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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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die Rabi-iaer Hohen und Isidor bei der (am 9. Sptbr. statt» gehabte«' feierlichen Eröffnung der neuen Synagoge in der Rue de a Victoire Reden, di« sehr patriotisch, aber auch sehr republikanisch waren. Dieses Eintreten der jüdische« Geistlichen süc die Republik gefiel höchsten OrtS sehr wenig, und der Ministerrath, welcher über di« Sache brrieth, hatte zuerst die Absicht, gegen dieselben einzuschreiten, da daS Gesetz nicht gestartet, daß die Diener der verschiedenen Culten sich mit Politik keschäftigen. Man stand jedoch davon ab, da man die reiche und vornehme Jndrnwelt, welche die Reden mit großer Begeisterung ausgenommen halte, nicht vor den stopf stoßen nollte, und außerdem hielt man eS nicht für klug, die jüdische Geistlichkeit bei der geringsten Ausschreitung zu maßregeln, während man die katholische ganz frei schalten und «alten läßt. (Wir geben diese Notiz der „stöln. Zeit." mit allem Borbehalt. Dasselbe Blatt — oder war'S ein anderes? — hatte schon vor einigen Tagen zu melden gewußt, daß die Herren Isidor rnd stöhn viel von der Revanche gesprochen hätten. Beim Schluß oeS Blatte» gehen un» die „Arch. J»r." vom 15. c. zu, welche Auszüge aus den Reden d«S Hrn. R. stahn bringen. Die Geschichte der letzten Jahre, während denen der Ten pel erbaut wurde, mit Schweigen zu übergehen, war unmöglich; patriotische Dankbarkeit und Wärme ist selbstverständlich; von Revanche-Phrasen finden wir ebensowenig eine Spur, wie von Lobeserhebungen der Republik, d. h. politischtendenziösen, denn daß die Revolution und die Republik die Juden ssrankreichS und noch andere Leute mit, zu freien Mensche-, erhoben, daS ist Thatsache, der alle Phrasen der Welt nicht« Hinzuthun und alle Rabulisterei und alle» Schweigen nicht» entziehen könnten. Wir werden noch Einzelbeiten nachtragen. Red.) Holland. R. Amsterdam, 8. September. (Or.-Corr.) Zur Ergänzung m-iner Correspondenz vom 10. August in Nr. 35 Ihrer Zejrung sei noch bemerkt: 1. daß die (nach der A. Z. d. I») „jüngst acquirirten, jedoch antedatirten Diplome" de» Herrn vr. Dünner schon seit 1862, dem Jahre seine» Rektorat-Antrittes, abschriftlich im Archive deS Seminak-EuratoriumS aufbewahrt sind; 2. daß die in meiner Correspondenz erwähnten „Dörfer, worin die stutäer gehaust"*), nicht das Eigenthum de» daselbst gedachten „OberrabbinerS" find, sondern dem alten anonymen Commentator des Talmud Jeruschalmi, dem Verfaffer dÄ 8'<i« J’hoachua und zunächst (demnächst?) dem deS Korban ha-Edoh angehören; 3. daß der Verfasser des P’ne Moechc h bereits eine Ahnung, freilich auch nicht mehr als diese, v in der richtigen Bedeutung der (hier unten) citirten Talmudwoile halte, und 4. oaß derselbe Oberrabbiner schon im Jahre 1870 Schritte gethan zur Erwerbung des Amsterdamer Oberrabbinats. Wie ich Ihnen bereits mitgetheilt, hat das Rabbiner-Collegium die More-Diplome des Herrn vr. Dünner als gültig visirt. Dieses Collegium hatte eine eigenthümliche Geschichte, die ich Ihren Lesern euriooitatis causa mittheilen möchte. Haben Sie je von einem Rabbiner-Strike gehört? Nun, einen solchen versuchte man hier, in Betreff der zu prüfenden Diplome d.>s vr. D., ins Leben zu rufen, um dadurch die Jnstallatirn desselben als Oberrabbiner, wenn nicht unmöglich zu machen, doch wenigstens so lange wie möglch hinauszuschieben. Nach dem Gesetze nämlich muß das More-Diplom eines hier zu Lande zum Oberrabbiner berufenen Ausländers von einem, durch den permanenten Ausschuß aus drei Morim zusammengestellten Collegium als rechtsgültig anerkannt und visirt roerden. Es giebt hier nur, in alphabetischer Reihenfolge, folgende fungirende Morim: 1. Bereitstem, Oberrabb. in Hacg; 2. Content, Rabbinats-Affeffor dahier; 3. DusnuS, Oberrabb. in Leuwardeten; 4. vr. I. Fränkel, Oberrabb. in *) llebersetzung ootf |irmC133 pjpflTO in der citirten Stell« de« Jeruschalmi Pesachi« X Zwolle; 5. Htllesum, Oberrabb. in Meppel; 