Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Oe-erretch. Smletg, Ende August. Der Verein „Schomer Israel" hat einen energischen und korrekten Schritt gegen die Hetzereien de» Jan DobrzanSki gelhan, er hat dem Justiz-Minister rin Memorandum überreicht und gerichtliche» Einschreiten nachgesuch«. E» heißt im Eingänge der Schrift: „Juden und Christen wohnten im friedlichen Beisammensein. der Bauer auf dem Lande sah in dem Juden seinen Freund und seinen Raihgeber, der ihn mit Rath und Thal unterstützte und ihm half. Seit einem Jahre wird eine Aenderung dieser Verhältnisse angeftrebr. Ai» nämlich im vorigen Jahre die Juden Galizien» gelegentlich der direkten Reichtrathswahlen unbedingte Be.faffuugSlreue und gesetzlichen Fortschritt innerhalb de» Rahmen» der ReichSeinheit aus ihre Fahne schrieben, anstatt sich dein Uta» einer kleine», aber desto rührigeren Clique, die Galizien ale durchaus im OpposilionS-Fahrw iffer befindlich darstellen wollte, zu fügen, begann die Gazela Narodowa den VernichrungSkampf gegen die Juden Galizien» in einer der öffentlichen Ruhe, Ordnung und dem Anslande hohnsprrchenden, äußerst rüden Form zu predigen Die Enttäuschung aus politischem Felde sollte mit einem fiegreiche» Kampfe auf national-ökonomischem und socialem Gebiete gegen die Jude», wenn möglich geführt werder. Au» den „Brüdern jüdischen Glauben»", wie man die Juden zu nennen pflegte, sind auf einmal „Verräther au der heiligen Sache de» Vaterland«»" geworden. Seit einem Jahre dringt fast jede Kummer einen Brandartikel gegen die Juden Betrüger, Brandleger. Diebe, Landaursanger, Landplage sind nur eine kleine Blumenlese der von der Gazet» Narodowa beliebten Schlachworle, an welche sich »et» die Aufforderung zum Kampfe gegen diese« feindselige Element knüpft. Kampf auf »atinal-ökonomischem Gebiete heißt nach der Theorie d^r Gazeta Narodowa AuSschließnng der Juden von jeder Geschäftsverbindung, Entfernung von ibrem wohl erwordinen Eitze. Kein Gutsbesitzer soll einem Juden verpachten, kein Bauer bei einem Juden eintehren, ihm Dienste leisten, Wohnungen vermielhen, seinen Acker bestellen, seine Ernte einhrimsen, mit Einein Wone, die Juden sollen in Acht und Bann gethan werden. Da» ist die tägliche Parole der Gazeta." <&» ist eine B umenlese von I I Stellen au» der Äaz. Rar. deigefügt, welche stark genug sind, um eine Bestrafung zu niotiviren. E» ist also ein Erfolg der Denkschrift höchstwahrscheinlich, obgleich e» schlimm genug ist. daß erst der Justiz-Minister gebeten werbe» mnß. den Staatsanwalt zu seiner Pflicht anhaltenzu wollen. <s. NeuesteNachr. „AuSGaliz.en ") Inzwischen hat ein Bürgermeistcrtag stattgehabt, an dem auch Jan DobrzanSki theilgenomn.en und da» große Wort geführt hat, obgleich er seit den letzte» städtischen Wahlen nicht einmal mehr Gemeinderath ist Auch in dieser Versammlung deschäjtigte man sich daher sehr wesentlich mit den Juden, und DobrzanSki beantragt eine Judengemeindeordnung oder ein CanfessionSgesetz zu schaffe». E» ivird gar nicht» fruchten, aber e» zeigt sich überall, wie die Presse bemerkt: „daß, sobald Polen zusammentrete», sie auf Unterdrückung anderer Rationalitäten und Elemente der Bevölkerung sinnen. Und da wundern sie sich, daß sie nirgend« auf Freunde stoßen. Die Polen können die bürgerliche Gleichberechtigung der Inden, Ruthenen und Deutschen nicht vertragen. Und wenn bi« Ersterrn in den Städten einen sehr beträchtlichen Theil der Bevölkerung au-machen, sollen sie dennoch in der Stadt- »erwaltung keine Stimnie haben, sowie in den von Ruthenen allein bewohnten Landstrichen die Polen allein die Herren spielem wollen " Wie gefährlich aber da» Treiben der polnische» Judenseind« auch werden kann und wie sehr Abwehr und Anrufen der Obrigkeit dagegen »othwenbig ist, geht auch au» nachsteheudeu Bericht der J&. J»r." hervor. Gtqctpt, Ende August So lange hier der menscheusreundlich« Propst und Domherr T- Czp»ztowki wirkt«, herrscht« zwische« Christen