Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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328 — w «* noch viele jüdische Privatinstitute, die größtentheil», uno «ichtjüdiiche Institute, welche auch viel von jüdischen Schülern frequrntict werden. Natürlich ist darunter, wie diein den UnterrichtSanstalten größerer Städte gewöhnlich ist, ein beträchtlicher Bruchtheil von auswärts, waS' aber noch mehr bei den Gymnasien und Realschulen der Fall ist, wo die jüdischen Schülir in einzelnen Klassen fast die Hälfte der Zchü. lerzahl ausmacheu. Der Religionsunterricht in den öffentlichen Staat-- und Communalschulcn wirb von Pros. Adler, vr. Grün, Dr. Tauber und W. Freund erlheilt. Seit einem Jahre besoldet der Staat auch die in den StaatSschnlen unterrichtenden jüdischen ReligionSlehrer. Für die Universität und Polytechnik stellen die jüdischen Hörer auch ein bedeuten, de» Lonringe.it, doch wird ei kaum im Berhällniß zu dem der Wiener 'Universität zu bringen sein, wo iin letzt» n Semester unter 3693 Stuvirendeit 866 jüdischer Confessio» waren; Wien ist aber auch der Mittelpunkt der ganzen Monarchie. In der Vorstadlgemeinde Smichow, in welcher Herr vr. Back seit zwei Jahren als Rabbiner segensreich ivirtl, erhallen di« jüdischen Schüler von ihm den Religionsunterricht, uiid verdient es hervorgehoben zu werden, baß das von der städtischen Schule am Schluffe der Schuljahres herausgegebrne Programm als einzige wiffenschasiliche Arbeit die de- Herrn vr. Back brachte. Nebst dem öffentliche» Religionsunterrichte genießen die Schüler in bejonoeren Stunden auch einem erweiterten Unterricht im Hebräischen. Für den erweiterte» Unterricht im Hebräischen ist in Prag durch die Talmud-Thoruschule, an welcher vier Lehrer wirten, und auch im Talmud unterrichtet wild, gesorgt. Um diese Schitle hat sich Herr G. Fergl sehr verdient gemacht, ein Mann, der mit unermüdlicher, rühmenSwerrher Thätigkeil den vielen Ehrenämtern, welche er bekleidet, sich widmet; er ist seit 25 Jahren Mitglied der Gemeinde-Repräsentanz, Direclor de» Kuabcn- WaijenhaujeS, Borsteher de» Tempels und noch vieler anderer Gemeindeanstalren. Der seit einige» Jahren hier bestehende FortdilbungSvercin bietet auch der Schuljugend viele Gelegenheit zum Weiterbilden im Hebräischen. Bon dm durch seine Novelle „Gabriel" vortheilhaft bekannten Herrn Salonion Rohn erscheint jetzt im Berlage von Lostenodle in Jena ein Roman unter dem Titel „Ein Spiegel der Gegenwart." Die Novelle „Gabriel" genoß die seltene Auszeichnung, schon ins Englische, Französische und Italienische übersetzt zu werden. Gegenwärtig erscheint sie in hebräischer Uebersetzung in der in Jerusalem erscheinenden hebräischen Zeitschrift, und wird auch von einem gewandten Hebraisten in Galizien eine Uebersetzung vordereilet. Al» Mitglied der Gemeinde-Repräsentanz wirkt Herr Rohn in conservativem Sinne, rin« seltene Erscheinung bei jüdischen Schriftstellern. Lom Rabbiner Thein in Luze (Böhmen) erschien vor Kurzem eine lrsenSwerthe Schrift unter dem Titel „Der Talmud oder (?!) der planetarische Einfluß nach talmudischer Anschauung " Unsere Gemeindebibliothek wird immer bester besucht, und e» ist erfreulich, daß selbst junge GejchäslSleule und Profesfionisien für die jüdische Bibliothek lebhafte« Interesse zeigen. *) Au» Lemberg, 31. Aug. erhielten wir von Herrn Lm. Fränkel eine gegen die Eorrespondenz in Nr. 35 der Wochenschrift gerichtet« Entgegnung. Obgleich die berichtigten Punkte unS sehr uiterheblich erscheinen und namentlich die Ehre de» Hrn. E. Fränkel, auch bei der scnipulösestcn Betrachtung, durch die berichtigten Behauptungen nicht wohl verletzt sein kann, so thellen wir doch den Inhalt dr» Schreibens mit, jedoch in aller Kürze. Hr. Fränkel gibt an: I) er sei nicht Mitglied de» Lomite« de» Verein« Echomer Israel, habe die Wahl nicht -»genommen. 3) Seine Schrift gegen Rohling sei nicht im Loniite durchberathen. 