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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 316 1 ftumäalett. Fokschao, Ende August (Or.-Corr.) Gewähre» Sie de» naetfo: jtutKn Zeilen iiu Interest« der vom Spirituosen Gesetze ausgeschlossene» Juden und Richljnden Ausuahnir in Ihren« «ver.hea Blatte. Wie Ihnen bekannt sei» dürste, ward vou den Herren Ministern zu wieverholten Malen den betreffenden Vertretern auSwärllger Macht« die Abrogirung oder lheilweise Modlficirung oeS Art. 8 in Aussicht gestellt, um nun dieser Verheißung zur Realisiruug zu verhelfen, wurde von sämmltichen inländische» Bankiers und sonstige» Firmen die V«re»udaruug getroffen, sich bei der ftaltzufindenden Accise-Enlrepr.se Propinalion (Branbwein Lerzeyrungssteuer) von jedweder Eencurrenz sernzuhalten, und wurde von authentischer Seile her versichert, daß bas Ausbleiben jüdischer Eoncurrenz maßgebend gewesen wäre, die Kammer für die Abrogirung oder Abäudetung des Art. 8 zu stimmen, derart, daß die Regierung aus der Roth eine Tugend gemacht hätte. Der Dämon jüdischer Verfolgungen aber, der seinen Wohnütz im freie» Land.' de: Römer-Enkel aufgeschlagen, ringt verziveisell die Hände, er spähet nach allen Seilen ringsumher, er versucht r», durch Vorspiegelungen aller Art bei den jüdischen Mammon-Verehrern, aber vergebens, keiner ist so jchwachinüthig, um sich da verteile» zu lasten, wo es gilt. Taufende vom schmählichen Elende zu retlen, — endlich gelingt es chm doch, sich seinen Man» unter den verhöhnten Jude» selbst zu fischen, — ein solcher findet sich in der Person eines dem MojalSiuus angehöreuden Individuums, welches neben seinem JadrfereutiSmus für all.» Gemeingut« nur noch einen stupiden, hoffährtigen, sich über alle» Sittliche hinwegsetzenden Stolz und Eigensinn auszuweisrn hat, inil Ranien S. S, hier ansässig, welcher trotz sei»«» abgegebenen Versprechens, sich ebenfalls von besagter Eoncurreirz fernzuhalten, de» beklagenSwerthen Mulh hatte, öffentlich sein gegebenes Wort zu brechen, indem er, jedes Gefühl der Rührung, welches dem Sterblichen lnnewsynt und manchmal selbst bei dem rohesten, den zügellosesten Leidenschaften fröbuenden Lüstling in einer Mitleid- Anwandlung anznlrcffen ist, verleugne d, und seiner in den Rnralgemeinden mit Elend und Hunger ringenden Glaubensgenosse», denen die eiserne Faust de» Licenz-GesetzeS auf unerhörte Weise den Ernährnngszweig cntriffen hat, nicht chteiid, am StO. Juni, am LicilaüonS-Tag.' der erwähnte» Propiuation, t«r einzige Jude war, welcher Eoncurrenz bol. Während näuilich Hr. R in B. sowohl, wie mehrere in I. unter Letzteren >ogar einlge christliche Menschenfreunde, eine auf Krcs. 1,600,000 lautende Offerte mit der deutlichen Bedingung üaerreichlen, baß sie nur dann eine diese Offerte beinahe ulehr als zweifach udersteigeubc Summe bieten können, wenn der Art. 8 abrogirl wäre, präsenlin« der erwähnte hochherzige Herr S. S. ein« Offene m,t 1,800,000 FrcS. unter Hnuveglaffung jedweder Eondilio» und concurirle bis drei Millwnen Francs. Als er von inehreren jüdischen Älaubensgeiiosten an die Einlösung seine» abgegebenen versprrcheiis eriu leri wurde, gab er sarkastisch lächelnd die unverschämte Erklärung ab, daß ihn die Tausend« und Abertausende von Rura gemeinden Juden nichts kümmern, und daß er sich ihretwillen kein Haar trüuimen lasten möchte. — Am 19. Juli fand die Wiederaufnahme der verschobenei» L ctlation stau, und concurrine auch diesmal der einmal in eklatanter Weise wvilbruchig gewordene Hr. S. S., unter besten Eoiumando eu. gewisser Hr. W (Glaubensgenosse) und Gebrüder T. (Richljuden) stehen, bis Krc». 