt, und ich kenne sie schon seit der ehemaligen Direktion de« weil. vr. Wohlwill. Dieser war ein tüchtiger und strenger Schulmann, den, Gottesdienst in dem dortigen Teinpel prägte er ganz de» Eharacler de» Hamburger Tempel» auf Um „»gestört walten zu können, hat er Statuten für di« Anstalt entworfen, die dem betreffenden LandeSrabbi- „er in Braunschweig jede» Einfluß benehmen, jeve theologische Färbung sollte nach Heine'» frivolem Au-spruch: „Ich frage nicht» nach den Neuen und nicht» nach den Alten rc." fe,»- bleiben. Unter seiner Leitung hatte noch der Gottesdienst etwas wahrhaft Erhebende», denn er hatte auch die besten Gebete au» dem älteren Eultu» beibehalten Neben wah.er schulmeisterlicher Strenge schenkte er der religiösen Erziehung seine ganze Aufmerksamkeit, weil er sich mit dem Gedan'en herumtrug, daß seine Zöglinge nach dem Wunsch und A,»- sprach de« seligen Stifter» Israel Jacobion, de» Präsidenten der westphälischen Eonsistorit, einst Vorbilder und Leiter ver Gemeinden werden könnten und sollten. Nach seinen, Ableben führte der später so begüterte vr. GinSberg weil, da» Schul- und Tempelregimenl. So geistig begabt dieser Mc nn auch war, so energielos war sein Wirken, die Schule blühet« durch Mitwirkung tüchtiger Lehrer fort, aber der Tempeldi, nst gerieth in Verfall. Geistreiche Bemerkungen wußte vr. G. zu niachen, jedoch Sinn und Geist für da» cultuelle Leden entgingen ihm. Wenn ihm gute Cantoreu zur Verfügung standen, so ging»; wenn nicht, nun da war» ihm auch recht. Seine Predigten an den Festtagen unv bei den Confirma.ionen hatten indeh Hand und Fuß — ich wohnte deuse.ben oft bei. Sein Nachfolger wurde der jetzige Direktor Vr. Arnheim, Sohn de» altehrwürdigen Religionslehrer» und späteren Rabbiner» Arnheim y, au« Glogau. Ich machte schon auf der Universität in Berlin seine Bekanntschaft. Einer ver Gebrüder Jacobson, weiß nicht welcher, war sein Gönner, denn Hr. vr. Arnheim hatte nur über sehr bescheidene Mittel zu verfügen. Ordnungsliebe und Fleiß waren ihm nie aizuspreche», ein geistige» Schaffen mar jedoch seine Sache n cht. Die Gunst diese» Hr». Jacobson wuchs immer mehr für ihn, je mehr Arnheim den lichtfreundlichen Bestrebungen seine» Mäcen hiildigte, und durch diese» Hrn. Jacobson soll er auch seine jetzige Stelle erhalten und zwei hochgeachtete Männer al» Mitbewerber au« dem Wege geschlagen haben, viel zu jung kam dieser Mann nach Seesen, aber der Glaube au die Wirkung seine» ungläubigen Freunde» war so stark, daß er mit jedem Tage festeren Bode» zu soffen hoffte. Er trat daher von vornherein mit vieler Kühnheit und einen, scheinbaren Selbstbewußtsetn derart auf, daß er jeder bi »her ben Einrichtung eine andere Gestalt geben zu müffen glaubte, unbekümmert um Lehrer und Schüler oder deren Eltern, »ach dem Grundsätze: Dem Muthigen gehört die Welt, oder '»leimehr : der Kecke nimmt sie sich. Hier folgt Referent ix» Mttheilungen eine» jetzt in Cassel lebenden und wirkenden wahrheit»ltebende« Manne». Da« reliaiös« Element wuroe so zu sagen mit Füße» getrete». S«tt ist di« allumfaffende!stat«r x. Da» Gebet ändert den Aathfchlnß de» Himmel» nicht., danau»