3) Er habe von Hrn. Rabb. Nathans on ringejendele Talmudstellen nicht benutzt. (Da» mar *) Der noch restirend« -rltzer« »rttkel baldmöglichst, e« hat an Hm» gefehlt. (Ärt.) von unserm Lorresp. auch nicht gesagt worden; Hr. Fr. kar r ja füglich die Stellen auch ohne Hrn. Rath.'» Nachweis gekannt haben, e» war nur angedeutet worden, daß auch der würdige Oberrabbiner sich lebhaft für die Sache interessire ) 4) Die Broschüre werde nicht vom Verein herausgegeben werden, sondern der Berf. habe da» BerlagSrecht der Druckerei von S. L Kugel übergebe». Brody, 25. August. Die Anstreilgungen des hiesigen k. k. BezirkrhauptmanneS, den einzigen reich»- und oerfaffu rglitreueu Winkel Galiziens zu polonisire», scheinen leider mit Erfolg gekrönt zu werden. -Das Resultat der heute starlgefundene» ErgänzungSwahl zum galizischen Landtage gibt i>c.- von wenigstens einen sehr schlagenden Beweis, indem e» zugleich eine markirte Charakteristik unserer politischen Zustände liefert. Der au» der Wahlurne siegreich hervorgegangene Candidat ist Herr vr. Philipp Zucker, ein Ultra-Pole, d,r im Jahre 1863 wegen Theiinahine an dem Aufstande lant.e Zeit inhaftirl wor und durch die Gnade deS Kaisers amnesti t uiid rehabililirt wurde. Der crlegeite Gegencandidat ist d,r frühere BezilkShauptmann Julius Schumann, jetzt in Zale«>- z.zyk, ein wahrhaft oerfastungttreuer Beamter, wie wie f.c leider in nur sehr geringer Zahl in Galizieit habe». Ist e» schon auffallend genug, daß Brody einen ausgesprochenen BerfaffnngSgegner zuin Vertreter wählte, so maß noch d>r Umstand, daß 'äinintliche christliche» Wähler für den jüdi'chen Polen und iämmtliche unabhängige Juden für de,» christlichen BerfaffungStreue» eingeirelen sind, geradezu in Erstaunen setzen. Letzterer hätte auch bei oer großen Mehrheit der jüdischen Wähler bestimmt die Majorität für sich gehabt, wenn nicht das Gros der verfassungstreuen Wählerschaft durch tun israelitischen CultnSoorstand mit der Befürchtung zurückgeso,reckt ivocdeil wäre, man werde durch Erzielung der Wahl deS Herrn Schumann noch mehr den Zorn de» jetzigen Herrn Bezirk»- hauplmanne» erregen, der sich dafür bei der nächsten R.-crrtirung nnd sonstiger Gelegenheit an der jüdischen Bevölkerung zu rächen wlffen wird. Biele jüdische Wähler ließen sich durch diese Vorstellung ihrer CultuSbehörde zur Stimmabgabe ftr vr. Zucker bewege», während der weitaus größere Theil sich ganz der Stimmabgabe enthielt, und so stimmten nur die wenigen Juden, di« unabhängig genug sind, uin sich nicht eiaschüchtern zu taffen, im wahren Sinne der Majorität der hiesigen Wählerschaft für den einzigen verfaffungStreuen Caadidaten, jo daß die Stadt Brody durch ihren Vertreter d:n Lemberger Landtag um einen heißspornigen Nationalen m.rmehrle. E« ist sehr zu befürchten, daß Brody durch diesen Act großer politischer Unkiugheit viel und nachhaltig zu leid:u haben wird, und der hiesige israelitische LulluSoorftand düri te es bald einsehen, wie schwer er sich gegen die jüdischen Jnt:rcffen vergangen hat. ES bleibt nur die einzige Hoffnung, daß Herr rfr. Zucker bei all seiner Schwärmerei für die rationale Sache e« doch mit der Ehrlichkeit seine» Charaktir» unverträglich finden wird, eine Stadt zu vertreten, deren A nsichten, wie er selbst überzeugt ist, der großen Mehrheit nach seinen Bestrebungen ganz entgegenlaufen, und die auf ihn gefallene Wahl ablehnen wird. Wer kommt dann an die Reih«? Diese Frage möge sich der löbliche CultuSvorstand beantwort:«. (R. Fr. Pr.) Arankreteh. Pari», 9. Sept. Heute wurde der neue israelitisch« Tempel in der Rue de la Bictoir« durch die Großralibirer Zadok-Kahn und Isidor feierlich eingeweiht. Die neu: Synagoge, in einem au» byzantinischen und maurischen Elementen combinirten Style au-geführt, würde mit seinen gewa.tigen Verhältnissen von Außen einen imposanten Eindruck machen, wenn sie nicht in einer sebr engen Straße gelegen wäre. Da» auf mächtigen Marmorsäulen ruhende Schiff ist zwei mal so breit und beinahe eben so hoch, wie jene» »on Rotre-Dame. Die ganz« Familie Rothschild wohnte der Feierlichteit bei. Der „Köln. Ztg." wird geschrieb««: Bekanntlich tzielte»