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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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tangftqvoU wcftrr zn entriAten habe». Stützt Ach die« dar» «»f, daß, nach k>-m Gesetzentwurf« nnd der LaSker'schen Re» solntion eutfprc(tii-nt>, b.r au« der ßkincint* * Ausgetretene «•A weiter alt„Jude" betrachte! nnrd, io vürfie sich darauf auch eine andere Bestimmung l.« Gesetzentwurfs desieh.It, «ach welcher auch die AuSgeneiene» auf dem Fliedhofe ver Ort« Synagogengemeinde begraben iverden müsse». DirS scheint unS eine unerhörte Härte und ein gewaltsamer Eingriff in Privateigenthum (denn da» sind unsere Begräbnißplätze) zu sein. ES wäre, als wenn man beim Wohnungswechsel ObdachloS-Grbliebene ohne Weitere» von Holizeiwegen im Hause eine« Privatmannes oder in den Localitäten eine« Vereins einquartiren wollte. - Der Gesetzentwurf soll nun dem Oberpräsidenten zur Begutachtung vorgelegl werden, auch sollen dieselben angewiesen werden, bei Mischen Rotabeln rc. Informationen einzuziehen. Der Antrag, von Seiten des Ministerium« selbst jüdische Vertrauensmänner zur Begutachtung de» Gesetze« einzuberufen, ist für unausführbar erklärt worden; eS sei zu schwierig — —. ES mangelt an jeder Organisation, jede« Gemeindchen ist ei» Mikrokosmus; — wen soll der Minister nach Berlin berufen und — wen zu Hause laffen?! 8. Bo» Harz, im August. (Or.-Eorr. Fortsetzung.) Nun rücken wir aus unserer Reise der ehemaligen Residenzstadt Laffel entgegen. Tie jüdische Gemeinde daselbst vergrößert sich täglich mehr durch den Zuzug wohlhabender Landleule, die theil« wegen AuSdehmmg ihrer Handels- und SpeeulationSoperationen, theilS um ihr Leben, wie man sagt, bester zu genießen, die dörflich« und landstädtische Heimath verlassen. Mir sind bei dieser Auswanderungslust zwei Gründe einleuchtend; erstens der wohlhabendere Jude will sich ein gewisteS Ansehen nach außen, eine bester« gesellschaftlich« Stellung erringen, die ihm der kleinstädtische Beamtenstand und Beamtenstolz durchaus vertümmert, und zweitens wollen auch viele ihrem bisherigen Glück einen größeren Spielraum verschaffen. *) Beides mißlingt oft, der Dorf- oder Landjud« wird und kann nicht fo leichte Stellung gewinn:» in einer Stadt und einer Gemeinde, woselbst doch mehr gebildete Elemente vorhanden find, ja die« wird ihm sehr erschwert, wenn er seine Töchter auch noch so sehr in Sammet und Seide hüllet, solch skandalöse Putz'ucht weckt nur Spott und Verachtung. Diesen Wanderlustigen dürste man mit Recht von der großen Stadt sagen: Auch hier ist nicht Alle« Gold, was da glänzt, bleibe daher auf dem Lande und nähre dich redlich. Achtung und wahrhaftes Ansehen hat sich von jeher der wohlhabende Landjude erworben, wenn er den Grundsatz beherzigte: „An einem Orte, wo keine Männer sind, bestrebe dich ein Mann zu \pm,u indem er dar Gemeinde- und Armenwesen auf seine Schulten» nahm. Schule und Gotie-dienst auftecht hielt und sich bei bescheidenem und wohlwollenden Sinn überall vor den Riß stellte. Diese« verschaffte ihm nicht blos Ansehen, sondern wahre Verehr» P. — Doch zurück zu Eastel. Dahin sind die RLuier, die, wie die DD. Büdinger und Pinhas, wie Rothfel« mü> mehrere andere überau» achtungswerthe Gemeinde- Mitglieder dem dortigen Gemeiudeleben, zur Seite ehrwürdiger Rabbiner und Seminarlehrer, da» Siegel eines geachteten und würdigen ausprägten. Der Gottesdienst macht einen guten Eindruck, die Gebete und altherkömmlichen Melodien werden «nt Orgelbegleitung in würdiger Weise vorgetragen, außerdem herrscht Stille und Ordnung, und die meisteryaite Predigt de« Hr». Dr. Adler hat noch immer große Anziehungskraft * *) Ta« dortige jüd. Seminar hebt sich immer mehr unter der Leitung der L>r. Stein (nachdem e« nur noch vegetirt hatte. Heb.). Hr. Dr. Leviseur hat seinen Zögüngeu eine zu sehr *) Hier fehlt das wichtigste und unbedingt achtbare Motiv: Der Wunsch, di« Kinder in dt« hbheren Schuten schicke» >u können, ohne sie in fremd« Hönde gebe» >u müssen l s.stied.) * •) «der wir wissen au« »cm Munde de» Hrn Dr. SL selbst, dech die Zahl der illtcaffeianer bei» SabbathgotteSdienste recht klein ist, ' ich ^ohn« allen gweisel ihr.