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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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UN» f:üher gemachten und von Bielen richtig gefundenen Bor» schlag, die langen ilTO. nach Angabe de» Inhalt» in 4—6 Zeilen (wie die» in so vielen Büchern in Bezug auf 1000 DV1P geschehen ist) wcgznlaffen und etwa später in einen, besonder.'n Hefte »ocbzuliesern Es wäre dadnrch vorläufig viel rascher der Druck beende, morden Und wer tritt so leicht al» neuer Abonnent ein, wenn er entweder eine Reibe ganz unbrauchbarer Fortsetzungen erhält oder alle früheren Lieserunger nachträglich aus einmal kaufen muß? Neben v£ in zwei Serien hätte man mit deu> Druck noch anderer, mehr al» zwei Jahrgänge füllenden Werke durchaus nicht vorgeben dürfen ) 6 Bo» Harz. (Schluß.) Auch »ach Hannover führt vtich niein Weg hin und wieder. Die jüd. Gemeinde daselbst birgt noch recht gesunde Elemente in ücb; darunter finden wir noch Orthodoxe alten Schlag». Con erv uioe. Neuorthodoxe und ForlschritlSmänner. Sie leben iriedlich nebeneinander und besitzen außer einigen Nebensynagoge» * *) eine im herrlichen Baustyl auigesührie Hanpisynngoge. Ter Rabbiner daselbst, Hr. vr Meyer, da sein Streben ein friedliche» ist, wirkt nach allen Seilen versöhnend und sucht jedem Zerwürfniß vcrzubcugen Als TP p. Eingeborener und Mitglied einer ungesehenen Familie wurzelt er auch durch sein freundliches, aufrichtige» Wesen ganz fest m der Gemeinde und übt nach allen Seiten hin den besten Einstnß. Seine Predigten finde» großen Anklang, nur spricht er in der Begeisterung oft zu rasch und dadurch oft undeutlich Einen großen Anziehunxspunkl bildet der Gesang und die Bortragsweiie de» selten begabten Obercanrors Berggrün. Dieser Säuger leistet so Großes, daß ec wirklich manchen Beier dem einfachen gotte»dien tlichen Gefühle entrückt und nur den Eindruck der Kunst unterläßt. Dazu kommt nun eine prachtvolle Synagoge mit ihrer harmonisch vollendeten Einrichtung, daß man beim Verlaßen de» Gotteshauses fich erst sammeln und fragen muß: Geist und Herz, wo seid ihr gewesen, habt ihr nach Außen oder nach Innen geschaltet? Die edle Einfachheit fehlt bei der irrigen Gotteshäusern und bei rem zu kunstvollen Gesang. Wahrlich cs wäre zweckdienlicher, wenn in den größere» Gemeinden statt eines großen und so prachtvolle» Tempel» mehrere einfache große Belh.illen in einfach schönem Styl gebaut wurden und jeder übertriebener Schmuck wegfiele. Man könnte alsdann den verichiebenen ReligionSanichauungen gerechter werden und mehr leinen für Jugendjchulen und die religiös.' Belehrung der Erwachsenen. „Einen Altar von nicht euunal behauene» Steinen genügte dem Allgegenwärtigen, der da sprach: „an jeden. Orte u. s. w ivill ich Dich segnen." Früher war es eine Zierde der Gemein)«, wenn sie viele Gelehrte in ihrer Milte halte, jetzt bekümn,ert man sich um diese gar nicu mehr, ja hier und da werden sie fast als überflüssiger Ballast betrachtet und behandelt. Alle Gemeindemittel wrroen durch Prachlsynngoge» fast ganz absorbirl. **) Was *) Dirt ist nicht richtig. In der «hemäligen Borstadt Linden ist rin« Syimgoge, aber di« dortige Gemeind« ist a»ch ganz selbstständig. (*rt>.) **) Die hier vorgetragenen Bemerkungen sind ganz richtig, wen» sie aber gerade ad voeem Hannover vorgediochl werden, so sind sie ohne Zunfet an di« unrecht« Adresse gerichtet. Es bleib« un- «rSrrerr, ob der Synagogen-»"esang daselbst zu kunstvoll sei. da« ist Geschm« kosach«. Statt einer Pracht- und diesen > Synagoge mehrere kleiner« rauen, wäre hier und da sehr vernünstig; Hannover aber ist al« Stadt und Gemeind« nicht so groß, daß nicht ein« Synagoge stir All« au«reich,e. Di« dortige Synagoge ist ferner gerade so groß, daß ein kräftige« Organ sie noch vollkommen auofüllt, während der Berliner Prachtbau einfach at« ein seinen Zweck oersestender, noch kürzer: al« ein verschlte« Gebäude bezeichn«, werden muß. Nur > des Publikum« v« steht den Prediger die Uebrigea HSi en Wiederhall und abgerissene flotte. Da ist entweder die Predigt rutzlo« oder da« Hau«. — Kerner tat in Hannover mit Nichten der Lynagogeabau alle Mittel erschöpft: im SegenthcU, man hat seitdem die Aeligionsschute auf« Liber atst r reorganisirr und will ein Hospital nnrichten und ein Schulgebäude aufftihren. Endlich zählt gera»« hnnmooer «erhälmißmäßig recht niete jüdisch« Setehri», Männer von Berühmthest und jung« Stlftäget ehrte. »aß