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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Lehn auu auf cigene« Gebiete. Wenn wir hier eiurn Brr.?seich zwischen beiden ebeugenaniilea Herren anstellen dürfen, o muffen wir eingestehen, daß Hr. Aabb. Hirsch sein Princip durch Won und Thal mtt einer nicht zu verkennenden gewiffen Toleranz verfolgt und daher versöhnlich w.rkr; aber Hr. Lehmann, als rabbinischer Emporkömmling, schadet durch seinen zelotijchen Eifer nach allen Seite». Sein hauptsächlichste« Streben ist darauf gerichtet, jedem Mitglied der Seme nden, daS sich nur geringe Abweichungen erlaubt, aber mit der Geiammlheit noch in volleul Zusammenhang und im besten Einklang weiß, die Thüre zu zeigen und überall bewußt oder unbewußt Zwiespalt hervorzuruseu. Hier haben wir'S nicht zu thun mtt dem naturwüchsigen, bescheiden-fromm n Orthodoxen, sondern mir einem Parteimanne, der da zerreisr, wo er heilen sollte. Wohl Rieuiand hat den RischuSblätle u der Neuzeit mehr nachtheiligen Stoff und böses Material gegen die Gejamuitjudenheit geliefert, als sein Organ. **) Werfen wir einen Blick auf Halberstadt, wohin unS zwar nicht unser Weg, aber Jdeen-Berbindung hier führt, so müssen wir gestehen, daß die dortigen religiösen Institutionen noch riet Leben in sich bergen, dadurch aber, daß da» HauS Hirsch den Leuten die Frömmigkeit zu oft mit achter barer Münz« lohnt, stößt uian thatsächlich auch auf viel Heuchelei, die Alles über sich ergehen läßt, wenn'S nur Nutzen trägt. Ln den höheren Festtagen herrscht thatsächlich große Andacht beim Gottesdienst. an den Sabbath- und Wochentagen benimmt «au s.ch höchst uugenirl beim Gottesdienst, da fingt, trillert und zwitschert ein Zeder dem auch viel zuviel trillernden Borbeler nach und vor, so daß dieser alle Äroft und Kunst aufbieleu muß, um verstanden zu werden. Sieht man daneben die alten unregelmäßig aufgepsl«tnzten Stehpulte, die furchtbaren Kopf- und Gliederbewegungen der ihre Frömniigteit hierdurch oft zur Schau tragenden Beter uild das Geplauder Einzelner, so kommt man unwillkürlich zu dem Schluß, daß die Helberstädter entweder zu sehr oder gar nicht bekannt find mit dem allliebenden, hohen und ehrsurchtbaren Gott, dem Sem alle- Sein». Der zu steifen Eintönigkeit und Einförmigkeit beim iSr. Gottesdienst wollen wir das Wort nicht reden; allein den, ehrfurchlgebielenden Charakter des Gottesdienste!; darf in keiner Weife Abbruch geschehen. (Fons, folgt.) iltmti, 9. August. Bon hier wird nachstehender Aufruf vtrsendet: „Au unsere GlaubenSgenoffen! Eine iehr dringende Bitte um Mithilfe! Ein feierlich-heiliger Act, wie er in Deutschland seit Gott weiß wie lange nicht mehr vorgrkomnien ist und Gott weig wann wieder Vorkommen wird, vereint zle heute uot 10 Uhr eine sehr große Zahl hiesiger und aitSwärtiger GlaubenSgenoffen. Es war die Grundsteinlegung zu «tilem neuen Beih-Hamidrasch DaS bisher zu diesem Zwecke gemielhete Local war zu eng und zu dumpf, ein auieres paffendes war nicht zu finden — wir waren, wohl oder übel, zu dieiem Neubau gezwungen. Bis zu diesem Litgendlicke waren wir durchaus nicht Willens, unsere lieben deutschen GlaubenSgenoffen um umterielle Beihilfe zu die heiligen Werke zu bitten; sie haben an uns schon unendlich viel ge Han, in HungerSuoih, in Krankheiten, bei Brandvnglück h ibeu sie mit großen Geldsummen uns unterstützt, und durch ihre milden Beiträge haben wir hier ein Krankenhaus errichten, eine Anstalt, die dem Werthe einer „rettenden Thar" für die armen Kranken der nahen russisch-jüdischen Grenzbevölkeruag gleichkomml. Allein wir mußten bald inue werden, daß wenn der heilige Bau nicht ganz in'S Stocken gerathen oder dtch nur jo nothdürflig, gar nicht mehr seineut Zwecke entsprshend, ausfallen solle, wir die mild« und fromme Ge- **) Wir könne» diele» Satz nicht ohne Bemerkung und öinschränkung pa'siren taffen. Unser Hr. Lorresp. scheint gewisse süddeutsch« Blätter im ituge zu haben, di« wohl direct durch den „Israelit" provocir! ■ncCbtn inög-n. Wir renne« dies« nicht näher. Da« aber ist richtig, daß de« Judmseinden in untrer eigenen