Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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iveOerretch. >X Bßh»e» lieber da« di« jüdische unbegrär^e Mild« so oft mißbrauchend« Unwesen fahrender und gehender „Schnorrer" au« Polen und Rußland haben diese geschätzten vorurtheil«sreien Blätter schon so manche« beherzigenswert he Wort, manchen praktischen Roch in die Öffentlichkeit gebracht; daß wir zu der so unerquicklichen Schnorrer-Ehronik auch von hier, au» unserem gesegneter, von Inden doch nicht allzusehr bevölterlen Böhmerlande einen Beitrag zu liefern in die Lage kommen werden, hätte ich in der That »ich. gedacht; und doch ist e« ein« der so zahlreichen Abarten der profesfio- «ellen Schnorrerei, diewell aus B ö h m e n ausgehend, ich in meinem heutigen Berichte zu geißeln nicht unterlassen darf. Schm vor einigen Jahren kam aus Deutschland seitens eines hochachtbaren wohlthätigen Vereines eine Anfrage an mich, einen „Rabbiner in.w in Böhmen" unterzeichnenden Mann Rame«.er betreffend der brief lich in sehr larmyoanter Weise und gleichsam engros die materielle Hilfe des Verein« in Anspruch nahm. Run kommt mir jedoch dieser Tage abermals eine Anfrage über Person und Verhältnisie eben desselben Mannes und zwar diesmal eine Anfrage aus Amerika zu. Der gute Mann verlangt, wie ich aus dem mir im Originale zugesandten langathmigen Schnorrbriefe ersehe, nur 100 Gulden, von einem Manne, der nichts weniger al« ein Trösu» ist — er bittet um Hundert Gulden, denn „mst Wenigem — chreibt er — ist mir nicht geholfen". Run mag wohl eine solche briefliche Schnorrern engros vielleicht dann und wann eine lohnende sein, wenn auch der Rabbiner (?) in.w diesmal sein Pulver vergebens verpufft hat — aber Form und Inhalt des Schorrerbriefes. geschrieben von einem Rabbiner, hat mir — ich muß e» gestehen — das Blut ins Gesicht getrieben und ließ mich endlich an die vollstäi^-ige Zurechnungsfähigkeit des industriösen Rabbiners in.w zweifeln. Der liebe Mann, der sich zum Uederfluß auch noch Dr. phil. etc. unterzeickmet, sagt in seinem Briese «örtlich: „Sin Rabbiner inBöhmen ist ein Mensch, der außerhalb des Gesetzes steht (sie!) und gegen den man sich ungestraft eine jede Bedrückung erlauben darf"-was sagt man zu dieser Definition eines böhmischen Rabbiners von einem Rabbiner in Böhmen? ist der Herr Doctor bei Trost? oder glaubte er den Amerikanern gegenüber könne man sich schon ein Bischen Barnum'schen Humbug erlauben? Wir dächten doch, in allen civilisirten Staaten der Welt gäbe es in der Gegenwort keinen einzigen Menschen, der „außerhalb des Gesetze t stünde" — mithin könne dies auch von einem Rabbiner in Böhmm nicht gesagt werden, und der in tranSatlantisch.-r brieflicher Engroß-Schnorrerei machende Rabbiner in .w muß es sich schon gefallen lasten, von den Rabbinern Böhmens, deren Aner auch Schreiber dieser Zeilen ist, der Lüge und schnöden Ausschneiderei angeklagt zu werden. Aber ist «S nicht ein unerlaubter, den eigenen Stand herabwürdigender, Kniff im Allgemeinen — um des Bettels willen — zu schreiben „ein Rabbiner dasist ein Bal len (?), mit dem so mancher Unberufene ungescheut sein loses Spiel treiben kann?" Darf ein Rabbiner, und wäre er noch so unglücklich, seine Glaubensgenosten so verunglimpfen, sich selbst als einen Heloten hinstellen und dies Alle«, um elend« Hundert Gulden zu erbetteln —? Ich selbst, obwohl zwanzig Jahre n Böhmen fungirend, kenne die soi disant Eultusgemeinde .w nicht, und dürste man dies böhmische Dorf schwerlich auf irgend einer Landkarte finden — aber zugegeben, er gehe dem armen Manne in dem Dorfe.w als Lehrer, Rabbiner re. schlecht, man bliebe ihm, wie er klagt, seinen Gehalt regelmäßig schuldig — tugegeben, er sei, wie ec schreibt, um einen Sparpfennig von 1800 fl., die er in einem Handelshause angelegt, geprelli worden, und selbst bei dem Umstande, daß, wie ich erfahre, der Mann sein Gehör verloren und wirklich beklagenswerth ist. na» berechtigt ihn, alle Jsraellten Böhmens als Tyrannen htuzustellen, die alle Fieihett für sich