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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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VKtz. Wie die „Metzer Zeitung* schreibt, findet Freitag, 4- Sqit-, Nachmittag» 3lL Uhr. die feierliche Jnstallatjon de» Herrn Bigart, Landrabbiner» von Lothringen, in der hiefigen Synagoge statt. Herr Bigart. früher Rabbiner z>r Pfalzdui'g. wurde vom Metzer israelitischen Eousistoriuni nach hier berufen, worauf alsbald auch die kaiserliche Bestätigung erfolgte, durch welche zugleich Herr Bigart von dem Grad eine» gewöhnlichen Rabbiner» zu dem eine» ttrnuck Rabbin (Landraddiner) emporrückte Anfang» wollte nian jede feierliche Installation unterlagen; jedoch auf den Hinweis de» Herrn Präsidenten von Lothringen, daß (einem von der deutschen Reaierung eingesetzten Rabbiner dieselben Ehrenbezeigungen mit Fug und Recht zukämen, wie sie unter sran- »tzsischeiu Regime jedem Rabbiner bei seiner Einführung erwiesen wurde», entschloß sich da» Eonsistorinm zur erwähnten Feier Rach dem darüber auSgegebenen Programm wird Herr Morange, Präsident de» i-raelitischen Eonsisioriunls, den neu ernannten Landrabbiner mit einer Ansprache einführen, worauf dann dieser seine Antrittsrede halten wird. Mehrere hohe Beamte der BezirllSregiernng werden der Feierlichkeit beiwohnen. Wie». Der Direktor de» Allgemeinen Oestereichischen Israelitischen Taubstnninien-JnstituteS, kaiserlicher Rath I. Deutsch, versendet den Jahrc-bcricht diese» Institute» für 1873/74, an» welchem wir die erfreuliche Thatsache Hervorheden, daß die Austalt stetig proSperirt. In der Einleitung zu deni Berichte giebt der al» Fachmann bckännte Direktor einige Winke, wie der Unterricht der Taubstummen besier organisirt werden lönnle Wir entnebmen diesen AuSsüheungen Folgende»: ES wird vor Allem noththun, für einen Nachwuchs brauchbarer Taubstummenlehrer unter drn Schulamt»- Landidaten Sorge zu tragen. Zu diesem Behuse müssen allerdings neue Uednng»stätten eröffnet und in allen Bezirken Taudstummei,schulen errichtet werden. Rach kurzer Zeit schon wäre dann jeder Ort-schullehrer in der Lage, gegen eine entsprechende Renluneratiou den Taudstunimen-Unlerrichl der betreffenden Schulrayon» zu besorgen. E» versieht sich von selbst, daß dann der gesetzlich bestehende Schulzwang auch auf die vorhandene unterrichtspflichtige taubstumaie Jugend ausgedehnt und diese Maßregel der Ueberwachung und Amtshandlung der deireffenoen Schulräthe empföhlet» werdet» müßte. In gleicher Weise nlüßte di« Regierung die Hand zur Beschaffung wohlfeiler Lehrvliltel bieten, der k. k. Schulbücherverschteiß > sollte stzr di« Beistelung der Lehrbücher sorgen, und die Gleichberechtigung de» Unterrichte» der Taubstummen mii dem der Bollsinliige», wie sie theoretisch sowohl vom Standpunkte der Pädagogik al» der Nattoual-Oekonomie und Eulturpolitik sichergestellt, auch im positiven Gesetze praktisch durchgeführt werden. Am Schluffe seiner Auseinandersetzungen erbietet sich Herr Direktor Deutsch dazu, nach wie vor einen eigenen Tursu» für Lehrer, welche sich mit diesem Zweige de» Schulwesen» bekannt machen wollen, offen zu hallen und mit seinen Rathschlägcu etwa entstehenden Taubsiummen-Anstalten zur Seite zu stehen. Wie». D,r Bürgernieisler zeigt dem Gemeindeialh au. daß die Erbe» de» verstorbenen Freiherrn Anselm v. Rothschild die Sumnie von 12,000 fl. zur Bertheilung an die Armen gespendet. Krala», 31 August. In Folge der Resignation de« vr. Zyblikiwicz steht nun für die Stadl Krakau eine Ersatzwahl in den ReichSralh bevor. ES ist selbstverständlich, daß man sich hier mit b:i Frage de» Nachfolger« für vr. Zybl ekiwtcz lebhaft deschäfligt. Die Krakauer Juden wolle» den schon bei den letzten Wahlen al» Eandidat ausgetretenen vr. W a r s ch a u«r ju den Reich«rc.lh wählen, und sie hoffen, daß vr. Zyblikie- «icz diese Eandidaiur unterstützen werde. Au« Teuulvar von, 1. d. wird gemeldet: Sei: gestern weilt ein« Deputation jener religiösen Seele bei un», die