Ritte, den dir väterliche -religio» tägtich »rrhthn«n»«n Literaten rc. tc., vom „Israelit" überreicher Stoff und Lnl ih getteftrt wird. (««».) fiunung unserer vermögende» deutsche« GlaubenSbrüder an» rufen müßten. Di« rnsfisch.iöraelttischen GlaubenSgenoffen am hiesigen Orte, obwohl sie sich beffer ernähre» könne« al» in Rußland selbst, leben trotzdem in einer dermaßen gedrückten Lage, wie eS sonst in Deutschland nicht vorkommt »nd Gottlob! gar nicht Vorkommen kann. Auf je einen Bermögenden kommen wohl gegen 2S Mittellose, so daß von den nahezu ISO Familienhäuptern tauni S find, denen man neben der Sorge für ihre Familien noch die Beisteuer zu eine« solchen Werke zumuthrn dürfte. Dennoch find bi« jetzt, da der erste Gruildstein gelegt ist, die verausgabten 3000 Thlr. ca. zum großen, wenn nicht zum grüßten Theil von den freiwillig gegebenen Nothgroschen der Bedürftigen genommen. Das konnte und durfte ich länger nicht mit ansehen, besonders da ich weiß, daß die edeln, vermögenden, für ihren Glanben begeisterten deutschen israelitischen Brüder zu einem solchen Werke gewiß geben und gerne geben werdea Zweierlei erbitte ich mir von Euch. Zuerst und zunächst milde Gaden zur Weiterführung und zweckmäßigen Ausstattung de« HeiligthumS; dann noch dir Adreffrnangab« solcher Männer, die, wenn ihnen diese Aufforderung zu Gesichte käme, mit ihrer Beisteuer nicht zurückhallen würden. Als Gegendienst versprechen wir Euch, daß in dem neugrbaulen Hause auch für Euch gebetet und „gelernt" werden soll, «nd GotteS Barmherzigkeit wird e» Euch anrechnen, ai« hättet Ihr rS selbst gethan. Die Spenden nimmt zunächst der Unterzeichnet« in Empfang, giebt Rechenschaft über chre Verwendung und qutttirt eine jede einzeln in den geeignetsten jüdischen Zeitschriften. 0r. Rülf. Brannschwcig Die in unserer Räh« zu steigender Frequenz und Blüth« sich entfaltende Samson sch ule verdient die besondere Beachtung aller derjenigen israelitischen Kreise, welchen daran liegt, ihrer Jugend außerhalb de« Elternhauses eine gediegene — religiöse und wissenschaftliche — Ausbildung, gepaart mit einer streng geordneten, liebevollen Erziehung zu verschaffen. Sie ist eine der wenigen öffentliche» Erziehungsanstalten in Deutschland, welch« ganz besonder« di« Pfleg« der religiösen Wiffenschafl mit der der allgemeine» Geistesbildung zu vereinigen sich bemüht. Das stete WachSth»m dersclben scheint diese Anerkennung auszusprechen, und eS ist eine Pflicht der jüdischen Preffe, die Aufmerksamkeit de« jüdischen Publikum« fort und fort auf eia Institut zu lenken, welchem, wie man zuversichtlich hoffen kann, ans Grund dreser Tendenz mit G. H. eine große Zukunft beschieden ist. Sk. AuS Pomaeni, 18. August. (Or.-Lorr.) Die Mittheilungen aus Belgard in Nr. SS Ihrer Wochenschrift kann ich thetts bestätigen, theil« ergänzen. Bon meinem Later der im Jahre 1788 gewöhnl. Zeitr. in Polzin geboren war, hörte ich, daß seine Ellern und Voreltern, welche sehr alt geworden, schon in P daselbst erbangeseffen gewesen seien. Bermuthlich sind Judeit in unvordenklichen Zeilen au« Popplow, welches noch in dem unter polnischer Oberhoheit stehenden Pommerelle» gelegen haben sollh und wo sie au« diese» Grunde geduldet waren, in da« l‘/a Meilen entfernte dieSseitS der Grenze belegen« Polzin, und von da weiter in- Land gekommen. Hierfür spricht auch, daß der Begräbuißplatz in Popplow der Gemeind« Polzin gehört und erst vor etwa 20 Jahren geschloffen wurde. Vielleicht geben die älteste» Denkueine auf demselben einige historische Ausschlüffe, Nachforschungen müßten bald gestehen, da ein großer Theil der Steine rc. v t dem bisher aufsichtslosen Platze verschleppt worden find. Der Bericht über vr. S. ist richtig, derselbe heirathete später ein adliche« Fräulein v. Z, erwarb Schloß P., und blieb di« an sein Ende ein treuer Beschützer der Juden. Jnlereffant ist, daß säst alle seine Sohne unter de» Namen S. v. Z. geadelt wurden, und daß namentlich deren einer sich al« Staatsanwalt und Abgeordneter unter de» feudalen Heißspornen auSzeichnet«.

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