6. vr. Landsberg, Oberrabb. in Mastrtcht; 7. Lehman», Oberrabb. in Rymwegen, und 8. Wijnkoop, RabbinatS-Affeffor dahier. Zu diesen gesellen sich die im vorigen Jahre al» More zugelaffenen, aber bis jetzt noch nicht fungirenden Herren: 9. Von Loen und 10. Tal, ä>en wie Nr. 8. ehemalige Zöglinge de» Seminar« und somit Schüler de« Herrn vr. Dünner. Die Morim der portugiesisch-israelitischen Gemeinden kommen hier nicht in Betracht, da die Gemeinden der beiden Riten in zwei Religionsgesellschaften vertheilt sind, die nicht gemeinschaftlich verwaltet werden, sondern jede für sich selbst bestehen. — Nun verbot Delikatesse die Ernennung deS Nr. 1, des Sohnes des im 1.1839 verstorbenen Amsterdamer Oberrabbiner y,. ES wurden also di« drei am längsten im Amte fungirenden Herren Nr. 3, 4 und 7 erwählt Der letzte lehnte sofort ab. DieS war zu erwarten; denn diese» ist der Schwager de» Nr. 1 und Schwiegersohn de» seligen OberrabbinerS. Außerdem hatte der Sohn de» Nr. 7 die Wahl dr» Herrn vr. D. zum Oberrabbiner al» eine Zurücksetzung seine» Oheim», Nr. 1, in einer der jüdischen Zeitungen mißbilligt. — Später dankte auch Nr. 3 ab, in Folge, wie e» in seinem Schreiben an den permanenten Ausschuß heißt, eine« von seinem College» Nr. 4 erhaltenen Briefe». Hieraus versteht sich schon von selbst, daß auch dieser die Ernennung abgelehnt hat. Eine AmlSreis« oder so etwa» gab den Borwand dazu; ich glaube aber, daß der Grund ein anderer und zwar folgender war. Dieser Oberrabbiner hatte, wie gesagt, schon im I. 1870 Schritte gethan zur Erwerbung de« Amst. Oberrabbinats. Weil e» nun nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, daß derselbe, einen Sitz im Rabbiner-Collegium einnehmend, Beranlaffung haben möchte, die More-Diplome seine» ehemaligen Freunde» vr. D. al» ungültig betrachten zu müffen, wollte er vermuthlich jeden Schein von Parteilichkeit vermeiden und jeder Verdächtigung zuvorkomnien. Der Mann, der seit 1851 al» Schriftsteller in hiesigen jüd. Zeitschriften sich „Diokto«„und „Ntrdo f" nennt, wollte nicht die mindeste Beranlaffung geben, al» DiokteS oder Rodef betrachtet zu werdrn. Der Mann, der im I. 1851 in einem „offenen Sendschreiben" Veranlassung hatte, zu schreiben: , „Ich wende mich nun . . . endlich an Euch, meine „Feinde, daß Ihr die verborgenen Höhlen, die finsteren Schluch- „ten, die unterirdischen Gänge verlasiet, frei und offen mit „mir und aller Welt sprechet - nicht aber heimtückisch ver- „leumdet, nicht grausam verfolget, nicht meuchlings angreifet „und rücklings ermordet den Mann, der Euch wegen seine» „Wiffens oder Wirken» oder au» irgend einem andern un- „lauterm Motive hier im Wege steht" (S. 6), und S. 11: „Aber wie ihn tödten? ihn, den Fremden, dessen Leben und „Wirken un» nicht ganz bekannt geworden, und soweit e» be- „kannt geworden, keinen Makel an sich trägt, und dieser Name „auch in dieser Gegend ... bei den Edelsten und Frommsten „nur löblich erwähnt wird? Und ist die» nicht ein Mords „Und ist ein Seelenmord nicht sündhaft?" — Dieser Man«, der nicht» vergeffen kann, wa» ihm ein Rabbiner-Collegium damals gethan, konnte sich nicht gefallen lassen die Mitgliedschaft eine» solchen Collegium», jetzt wie damal» zusammenge- - rufen, die Diplome eines zum Oberrabbiner berufenen Ausländer» zu prüfen. Für die Wahl eine» neuen Collegiums blieben daher übrig Rr. S, 5, 6, 8, 9 und 10. Nr. 6 hatte, al« Examinator, im Rabbiner-Collegium de» I. 1873 sich öffentlich durch sein eminente- Wissen so ausgezeichnet und sich so angestrengt, daß cs nicht mehr al» billig war, ihn jetzt nicht zu behelligen und chm die nüthige Ruhe und Muße zu gönnen, sich von seinen Anstrengungen erholen zu können, um so.eher, weil er noch müde sein konnte von dem „Liebesdienste", den er als Vollzieher der religiösen Trauung am Rosch Chodesch Ab bewiesen. — Rr. 9 und 10 hatten kaum (im I. 1873) den More-Grad bekommen, bekleiden doch kein geistliches Amt. Außerdem scheint man e» al» etwa» Und«- licate» betrachtet zu haben, di« Schüler de» vx. D. z«

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