Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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„UH Ahnen, in dein sreiheftltihen Ungarn, sind e» die QMgtttlrt, «elche dt» fflabbiner-StMtuarfrage mit stet» erneuerter >raft in Fluß z» dringen suchen. Mein während dort die Wogen der veixgung hoch gehen und die Weisen der Longreßfmkiion ihre Becathungen .ahre hiitd««- mit einer komisch-ernsten Miene betreiben, als wäre ihnen die Wiederherstellung de» europätfä-en Gleichgewicht übertragen worden: erhebt sich in der Metropole unsere» deutschen' Reiche« ein kleine», aber muthige« Männlein, da>, ohne viel zu frage« und }u berathen, aus die eigene WeiSheft vertrauend, an die Thür seiner Kammer dnt Tafel heftet init der Anschrift: „Rahbiner-Seminar für da» orthodoxe Judenthum." Mit dieser Zaudertafel glaubt da» kleine Riännlein die glorreiche Vergangenheit de» orthodozen Judentums famnü seinen ruhmvollen Trägern und Pstegern bre>i manu über Bord werfen zu können, um fich ein eigene» Audenlhum — für den eigenen Eonsum sowohl, alb jür den Export — zuzuderetlen; Hn Judenthum, in welchen, eben nur deflen Erfinder als Hohepriester fungiren dürfte. . . . Freilich, Sie werden 3lUe« die» höchst lächerlich finden. Schüsse au» Kanonenschlünden — »erden Sie fich denken — sind verheerend, während Kindergewehre blo» zur Erheiterung dienen können. Wir jedoch, wir müssen di« Sach« oi'l ernster nehmen; bei un» hat die Seminarfrage noch keine eingehende Erörterung und allfeitige .. «- leuchtung gefunden, weshalb die Verführung der Masse denn auch eine leichtere ist. Hier genügt'» nämlich, wenn behauptet wird: die» oder jene» Anstitui stehe im Dieuile des orthodoxen Judenthums, um auch sofort des allgemeinen Vertrauens sich zü erfreuen." (Tann heiß: es weiter): „UeberdieS verführt derselbe junge, strebsame Menschen auf eine falsche Saniere; die »rmen könnten nämlich zu recht guten Schustern, Schneidern oder Tischlern herangebildet werden, während sie von solchen Glücklichmachern zu sckilechten Rabbinern verurtheitt werden. Wir anerkennen bereit«,illigst dt« Verdienste eine» Mannes, der jungen Leuten zu einer ehrenhaften Stellung verhelfen will; eia solcher „Wohfthäter der Menschheit" stelle fich aber an die Spitze eine» Ackerbauober Ge werveoereine« und er wird Spielraum genug finden zur Verwirklichung seiner menschenfreundlichen Intentionen. Doch das Raddinal — die» ist keine Profession und kann überl-aupl in keiner Werkstätte, in keiner Fabrik, mag diese unl-r der Firma eines „Seminars" oder einer „Rabbiner-Schule" ihr Getriebe in BekvrgüNg sitztn', erlernt werden." Tann am Schlüsse Worte, die so recht da» ausjprechen, was wir mit diesen Auszügen beweisen wollen: daß es Leute gibt, die iwch wett über Hildesheimer hinausgehen, denen feine Orthodoxie durchaus kleine Gatamie bietet, mid — wie vielerlei Judenthum e» gibt! „Ich frage deShrlb: wofür kämpfen wirk Stach den gegenwärtigen Berhältnissen ist ja der ganze frühere Standpunk: gründlich verrückt worden. Der Kantpf dreht sich nicht meßt ttfrt Dick fftagef ,» Ref«in oder Orthodoxie zur Geltung e — sondern einzig und allein: ob Breslauer oder Ber- Seminaristen fürderhin die Rabdinaisstühl« occupiren sollen! „Stehmen wir nun an: der Gemeindezwang wäre bereit» aufgehoben und die or> hodoxe Partei in A oder B könnte ich zu einer selbstständigen Gevteind« constiluireil. iliei der gegenwärtigen Begriffsverwirrung kümue e» nun leicht komuien, daß diese neue orthodoxe Gemeind«, die eben mühevoll den Schlingen eine» Breslauer Zaddik en.wifcht, spontan und sreudettttrtftn in da» Retz eine« Berliner Chaßid geriethe! Was müßte der wahrhaft oNh. Jude dann lhun? Auch au» dieser Gemeinde ausscheiden? und dann? Seinen Anschluß an eine andere Gemeinde declariren? Wie aber, wenn bei einer allgemeinen Invasion — der kleine Rektor ist bekaniklttch' üstekau» rührig und proi»uzirt mit Dampfes kraft — auch diese von einer Seminar-Plage beimgesucht würde: sollte man da wieder nach dem Wanderstabe greisen? . . . Doch müssen wir die -tjetzeStreue.Judvchelt