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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nachbar» gezwungen sein Mrftrn, sich ftr bU bwt Hauptf^Utldde i«r die nächste Afbillu jutn GvtleSdirnsti begeben Cwttflfn -; als ob dies ein Unglück wäre! will« mich doch dünke», daß dirse Dorf Minjanim «im» Gottesdienst bäten, der eben nicht sehr andachterweckcnd und erhebend sei» kann, und wenn man schon daä gaiw Jahr hindurch dem üffentiichen Gottesdienste ferne bleib», sollte man doch schon da« Opfer dringen, sich an eine,» geregelten, von Predigt begleitete» Äolie-dienfte i» einer nahen Eultutgemeinve zu delheiligen —; wer sich ein klare« Bild zu machen vermag von dem Dorf-Minjan, wo der mit 80 fl. bezahlte Wander-Vaal- LefUlah in irgend einer zum Betsaal« adaptirlen Hinterstube die Gebete zu radebrechen pflegt, während die Pseudogcmeiud« die Morgenblätter liest u. s w. muh denn doch eingcstehen daß es gar nicht zu bedauern wäre, weni» diese Minjanim nach und nach eingtngrn, und die Landbewohner wie vor vielen Jabren alljährlich z» den hohen Feiertagen die Synagogen der nächsten Eultutgemeinden wieder besuchen wollten, um ihrem religiösen Bedürfnisse zu genügen. «. t. l. Frankreich. Part«. Au» dem Monatsbericht der Alliance JSr. Univ. für August, thetlen wir mit, daß di« Zahl der neu hinzugetretenen Mitglieder 353 beträgt, darunter diesmal au« Deutschland nur 32, au« Bukaren 95, au» Saloniki 177. Die Schulberichte bieten nicht« von erheblichem Belang. Dt« eingegangenen Nachrichten an« dem Orient betreffen die unfern Lesern bereits im Allgemeinen bekannte» Blut-Fabel- Erceffe in und bei Smyrna, Magnesia u. a. 0. Die Tatsachen find ausführlicher erzählt, wir verweisen aus die demnächst auSgegedenen Semester-Hefte. Au» Saffi (Marokko) wird berichtet: „Am 2. Mai cr. zogen au« Anlaß eine« Feste«, genannt HiM&tia, 3 Schaaren von 200 Menschen durch die Straßen und warfen unter Schreien und Schimpfen einen Hagel von Steinen auf die Juden, die sich an den Fenstern zeigten. Am Abend wurde ein J»raelit au» Tanger, H. Salomon Attia«, und ein Italiener, H. Francesco Scotto, dergestalt mit Sleinwürfen verfolgt, daß sie, mit Lontusionen bedeckt, da« Bett hüten müssen. Derartige Vorgänge wiederholen sich häufig, ohne daß man Etwa« dagegen ihur. Dennoch unterläßt e« der spanische Lonml, H. Juan 'Pedro, nicht, so oft er von den gegen di« Juten verübten Etewaltthärigkeiten erfährt, di« städtischen Behörden zu Hilfe zu ruscn und setzt e« gewöhnlich durch, daß die schuldigen be.rafl werden. Derselbe hat auch Gr B ehandlung der Kranken einen Arzt an« Spanien kommen ssen, vor deffen Ankunft man in Saffi da« Impfen nicht kannte, so daß di« Pockenkrankheit große Berherungen unter den Hindern anrichtete; jetzt herrscht dieielbe zwar noch immer, aber mst weit geringerer Jtenfität. — Die israelitische Bevölkerung zählt daselbst 1500 Seelen, worunter etwa 7 — 8 Familien wohlhabend, all« anderen aber arm sind und an den elementarsten Gesundheit«bel>ingungen Mangel leiden." Die Generalversammlung soll Ende diese« Jahre« zu Part» abgehalten werden. Am Schluffe bittet da« 1. C. um baldigste Einsendung noch rückständiger Beiträge pro 1874. Atte-erlanbe. Au« H«lla»d, im August. (Or.-Eorr.) Vielleicht sind den Lesern diese« Blatte« einige Bemerkungen, die ich auf einer Geschäftsreise in Holland zu sammeln Gelegenheit hatte, intereffant genug, daß Sie, Hr. lstedakteur, di« Mittheilung derselben für gerechtfertigt halten. Selbstverständig spreche ich nur von den Israeliten. Diese gehören fast alle der sogenannten orthodoxen Richtung an, und wenngleich nicht Wenige, wie anderwärt«, sich über die strikte Beobachtung der religiösen Verordnungen hinweg gesetzt haben, so ist doch von einer Reform- Partei keine Red«. Nirgend« sind Aenderungen im Gottesdienste in reformistischem Sinne vorgenommen, und selbst da, wo in dir Verwaltung «»fromme Israeliten fitze», laffen sie dt« alten Gebräuche unverändert. Sin Zwang zum Beitritt zu der >S«- meind« exiftirt nicht; zieht ein neue« Mitglied zu, so wird bet ihm angefragt, ob er der