Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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«Jfi es bie bedeutenden Gemeind« beb Ostens, die beeinflußt von ihren Predigern, eine vollständig indifferente Stellung rinnahme» und zum Theit« noch «innehmen. Und fragen Sie nach der Ursache dieser Erscheinung, so kann ich Ihnen als solche nur j'ne alte Eifersüchtelei bezeichnen, die hier zwischen de» versch ebenen Rabbinern herrscht, und die leider schon so manches Unheil angeftislet hat, und die auch durchaus nichts Neues in Israel ist, da ja schon der Talmud (Sckabbath 139, a) sagt, daß sie die Quelle alle- Unglücks in Israel sei. Die westlichen Gemeinden Amerika'- dagegen, die zum großen Theit« jüngere, dem alten Gezanke zwischen Wise, Emho:u und Conjorien fernstehende Rabbiner an ihrer Spitz« haben erhoben sich wie ein Mann, und dem Ausruf« Cincinnali's Folge leistend, sandten fünfundsüng zig Gemeinden ib^ Delegirlen zur 1. JahrcS-Versammlung nech Cleveland Die Details der Verhandlungen, die S Tage in Anspruch nahmen und oft sehr lebhaft waren, hier wicderzugeben, würde den Umfang dieser Eorrespondenz weit überschreiten. Ich will mich daher bloß auf die Resultate beschränken. Der jüdisch-amerikanische Gcmeindcbund ist eine vollendete Thatsache, ebenso bas JnSlebentreten einer jüdischen Hochschule in Amerika Am 1. Oktober 1875 wird unter rem Namen: „Hebrew-Union-College" in Cincinnati eine Anstalt eröffnet werden, die es Jedem ohne Ausnahme, jedem mit d.n nölhigen Vorkenntnissen Ausgestaltelen ermöglichen wird, in den Wiffenschaslen des JudenthumS sich auSzubilden Die kerwaltung und Leitung dieser Anstalt iuirt> einem ans 12 Mitgliedern bestehenden Direktorium auoertraut sein, dessen Aufgabe es zugleich ist, mit Hilfe der anzustellenden Profefforeii den Detail-Studienplau auszuarbeiten. Das erste vonl Gemei ndetage in Cleveland erwählte Direktorium, das mit der Besorgung der Vorbereitiliigen zur Eröffnung deS College beauftragt ist, besteht aus 9 Laien und 3 Fachmännern. Unter den Laien sind mehrere Advokaten und tüchtige Männer, die 3 Fachmänner sind die Rabbiner: Wise und Lilicnihal ans C ncinnatl und Wolsenstein aus St. Louis. Tue Kosten zur Erhaltung des College werden von den Einkünften des Gemeindebundes — jede Gemeinde zahlt pro Mitglied 1 Doll. p. a. — und von freiwilligen Beiträgen bestrstt.n werden. ES herrscht jedoch die Absicht vor, die Anstalt durch Ansammlung eines Stamm-CapitalS unabhängig und se bftständig zu machen. Der Anfang dazu ist schon gemacht; durch freiwillige Subskriptionen wurden in Ciucinnali allein rahezu 50,000 Doll, gezeichnet. Außer den Beralhungen Uber daS College beschäftigten noch v rfchiedene andere Gegenstände die Versammlung; der Eubzw ck aller Anträge und Vorschläge war die Hebung der Gemen den und besonders der so zahlreichen kleinen Gemeinden. Eine merkwürdige Erscheinung war ,S, daß die verschiedensten Richlnngen, Orthodoxe, gemäßigte und radikale Reformer iu Einlraiht zusamniensaßen und über das Wohl des JudenthumS sich beriethen Möge dies überall, wo Israel wohnt, in gleicher Weise gescheh, n! Der Ermahnung meines seligen Vater«, ihres sie aufrichtig vj liebenden Großvaters, in dem Artikel XV seiae« Testament»«, -- gleich mir folgend, mögen sie und ihre Nachkommen dem vä» - ter ichen israelitischen Glauben stet« unwandelbar und iiaab» 1 änderltch «reu bleiben." Rothschild hat übrigens, wie erst jetzt au« den vielen Codicillcn seines Testaments hervorgeht (außer der früher genannten Summe von 400,000 Fl.), auch dem von ihm gegründeten Hospital in Wien, dem