Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Haltung Israel« in der Wüste nicht ander» möglich gewesen, denn durch ein wunderbare» Eintreten und Mehren natürlicher Erscheinungen, und nicht von einem Glauben in einem dem Judenthum ziemlich fremden Sinn ist hier die Rede, sondern von der Einsich l, daß «» nicht ander» erklärbar und möglich sei. „Nicht von Brode" hat J-rael in der Wüste gelebt — wer e» un» ander» erklären, wer un» darthun könnte, daß da» Volk dort gesäet und geerntet, oder seinen Lebensunterhalt auf Jahre hinaus mit sich geführt oder von Andern eingekauft habe, der belehre un», so wollen wir'» annehmen. Daran erinnert un» da» Hütlensest und sein Symbol. Und diese» Wanderzelt ist zugleich da» Sinnbild der Erhaltung J«rael», welche» Jahrtausende hindurch in Hütten gewohnt, keinen festen Wohnsitz, keine Ruhestätte gefunden hat, e» fei denn da» Grab gewesen — und J-rael besteht dennoch, ist nicht zu Grunde gegangen; seine Erhaltung ist ein größere» Wunder, al» Manna und Wasserstrahl und Mose-stab. Existircn wir noch? Gibt e» einen Unglauben, der unsre Existenz wegläugnen könnte? Wer un» die Erhaltung J-rael» trotz aller Ausrottung»- und Vernichtung-Versuche erklären kann, ohne rin wunderbare» Wallen' und Erhalten zu Hülfe zu , nehmen, dem wollen wir ein bessere» Wissen und Begreifen zugestehen. Erlange man un» weder da» Wunder der vier Jahrzehnte noch da» der vier Jahrtausende wegdemonstriren kann, bleiben wir, weil wir' nicht ander» können, bei dem un» Ueberlieferten stehen und feiern da« Hüttenfrst. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. ' Berlin. Wie arg e» noch um die praktisch« Durchführung de» P.incip» der Gleichheit selbst bei den deutschen Freimaurerlogen bestellt ist, gehl wieder einmal au« dem nachfolgenden Bericht der „Post" hervor. Da» Blatt erinnert daran, daß im Jahre 1870 die Großmeister der deutschen Freimaurerlogen zu einer Eonferenz in Hamburg zusammentraten, und ein maurerische« „Grundgesetz" vereinbarten, dessen 8 8 folgendermaßen lautet: „Nur freie Männer von gutem Rufe und von einer solchen Bildung, wie sie die Ausübung de» frcimaurerischen Berufe» vorau-setzen muß, können al« Mitglied«: che» Bunde» zugelaffen werden. Stand, Nationalität oder Farbe, ReligionSbetenntniß und politisch« Meinung dürfen kein Hinderniß der Ausnahme sein" Man hat behauptet, fährt di« „Post" fort, die Logen der ganzen Erd« oder doch ganz Europa« ständen unter einer Leitung. Nicht» ist falscher al» die«. Sie hängen nur föderaliv zusammen, und zu einheitlicher Regierung fehlt so viel, daß e» bither nicht einmal gelungen ist, di« Logen Deutschtand« unter einen Hut zu bringen. Hier' in Berlin bestehen mehrere Logen, und bei einer wichtigen Streitfrage haben sie noch ganz kürzlich sehr verschieden beschlossen; denn während die eine Loge die Frag«, ob Juden zugelassen werden sollen, bejahte, hat die andere Loge dieselbe verneink, beiläufig bemerkt, deshalb verurint, weil Juden, insofern sie aufrichtige Bekenner de« Mofai»mu» seien, nicht zugleich von der christlichen Idee der GotteSkiadschnft aller Menschen und somit der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen durchdrungen sein könnten. Welch« Verkehrtheit liegt doch in diesem Schlußsatz I Die Idee der Gotte«kindschaft aller Menschen ist di« reinjüdische, von Mose» (Minder seit chr de« Er-'genI") di» Maleachi („Haben wir nicht Alle einen Vater!"), vom ersten und letzten Propheten klar ausgesprochen. Die Idee von der -ott«»kindschaft nur «ine» Menschen, de» „Gottetsohne»" ist die reiuchrtstlich«, die wir allerdiug« weit von un» s I weisen. Wenn man übrigen» auf solcher Wahrheit und S«- rechtigkeit den Weltrntempel in den Logen aufbauen