Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Gasihar» zum ^Bayrischen", wo er mit wichtiger Miene die Reuigket auSkramte. Der Anwesende Stadtpfarrer, ein ruhiger, geselliger Mann, dessen Gott«»dienste sogar vom alrkatholtschen Landriä>ter regelmäßig besucht werden, äußerte sogar seine Zweifel, da er nicht glauben könne, daß da» Gastrecht so mißbraucht werde. Al» nun später da» Attentat wirtlich erfolgte und vmu blinden Eifer al» ein Complott der Ultramontanen und Pfaffen dargestellt wurde, spielte der geistliche Herr in Greding seinen Trumpf au», indem er der „Jngolstädter Zeitung" ron der Heyums-Mähre Mittheilung machte, derm Quelle er übrig ens, nebenbei bemerkt, nicht kannte. Al» dies« Quelle ist nunriehr ein harmloser Scherz de» '.Notar» ermittelt, und so hat Me Sach« keinen so akuten Verlauf, wie bei Hauthaler genommm, sich vielmehr in allgemeine- Gelächter aufgelöst. Daß Hkyum in tausend Aengsten schwebte, braucht wohl nicht bemerkt zu werden. Er und ein Attentat auf BiSmark! Und sicherlich hätte der divinatorisch« 'Notar sowohl, wie sein gläubiger Aiwstel da» Schicksal Hauthalergetheilt, wenn die Geschichte unmittelbar nach dem Attentat bekannt geworden wäre." Latteoturg (Pommern), im August. (Or.-Eorr.) E» ist immer eine erfreuliche Erscheinung.- die al» solche auch eine weitere iSeachiung verdient, wenn, besonder» in kleineren Gemeinden, da» religiöse Leben derart erstarkt ist, daß jede Veränderung und Neugestaltung in Synagoge und Schule mit dem lebt öftesten Interesse und unter der Betheiligung der Gesammtge neinde vor sich geht. Durch die Berufung de» hiesigen Rabb. vr. Horovicz nach Gnesen war da» hiesige Rabvinat rx.kant geworden, und durch die Bemühungen de» Vorstand.>» ist e» gelungen, den bisherigen Rabbiner zu Pasewalk, Herrn vr. Landsberg, für die hiesige Stelle zu gewinnen. Ani letzten Sabbath ki seze hielt nun Hr. vr. H. seine Abschiede red«, in der er, anknüpfend an den Satz der Haftara: brega katoa assabtich etc. in gefühlvoller Weise über die Trennun; sprach, die ihm so schwer fall« von einer Gemeinde, die durch die Reihe der Jahre ihm so lieb und theuer geworden, und in der er mit Erfolg al» Rabbiner gewirkt. Herr Vorsteher Berliner ergriff darauf da» Wort, sprach im Namen der Gem.'inde den Dank au» dem scheidenden Freund, dem geliebten Lehrer der Kinder, dem begeisterten Rabbiner der Gemeinde, und führte den neugewäl,lren Rabbiner in sein Amt ein. Nach Absingung zweier Psalmen betrat hieraus Hr. vr. L. dir Kanzel und sprach anknüpfend an ll. B. M. 19. 3—7 über die Frage, wie der religiöse Leiter einer Gemeind« sein Lehramt zu verwalten habe, und setzte die Grundsätze auseinander, nach oeni n er fein Amt zu verwalten gedenke. Diese ganz« Feier, di? auch von vielen auswärtigen Mitgliedern besucht war, mähte auf die ganze Zuhörerschaft einen bedeutenden Eindruck, und man tonnte nicht verkennen, daß in demselben Maaße, in dem die Gemeinde Hrn. vr. H mit tiefem Bedauern siheiden sah, auch dem neu eingeführten Hrn. vr. L. lebhafte Sympathien und offenbare» Vertrauen entgegenbrachte. Am darauf folgenden Sonntage vereinigte sich der größte Theil der Gemeind« zu einem Abschiedsdiner, zu dem auch auswärtige Gäste aus Stolp und Danzig erschienen waren, um dem scheidenden vr. H. ihr Lebewo l zuzurusen. Ter Vorsteher unserer Gemeinde, Hr. Berliner, eröffnete die Tafel mit einer sinnigen, geistvollen Tischrede, die Zeugniß ablegte von dem schönen iterhältniß, in dem Gemeinde und Rabb. gestanden. Anknüpfeid an die Worte der Schrift: ki sitae kohen jischmru data etc. feierte der Redner den abgehenden vr. H. als «inen Mc nn, der den Frieden und die Wahrheit zu erhalten eifrig benüht war, der als ächter, treuer Gottesdiener, nicht al» Mens hendiener, wohl aber im Menschendienste glänzte und in Lehre und Leben keinen Widerspruch erkennen ließ. Es war eine musterhafte, inhaltlich wie sprachlich gleich würdige Ansprach«. Hr. vr. H. dankte für die ihn so außerordentlich ehrenden Zeichen der Anerkennung. Ein andere» Mitglied