anstreben, sie aber ihren Glaubensgenossen. die von ihnen abhlugen, nicht gönnen u. f. «.? — Gin Mann, der erwerbsunfähig, tau!» und mittellos ist, verdient an und fsir sich schon Mitlei!, und möglichste Unterstützung, er muß aber nicht, indem ei: fremde« Mitleid anrust, seine Brüder tri JSmel yerabwürdigen und jüdische Zustände erdichten, die so, wie er sie schildtirt, gewiß nicht existiren. Ich möchte dem wiglücklichen Mail»! in seinem traurigen Gewerbe keineswegs schaden, will ihn ä»ei: hiermit gebeten haben, die betreffenden Stellen über Berläumdungen im Midrasch nachzuschlagen. Im Jalkut 1. B. d. lkönige dürfte er solche Stellen finden und künftig sein Glend einfach ohne Uebertreibung und besonders ohne Verunglimpfung, der Judenschast Böhmens darstellen, er dürfte dann vielleicht eher Erhörung und Mitleid finden. 8.J. Ztzdaez«» (Galizien), im Juli 1874. (Autonom-; I u den beste uerung) Die Bezirksstadt Zydaczow besitzt ein nicht unbeträchtliches Gemeinvevermögen, weiches von jeher zur Bestreitung der GemeindeauSgaden, wie Beleuchtung, Straßenherstellung u. s. w diente. Bei der Gemeinderatlz« sitzung am SS. April l. I. nun wurde eine Erhöhung Mi: Beamten- und Lehrergehalte, Remunerirung de« Bürgermeister« u s. >v. beschioffen, kurz eine Erhöhung der Gemeindeausgaben, welche aber in den Einnahmen noch immer reichliche Bedeckung fand. Dagegen protestirten einige christlch>: Gemeinderäthe von der sogenannten Zopfpartei (kultunyj, indem ne behaupteten, den Jude» (welche jetzt du Majoritäi. der Zydaczower Sladtoertrelung bilden, doch aber einen christlichen Bürgermeister und Bürgermeister-Stellvertreter gewählt haben) stehe nicht da« Recht zu, in BermögenSaagelegenheiten der Gemeinde etwa« hineinzureden. Der Bezirksausschuß nun entschied, daß zur Bestreitung der GemeindeauSgaden eia: Gemeindesteuer (Stenerzuschlag zu den directen Steuern) eingeführl werde, daß aber die Gemrindetaffe solche für die christlichen Einwohner zu zahlen Hab«, und nur die Juden diese Steuer wirtlich entrichten sollen (!l) — und wirft in der betreffenden Entscheidung vom 3. Juli 1874 dem Gemeinderathe, beziehungsweise deffen jüdischer Majorität noih kommunistische Tendenzen (!!!) vor, weil dieselbe gewagt hatte, die Beamten menschlich, die Lehrer aber gesetzmäßig zu besolden Aber wenn das Gemeindevermögen bisher für die „gemeinsamen Ausgaben" der jüdischen und christlichen 8<» völkerung haftet, und kein Mensch, am wenigsten aber der Bezirksausschuß, etwas dagegen einwenk>rte, so haftet es woll auch sür die paar hundert Gulden mehr, welche die Gemeinde den Lehrern zahlen muß und den Beamten zahlen will. Der Vorwurf communistischer Tendenzen aoer erinnert nur allzu lebhaft an den Wolf, welchem das Lamm das Wasser trüdl«; um nicht vom Dieb« zu sprechen, der sich an die Spitze seiner eigenen Verfolger stellte. Hoffen ivir, daß der eingelegte R.-cur« an den LandeSausschuß nebst Protest an die Bezirkt thauptmannschaft von Wirkung sein werde. Ak««äuteu. Bukarest. Von seinem in Rumänien reisenden Spezial- Eorrespondente» bringt „Daily-Telegraph" einen weiteren B:- richl aus Bukarest, der, wie sein früherer hier mehrerwähuter, die rumänische Regierung wegen ihre« Verhalten« in bet Judei'.srage weiß zu waschen die kaum verhüllte Tendenz Hot. Der Corrcsp. stützt sich diesmal auf einer länger» Unlerrednnz, welche er mit drei Israeliten aus Bakau gehabt haben wil. An der Richtigkeit des betreffenden Berichts über die Unterredung und die Aeußerungen der drei Männer wollen wir nicht zweifeln; aber eS ist auch leicht zu erkennen, saß die „Intervenienten" wohl gewußt haben, wcn sie vor sich harte», daß also ihre Auslassungen nicht geheim bleiben würden, und daß sie sir danach eingerichtet haben. Ihre von dem Corcesp. mit Anfangsbuchstaben bezeichneten Namen «erden den rnmänischen Machthabern nicht unbekannt sein; sie werden sich gehütet haben, zu klagen und d»e Regierung oder bestimmte Personen anzuklagen. Durch diese wahrlich sehr nahe liegende Betrachtung rrduzirt sich der Werth ihrer Schilderungen leicht