sich Sadbathianer nennt und noch häufig in Siebenbürgen zu finden ist. Der Zweck de« Hiersein« derselben ist ein ganz in lljsalu, Udvarhelyer Stuhl, beabsichtigt nämlich zuin Jiidenthum überzulretet, und sammelt müde Beiträge zur Anchasfung von niosaischen Gesetzrollen uno sonstigen Tenrpelgerälhschaflen, zu welchem Zwecke ihnen auch von Nichtjuden reichliche Spenden zufließen. Jntereffant ist, um» man von d.csen Leute» über da» Wesen ihrer Seel«, sowie über ihre sonstigen Berhöltniffe erfährt. Bi» vor Kurzein wußten sie n rr Eine Sprache: die ungarische, und selbst ihre Gebete, melche übrigens blos au» Uebcrjetzungen der hebräischen Hauptgebete bestanden, waren in dieser Sprache abgefaßt. In letzter Z.'ik haben sie auch so viel Hebräisch gelernt, um Gebetbücher mit hebräischem und ungarischem Text zu gebrauchen. Schweinefleisch haben die Sadbalbeaner immer für unrein gehalten, und demzufolge wimmeln ihre Dörfer von Gänfeheerden. Ihr Glaube haue stet« mit dem mosaischen die größte Aehnlihkeit; doch erlitten sie in früherer Zeit io viele Berfolgungen, daß e» bei ihnen Gewohnaeik wurde, ihren Cult nur im B> rborgenen zu üben. So erzählen sie, daß ihr „Bersöhnnn^Slag" stet» in einem Keller gefeiert wird, wo auch die jüdischrituellen Beschneigunge» vorgenommen werden, denen oft sechs bi» acht Kinder gleichzeitig unterzogen wilrden. Wie die Gäste versichern, bereitet sich unter der ganzen Seele ein Umschwung vor, so daß e» höchst wahrscheinlich ist, daß sämmtlichr Sab» balheaner-Dürser in Siebenbürgen in Kurzem dem Jadenthume angehören werden Die Sadbathianer sind sämmtlich Landwirihe und sehr arbeitsam und mäßig EzeruoNitz, 4. September. Di« hiesige Handelskammer hat ihr Mitglied Jacob Kohn einstimmig zum Lanvta»-Adgeordnrteii gewählt. Kohn ist entschieden verfaffung-treu. Au» Galizie». E» treffen neue Klagen ein; die Polen schreiten breit» zu Thätlichkeiien gegen di« Juden Uebrigen» soll der Justizniinistec an die Slaarsanwaltschafr in Lemberg bereit» die Weisung gerichtet haben, die judenhetzenden Journale strengsten» zu überwachen Au» Ungarn. In Nir-Bador hatte am 20. August ein jüdischer Kaufmann da» Unglück, daß in seinem Hause Feuer aurbrach. Anstatt dem Unglücklichen Mann zu helfet, rotteten sich die Dorfleute unter dem Rufe: „Alle Juden sind Mordbrenner, dieser Bösewichl muß sammt seiner Familie in» Feuer geworfen werden I" zusammen. Diese Drohung kam zwar nicht zur Ausführung; allein ein roher Mensch versetzte dem Juden mit einer Axt einen Hieb auf den Kopf, daß dieser bewußtlos zusammenstürzte und jetzt noch an einem heftigen Wundfieber daniederliegt. Der OrtSrichter war zngcgm und that nichts, um den Juden gegen «inen solcheit bratabm Angriff in Schutz zu nehmen. Amsterdam. Unser Glaubensgenoffe, Herr Ban Goldstein, ist zum Eolonialminister ernannt worden. (Jew. World.) Ferrara, 20. August. Dem Prof. Graziado Ascoli, Direktor der wiffenschafilichen und literarische» Akademie jjU Mailand, ist von der Berliner Akademie der große Prei« in der Philologie zuerkannt worden. Ein deutsche» Joarnal gesteht, daß die» Ereigniß in Berlin Sensation erregt habe Natürlich in den betreffenden Kreisens und wenn man in der Thal an die große Zahl tiefgelehrler Philologe» denkt, welche Deutschland besitzt, so muß man sich wunder», daß ein Ausländer ihnen den Rang abgelaufeu hat. Bei der Neuwahl de» Sla»tratd» in Rom ist Ai«. Samuele Alatri mit großer Majorität wiedergewähll worden. Die Wahl wurde wegen eine« Formfehler» annullirt, und nun erlangte Alatri im zweiten Gange soviel Stimmen, daß ihm nur eine einzige daran fehlte, daß er auch erster Affrffnr, d. h. stellvertretender Bürgemeister, geworden wäre. Ein« Stimme mehr und wir hätten in Rom einen Israeliten den, augenblicklich vacanten Bürgemeisterpoften bekleiden gesehen. (»nt J»r.) Easttle. Al» Fortsetzung de» „Educalore i«r* gleit t«r hiesige Rabbiner F. Ge rot die Monat«schrift „Besstllo iAfiitUiico* fr*™«*

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