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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Zeichnung hiesiger Zustände und de« TharakterS de» Herrn vr. Dünner gelesen. Für jetzt will ich nicht näher auf dieselbe eingehen, um so ««Niger, weil, dem Vernehmen nach, dieselbe dem Herrn Justiz-Anwalt in L onn vorgelegt ist, um!« beurlheilen, ob die hür zwischen Gänsefüßchen «iedergege- >e»e Schlußbehauplung der Sorrespondenz ganz harmlos sei. Lin» möchte ich heute nur hervorl»eben. Mit Recht ist der Torrespondent in der «A Z. d. I." eutrüstet, daß der «wenig und oberflächlich wissende" Hr. vr. Dünner sich in frevelhaftem Uebermuth crdreistel Hai, xm daselbst gedachte» «Obcrrabbtner" entgegenzutrrten. Dieser ist doch ein sehr gelehrter Mann. Damit Sie sich einen Begriff von seiner großen Gelehrsamkeit machen können, theile ich Ihnen mit, daß derselbe zur Zeit in einer hiesige» Zeitschrift, auch in der Zeit. d. Judenth. 1867 Rr. 38 und 41 behauptet, daß da« 'KJ21? in TOS1? lOKl ■piJTl nnn inppir (Habboth 115 a) «ein Patronymicum der Stadt oder des Dorfe« TOS1? (Nicht. 21. 19)" sei. Als Vr. Geiger diese Behauptung in seiner Zeitschrift, Jahrg. 5, E. 117, bestritt, citirte der «Oberrabbiner" au« seinem Aufsätze in der «A. Z. d. I" 1867 .folgende«: «Zum Beweise, daß die Samaritaner eine Zeit lang in kleinen Oertern beisammen gewohnt haben, diene folgende Stelle aus Jerujchalmi Peßach. f. 2: «R. Simeon, Sohn Gamliel«, lehrte: Jede« Gebot, von den «utäern ausgeübt, w-.rd von ihnen genauer al» von Israeliten beobachtet. R. Simeon entgegnet«: Die« fand in früherer Zeit statt, al» sie beisammen in ihren Dsrsero Sehaust; doch jetzt waren sie aller Gebote und Gebräuche aar, verdächtig und auSgeartet. Also früher wohnten sie in Dörfern, und wohl nur in denen zahlreich zusammen, die wie Lebona dem Berge Gerisim nahe lagen, und beobachteten die Gesetze de« Pentateuchs zwar nach ihrer Deutung und Auslegung, doch ziemlich streng. Allein später zogen sie nach andern Plätzen, zerstreuten sich unter Römer und Griechen und verletztrn selbst die Gesetze, die. ausdrücklich im Pentateuch verzeichnet, keine andere Deutung zulaffen." ES ist daher gar kein Wunder, daß vr. Dünner bei allen hiesigen Talmudisten umher dem «gold- und silberhabenden Polen" >R. Ebajjim Hurwitz in AmerSsoort) und dem Talmudisten R. Akida Lehren, in Ungnade gefallen, al» derselbe bet Gelegenheit der Lomroverse mit den» Hern» «Oberrabbiner" über WCE> Ql die unerhörte Frechheit hatte zu behaupten, daß manöje vom Herrn «Oberrabbiner" citirte Stellen aus D'pQlfi entweder dort gar nicht gefunden worden oder gerade da» Gegentheil von dem aussagten, wie der Herr «Oberrabbiner" behauvtet. Die Polemik übe: bie vom Oberrabbtner von Mastrtcht dahier am Rosch Lhodesch Ad vollzogene Trauung ist in den hier zu Lande erscheinenden jüdischen Zeitschriften noch nicht beendet. Später gedenke ich Ihnen Näheres darüber mitzuthetlen, so wie auch über die zu Rotterdam mit Borwissen de« ehrwürd. Herrn Oderrabbiner» Berenstein vollzogene Trauung. N. 8. Dem Vernehmen nach find die RadbtnatS-Diplome de« Herrn vr. D. vom RabbinatS-Eollegium genehmigt. Jetzt erfordert da» Gifetz, daß die Wahl de« gedachten Herrn al« Oberrabbiner noch eine Instanz durchlaufe, nämlich die Bestätigung al« BeztrkSrabdiner von den Deputieren der synagogalen Bezirk«, welcke innerhalb 14 Tagen nach der Zusammenberusung gewählt werden müssen. Wahrscheinlich wird diese Versammlung grgen End« d. M. startfinden, so daß noch vor Neujahr di« Jnstallirung zu erwarten ist. Ocofbritaniiiea. Lauda». In einem Artikel über die katholische Bewegung, welcher einen Seitenblick ans die Juden wirst, spricht ,tdv Uoelr*. ein aoglikanisch-orlhodoxeS« Blatt, folgende Sätze au«, welche, seltsam wie sie vielen, sehr vielen unirrer deutschen Zeit- und HhinbenSgenoffcn klingen werden, doch sehr bemerkeuSwerth sind,, al« Meinungsäußerung einer besonder« i» England immerhin zahl- und einflußreichen Partei oder