« Rabbiner lieben, ehren und gern negativ« Richtung aufzuprägen gesucht, oh« ihneu de» wahr« frommen Sin» einzuflößen, er hätte den Spruch Abtaliou« mehr beherzigen sollen: „Ihr Weise« seid vorfichtta in eure» Worten.- Aufkläreret ohne Erkenntniß und ächte Religiöfität wirkt wie eilt Krebsschaden am Baume de« Judenthum«. Mann könnte hier in d-esem Sinne sage» K"*T DP TWl thm un« noth. Lehre. Erkenntniß, wiffenschastlicher Sinn und richtige Einsicht des heutigen Leben« müffen in der Seele de« angehenden Cultusbeaulteu tüchtig verarbeitet werden. Bei meinem Abschiede von dieser Gemeinde möchte ich derselben zurusen: Thuet Euch zusammen, Ihr Männer dortselbst, damtt die Schlinguiü> Wucherpflanzen von Außen das gesunde Gemeirde- und cultuelle Leben nicht ganz verdumpfen und erdrücken. j)altel Wache! Die beiden KreiSrabbinen, in GudenSberg nnd Rothenburg, verpuppen sich in eia solch beschaulich-fromme« Leben und legen in ihrer amtlichen Wirksamkeit ein so ausschließliche« Gewicht auf die ceremonielle Praxis, daß sie ihre s g. Pfarrkinder in Handel und Wandel nicht beachten, als wenn fF3*Vll und die Sittenlehre überhaupt nur uMerge ordnete Fragmente der Torah wären. Aber je mehr Freiheit eintritt in das bürgerliche Leben, desto »lehr muß bürgerliche Tugend und Bürgersinn jedem Menschen anerzogen weiden. Nicht in dem Besitz großer, irdischer Gitter liegt Ehre und Segen, sondern in der Art, wie man sie erwirbt und in dem Gebrauch, den man von ihnen macht. (Schluß folgt.) Frankfurt a/M., 31. August. (Or.-Eorr.) Al« Gegenbeweis gegen die in Nr. 33 Ihres Blatt!« (unter „Brlgard") erwähnte Aeußerung de« Pastor« Bade, nach besten Meirinng die Juden über ihre Familirnoerhältniffe sehr unwiffend snen, erlaube ich mir Ihnen i» der Anlage ein Blatt „eine Fiankfurter jüdische Familie vom Jahre 162k» bi« zur Gegenivart (1869) niitgetheilt von Elia« Ullmann, Actuar der iSrael, Gemeinde," zn übersenden. Nachdeni nämlich mehrere Mitglieder deS hiesigen AlterthumS-BereinS Beschreibungen Ihrer Familien geliefert hatten, glaubte auch der genannte Hr. Ullmann dasjenige, was ihm aus schriftlichen Notizen sowie auS mündlichen Ueberliefecungen von seiner Familie, deren Entstehe» und Fortgang bekannt ist, nieverjchreiben und dem Druck übergeben »u sollen. Wenn er auch nicht berühmte Männer aufzählen könne, se werde eS doch von einigem Jntereste sein, z» erfahren, wie diesi Familie durch eine lange Reihe von Jahren sich in ihrer Vaterstadt Frankfurt a/M. erhalten hah:. Die« ist daknrch vollkommen belegt, daß zumal die Vorfahren mütterlicher Seit«, als Familie Bing oder Binge aufgezähit werden Dar Todesjahr de« Ersten aus Vieser Familie, der nachweislich in Fr ankfurt gelebt hat und daselbst gestorben ist, ist da» Jahr 1835, und da auch der Vater diiseS 1635 Verstorbenen in Frankfurt beerdigt ist, so reicht der Staininbaum der Familie bi« in die Mitte deS 16. Jahrhundert« hinauf. (Es gibt recht viele jüdische Familien, darunter unS sehr nahestehende, welch« die Namen ihrer Vorfahren ebensoweit zurück aufgezeihnel besitzen. Die Aeußerung deS Pastor» Bad« trifft nur bei (wenn der Ausdruck erlaubt ist) plrpejijchen jüdischen Familien zu. Red.) Kissiagra. Nach den» Kullmann'schen Attentat verlouteh: bekanntlich in ultramontanen und andern Blättern, ein jüdischer Handelsmann habe schon vor dem 13. Juni erzählt, ei! sei auf Bismarck geschaffen worden. Die seftsame Mähr ist jetzt aufgeklärt, und eS verhält sich damit nach der „S. ReichSp." wie folgt: „Einige Tage vor dem Attentat war der JSraelüe Heyum Holländer von Thalmässing in Geschäften beim k. Notar Müller in Greding. Dieser wollte den Hey am nicht ohne ÜZären ziehen laffen, fragte ihn deshalb beim Mggehen, ob er da,» Neueste schon wisse, und theilke ihm auf besten Verneinung mit, daß auf BiSmarck geschaffen worden sei. Obwohl die-r nicht der erste Bär war, welcher Heyuvt aufgebunden wurtn, nahm dieser — vielleicht auS Vorliebe für „Notarielles" — dt« Erzählung doch für baare Münze und eüte straks in da»

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