3,800,000 und hat leider auch berelt« vorige Woche den Sieg daoongetrage», da ihn Niemand oithr in die Höh« zu jagen die Lust verspürte. Vereitelt also »st die Hoffnung, die man in philamropischen Kreisen großgezogeu, das Veclrauen zum erwachten Seldtbewußtftin wurde zum Wahne! — Der alte talmudische Spruch: „Mine alte Aba nesel be ’aarga" bewährt sich leider niuy immer!! «.Die in der Eorrespoudenz hier folgenden Detail» über den Eharakler de» S. S lasten wir fort — er ist genug zetennteränet, er fällt, wie jederverräther, der Verachtung autzm.) Di« Tansendt jüdischer, wie auch manch« uichtjü- - - - - - -1 dische Familien in den Ruralgemeinden sind feil der in Kraft getretenen Ausführung des Art. 8. dem Elende preiögegeben. — Verzweifelt und rathloS stehe» die Unglücklichen da! — Herzzerreißend sind die Schildeningen, welche vom Schanplatz« der Ruralgcmeinden überbracht werden, — nur ein sehr geringer Theil der Unglücklichen ist in den Stand gesetzt, seinen täglichen Bedarf heimznbringen, während die übrigen aus die Barmherzigkeit mitleidiger Bauern, welche ihnen hie und da ein Stück Malai, Mamaliga, (die populärsten au- Maimehl bereiteten, nationalen, sinnbildlich die Ungeschliffenheit. Plumpheit, Rohheit, Unwiffenheit und Bornirlheil darstellende» Kuchen —) gratis verabreichen, angewiesen sind, — gerne möchten Biele ihren Äufenihall vertauschen, ivenn ihnen nur die spärlichsten Mittel zu Gebote stünde»! Bon nirgends her will sich den Bedrängte«» Hilfe zeigen; wohl beginnen sich einige hoffnungsvolle Symptome in dem seiner Zeit von de» in Bukarest accrcditirkcn Vertretern auswärtiger Mächte zu Gunsten der Unglücklicheit, gegen den grausamen Art. 8 eingelegten Protest zu zeigen, — aber die rumänische Regierung scheint sich die Eigenschaft de» von ihr als Beschützter und Beschirmer hochgefeierlen Herrschers der grande nation, großthuerisch zu versprechen, angeeignet zu haben und dieselbe auch, mrchdem jener zu versprechen und zu prahlen aufgchört, nuilinehr als rechlinäßiger Erbe zu cultiviren, — den» sie (unsere Regierung) streuet nach allen Windrichlungeit hin, woher »nr der Klagen- und Beschwerden» Ruf erschallt, großmüthig und freigiebig mit vollen Händen Hoffnung und Verheißung au«! Scho» wurden die Pforten der gesetzgebenden Kammern verrammelt, die am Schluffe der außerordentlichen Session zur Verlesung gebrachte Botschaft constatirt in äußerst ersrenticher Weise die befriedigende Wohlfahrt des Laude«, sie geioahret mit unaussprechlicher Freude die ganze Ration durch ihre aufopferungsvollen Kämpfer den ivahren Pfad des Fortschritte» hinanichreiten, -sie geräth in Exrase über die gottgesegneten Zustände RuinänienS und geruht, de» Herrn von beiden Häusern die landesherrliche Befriedigung auSzudrücken! — Aber im Uebermaße der Freud« taumelnd, versah e» die hohe, vom nationalem Rausche dictikt«, Botschaft, daß die Angeredete» „och iinmer unter Sterblichen wandeln und glaubte, da« wären keine simplen profanen Kammern mehr, sondern pure olympische Götter, denen e«oig nur das Evangelium der Glückseligkeit Freud« und Ruhm gepredigt werden darf (Schluß folgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berli». Die Nachricht, daß der konfessionelle Unterschied an den höheren Lehranstalten durch einen konfessionslosen obligatorischen Religions-Unterricht ersetzt werden soll«, wird officiöS als nicht richtig bezeichnet. Wie die „Bost. Ztg.* jetzt von bestunterrichteter Seite erfährt, ist Herr Ilr. Falk allerdings gegen den toniessionSlosen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten. Derselbe ist aber wohl für den konfessionslosen Eharacter dieser Anstalten. Da» KultuSniinisterium ließ demnach mehreren Konimunen, die zur Herstellung des neuen Rormal-BesoldungStarifS EtaatShilfe in Anspruch genommen hatten, folgende Bedingungen zur Entscheidung vortragen: 1) die Anstalt (gleichviel, ob Gymnasium oder Realschule) verliert den konfessionellen Eharacter und wird paritätisch d. h konfessionslos, so daß die Lehrer beliebig Katholiken, Protestanten und Inden sein können; S) der Direktor und der erste Oberlehrer iverden von der Regierung ernannt; S) da« Schulgeld wird erhöht (oft um zwei Drittel - de» bisherigen Betrages.) Im Falle der Annahme dieser Be« > dingungen wurde rin SlaalSzuschuß in Aussicht gestellt. ' Berli». Auch EnltuSininister Falk ist, wie die „Bost. - Ztg." erfährt, der Ansicht, daß eine Verpflichtung der politischen Gemeinde zur Unterhaltung der jüd. Elementarschutrit , nicht anerkannt werde» könne, ein« Unterstützung Möfelben - häng« lediglich von dem Ermeffen und dem gute» Wille» der »lg pelit Gemeinden ad. . ij

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