ermahnen», den Kamps in ditftr Weife auSzusechten, daß der eventuell« Sieg gottbehüte kein illusorischer »erd« Wahrllch! Sott« mrf bederte«, daß wir anstatt «in«» Bre«lauek» (Mtl Utrtilrt; nftt andrren Wotten: anstatt eine» Franklianer» einen HlldeSbeimerbmer in den Kauf bekämen: dann wäre der von un» geführte Kamvf — kein jübtsther! Endlich schreibt „au» AMhl»" «ln ^orchstzttztzeM««ienj »ater": „Andererseits jedoch dürfen wir auch die Befükch nng mcht unterdrücken, daß eben diese» Seminar schon in nächster Zukunft die mit so vielem Rechte angestrebte „Trennung" al» vollends überflüssig erscheinen lassen dürste. Der ehrwürdig« Rector de» in Rede stehenden Institut» dürft« kaum die Schwere der Verantwortlichkeit in reifliche Erwägung gezogen hoben, die er durch Ereinmg desselben auf sein« Schultern geladen. Sagt doch Abtalion: »Ihr Weise«, seid vorsichtig in eure» Angelegenheiten, ihr könntet euch ein« Wandlung zu Schulden kommen lassen und einer verderblichen Strömung Huld gen. an der die euch folgenden Schüler zugrunde gingen — und so würde der Rame Gotte» entweiht werden! Welch' mild« Auffassung wir auch der ungeberdigen Seminariucht des Hrn. Hailiitt* H. vindiziren, so involvirt dieselbe mindesten» die „Huldigung einer eminent verderblichen Strömung", die für die Schüler unfehlbar „lodtbringend" tperden muß. Mii der Errichtung eiiies Seminar» bettat bei Mann, der die Leitung der religiösen Angelegenheiten der Adaß-JSroel- Gemeinde in Händen hat, eine gar abschüssige Bahn. Die ihm innewohnende moralische Kraft dürfte dem Rettor selbst wohl noch einen festen Stützpunkt bieten, allein die Schüler ... die Schüler! . . . Wir fürchten sehr, e» werden diese zum tiefen Standpuickte ein-» Geiger, eines A»b hinabsinken, wo dann der ganze Lärm um Aufhebung de» Gemeindezwange» al« absurde» Possenspiel sich Herausstellen würde. Und dies ist der Grund, vermöge dessen ein großer Theil der gefetzr»treuen Judenbeit diesem Kampfe gegenüber eine reservirte Haftung beobachtet, die unter anderen Umständen kaum zu rechtfertigen wäre. Man erblickt in der ganzen Bewegung so ziemlich einen bloßen Personenkampf, der' das 23«- sen der Sache mit Ungestüm in den Hintergrund drängt. Keine Illusionen! Bleibt da» Rabbiner-Seminar aufrecht, so kann auch der glänzendste Erfolg nur von momentaner B edeutung sein! Di« Hörer dieses Jnstttite» können nur den Berus haben» di» Stellen der greise« Apostaten, Geiger» und And» — iW Kiste ihrer früheren Inhaber weiter auSzufülle«, vorausgesetzt wohl, daß sie hierzu die erforderliche geistige Befähigung besäßen! Jedenfalls sieht e» mit dem wahren Judenthum im dentjchen Reiche nicht günsttg au». Die Geiger», Lud», Philippfon», GoldschmidtS haben e» mit roher Faust angegriffen; Herr l)r. Hildesheimer hat fich der traurigen Mission unterzogen: demselben mit sanfter Hand die Augen zuzudrücken." Um e» aber glaubftcher zu machen, daß wir nur a«»' Aufsätzen, aus nicht eigentlich schomre-havathftcher Feder «xlrahirl, daß wir die gröbsten Jnvektiven weggelasfen haben, da wir selbst unsre Echeere nicht dazu hergeben mögen, gemeine Au»sälle gegen die Persvn de» Hrn. Dr. H. auszuschneiden; so fttllen wir an den Schluß ein paar Zeilen, beliebig aus Hundert herau»gegriffe», au» der Feder des Re datteurs de» „Trad. ud." in s»in«m Seilst u»d in selten. — Glanze. „Wir möchten den Herrn Rektor um folgende zwHKlttmgkeilc.t in seine« eigmen JMeresse bitten. Ersten», bei setilenl Seminärchen di« Bezeichnung „für da» orthodoxe Judenthum" doch weglaffen zu wollen, da er sonst zu jenen Reformheldeu rangire» würde, welche behufs Anlockung de» consumirrnd«» Publikums ihm NHschbänke und Restauration«» mit sogenannter ^toscher-Täfelchea" versehen. Zweften» aber bei Erwähnunz sklne» Jilstitut» den Ausdruck ^nit göttlicher Hilfe" nicht« gtbrauchen zu wollen. Sticht mtr Einer, der am Jom-Kipurin bei einem Gelage sich gütlich chut und dann „Mesumaa benscht;" — auch Derjenige, dev mit der Errichtung eine» _ Rabbiner-Seminars den Rasten Gotte» in Verbindung dring:, erscheint al»: BOee« beroch nie*."