Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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in diesem freien Lande den Aberglauben» ad die verschobenen Anfichten unsrer heimischen Stadl festhalten, 0'VV2 und wir wollenden Tempel baue» oder >e»o Synagoge mit himmelauragender Spitze 13^ nf?J?3V n»b wir «erde» den Ruf erwerben, daß wir ein« eizAußreich» Gemeind« bilden." Und diese Ausschließlichkeit bat unter uns so zugenomnien, baß der Böhme, Pole, Preuße, Bgyer und Rüste jeder seine eigen« Zahne religiöser Reinheit aufzieht, uyd ejuf »hfcheuliche V« rwirru'-q herrscht im Lager JS.aels. „Unsere alten Leute" haben die Aufsicht über unsere religiöse Erziehung gehabt, und was haben sie geiha»? Sie haben ihre Kinder in der Unwissenheit aufwachjen lasten, die uns uiugiebt und verfinstert Lu unsei er Schande sei eS gesagt : nicht ein Israelit unter hundert kan» hebräisch lesen! Nicht einer unter fünfhundert verdachtet den jüdische:! Sabbath! TaS ist eine lange und starke Anklageschrift gegen unsrrr „allen Leute", gegen Diejenigen, die wir verehren, lieben und achtelt; aber ist nicht jede- Wort wahr? Hatten unsere Bäier ihre Söhne in den Pfade» der Religioit und der Pflicht erzogen, so würden die heutige» jungen Leute di« gewissenhaftesten und erleuchtelstcn Bertheidiger d:» väterlichen Glaubens feilt, wie ße die ernsteste» und eifrigsten Verfechter desselben sind. Unsere „alten Leute" lehrten ihr: Kinder Zizi» und Tefilin tragen, während sie deren Gebrauch verlachten. Sie sagten ihnen, baß man den Sabbath halten müsse, und sie hielten chn offen nicht. Sie rauchten keine öigarren am Sadbath, 0 nein, aber sie triebe» Handel und Wandel. Sie fuhren nicht, aber sie machten Geschäs.e. Zu Hause ärgerten sie sich, wenn einer nach Tisch Milchkaffee trcnk, aber i» der Restauration stopften sie sich mit vetbolener Speise, und wenn chre Kinder chnen diese Doppelzüngigkeit vorwarfen, so waren sie in die Enge getrieben und beschwichtigten dann chr G> wiffen, indem sie entweder sagten: „ES ist alles Humbug" — oder: „Wenn ich Geld habe, will ich wieder fromm sein" — oder: „DieS ist ein Zeitalter des Fortschritts, der Jiraelite muß sich der Welt a.mähern und die trennenden Schranken niederwerfen." Waren „unsere alten Leute" orthodox, so sprachen sie mit lauter Stimme und geläufiger Zunge den unverstandenen Jargoit der Pijulim — aber ihre Läden waren am Sabbath nicht geschlossen. Wenn „unsere alten Leute" Reformer waren, so bezahlten sie noble Preise für Vorder-Synagogenstuhle, schickten in dieselben chre Frauen und kleinen Mädchen — und ihre Läden waren am Sabbath auch nicht geschlossen. Waren „unsere allen Leute" orthodox, so mußten ihre Knaben zur Barmitzwah die Sivrah lesen, die übliche Ansprache halten mit altehrwürdiger Thränenfluth bei der Anspielung auf die Eltern und mit denl Versprechen der Treue gegen bas Judenthum, aber daS war daS Ende der religiösen Erziehung. — Waren „unsere alten Leute" Reformer, so ließen sie chre Knaben „confirmiren", sie sagten mit papageimäßige-: Geschicklichkeit den KatechiSmuS auf, deffen Inhalt fie so ivenig verstanden, wie ihre vor Entzücken närrischen Eltern — der Junge war nun ein religiös Promooirter, „er weiß nehr als sein Vater", wozu sein Gehirn noch weiter quälen'' Will einer läugne«,. daß die» der von unfern Vätern! verfolgte Weg ist? Will man läugnen, daß, wem, unser« " 9 Väter bessere Israeliten gewesen »flr«, mu selbst in ihre Fußtapfen getreten sein, Y»d da» handeltreibende New-Aork ~jjjj am jüdischen Sabbath so still sein würde, wie e« jetzt am J«N Kipp« ist? Unsere Synagogen uich Tempel würden .st gefüllt sei», der Jude genöffe mehr Achtung, und sein« A Religion würde bester verstanden und beobachtet." 