will, dann ziehen wir e« vor, nach den Principien der allgemeinen Menschenliebe außerhalb der Logen zu leben un> .zu handeln. Münster, im Eept. Einem Berichte de» neuen, an Stelle de» „Beobachter" getretenen „Ungarischen Israelit" entnehmen wir folgende Notizen: „Für da« Seminar zu Münster („Marks-Haindorf'sche Stiftung") ist eine durchaus günstige Wendung eingetreten: Die Regierung wird sich seiner arnehmen. Bereit» ist vom CuliuSminister vr Falk eine Unterstützung von 2000 Thlrn. gewährt, und weitere AuShülft ii in sicher- Aussicht gestellt. WaS aber da» Beste, da» ist, daz auch die inneren Angelegenheiten unter Aufsicht de» Starte» gestellt werden, und die unberechtigten Einflüsse von Arsten schwinden werde». Bestimmende Privatleute haben nicht inimer da» Berständniß für BildungSverhältniffe, und nur im besten Falle — ein Herz für den Lehrer und Würdigung seine» Wirkens. Auch der Elementarschulen scheint die Regierung sich anzunehmen, wa» durchaus nothwendig ist, wenn nicht duS lar - nenhafle Kündigungsfieber vollend» die Elementarlehrer von ihren Posten treiben soll. Unter dem msSö stehen ist sicherer, al» wenn der Lehrer jeden Augenblick irgend eine» mißve:- gnügten Vorstandes fürchten muß. In dem Münsterlande bleibt die deutsche Kirchenpulitik nicht ohne bitter» Beigeschmack für die Juden. Die sind nun einmal an Allem schuld, sie sind bei den Ultramontanen mit den Freimaurern und dem Teufel im Bunde „zur Bedränxung der Kirche." Schon vor drei Jahren begannen hie und ta Hetzereien in Folge eines BrochurenstreiteS zwischen dem Ra!ibiner vr. Kroner und dem Professor vr. Rohling, welcher Letzterer „den Talmudjuden" unter da» Volk warf und den Haß gegen die Juden anstachelte. Eine auSgebrochene Judenhetze in dem 2 Stunden von Münster entfernten Wallfahrt ivrte Telgte dämpfte endlich die Furcht vor dem preußi chen Militär, und die Aussicht, die Regierung würde das ergiebige WallfahrtSgefchäft schließen. In dem nahen EnnigeS wurde vor einem Jahre ein erwachsene» Mädchen ermordet, und liegt eine vorhergegangene brutale, gewaltsame Schändung wahrscheinlich vor. Di« Sache, der Vorgang ist noch nicht aufgeklärt. Nun tauchte vor ene n halben Jahre da» Gerücht auf, ein Jude de» Orte» Sx. . sei der Thäter. ES half nicht, daß nachgewiesen wurde, daß der S.... am Tage der That auf einem weit entlegenen Markte gewesen. „Die Juden müssen hinauSgetrieben werden, und chr« neue Synagoge muß zur Sühne eine Elisabeth-Kapelle werden!" Um dieselbe Zeit wurden zu AhauS böswillige Excesse gegen die Synagoge vom rohen Pöbel verübt. Zu R. bei RieSb-rg kam ein kath. Geistlicher mit bcn Paragraphen de» Maigesetz«» in Eonflikt. Man verbreitete, der dortige jüd. Lehrer habe dabei den Ankläger gemacht, — um ein Scharmützel auf die Beine zu bringen. Der gute Mann, einer unserer wackersten Lollegen, hat darob einize unruhige Abende und schlaflose Nächte gehabt. Wir hab:n alle Ursache, um «ine starte Regierung zu beten." Nüruberg, 8. Sept. Ein erhebende» Fest bezeichnete den heutigen Tag für die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde und machte chn auch zugleich zu einem denkwürdtgen in der Geschichte unserer Stadt, — da« Fest der Einweihung der neuen Synagoge. E» waren zur Theilnrhme an demselben viele Einladungen erlassen worden und zahlreiche Deputationen der königlichen und städtischen Behörden, an der Spitze der letzteren Herr Bürgermeister Frhr. vin Stromer, wohnten dem feierlichen Akte bei. Die protestantische Geistlichkeit war durch Herrn Pfarrer Seiler (im Ornat) und Herrn Pfarrer Baer vertreten. Der katholische Stadtpsarrer, Herr geistlicher Rath Burger ließ sich autdrücklch durch seine schon länger andauernd« Krankheit entschuldigen