Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935811--2323-5371818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 313 — täglich — so ftnbct men da» ganz richtig und nölhig. Wenn dann rin übereifriger StaatSanwalt oder ein läppischer Polizist um solchcr »bgrdnicklen Artikel willen confiecirl oder Anklage erhebt, io ,chüilelt man über den Unverstand den Kopf. „Wir muffen ja die Sliniinen, die Intentionen, die Bosheit der Keiner kennen lernen," heißt e» dann. Wer kein Taruiffe ist, macht auch kein Hehl daran», daß er sich an dergleichen mitunter, nachdem er sich sein Theilchen darüber geärgert hat, amüs irt; denn man liest und hört nicht gern iminer daSsribe, man begehrt zuweilen etwa» Pikante». Zucker gehört nicht an alle», zu manchen Speisen ist Paprika gut. Die wächst in Ungar». Wenn wir hier aber Stimmen au» Ungarn bringen, die zu den Zeichen der Zeit gehören und zu ihrem Verständniß nölhig sind, Stimmen, die doch, wer und wa» für Subjekte auch immer ihre Verkünder sein mögen, jedenfall» einer Partei angehüren, welche numerisch 25, ja 50 mal stärker ist, al« die Anhänger der Htldetheimer'sche» Richtung in Deutschland — dann ist'» nicht recht. Soll die „Wochenschrift" lediglich neutrale Betrachtungen bringen und aller Welt bekannte Zeitung-nachrichte»? auch von letzteren nach Möglichkeit nicht», wa» jemand unangenehm sein mag, und in vrr Wochenschrift nicht verbreitet «erden sollte, wenn e» auch längst i» fünszig Journale,l gestanden hat? Bin i ch <» denn, der gegen Rabbiner - Seminare poltert? Aber die ungarischen Schomre - hadath lhun es, und zwar ganz ebenso gegen ein Hilde»heimer'sche», wie gegen ein Fräntel'sche» oder Geiger'sche», ja gegen erster«» am heftigsten. Zu t«n ersten Paprika - Skribenten gesellen sich auch Stimmen an« Deutschland. Ich habe ihnen nicht souffltrt, aber da» jüdisch« Publikum muß oder soll davon hören. Soll ich nuu die Grobheiten, in die die Meinung»- äußrrnnge» gekleidet sind, überzuckern, die Artikel in ein civtle» Deutsch umschreiben? Dazu habe ich kein« Lust, und dann ist der Stil ja der Mensch, ich gab also die Auszüge tn Originalverpackung Daß mehr da« Quasi-Amusante au»gezogen, da« Gröbste uusgelaffen ist und daß mit dem Ganzen der Zweck verbünde« war, ad oculoa zu demonstrire», daß untre deutschen Skrengorihodoxen andern Leuten noch al» Poach’im und Mfcchatie harabim gelten, da» ist zur Genüge gesagt und «iederholt und an sich augenfällig. Dergleichen liest mancher nicht gern; aber wenn da» Alle» nicht gedruckt werden därfte! .... Beiläufig di« Notiz, daß da« „Trad. Jud." wieder einmal zur Ruhe gegangen ist. E« gibt für den Augenblick in Ungarn nicht» zu Hetzen und zu schüren, also für Ehrentheil 6t Gons, auch nicht» — zu verdienen. Die Zeit und da» Blatt werden wieder kommen, da» steht — natürlich nicht zu hoffen, aber kaum im Zweifel. P»ftu, 8. September. (Or.-Gorr.) So unangenehm e» ist, gleichsam in sein eigene« Fleisch zu schneiden, so noth- «endlg ist e», einen llebrlstand zu besprechen, der nun bereit» Jahre lang sich hinschleppt. E» betrifft dir« den Verein Mekize Nirdamitn, der nun schon seil 12 Jahren begründet ist und bi» heute erst 4 Jahrgänge an» Licht gefördert hat. Der Leiter, Herr Redakteur vr. Eilbermann, beklagt sich fortwährend über den Mangel an Sympathie für da» allerding» der jüdischen LUeratur unendlich nützliche Institut, er thut jedoch alle» Mögliche, um diese Sympathie noch zu »erringern. Die wenigen Schriften, die bi« jetzt erschienen und größrenlheil« noch Fragmente find, haben unter förmlichen Wehen da» Licht der Welt erblickt; einmal war e» der polnische Aufstand, alsdann der österreichische Urieg. hierauf der Rolhftand in Ostpreußen und Westrußland, dann wiederum di« Brände in Polen, und endlich der ftanzösisch« Krieg, dt« dem regelmäßigen Erscheinen hindernd in den Weg traten! War die» wie ein« ewige Krankheit sich hinschleppende Begettren allein schon geeignet, die Sympathie erkalten zu laffen, so trug di« Art und Weift der Liefern«g der Schriften da» Weitere hterz» kL Nicht» al» Fragment« «erde« geliefert; -v . . da« Werk prtar *rnB< da« in zwei Serien erscheint, von X bi» v und von i di» End«, ist allerding» tn seiner zweiten Serie schon bi» C gediehen, die erste Serie steht — nach 12 Jahren — »och bei x! Die Luzzaio'sche Au«gabe de» Juda-Ha- Levi'schen Divan, da» Eben Sapir de» Reisenden Sapir sind Torsi geblieben Hinsichtlich de» Elfteren ist freilich der Tod Luzzaro'» Schuld. Daß die Schriften quantitativ nur geringfügig sind und man für 2 Thir. etwa« mehr (?!) verlangen könnte, namentlich nach so lan.,»m Harren, könnte noch hingehen, keineswegs aber der Umstand, das; die Geduld der Abonnenten auf eine waghalsige Probe gestellt wird. Bor einigen Jahren wurde die Edition de» Weffely'- schen Eornmentar» zur Genest» begonnen und ist nach dem Usu» de» Institut» in zwei winzigen Heften bi» Wajera geliefert worden. Anstalt nun diese» in der Thal schätzen»- werth« Werk fortzusetzen, erfolgte Rr. 15 de« „Hamagiv" die Ankündigung, daß für diesen Jahrgang mehrere bisher so ziemlich unbekannte Werkchen, von Venen manche dem Jbn E»ra — nach Grätz mit Unrecht — zugeschrieben werden, die aber überhaupt entbehrlich sind, bestimmt worden. Da» Weffely'sche Werk bleibt ad ealt-nds« ^raecas liegen, und somit bi» aus Weitere» Fragment. Da» '"E steht auch für diesen Jahrgang bei dem endlosen X u. s. w. Man weiß hierbei nicht, wa» mehr zu bewundern ist, die Kaltblütigkeit de» Leiter« de« Institut», der weiter nicht« von sich höreil läßt, al« Aufforderungen, Ankündigungen und BeilriltSmittbeilungen, oder die Geduld der Abonnenten. Freilich ist ein großer Theil der Letzteren tn der Thal längst abgegangen, und wahrscheinlich haben auch schon vor Jahren einige hervorragende Persönlichkeiten sich von der Leitung zurückgezogen, weil sie ebenfall« sich mit den obwaltenden Prinzipien nicht befreunden konnten, allein um so bewundern»- werlher ist die Geduld der noch vorhandenen uild die Vertrauensseligkeit der neu eintretenden Abonnenten. Am allermerkwürdigsten ist jedoch ein Unlstand, der zwar etwa» spät zur Sprache kommt, nicht» destoweniger aber unbegreiflich ist. Jir der vor 12 Jahren erlaffenen Ankündigung erklärte Herr S., daß 1000 Abonnenten genügen, daN Institut zu gründen resp. zu erhalten; anstatt 1000, finl, nun laut der mir vorliegenden Rechnung (vom IS. Januar 1869) 1053 Abonnenten, und denn») ist ein Deficit vorhanden. Unbegreiflich, aber wahr! Sin späterer Rechnung«- abschluß liegt mir freilich nicht vör, und bin ich daher nicht im Stande, ein weitere» Monsturn zu stellen oder da» erwähnte zurückzuziehen. Jedensall», möge e» hiermit stehe, wie e» wolle, so bleibt der Stillstand der BereinSlhätigkeit in der Gegenwart unerklärlich, noch unerklärlicher aber die S,« vuld der Abonnenten, zumal derer, die den Jahre-beitrag für die jetzt zu erwartenden Schriften schon längst bezahlt haben, zu welchen Abonnenten leider auch Einsender gehört. 8.0. (Anm. der Red. Der Herr Einsender appellirt an unsere Unparteilichkeit, indem er Ausnahme vorstehender Zellen erbittet. Angenehm ist e» freilich auch durchaus nicht, den Ankläger gegen eine an sich sehr gute Sache zu spielen, resp. der Anklage Raum zu gewähren. Loben, fördern, empfehlen und so Jedermann» Freund sein, ist bequemer. Zur Sache. Die hier erhobenen Vorwürfe sind im Einzelnen nicht schwer zu entkräften; e» ist ja wahr, daß die erwäh rten Ereigniffe ein- und hindernd dazwischengetreten, daß umfangreiche Werte nicht so schnell zu absolviren, daß die Drucktasten erheblich gestiegen sind, so daß eine vor 12 Jahr,:« ausgestellte Berechnung durchaus nicht mehr zutrifft; aber z usammen wiegen die Borwürfe doch schwer. E» könnte ledeutend rascher gehen. Wer die Summe von 2 Thir. jälirlich oder etwa anderthalbjährlich nicht beisteuern tonn oder will, dem fällt e« auch von 4 zu 4 Jahren schwer. Ganz gewiß würde die Zahl der Subscribenteit steigen, wenn ,in End« abzusehen wäre. Die Hefte können nicht eingeounteu werdkn, liegen hindernd und ohne recht benutzt werde» zn können da. Ein sehr äußerlicher, aber doch recht uuauge«.'h- «uer Umstand! 8a» *0 betrifft, so wiederholen wir den ron