u»d Jude» da» größt« Euioernehj men. Die große Achtung, die diesem edlen Manne auch von > Seiten der Juden gezollt wurde, beweist am besten der Umstand, daß zur Feier de» 88. Gebunttage», welcher am 24. Juli staufand. die angesehensten Mitglieder der hiesigen i»- raclitischen CulluS-Gemeinde ihm ihre Glückwünsche darbrachte». Ganz ander« sieht e» jetzt in unserm Städtchen au«, seitdem rer Vikar PrawdzikowSki die Stelle de» menschenfreundlichen und liberalen Greises bekleidet. Die Kanzel wirb von diesen. Manne dazu benützt, um Zwietracht unter de«, verschiedenen Consesfionen auSzusäen. Die Predigten deS Herr» PrawdzikowSki erfreuen sich eben nicht de» großen Bei fall» der Zuhörer, derselbe nimmt daher zur Politik seine Zuflucht, verliest von der Kanzel Artikel der jUdensrefferischen „Gazela Narodowa", oder die Heldenlhaten der Bauern von Borkiwielkie, und fordert sein Auditorium zur Befolgung der Rathschläge Jan DobrzanSki'» aus. Da» Gebahreil diese» Diener» der Religion hat in der hiesigen Bevölkerung di« größte Mißstiminung heroorgernsen, und von Leite» der hiesige» Judenschaft ist auch schon der Beschluß gefaßt worden, die Staatsanwaltschaft auf da» Treiben de» genannten römisch-katholischen Geistlichen aufmerksam zn machen, zumal die Thätigkeil desselben sich nicht blo» aus die Kirche erstreckt, sondern derselbe e» sogar wagt, sich in Dinge hineinzumischen, die ihn gar nicht angehen. So hak derjeloe am vorigen Soiinlag gewaltsam eine Bude sperre» taffen, unter dem Vorwände, der Eigenthümer sei Christ, dürfe daher am Sonntage keine Geichäf:e machen. Holland. Aafterda», 6. Sepl. (Or.-Corr.) Nachdem bereit» im vorigeil Jahrgange de» zu Rotterdam erscheinenden Weekblad voor Israel. Huisgezinnen eine holländisch« Ueberietzung von der Erzählung „da» Mädchen von Tänzer" au» Herzderg'S „Jüdische Familienpapiere, al» Feuilleton, unter dem Titel „Esther", ausgenommen war, ist jetzt die vom Herrn B. HildeSheim, Oberlehrer der jüdischen Religionsschul« in Rotterdam nnd Redakteur de» obigen Wochenblatte», bearbeitete holländisch« Uedersetzung de» gedachten Herzberg'schen Werke» vollständig bei den Verlegern Gebr. Haagen» in Rotterdam erschienen. Der Titel dieser Uedersetzung, die seit Februar d. I. in wöchentlichen Lieferungen, jede von einem Bogen, herausgegeben wurde, lautet: Ult het leven van eon Christelyk Zendeling lot bekeering der Joden, naar de tweede uitgave van M. Herzberg’s Jüdische Familienpipiere, uit het Hoogduitsch vertoold door H. Hildesheinu.— Auch vom Original Werke ist hier manche- Exemplar zu ftuden in Folge der warmen Anzeige, worin dasselbe (nach Vorgang der Besprich.>ng im „Jüd. Literaturblati Nr. 12 v. £{J im obengenannten Weekblad eindringlich empfohlen wurde. Es giebl hier vrei jüdische Wochenblätter: 1. Weekblad voor IsraClieten, 2. Nieuw Isradlietisch Weekblad, teil»« in einer Stadl erscheinend, und 3. da« mehrgedachle Rotte,-- daminer Weekblad. Nähere» über dieselben behalte ich m r für eine folgende Correspondenz vor. Dem Vernehmen nach wird vor Jahresende ein anderr» jüdisch-lilerarische» Werk die Presse oerlaffea, nämlich der von Herrn M Roest dahier redigirle, aus zwei starken Bänden & etwa 900 groß 8 Seilen bestehende Catalog der reichhaltigen, vom seligen L Roseuthai in Hannover nachgelaff.nen Sammlung Hebraica und Judaica. Bin ich gut unterrichtet, jo kommt der Catalog weder in den Buchhandel, noch di« Sammlung zur öffentliche» Versteigerung, sondern soll der Sohn de« Verblichenen, Herr Ä. Rosenthal, Banquirr dahier, geneigt sein, die Sammlung, au» 5000 bi» 8000 NNr. und 7000 bi» 9000 Bänden bestehend, im Ganzen einem Institut käuflich zu überlaffen, wenn dasselbe die Verpflichtung iibecnehme» will, die ganze Sammlung zusammen bestehen zu laffeu. ) «ertchtiSimarn. I» Ar. 36 6. MO Sp. S £. 8 ». u. C. Sp. 1 3.1«.». *• ft. L R«fckia«t I ata — 8. Ml fl. 3« *. a. st. n«tz« l. »atz«». 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