Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 322 — Auch eine Deputation des Offiziercocps der Garnison mit Herrn Oberst d. MichelS war anwesend. AiS Vertreter des Regierungspräsi lenken von Nlittelsr'nken, Herrn v Feder, war Herr Regi rungsrath o Morett einaetroffen. Da in Folge einer sebr zweckmäßige» Anordnung, durch welche jever An-. vrang und jede Störung vermieden wurde, ore Theilnehmer an der Fe er sich schon eiue halbe Stunde vor deren Beginn in dem Gltteshause oersammellen, so Harle man Gelegenheit, die herrliche Ausschmückung desselben im Innern zu betrachten und si h an der prackivolle» und doch auch ohne schreienden Prunk und störende Uebertaduug ausgesührre» Decorario» des meisterhasten Baues zu erfreuen — Nachdem kmz vor 10 Uhr di: Nebenlhüren geschloffen morden wäre», erschallten bald darauf die Klänge eures religiösen Fußmärsche-.-. welcher den Abgang de- Zuges aus dem bisherigen Betsaa! verkündeten. Nachdem hierauf an der Frei:reppe der Synagoge gegen Westen die Uebergabe des Schluffes staktgesunaen hatte, bewegte siä> der Zug, voran die Conftrmandiuuen mit Palmzweigc», di: Confiruiant».» m:l brennend, n Kerzen in de» Händen, hieraus die Rabbine», welche L.e Thorarellen trugen, durch die geöffnete Hauplthüre in das Gotteshaus, begrüßt von dem flsalm: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen deS Herrn" rc., welcher, wie überhaupt lämmrilche Gesänge von Mltgn.'dern de» Oraiorren- und srngvereins aurgeführr wurde. Heran reihte sich der Zestgesang: „Preis o»s Gotteshauses/ die B.nvikiion und der feierliche Umzug unter dem Sologesänge des Obercanror» Singer. Rachdein hierauf die Eeremonen des „Orffiens der heiligen Lade" und des „Lnzüudeiw des beständigen Lichtes" ei folgt waren, ging der Gesang des 84. Psalms: „Wie lieblich siiid deine Wohnungen, Ewiger Zebaoth", der We.hepred.gl voraus, welche der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr 1)r. Leviu, hielt DaS Hauptlhem,. seiner Rede war der Satz: „Hat das GotlesbauS noch eine E erechtigung", oder: „Mit welchem Rechte baut ihr ern Gartest aus?" Er ventilirte diese Frage in wahrhaft begeisterter und poesievoller Weise, indenl er das Wesen oeS Materialist.us und Pessimismus charakrerisine, von welchen dieselbe gestellt werden möchte, die Lehre vom Dasein Gottes, der Ansicht, daß Alles a>.s dem Wirken und Schaffen der Natur hervorgebe und zu erklären sei, mit eben so viel philosophischer Schärfe als Glaadenswärme gegenüber stellte und die alleb:si>ge»oe Macht der GoiteSidee hervoryob. Nach der Rede st lgle das Wechegebet, in welchem nächst deni Herrscher Bayerns und dem Ooerhaupt des deutschen Reiches, den Behörden der Stadt u. s. w auch de» Baumeister« der Synagoge und Aller, die für den Bau gewirkt und ihn gefördert haben, segnend gedacht wurde Der Gesang deS ISO. Psalms: „Hallelujay! Lobei bm Herrn rn seinem HeiUglhum rc " schloß die seltene, gewiß in oer Erinneru,lg Aller, die an ihr Theil nahmen, nicht erlöschende Feier. (Fr. Kur) Welch eine Wandlung der Zeiten! — schreibt die Berliner „BoUszeitung" hierüber unter demselbenDatum. — ES war im Jahre 1498, als die Juden aus hiesiger Stadt vertrieben wurden und heute — nachdem ihnen vor 25 Jahren erst wieder die Niederlassung gestaltet wurde — fand die feierliche Einwechung der neuen Synagoge im Beisein erues RegierungSkommiffärs, der Deputationen der königlichen und städtischen Behörden, sowie von Vertretern der v.rschiedenen Korporationen und zahlreicher Festgäste statt. Die Stahl erhält durch die Synagoge eine neue monumentale Zierde. Die jüdische Bevölkerung ist innerhalb 24 Jahren auf 2000 Seelen gestiegen; t» befindet sich hierunter 1 Richter und 6 Advokaten. Schthlenbeil Wenngleich die Erwiderung au« Schippenbeit in Nr. 37 der Wochenichrift Ntlt ihren unbestimmten Behauptungen keine Beachtung verdient, so wird es doch uöthig sein, einige Facta au» der am 20. August c statlgefundenei» Generalversammlung der Betheiligten mitzuthellen. Zunächst wurde auf Wunsch de» Herrn Brinn, da« von ihm an Herrn