Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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probujirt, war dort etwa „zu holen ist." Da» fünfte Buch MoseS (8, IS) spricht von „der großen, furchtbaren Wüste, mit Schlang:», Rattern und Scorpiouen und Dürre, wafferlo»;" der lZrophet Jeremias (L, 6) schildert sie als „das Land der Steppe und der Schlünde, das Land der Dürre und deS TodeSschat tens, em Land, das Niemand durchzieht, in dem kein 3lensch wohnt." Diese Schilderung ist poetisch gefärbt, ist nicht buchstäblich zu nehmen; es ziehen durch die ftagliche Lardschaft Caravanen, es wohnen in den Oasen einzelne Horder. Daß cs nämlich in einzelnen Punkten der Halbinsel Quellen und Palmen giebt, wird im Pentateuch genau berichtet, diese Oasen sind aber durch viele Tagereisen Wüstenlandes getrennt, und dieses ist genau so beschaffen, wie eS Mosis schildert. Lus hundert Berichten von Reisenden setzen w.r einen hierher.*) „Die entsetzliche Wüftc El Tih beginnt mit diesem Gebirge, dessen gleiche Höhe und Glpsellofigkeit schon die horizontal geschichteten Kreide-, Mergel- und Sandformation verrälh, auS welchem es besteht; dieselben Formationen ziehen sich von hier nordwärts über jene Wüste von Lrabia pelraea bis zum Mi telmeere, und vom Ril bis zum Edomitergebirge. Weile Strecken dieser traurigen Einöde sind mit schwarzen Feuersteinen bedeckt, aus denen hin und wieder kahle Kreidehügel heraut blicken; sie wechseln mit unübersehbaren Fläche» blendend we hen Flugsandes, der, ein Spiel deS Wüstenwinde-, hier und da zu Hügeln zusammen- und wieder auSeinandrrgeweht wird. In dieser Einöde hat der Durst sein Reich; Quellen sind höchst selten, und die wenigen, welche man findet, sind meist vor salziger Vitterkeü untrinkbar. Wie Quellen und Bäche fehlen, so ist nichts GrüneS, kein Baum, kein Strauch zu sehen, pfeilschnelle Strauße lassen sich hier und da blick:n; Caravaner., gleich den Schiffenden auf weiten Seereisen n il Speise und Trank versehen, durchziehen die schweigende Wüste, da» Kameel der Earavanen heißt bei dem Araber da» Schiff der Wüste. Aber ansiedeln kann sich kein Mensch in dem Lande, auf der weiten Strecke vom Sinai bi» in die Nähe von Gaza findet sich nicht ein einzige» Dorf." Wie ist nun Israel» Volk, Männer, Weiber, Greise, Säuglinge, Gebrechliche, Schwangere und Wöchnerinnen — durch diese Gegend gekommen? Die Caravane geht nicht zu Fuß, sie rei:et auf Dromedaren und flüchtigen wüstengewohnten Roffen; ist ganz Israel beritten gewesen? Wir lesen im Gegentheit, daß kaum zum Transport der schwereren Stücke de» EtiftSzeltes die nöthigsten Last- und Zugthiere vorhanden waren, unl> zwar Stiere. Von Pferden und Kameelen ist gar keine Rede. Die Caravane versieht sich mit Nahrungsmitteln und Waffer, und doch verschmachlet manche und wird vom Wüsteisande verschüttet und begraben. Wie denkt man sich wohl ’iie Verproviantirung de» Volte» Israel in der Wüste? Auc> Egypten hatten sie Speise mitgenommen, hatten sich noch unterwegs ungesäuerten Kuchen bereitet, auch Wasser für 3 — 4 Tage haben sie wahrscheinlich in Schläuchen mitgeiührt und bi» zur Wüst« an Quellen nachgefüllt. Wie lang« hält!ia» vor? wie lange konnte da» Brod ausreichen? E» ist in der Schrift deutlich erzählt: bi» zum IS. de« zweiten Monat« da kam der Hunger; auf 3—4 Wochen hatten sie sich ») >ui Raumer'« „Zug der J«r«elite»" u. s. woselbst di« Quellenschrift«» i» Vtatft