von seinen Eltern zu PaÄs errichtelen Waisenhaus, sowie dem Waisenhaus« auf seiner preußischen Besitzung Hultichin erkleckliche Summen vermacht. — In der Synagoge zu Smyrna fand zu seinem Andenken ein Trauergottesdienst statt, dem der österreichische General» Consul v. Scherzer beiwohnte. Auch dort läßt Rothschild in dem eben beendeten neuen Spitale für arme kranke Israeliten ein unvergängliches Denkmal seiner Munificenz, Humani'ät und .'Nächstenliebe zurück. Teschru. Ueber den durch seine Schrift: „Die rationell« Kirche" wohlbekannten Pater Prulek ist von» Papste die groß« Exkommunikation verhängt worden. Kaum war in Teiche« diese Nachricht verlautbart, so beeilte sich der dortige Männergcsaugvereiu, dem ob seines humanitäre» Wirten« allbeliebten Priester eine Ovation darzubriugen (Das „Jüd. Literaturbl." wird über die ge». Schrift nächsten« ausführlich berichten ) Graz, 18. August. Das ulkramontane „Bolksblatt" befürwortet die Errichtung von Vereinen, deren Mitglieder unter Anderin die Verpflichtung übernehmen sollen, nickt« mehr bei Jude n zu kaufen. (N. F. Pr.) Paris. Wie von kompetenter Seite verlautet, wird die Synagoge in der rue de la Victoire nunmehr endlich zu de» Hcrbftfeiertagen dem Gebrauch übergeben werden. Für - die Vollendung der andern im Neubau begriffenen vermag der Architekt noch keinen Termin zu bestimmen. London. (laut com me chez nons.) Das „Athenäumm" schreibt: Als Moses sich sür seine Ausgabe, als Lehrer in Israel, vorbereitete, fastete er vierzig Tage. Aus diesem erhabenen Beispiel zieht unsere (die englische) Regierung den Schluß, daß ein Mann, der ein Lehrer des Heranwachsenden Geschlechts werden will, seine Fähigkeit, dem Hungertode zu trotzen, beweisen muß. Daher ist der verhungernd« Schulmeister eure normale Figur in unserer Civilisation. Odessa. Auf den Wunsch vieler hiesigen Gemrindemitglieder, die eine russische Predigt hören wollen, ist al» Assistent deS »r. Schwabacher (der als Deutscher nur Deutsch predigt) ein Herr Mandelkern, ein sehr gebildeter Manu und tüchtiger Redner als Prediger angagirl. (I. Pr.); Cincinnati Im „Amerika» JSraelite" wird den Juden der Rath erlheilt, daß sie statt am Tische» Beaw zu klagen und zu fasten auf das Blatt abonniren sollte», beim die Presse sei de: Messias, die Erlösung der Juden. . Vermischte und «eiche Nachrichten. L ien. Aus dem Testamente Rochschilds dürfte der Artikel 20 von besonderem Interesse sein, derselbe lautet: „Ich ermahne meine sämmtticheu lieben Kruder, stets in grösiter Einigkeit zu leben, die Familienbaude nicht lockern zu lass.,,, alle Streitigkeiten, mißliebige Erörleiuugen und Prozesse uuter einander zu vermeiden, gegenseitig Nachsicht und Milde zu üben uuo sich nicht zur Heftigkeit hiureißen zu lassen. Diese Bethätigung eines sausten Gemülhes und frennolicher Ruhe, wie sie ineine Kinder besonders an ihren trefflichen Großeltern vor sich gesehen haben, find die sicheren Bedingun- Oea des Glückes und der Blüthe der ganzen Rothschild'schen Familie immer gewesen, und nicine lieben Kinder mögen nie Uvd niipmer diese Famiiieu-lleberlieferung außer Auge setzen. Los Angelas. (Cillisornien.) „Arch. Jsr." bringen die iinmerhi» beinerkenSwerthe Mittheilung, baß in Californte« ziemlich viele Juden sich der Landwithschaft widmen, Güter besitzen und sie selbst bewirthschasten und bearbeiten. Feuilleton. Wer ist strengorthodox? ' (Schluß.) In sonst ernstem Tone schreibt dann aus „Nord-Deutschland" ein „Laie," wir entnehmen aber hier, im Feuilleton, aus seiner 4'/, Spalte« füllenden Ab andlung nur ein paar.M scherzhaft gehaltene Satze.