Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 307 Magistrat »ach nicht den Unterricht haben, da» könne er gar nicht, ^«» solle übrigen» ««ch ünr eine Prob« gemacht werden. Da» Provinzial Schulcollegium Hab« e» dem Magistrat überlasse», zu thun wa» chm gutdünk«, und er könne jederzeit die Sache wieder rückgängig machen; er jehe e» nur al» einen >«t der formalen Gerechtigkeit an. Hr. Steffen» giebt zu, daß die Juden ein Siecht haben, diesei» Unterricht zu verlange«, Hr. Damme habe at«r noch mehr Stecht. Man möge di« 100 Thaler und ein Local zu dem besagten Zwecke zur Disposition stellen und diesei!)« an eine zur Bestimmung darüber qualistcirte- Corporation überweisen, Seiten» der städtischen Behörden sich aber nicht «etter mit der Sache selbst befassen. Herr Martiny: Für den Reitgiontunterricht der Katholiken und Evangelischen in den höheren Schulen bezahlen wir, weil mir dazu gezwungrn find. Wenn e» eine Forderung der Gerechtigkeit sein soll«, wie der Magistrat behaupte, auch für den Religionsunterricht aller übrigen Confesfionen aufzukommen, dann müsse man doch erwägen, daß alle möglichen Bekennt- «iffe in der Stadt vertreten sind, und daß man benn auch die Ult- und die Neukatholibm, die Orthodoxen und die sog. aufgeklärten Juden, die Mennoniten u. s. w. ebenso gut berücksichtigen müsse. Wir «-.'langten, und da» sei auch der Standpunkt de» Magistrat» biiher gewesen, überhaupt die Beseitigung der konfessionellen Gegensatz« au» der Schule. Da würde die Annahme der Vorlage ein entschiedener Rücktritt auf diesem Wege sein. Herr v. Winter ist überrascht, daß die harmlose Vorlage so viel Aergerniß erregt. Magistrat giebt zu, daß e» noch viele anbei« Seelen giebt; wenn nachgewiesen »erde, daß eine erhebliche Zahl von Schülern au» irgend einer derselben die Schulen besuche, so werde der Magistrat ein Gesuch um Anstellung istne» gleichgesinnten Lehrer» jckerzeit befürworten. Wenn der Magistrat alle» Consessionelle aus den Schulen verbannen könnr, würde er die» sehr gerne thun. Hr. Semon fügt dem Anträge, daß ausdrücklich erklärt werde, der Umerricht solle nicht obligatorisch sein, noch die Bitte hinzu, auch die Bestimmung atzulehnen, daß Sonntag» der Unterricht ertheilt werde; durch diese Bestimmung werde nicht nur den Kindern der einzige frei,! Tag in der Woche weggenommen, sondern die Eltern selbst ivürden auch in ihrem Familienleben (?) r&rt.. Hr. Gronau steht auf dem Boden der Vorlage, erklärt aber für unvollftäichg. da nicht auch die Mittel- und die Elementarschulen bedacht seien, er »erlangt, daß alle jüdischen Schüler Religionruntervcht erhalten, .hr. v. Winter bemerkt hierauf, daß für Religicn»unterricht für die jüdischen Elementarschüler überreichlich durch eigene Schulanstalten gesorgt sei nnd der Magistrat gar nicht» damit zu thun habe. Der Magistrat strebe aber dahir, die jüdischen Elementarschaler au» de» jetzige« besonder» . L-chulen heraus- und,l in die. städtischen Elementarschulen zu übcrnehmen. Hr. Röckner unterstützt den Antrag de» Hrn. Semo i auf ausdrückliche Erklärung, daß der Unterricht nicht obligatorisch sein dürfe. Dieser Antrag de» Hrn. Eemon, dem Hrn. v. Winter im Namen de« Magistrat» beistimmt, wird von de, Versammlung zum Beschluß erhoben «ch. hierauf die Borlag,: de» Magistrat» angenommen." Ich habe nur noch hinzuzufügen, daß die Gesammtzahl der t»ra«l. Schüler im Gymnasium und in den beiden Realschulen etwa hundert beträgt. Mit weiteren Betrachtungen will ich Ihre Leser nicht behelligen, daß gerade ein Jude die Opposition gegen, Einführung de» Religionsunterricht» einleitet, ist« wohl nicht« Ungewölmliche» mehr. — Da» getroffene AuiknnstSmÜtel ist ungenügend, die Zustände find unerquicklich, der Lohn, der ArbeÜ wird nur ein geringer sein können. Da» ist nnser Saluch! Ducken wir Gott, daß wir in anderer Beziehung soweit, getomucen sind, und vertrauen wir dem Hüter 9»m«U weiter! A. Hai Im Steife Pleschen, 18. August. (Or.