an^ebe», au« denen dies« vtttz« entlehnt find. mit Borrath versehen können (denil sie hatten schon vorher in Elim Nahrung gefunden), da« wird jeder «mchüstig und glaub- - Haft sind««. Wie aber später, Jahr« langst Wir wissen doch, waS dazu gehört, um ein« große Armee auf dem Marsche durch bestcultioirte, dichtbewohnte, waffer- und fruchtreiche Lande zu ernähren. WaS muß da aus weiter Fernherbeigeschafft werden, wie viele Lieferanten müffen thälig sein! Welche Roth und Auflösung, wenn eine Stockung entsteht, wenn das Magazin nicht am rechten Orte, wenn die Proviantcolonn« sich verirrt oder verspätet, wenn da« Waffer fehlt, oder Tausende auf eine Quelle angewiesen sind! Und eine Armee besteht aus der Elite der rüstigen Mä».urr. — ES ist ganz leicht zu sagen: ich glaube nur, waS ich sehe, begreife« und erklären, selbst nachconstruiren kann; aber man sagte un»: wie haben die Israeliten in der Wüst« existirt? Hier handelt es sich nicht um Glaubensartikel, sondern um höchst mater.elle Fragen: waS haben sie gegessen und getrunken? Woher genommen da, wo — es nicht einmal etwa» zu stehlen oder zu rauben gab und nicht» zu requiriren? Die Bibel berichtet: Brod wurde ihnen vom Himmel, Waffer aus dem Felsen. Da» Brod ist Manna gewesen. Schon Josephu» berichtet, daß da» Manna noch immer in der arabischen Wüste zu finden sei, neuere Reisend« haben e« bestätigt und Proben mitgebracht. Ehrenberg hat die Natur und die Entstehung desselben genauer untersucht. Demnach wäre das Manna nichts Außer-, Ueber-, Unnatürliche», sondern ein Naturprodukt, gleich jedem andern. ES wäre nicht wörtlich vom Himmel, au» den Wolken gefallen, sondern nur ebenso „Brod vom Himmel", wie Alle», wa» un» au» de» Pflanzenreiche ernährt, durch Regen und Sonnenschein vom Himmel gezeitigt ist. Diese Betrachtung, daß wir noch immer Brod vom Himmel genießen, haben unser« Leser oft genug in Predigten und Erbauungsbüchern gefunden; wir kehren zu unfern rein verstandsmäßigen Erörterungen zurück. Die ganze Mannaernte der Halbinsel beträgt in den beste» Jahren 600 Pfund; davon soll ein Volk sich ernährt haben?! Wenn verirrte Knaben sich im Walde an Beeren sättigen, kann darum auch eine Armee Monate lang im Wald« campiren und von Brombeeren u. dergl. leben? Also Manna ist an sich ein ganz natürliche» Ding, aber «zu feiner Zeit ließ eS die Vorsehung so massenhaft sich bilden, daß e« Israel zur Nahrung dienen konnte; da» ist da» Wunder, groß, mächtig und nothwendig; desgleichen konnte Mose» au» Felsen kein Wasser schaffen, wenn eS nicht bereit» vorhanden war. Zur Zeit trat eS zur chenüge zu Tage; da» ist da« Wunder, wunderbar und doch natürlich. So lehren un» die großen Lehrer die Wunder verstehen: e» kehrt Gott nicht etwa nach Bedarf oder Laune die Gesetze der Natur um und stellt sie auf den Kopf, auch nicht au» dem Nicht» schafft er, nachdem einmal die Welt au» dem Nicht«' gewörden; die Gesetze der Natur bestehen, „die Welt geht ihre gewohnte Weise", aber Zeit und Maß der Dinge und ihre» Eintreten» ist in Gotte» Hand. Weiter diesen Gegenstand zu erörtern, würde hier zu . weit führen. Wie «S aber in Hinsicht auf Wunder im Allgemeinen nicht um ein Glauben sich handelt, sondern um eiu Verstehen, wie sie, nach Maimonide» bekanntem Ausspruch, nicht geschehen find, damft wir glauben, sondern um ,othwendiger Zwecke «Le«, so ist auch dt« Ernährung und Er- ' : r i r i r jjj