Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'M 39. 1874. Isrsrlrtischk 5. Jahrgang. Wochen-Zchnft für die religiösen und sociale» Interessen des Jndenthnms »Kchentl. 1—H/# B»-en. Prei» incl. ,|Q*. Ältnraturtl.* Mi J% ®gr. viertel* KlrU M aftnt PofiLmtern *. Bvchha^vl«»-e». Direkte Zusendung: t« Deutschland 10 Mark, nach veüerreich « ff, a Frankreich 1« Frc4., n. »«ertka S*yt Doll, sährl. pränuweranbo. ivebitien der I4r. Wochenschrift in Magdedukg ^etalttwo»k!rtk>er ^.dakuui u«.^- Ätabbincr I)r. A. Lreoenfels in Stettin. Magdeburg, 2L. September. Inserate werden mit * Sgr. für die dreigespaltene Vetttzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. — Die bi» Sonntag früh bei der -Spedition in Magdeburg ein» treffenden finden in der nächfien Nummer Aufnahme. Für den Buchhandel: Robert Friese in Leipgig. Inhalt: Setten»« ttrtitelt Da« Laubhüttenfest. — »«richte und Vnrrespo«»en,enr Deutschland: Berlin. Münster- Nürnberg. Schippenbeil. Lippstadt — Oe'sterr«ich: Prag, Au« Lemberg. Brody. — Frankreich: Pari«. — Holland: Amsterdam. — Vermischte und neueste Nachrichten, «erlist. Magdeburg. Altona. Prag. Teichen. Na« Ungarn. Fünslirchen Auma. Au« Außlono. — Anserate. BC* Mit dieser Nummer schließt da« dritte Quartal. Wir ersuchen die geehrte» Abonnenten, fall« e« noch nicht geschehen, da« Abonnement schleunigst zu erneuern. — An unsere direkten Abonnenten in Deutschland richten wir die wiederholte Bitte, ihre Bestellungen ebenfalls möglichst bei den Postanstalten zn machen, da diese die „Wochenschrift" am billigsten — für 22'/, Sgr. vierteljährlich — und pünktlichsten besorgen. Da» Laubhüttenfest. Ueber va« Laubhütten- und Erntefest uno über seine Symbole, Suckah und Lulab, ist feit den Tagen der ältesten Agadisten, der Eirunder und Vorbilder der jüdischen Predigt, di« auf die Gegenwart sehr viel Schöne«, Sinnige-, Geistreiche« und mitunter Wahre« und Treffende« gesagt worden. Man hat da« Fest und die Symbole gedeutet, nian hat gar Viele« und sehr Verschiedenartige« in sie hineingelegt, Hineingedeutel, hineingeheimirißt, dabei auch ohne Zweifel vielfach gekünstelt und vergewaltigt. Es liegt da« offenbar in de« jüdischen t-eistes Eigenart, welche sich z B. in dem alten Bolkrsprüchwoit äußert: „(Sin Körnchen scharfen Pfeffer« ist besser al« ein Korb voll Kürbisse"*) Der Versuch, die logisch-trockene oder poetisch-blumenreiche oder lediglich gemülbrührende Moralpredigt in die Synagoge zu verpflanzen, mußte bald wieder abgegeben werden, da« jüdische Publikum wie« sie al« langweilig oder weinerlich ab. Dabei ist jedoch der einfach« Wort- und Sachsinn, die der Kinde«auffaffung zugängliche Auslegung und Erörterung oft vor lauter Symbvlik, Mystik, Dialektik, Metaphysik rc. rc. nicht zur Geltung gelangt, und sie verdient doch auch Beachtung. Machen wir einmal hier den Versuch, über da« Laubhüttenfest einige einfache, trockene, nüchterne Bemerkungen »««zusprechen, die in Predigten und erbaulichen Betrachtungen keine Stelle finden können, und doch nicht überflüssig sind. ') XalM. üRcfU. 7 u. u. an vielen aa. 00. „In Hütten sollt ihr wohnen, heißt es, damit eure Nach komme» wiffen, daß ich die Kinder Israel« in Hütten woh- »e» ließ, al» ich sie au« Egypten führte." Die Hütte ist al« ein sichtlich darstellbare» Moment herauSgegriffen; wir sollen daran erinnert werden, daß da« ganze Volk vierzig Jahre lang in Hütten gewohnt hol, mit Manna gespeiit, mit Wasser au« dem Felsen getränkt, überhaupt in der Wüste wunderbar erhalten worden ist. Wunderbar — das ist'« eben, waS der Anschannng eine« großen Theile« der Gebildeten heutzutage gar nicht einleuckten will und ihnen gleichbedeutend ist mit Mährchen und Fabel. Wir werden über die Bedeutung, über de» Umfang des „Wunderbaren" speziell in Israels Wüsteuwanderuig nachher reden, zunächst fragen wir einmal die alle« Wunderbare schlechtweg Längnenden und Bespöttelnden ganz einfach, nüchtern, trocken: Nun denn, wie denkt ihr euch 'sie Wanderung Israels durch die Wüste? Die Thatsuche steht doch fest. Ein Volk, 600000 Mänuer zählend, ist vierzig 'Jahre in der Wüste umherge,ogen und doch Itichl nur Nlcht auSgestorbeu, sondern in gesunder streitbarer Verfassung nachher in Palästina eingerückt und fiat da« Land erobert. Da biblische Zahlenangaben den nichl-yitelgläubigen nicht als besoilderS stichhaltig gelten, so könnten wir sie sogar getrost reduztren laffe», man streiche, wenn'» beliebt, sogar eine Null an jeder Zahl; e» ändert nicht«. Steht einerseits die Tharsache fest, daß ein Volk — also nicht eine berittene Beduinen orde von ein- bis zweihundert Köpfen, denn die hätte doch n.chc Palästina unterjochen können — Jahre lang in der Wüste einher gezogen, fo kennen wir andrerseits die Beschaffenheit der Gegend, die wir hier schlechtweg al« die Wiifte bezeichnen, au» den Berichten vieler Reisenden ganz genau. Der Weg, den Israel vom Meere bi» an den Ostrand de» Jordan eingeschlagen, ist bi» auf einige minderwesentliche, noch streitige Einzelheiten mir aller wissenschaftlicher Genauigkeit erforscht, auf Karten verzeichnet; die klimatische unrxeographische Beschaffenheit der Landschaft ist vollständig betannl, ebenso wiffen wir genau, wa« sie hervorbringi und — nicht