dies« von der Gemeind« alt Ballast betrachtet würde», wäre «ine ganz unbegründet« Verlästerung iwr letzt««». Di« »ln» wird nu» den bither oft blühenden Landgemeinden, wo wirklich noch religiöser Sinn vorhanden war? Die besten Kräfte ziehen nach der großen Stadt, und der Ueberrest geht der religiösen Verkümmerung und Verwilderung immer mehr entgegen. Vielen Lehrern solcher Gemeinden bleibt oft nicht» übrig als die Niederlegung de» bisherigen Beruf» und di« Ergreifung deS Handels- oder Wandersl>ibes. Man sehe fich um in der hentzuinge häufig auslanchenben Rischus-Literatur, das Bild der Geichmäheten und Verlästerten wiro nicht nach der Gestaltung und dem Leben der großen Gemeinde, sonder« nach den in religiöser und bürgerlicher Armulh dahlnsicchendcn Landgemeinden entworfen. Darum keine Ueberhebung und lieber!,ivnng der Prachtsynagogen und de» EulluS darin, sond-rn Unierstützilng und Belebung d«S religiösen Sinne» überall, wo Schwächung und Berkümineruuq einzulreteu droht. „Stellt viele Schüler an" heißt e» wieder. Da» Seminar in Hannover bedarf noch großer Aushilfe; denn e» wird da viel Gutes geleistet und könnte noch viel, viel mehr geschehen, wenn die wohlhabenden Mitglieder dieser Gemeinde ihre» Blick darauf liebevoll richten möchten, und den kleineren Genieinden muß nach- und wieder aufgeholfen werden *) Diese Landgemeinden in der Provinz Hannover sind sehr zujammengeschmolzen, bei de» Inspektionsreisen der Herren Landtabbiner werden die Plenaroersammlnngen der Gemeinden oft nur durch 2—3 Personen, die das Plenum bilden, lepräseutirt Hier wären Gemeindeve,bände und gut siluirle Wanderlehrer am rechten Orte, um die religiöse Verbindung rege zu erhalte» und den religiösen Sinn zu belebe». Eine LandeSoersanimlung aller Gemeindevorsteher mit Hinzuziehung aller einflußreichen Mitglieder der Gemeinde Hannover und anderer Geineinden wäre sicher eingebracht. Die bisherige Praxi» für die Rabbinat»verbände reicht nicht au». Memel. (Zitdenqnälereien.) Dem hiesigen „Dampsboot" wird folgende» Stückchen von jenieit» der Grenze erzählt, welches die recht- und schutzlose Lage der dortigen Juden und die Ohnmacht der Behörden dem religiösen Kanattsinus gegenüber illustrirt. Zn dem russischen Städtchen Worno ist dem katholischen Geistlichen der Hausknecht plötzlich verschwunden, so daß Niemand über dessen Verbleib Aufschluß zu geben wußte, nur lag die Vermuthung nahe, da er, etwa 20 Jahre alt, vor der bevorstehenden Rekrulirung Reißaus genommen. wie gegenwärtig, nach Einführung der allgemeine« Wehrpflicht, sehr Biele thun. Der Geistliche erzählt aber seiner Gemeinde, ihm sei der Verschwundene im Traume erschienen mit furchtbaren klaffenden Wunden, und habe ihm erzählt, die Juden hätten ihn gemordet und hätten sein Blut nach Zerusalem verschickt, zu welchen, Zwecke, wiffen wir gleichfalls nicht anzngeben. Die Sache wäre zum Lachen, wenn sie für die armen Juden nicht so furchtbar ängstlich wäre; drnn diese sind nunmehr in dem One und der nächsten Umgebung des Lebens nicht mehr sicher. Man hat sich an de« „Sprawnik", man hat sich an den „Affeffor" um Hülse gewandt, man hat eS sich sogar viel Geld kosten laffen; dies« laffen aber trotzdem den Pöbel schallen und walten. Auch der Gouverneur, an den man deswegen geschrieben, hat bi» jetzt nichts von sich hören laffen, und wie sehr dort die Hilfe Roth thut, beweist der Fall, daß man erst vor wenigen Tagen eine» jüdischen Grubelnik (Laudkräuler), der sich herausgewagt, überfallen und chn derart mißhandelt hat, daß ma« an seinem Aufkommen zweifelt. Thatsachr» daß Herrn Prof. Fren«dorsf ein« ganz im Still«» und im Au gesammelt« Ehrengab« von eipaar tausend Dhatern zue Herautgabe seiner Masora — als» «ine« d«m groß«» Publikum so fern wi« möglich liegenden Buch«« — überreicht w«rd«n konnte, bezeugt deulUch. daß man in Hannover, wie nur irgendwo. jüd. Gelehrt« und jüd. Wissenschaft hochachtet. (Aed.s *) Auch mit dieser Bemerkung geschieht wieder gerade der Gemein»« Hannover, al« Ganze« betrachtet, schreiende« Unrecht. Biel über Hundert ehemalige Zöglutge de« dortigcn Seminar« werden freudig bezeugrn. daß «an ihnen daselbst sehr mel Gute« gethan. Ohne die reichlich« private Unterstützung der Israeliten in der Stadt hätte da« Semina» weder «mstehe» noch bestehen känne» Daß «an «fei kMt für »U «mm Pr»»»» s»rge» soll«, da« wäre «in« «wemchnfti» Kardermch. (M.) .. "... ,'id 'i limjifciitii

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