3] - >J| So weil der Amerikaner. Aus dem Lande der Freiheit und — des Dollars doch jedenfalls eine beachtenSwerth« '■ Stimme. Wir kennen den Redactenr. die Mitarbeiter de» Blattes, speciell den Verfaffer des Artikel» nicht näher, aber - so viel geht a»S dem ganzen Gange de» Blatte» — seil jetzt einem Quartal — hervor, daß cS nicht von Rabbinern und Predigern, auch nicht von grämlichen „Lobrednern der alten Zeit" geichiieben wird, sondern im Gegentheil von Angehörigen „Jung-Israels" in Amerika. Wa» wir noch hinzuzufügen haben? Ob und wie das hier Gejagte auf Deutschland paßt, das untersuche und prüfe der Leser selbst; er setze statt New Aork — Berlin, Wie», oder besser feine eigene Wohnj statte, und sehe selber, was an der Schilderung zu ändern, etwa abzuziehen sei. Dahin wird wohl gehören, daß „unsere alten Leute" doch noch vielfach den Sadbath halten, daß die Dollarjagd in Deutschland nicht so arg gewesen ist wie in Amerika, zumal bei den mit leerem Beutel Eingewauderlen, daß andererseits die Zeilen de» laugen Kampfe« um ' die Erwerbung bürgerlicher Rechte manchen ehrlichen jüdischen Mann in die Versuchung führte, Haß und Borurtheil durch - Preisgeben jüdischer Gesetze zu brechen — wa» in Amerika nicht uölhig gewesen ist. Man wird ferner sehen, daß dex Verfaffer sich ilicht um Nebendinge ereifert, sondern strikt auf den Hauptpunkt, den Sabbath, mit dem Alle» steht oder fällt, iosgeh:. — Doch genug. Wir glauben, wer sinnend die odi« ' gen Worte durchlicst, der thul nicht übel, und wenn'» — am j Jom Kippur selber wäre! j Berichte und Correjpoudeuzeu. Deutschland. Stettin, 8. Seplbr. Ein auswärtiger Freund hat mir ' zu wiffen gethan, daß die im Feuilleton gegebenen Auszug« > aus dem „Traviiionellen Judcnlhum" gegen da» Hildephei- -i mer'sche Seminar — oder wie man wohl in leider lanbläu» figer Verwechslung von Person und Sache gesagt habe» wird: j gegen Hrn Dr. H. — ihm und anderen Bekannten auffallen '■< und daß fie sich gewundert hätten, daß ich derartige anfge« nomineu. *1 ES ist eigenthümlich, daß Juden stet» mit anderm Maß- J; stabe geniesten werden, al» „ndere Leute. Man verlangt von dem geborenen Gentle-Juden immer Apartes und tadelt bei ihm Dinge auf das Härteste, die man bei Andern unter glcj» chen Umständen ganz recht, natürlich oder gewöhnlich findet. .?< Noch eigenthümsicher ist eS, daß, dies auch von Juden selbst . J unter unS gegeneinander geschieht. Und so wird auch an die israelitische Presse ein ganz aparter Maßstad gelegt — «* gehört da» zu den Dingen, die einem di« Beschäftigung in & ihr oft recht verleiden können. Also wenn }. B. eine liberale Zeitung Auszüge au« klerikalen, partikularistischen, französischen, jocialdenlokratischrn Ä rc. Blättern bringt, welche die bö-artigsten und wirtttch 44 criminellen Ausfälle gegen diese und jene Personen nud Sachen enthalten — und da» geschieht ja in der Lhat fast