de» Festtomit,», Hr. Hirschberg, brachte sodann einen Toast au» dem neu eingeführten Rabb., dem er den fruchtbaren Boden empfahl, der sich ihm zur Aupflanzuug religiöser Saale» darböte. Hr. vr. L. folgte ihm mit seiner Tischrede, worin er versprach, nach besten Kräften der Gemeind« da« zu ersetze», wa» sie durch den Abgang feine« Vorgänger« im Amte verloren. daß Hr. vr. H. in feinerneuen Gemeinde mtt demselben Erfolge wirken und sich dieselben dauernde Lieb« dort verschaffe, war der Wunsch, den Jeder der Anwesende« hatte. Möge aber auch seine neue Gemeind« seinm Werth und seine» ächt menschlichen Charakter ebenso würdigen, wie die jetzig», die sowohl bei seinem Abgänge wie beim Antrttte de« neugewählten Rabbiner ihren ächt religiö en Sinn und ihr lebhafte« Jmereffe für alle» Würdige und Schön« in seltener Weise dokumentirte. Oecherretch. An« Böhmen. Einer der in neuester Zeit auflaucheu» den Milah-Reuilenten hat vor wenige» Wochen sein bereit« drei Monate alte» Knäblein nachträglich venu doch der Beschnekdung unterziehen lassen Es war im Städtchen K_f, allwo ei» daselbst bomicilirender junger Industrieller au» purer Nachahmung«! ust und Modethorheil die Beschneidung seines neugeborene» Söhnchen» hartnäckig verweigertr; der so kühn gegen das religiöse Gebot Front inachend« jung« Mann ivurve jedoch kurz nachher durch die schwere Erkrankung seiner Gattin, der Mutter de« unbeschnillen gebliebenen Kinde«, tief gebeugt, und gelobt« in seiner Seelenangst, und gefoltert von Gewissensbissen, sich dem verletzten Religionsgejetze »och itachträglich zu fügen, ivenn Gott ihn erhören und sein« geliebte Gattin, die von allen Aerzten fast einstimmig aufgegeben, am Leben erhalte» wollte —, und al« auch wirklich nach einiger Zeit die schwer kranke Wöchnerin der Genesung entgegen zu gehe» begann, erfüllte der darob hocherfreute Gatte, Herr I. K, sein Gelübde, uitd ließ frohen Herzen» sein Kind der Beschneidung unterziehen. Ich gebe die That« sache ohne,ede Bemerkung, und registrire nur, daß dieselbe »lir nicht blo» von Fremden, sondern vom betreffenden Mann« jüngst selbst mitgelheilt wurde, und zwar in einer Weis«, die mich erkenne» ließ, daß nicht blo» sie Gattin von ihrer Krankheit, sonder» auch der Gatte von seiner nioderiien Milah- Renitenz radikal geheilt zu sein scheint. Lassen Sie sich nun auch noch die erfreuliche Thatsach« berichten, daß in dem so freundlichen und heilkräftige» Curone Johanni-bad (nächst Trautenau in Böhmen) in dieser Saison ein j ü 0 i s ch « » TpeisehauS bestand, so daß nicht mehr wie ehedem so mancher jüdischer Curgast, der sonst die Speisegeietze genau und strikt einzuhalten pflegt«, hier gezwungen war, dieselben zu verletzen, und Biete sogar au» dem Grunde dem Curorte ferne blieben, weil sie hinsichtlich der Kost mit ihren religiöse» Gruildsätzen nicht i» Lonflict gerathen wollten; nun ist dem abgeholfen, und wenn auch die Räumlichkeiten de» erwähnten Speisehause» noch Manche» zu wünsche» übrig ließen, so bürsten besonder» die au» Deutschland zahlreich nach JohanniSbad gehenden Curbedürftigen jüdischer Eonsession sich doch versichert halten, daß mit der Zeit eben durch zahlreichen Besuch der jüdisch« Unternehmer in de» Stand gesetzt werden könnte, allen gerechten billigen Ansprüchen Genüge leisten zu können. Die herbstliche Witteruilg, sowie di« Schofarstimmen mahnen gar lant wieder an da» Herannahen der hohe» Feiertage, und wohl oder übel erinnern sich auch sehr Biele außerhalb der jüdischen CultuSgemeinde in Dörfern und Städtchen lebende jüdische Familienhäupter daran, daß sie denn doch Juden heißen und die Theilnahme an einem öffentlichen Jomim-nauroim- G olle »dien st eine Abfindungssumme sei, die man d,nn doch noleiu volens dem lieben Herrgott schuldet —; da tla gte «in gut situiner Landbewohner mir unlängst in bittere« Worten sein Leid, wie er in dem Bestrebe» mit Hilfe seiner jüdischen Rachbaren ei» Minjan für die hohen Festtage zusammen zu bringen auf da« Hinderniß gestoßen sei, keine» „Baal- Tesillah" zu bekommen, und er vielleicht so wie seine nächste»