-Corr.) Während in unserer Kietthauplstadt di« Semrindeverhältniffe 1« Argen liege« — selbst der geringe Culturfortschritt, den da»..Wirk«« de» ReligionSlehrer» .und Prediger» vr. vähr z» .schaffen begonnen, ist durch den Abgang desselben in ein« Privatstellung (vothaste nennen e» «al» Zündhölzchen") Nack» Graudenz wieder vernichtet — zeigt sich du: kleiner« Gemeind,!.. I a r o l s ch t« nach allen Seiten bestrebt, «ine Mnstergemeindo zu werden. Pleschen zähl: leider zu viele, die Rabbiner spioleii, und zu Wenig«, die al« Semeindemitglieder sich fühlen wollen, während I. einen, aber tüchtigen, Rabbinen und viele lhalkräftige, für da» Gemeindrwohl begeisterte Mitglieder (wir nennen z. B. Bürgermeister Soldring, dem sich zahlreiche ältere und jünger« Herren »»schließ.:,,) besitzt. Dlesen» Zusammenstreben ist neben der würdigen — fast ein Neubau zu nennender — Renovation der Synagoge, ein bedeutender Fortschritt zu danken. Denn in ihm findet r« seine Erklärung, daß di« Königliche Regierung zu Posen Herrn Rabbiner Bloch zum Inspektor der jüdischen Schul« daselbst ernannt hat Der vierte der Schulinspectoren (oder, da Rakel erledigt ist, d-r dritte) unter den Rabbinen der Provmz Posen wird am 2tz. c. durch den Landrath vereidet und eingeführt werden. Möge sein Wirken den berichtigten Hoffnungen entsprechen, die Gemeinde und Behörden für da» Erblühen der Schule an diese Ernennung knüpfen! 8 8»» Harz, im August. (Or-S»rr.) Vielleicht gestatten Sie auch «nein Laien die Darlegung einiger über die heurige religiöse Cultur in verschiedenen, israelitischen Gemeinden de» nördlichen und mittleren West Deutschland» empfangenen Eindrücke und Ansichten, wie sie sich, auf kleinen Streiszügen in Rahe und verhältnißmäfiiger Ferne, einem, wie er glaubt, ruhigen und unbefangenen Beobachter dargeboten haben.*) Der Leser folge mir zuerst in die Provinz Fulda, wo der Hr. vr. Enoch wirkt. Er conservirl da» Alte, Heberkommene mit aller Macht seiner Beredlsamkeit und seine», gesetzlichen Ernfluffe«, merkt aber leider nicht, wir in seinen Gemeinden bei Jedem, der nur einen modernen Rock trägt, auch der Sinn für da» Alte abzusterben beginnt, und wte da» ästtbrtische Gefühl de» Gottesdienste», in den Landgemeinden besonder«, verletzt wird. Im Hause herrscht Ordnung und Sitte, in der Synagoge orientalische Verwilderung. Jeder betet laut singend und schaukelnd; da« Llali« legt man nach An der Quersäcke zuerst bi» über die linke Schultet, wa» wohl der Observanz entspricht, aber einen unschönen Eindruck auf die jüngere Generation macht, denn man glaubt, di«. Leute wollten aus den Handel auSgehon; die -Kohsnim ziehen chre Stiefel und Schuhe mitten in der. Synagoge au« ‘ und an, singen den Prirfterjegen nicht blo» nach hertümwlichen Melodien, da eicklingeu gar oft auch die profansten fcc» zwischen. Nicht besser ist'« in den Kreisen de» frommen Rabl». Wetzlar in GudenSberg, hier wie dortwird nur da» Alt« gepflegt, di« initeren Riffe werden nicht auSgebeffert- und uin-' Handel und Wandel ihrer Gemeindekinder bekümmern sich diese Herren nicht — und doch sieht'» da gar arg au». S>:,- hen wir uo» in Frankfurt a. M um. Di« orthodoxe Gemeinde pflegt ihre Institutionen unbeirrt und dringt Leben in die Sache; wer zur fortgeschrittenen Gemeinde übergehen (?) will, dem darf und kann kein Hinderniß in den Weg gelöst werden, beide Theile büden eia adgeschloffene» Ganz« und verkehren auch friedlich und freundlich zusammen. Weng erfreulich ist iudeß der Umstand, daß die meisten-Lehrer kur » großen Schule (Philanthropcn) sich um da» Gemeinde» und Synagcgenlebcn gar nicht kümmern, ihm sozusagen fast den Rücken zuweuden. Die» ist eine Neutralität, dir nicht zu billigen »ft, und di« auch nicht den Beifall de» Direktor» der Anstalt findet. Niemand schadet der S^che mehr, ai» de«- Indifferente, und di« Herren Lehrer de» Philanthropin nützen der orthodoxen Sach« weit mehr, al» die Herren Hirsch und *) Der Hr. «lorresp. hat sich in einer längeren Itialeitung über sein« Ansichten, seinen SrandpunU ausgesprochen. (M. ist manche« recht schitn gesagt, manche« stimme» wir ju Anderes tiaiua wir nicht gelten laste«. Da sich dergleichen nicht «n pMatnt erSrtern «w nicht nebenhin in Anmerkungen d.r Ardaktion besprechen lägt, so hichen wir uns -«uäthigt gesehen, die «tnleitnn, «e^Uasten. Dar tzr. «cmusp wir» die« hasteutltch gerechtfertigt stad«, nn» «0 seinerseih, rntsttmidchm. <*>.). i Tr ,e> - ' - >'