Gemeind« bettreten und wie viel Steuer er zahlen wolle. Glaubt der Vorstand, daß derselbe sich zu niedrig besteuert habe, so wird er darauf aufmerksam gemocht, daß man sein« Offert« für zu niedrig halte. Beharrt er dabei, so lägt man «» dabei «wenden. Durch diese Steuer erwirbt man den Genuß der Gemeindeinstiiutionen, ist jelwch noch nicht Mitglied. Um dir« zu werden, bedarf e« eine« besonder» Einkauf-gelde«, welche» sich nach dem Vermögen de« Aufzunehmenden bemeffen wird. So ist e» in Haag, doch ist mir nicht bekannt, ob e« in den andern (Gemeinden ebenso gehalten wird. In Haag wohnen etwa 400 Israeliten, wovon jedoch nur etwa 90 eine nennen»werth« Steuer zahlen, die andern geben einen sehr geringen oder noch gar keinen Beitrag. (Dagegen trägt der Staat zu der TultuSbedürsniffen — »mmentlich Beamtengehältern — bei! Red.). Die Geschäfte sind bi« auf wenige Ausnahmen de« Sabbath« geschlossen, in dem eigentlichen Judenviertel, dem Sitz« der armen Klaffe sieht man de« Sabbath« die Frauen und Kinder vor den Thüren sitzen oder in Räthchen (Rädchen) zusammenst« hen, die Wagen und Karren, womft sie die Woche hindurch in der.Stadt umhersahren und Allerlei fetlbieten, stehen zusammengestellt auf der Straße und „gut Schabbet" ertönt e« von hüben und drüben. Die niederländ. i»rarlitische Synagoge, wie sie zum Unterschied« von der portugiesischen genannt wird, war beim Sabdath-Morgen-«Sotte«dtenste gedrängt voll. Abweichend von dem sonst üblichen Mtnhag ward TWöT D'PJK vor der Thora-Vorlesung gesagt, ebenso wird an jedem Sabbath der Priestersegen gesprochen. Letzter Gebrauch datttt seit 1831, wo di« Eholera stark herrschte und ward von dem derzeitigen Rabbiner angeordnet. Bor Tisch«, d. i. nach holländ. Sitte von 1—2 Uhr, finden in verschied-- nen Vereinen belehrende Borträge statt. Ich hatte Gelegenbfit in zweien solcher Vereine, deren in Haag 4 bestehen, den Borträgen beizuwohnen und bemerkte da eine sehr starke Betheiligung und rege Aufmerksamkeit. Die Vorträge wtlrde« nicht in holländischer Sprache, sondern in dem sogenannten Jüdisch-Deutsch mit etwa« holländischer 'Färbung gehalten und waren, indem sie einen Ver« au« der tsidra in einer zwischen Daraschab und Predigt stehenden Weise al« Text: benutzten, auch für deutsche Hörer ganz interessant und anregend Die Gemeind« in Haag besitzt sehr treffliche Wohlthätigkeit«. anstalten, so ein ganz vorzüglich eingerichtete« Krankeniiau«. eine Alter«-Versorgung»anstalt und Waisenhaus. All« dlefi! Anstalten sind erst innerhalb der letzten 40 Jahr« entstanden und geben ein Zeugniß für den opferwilligen und ftommen Sinn der Gemeinde und besonder« einzelner Mitglieder, deren Namen zu nennen mir ihre Bescheidenheit verbietet. Von Amsterdam kann ich nur Wenige» sagen, da meii« Aufenthalt dort zu kurz war, um selbst ständig Beobachtungen machen zu können. Wie man mir sagte, sollen die Zustände de» dort so maffenhaften jüdischen Probttariat« in letzter Zeit bester geworden sein; doch find sie noch immer raurig Daß der Direktor de« dortigen israelitischer Seminar«, Herr Di. Dünner, zum Oberradbtner erwählt worden, ist Ihnen bekannt Merkwürdig genug hat Hr. Aftba Lehren, der großen Em-lu» in der Gemeinde besitzt, dtese Wahl umerstützt, obgleich er sonst der neuern jüdischen Wissenschaft sehr abhold ist. Er findet darin die Untergrabung der alten jüdischen Frömmig - feit und ist deshalb auch allen Bestrebungen feindlich, dir daiauf hinzielen, unter jüdischen Einwohnern Palästina'« Kultur zu verbreiten. Einem Freund«, der ihn für di« Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina interesfiren wollte, erwderte er, daß man darauf au»gehe, au« Jerusalem Berlin zu machen: die Ausgabe der dortigen J-raeliten sei, in Gotttslehie sich Tag und Nacht zu beschäftigen und in Gebet unv frontmen Werken die Tage zu verleben, bbi der Erlöser komme. Wer kann dem alten frommen Mann diese schwärmerisch; Auffaffung übel deuten? Leider zeigt sich die Wtrkltchkttt n»r ganz ander«, und vielleicht würde auch R. Aklba and«,« ur-

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