Richtung unter de« Ehrrsteu. Der Artikel knüpft an di« B-»««rkungen eine« Bischof», denen er zustimmt, an, spricht über de» Gegensatz zwischen Papstthum und Judenlhum und di, Berfolgungen, welche jene« über dies,« gebracht, und fährt fort: «Ader inehr Srnrid zu diesem Gegensatz« liegt ln dem Bewußtsein (welche« man immer gehabt, aber nie ausgesprochen hat), daß alle«, wa« für Zion Gute» bedeutet, ein döse« Zeichen für Rom ist. Wir dürfen wahrlich getrost hoffen, daß, je näher wir der verheißenen Wiederherstellung JSrael« koinmen, desto näher auch der -urchtbar« Sturz bevorsteht, durch den — nach dem sicheren Worte der Prophezeiung — da« große Babylon endgültig zerstört werden wird. Daher kommt es, daß Protesta alen, während sie nie die Zulaffung von Juden in ein christliche« Parlament billige» konnte», doch da« Haupt erheben, wenn sie die Zeichen sehen, welche bie näherkommeude Restauration Juda'« und Israels im Lande ihrer Väter andeutea; eine Wiederlierstellung, der alle den Juden bewilligte» Zugeständniffe und alle Bedeutung, di« sie jetzt in der Welt besitzen, schleunig den Weg bahne». Und di« Juden können dreist behaupten, daß sie in den Ländern ihre« Aufenthalt« stets wie loyal« Bürger gehandelt haben. Ader wer wird da« von den Papisten sagen?" (— Seltsam, nicht wahr? So werden englische Ehristen die Gebete u-j-» rtJ-rnm it. a hi. inbrünstig beten, wenn Juden ne abjchasfen. Sonderbare Weit!) Loudo». Die Mythendildung bemächtigt sich bekanntlich hervorragender Männer oft schon bei ihren Lebzeiten; die Jugendgeschichte, die Herkunft derselben ist, wenn sie nicht au» bereits bekannten, hervorragenden Familien abftammen, oft in rin gewiffe« Dunkel gehüllt, welche« leicht ein sagenhafte« wird. So geht r» auch dem gegenwärtigen Preniier, Beuj. DiSraeli. Wir haben über den Umstand, ob er r.och al« Jude geboren, ob bereit* fein Vater oder gar je.» Großvater Christ geworden sei, verschiedene Versionen gelesen. «J.w Thron " bringt in seinen hier bereit« erwähnten Skizzen au» der englisch-jüdischen Geschichte endlich authentische Nachrichten über di« Familienoorgeschichte. Da, nach ausdrücklichen Angaben de« Blatte«, dabei ilichl nur ganz verläßliche, sondern auch bisher noch nicht öffentlich bekannt gewordene Quellen benutzt sind, da ferner auch dies« Betehrungsgeichichte eine lehrreiche Illustration zu henttgem Aul’ tritt« st reden und Hinan« drängen giedl, so werden wir die Skizze im nächsten «Feuilleton" mntheilen. — Sir Mose« Moniefiore hat drsinitiv den Vorsitz den Board os Depulte«, den er seil vielen Jahren geführt Hai, niedergelegr. Sein hohe« Alter (er wird am 34. Ort. sein Sv. Lebensjahr vollenden) erklärt den Schritt zur Genüg«, doch scheint eine Polemik, welche sich im Board und in den englische» Zeitungen aber dir Palästina-Unterstützungen erhoben har, seine» Entschluß gefördert zu haben. Da man da« erwähnte Tolonel Gawler'jche TolonisirungSproject ernstlich in Erwägung zu nehmen gesonnen ist und dazu de« EinfluffeS de« Ramen« de« Sir Mose« vorläufig nicht entbehre» kann oder mag, jo hat man ibn gebeten, di« zur Neuwahl den Vorsitz interimistisch fortzusühren. ffwecif«. W. Et Louis, 31. Juli 1874. Der im vorigen Jahre unter dem Titel: «Union of American tzebrrw LongregrlionS" in« Leben getretene jüdisch-amerikanische Gemeindebund Hit am 14., IS. und IS. d. Mt«, in der Stadt Elrvelond am Eric-See sein« 1. JahreS-Verjammlung gehalten und durch dieselbe bewiesen, daß er al» ein lebenskräftiges Rind in tie Welt getreten ist. Die Gemeinden Eineiuuati'S waren e«, tie im vorigen Jahre in einem begeiftenen Ausrufe ihre Schn«- ftrr-Gemeinden zu gemeinjameu Wirken auffordertrn, und zwar sollte die Errichtung einer jüdischen Hochschule da» Hauptziel diese» Wirken» sei». Allem s» lobenSwerth auch ei» derartiges Unternehme, jede» Unbefangene» erscheine» mußt« — «S fände, sich dennoch Gegner deSselbe», und eigeuthümlich genug war«» jhBuniKiVii,

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