vr. Silben-rann gerichtete Schreiben, betreffend seinen Austritt aus dem Vorstände, verlese«, demnächst «otnnrte Herr Brinn denselben, und brachte noch viele Ungehörigkeiten in Bezug auf die Verwaltung seitens de» Herrn Leoy zur Sprache. Dadurch wurden di: bisherigen Vorstandsmitglieder, die Herren -Dr. Silbermanu au» Lyck, und Direktor Weinstein au» Insterburg, in ihrem Entschluffe, ihr Ainr niederzulegen, noch bestärkt, und erklärten ihren sofortigen Au-tritl. Das Bor» srandsmitglied Herr Hirsch aus Barlenstein zeigte der Versammlung schriftlich an. daß er eine etwaige Wiederwahl ab» > lehne Nur die in Schippenbeil wohnenden Mitglieder waren zur Versammlung erschienen, ein Beweis, wie wenig Vertrauen vorhanden ist. Das in Nr. 33 eingesandte Referat sowohl al» diese Zeilen bezwecken nur, daß die bekannte jüdische Wohlthätigkeit nicht ferner gemißbrancht werden könne. (Hierzu b.eizntragen, halten wir für eine unabweisbare, wenn auch nicht angenehme Pflicht der jüdischen Preffe. Für vage Behauptungen, Anschuldigungen oder Zurückweisungen haben wir jedoch keinen Raum. Dies zur gesülligen Notiz für biice Theile von hier ad. Red.) Lippstadt, 15. Sept. Im Kanipfe der streitenden, vielfach verirrenden und oft verwirrenden Meinungen dürfte die Flugschrift: Der Glaube, die höchste Macht, ein Friedens- und Siegesblatt u. s. w. von S. L. LiepmanuSsohn in Horn bei Benninghausen, unbeschadet der konfessionellen Lehren Etwa», vielleicht Vieles, zur Begütigung und Beschwichtigung der aufgeregten Gemülher in dem jetzige» Reltgions-Eulturkampfe beilragen. E» wäre zu wünsche», daß diese Broschüre in recht vielen Häusern Aufnahme und Beherzigung fände. Sie ist beim Versaffer selbst gegen Einsendung von 2'/, Sgr. zn haben. (Siehe Jnierat.) — AI« Warnung für andere Gemeinde» dürfte die folgende Notiz noch von Interesse sein. Hier hat sich jüngst ein gewisser Rosenstrauch herumgelrieben und Techinoih verkauft. Der Abiatz war nicht gering. R. gerirte sich nämlich Anfangs al« Jsiaelit, entpuppte sich aber endlich als — Missionär. In der Wests. Zeitung wurde ihm, und dein ganzen Gelichter ordentlich heimgeleuchtet, und wird er wahrscheinlich das Wiederkominen vergessen. Oesterreich. —r— Prag, 8. September. (Or.-Eorr.) Go müssen sie denn den das ganze Jahr über innegehadien Platz in de» Schaufenstern der Buchhandlungen räumen, die verschiedenen Werte alle, sie Saison der Machsorim ist gekouime», sie füllen jetzt den ganzen Raum au» und kündigen da» H rannahen der heiligen Tage an. welche die lieben Glaubensbrüder wieder einmal an da» Judenthum erinnern. So werden denn auch die Synagogensitze ein gesuchter Artikel, der Eour« der Machsorim ist im Steigen, nach Jahresfrist sehen die Synagogen wieder einmal die langentbehnen Gäste. Unsere Gemeinde ist hierin gegen andere Grobgemeinden im Lortheil, sie verfügt über - neun große, und mehr al» zwanzig kleine Synagogen, welche, wenn sie auch nicht für die hohen Festtage ganz ausreichen, und da« Abhalten mehrerer Privatminjanim nolhweadig wird, doch, die Verwendung öffentlicher, ganz entgegengesetzten Zwecken dienender Lokalitäten zum Gottesdienste entbehrlich machen. Die sogen tvmpls« äs plaisir, welche für die „drei Tage" als Belhäuser dienen, erinnern an diejenigen Betenden, die es auch nur der Tage drei mit ihrenl Judenthuin ernst (?) meinen, ungeschickte Rechner, welche kaum Ela Procent der Jahreszeit der Religion weihen. Der hiesige Eynagogenföderalismu» hat also auch sein Gutes, der ganz unwürdigen Spekulation mit den drei Tage- Synagogen entzieht er den Boden, und doch ist die Gemeind« durch Zuzüge vom flachen Lande in stetem Wachsen begriffen, wodurch auch ein jährliche» Zunehmen oer Privalminjanim erforderlich wird. Da» stetige Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in unserer Stadt zeigt sich auch in den Schulen, wo die Anzahl der jüdischen Schüler mit jedem Jahre zuntmmt. In de» ' öffentlichen Volks« und Bürgerschulen zählt« man in diese« Jahre 900 jüdisch« Schüler und Schülerinnen, außerdem -lebt ■. ■ - .i »'ü,