Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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testante», Altkatholiken rc. vcnähre» werde. Da» gehört, nach unserer Meinung, unbedingl zu der Trennung und Besreiung deS Staate» von der Kirche, deren Rorhwendigkeit dei den jetzigen Zuständen voch wohl bald Jedem einleuchten wird! „In bieseni Siaale kann Jeder nach seiner Facon selig werden" diese» weisen Grundsatz dealten Fritz, degroßen Königs, niöge der preußische Staat durchführen, sich also uni den Glauben der Slaal-bücger, um den Gottesdienst derselbe» nicht kümmeln; folglich aber auch zu den Kosten de» letzteren aus der Smatskaffe dem gemeinschaftlichen Beutel aller Steuerzahler nichtbeitragen. Denn sonst lhut er llnr.cht gegen alle die Steuerzahler, welche nicht zu den Katholiken oder Protestanten gehören, also gegen die im Preußischen Staate wohnenden Juden, Dissidenten rc., den» diese bekommen ja nicht« auder Staatskasse zur Unterhaltung ihrer Geistliche» und zur Bestreitung ihrer goncSdienstlicheit Bedürfnisie. Ebenso wie diesen nlilß man e« auch den Katholiken (den alten wie den neuen) und den Protestanten überlaffen, ihre Geistliche» und Kirchen-Äebäude aus eigenen Mitteln zu unterhalten; oder, wenn sie danicht ivollen, aus der Kirche auSzujcheiven." Hamburg, 14. August. Daseltene Fest einer diamantenen Hochzeit feierten gestern der HandelSmann M. L. teilbul und feine Gattin Hannchen, ged. Jacobson, in der lbstraße unter herzlichster Theilnahmc der sämmtlichen Bewohner dieser Straße. Dieser Umstand legt am b.sten Zeugnis dafür ab, in welchem Grad« sich die beiden alten, aber noch körperlich und geistig überaus rüstigen und frischen Leute die allgemeine Achtung und Zuneigung erworben haben Die ganz« Straße prangte in festlichen« Schmuck von Laubgewinden, Blumenkränzen und Fahnen, Niemand — ohne Unterschied der Eonsession — hat sich ausgeschlossen, auch ruhte gestern zu Ehren deS Tageeinem Uebereintommen gemäß da» gef lium.« Geschäft in dieser Straße. Da« au- Nachbarn de« Juaelhochzeit-paaregebildete Fest-Eoinite, welche« schon seit euilger Zeit für seinen Zweck unerinüdlich thätig gewesen, hat seine Aufgabe zur besonderen Zufriedenheit aller Interessenten zu lösen gewußt Die Mitglieder dcffrlbe» überreich, ten gestern Boriulltag den tzeibul'schen Eheleuten als einen Beweis der Theilnahme eine namhafte Summe in Werthpapieren unter den herzlichsten Glückwünschen. Zu den gemeinsamen Fest-ArrangenlentS gehörten weiter inehrere Ständchen, von deiie» zwei von Sängern am Mittivoch Abend gebracht wurden, wahrend gestern früh die Laube'sche Eap.-lle concertirle, so wie endlich gestern Abend eine den Verhält niffen nach glänzend« Illumination, die sich übrigen« nicht allein auf di« Elbstraße beschränkte, sondern auch in den benachbarten Straßeil ihre Fortsetzung fand. Im Laufe de« gestrigen Tage« wurde begreiflicher Weise die Wohnung de« Jubelpaare« von Gratulanten nicht leer, die ebenso sinnige, wie werthoolle Geschenke brachten. Auch der Gemeiudevorstand der deutschisraelitischen Gemeinde hatte eine besondere Deplltatio», bestehend au« den Vorstand« - Mitglieder» Wilhelm Wolff und Adolph Ahronso», zur Beglückwünschung abgeordnet, welch« mit einer herzlichen Ansprache seiten« de« Gemeinde-Vorstände« dem Jubelpaar einen Portugalöser überreichten. Da« eigentliche Familienfest ist auf den nächsten Sonntag vertagt; daffeld« wird in der „Erholung" von dem engsten Kreise der Famüie, die — Kinder und KindeS-Kinder — mehr al« 40 Personen stark ist, begangen werden. (Wir woller. bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß in der Heilbut'schen Familie ein hohe« Alter nicht zu den Seltenheiten gehört; so haben beispiel-weise zwei nun freilich schon verstorbene Brüder de» Herril M. L. Heilbul ihre goldene Hochzeit in vollster Rüstigkeit gefeiert.) Unser demantene« Ehepaar heiralhere am IS. August 1814, nach eineni 2jährigen glücklichen Brautstand« und steht jetzt t r Ehemann im 87., die Ehefrau im 82. Jahr«. Während ihre« langen Ehestande« habe» sie treu vereint viel Leid, Kummer und Sorge ertragen müssen: aber kein« Trübsal war im Stand«, chre Zufriedenheit zu störer. Mögen ih«e» »och viele Jahre de« Glücke« descherrt werden l Oesterreich. B. Lemberg, 7. August. (Or.-Eorr.) (Au« demVerein Schomer Israel.) Den Kampf, den der Verein hier zu Land« mit den Feinden unser» Stamme« ausgenommen, ist wahrlich kein kleiner, zumal unsere polnischen Landsleute ein gute« Stück Rumänenthum inne haben, weniger der Au»- al« der Verbildung geneigt und leicht durch Agitationen zu mittelalterliche» Thorbeiten und Schlechtigkeiten anzuregen sind. Angeführt und verführt durch eine Schandpresse, Gazeta narodowa, Tpgodnik wiesmencki rc., steht da« Aergste zu befürchten. Die Regierung au« polnisch-nationalen Elementen zufam- « mengesetzt, mit der polnischen Spitze in Galizien und in Wien, sieht den Hetzarrangeuren mit einer eigenartigen GemüthSruh« zu, al« gelte e« gegen eine Heerde wilder Thier» zu hetzen. Hat die polnische Journalistik noch genug Zündstoff, um die religiöse Jntolleranz hervorzulocken gehabt, so suchte sie eine Bereicherung in der famosen Brochure de« süchtigen Rohling, welche auch die größte Indignation hrrvorgerufen hat. Diese Schmähschrift zu widerlegen, macht sich der Verein Schomer Israel zur Aufgabe. Die Entgegnung in polnischer und deutscher Sprache wird er herausgeben unb in die jüdischen Gemeinden Galiziens senden. Die Ehre der Bearbeitung die ser Entgegnung, welche eine Fülle von talmudiichen, gepaart mit ebenso reichem klassischen Wissen bietet, gebührt unserm Eomite-Mitgliede, Herrn Emanuel Fräntel, dessen Elaborate im Eomite durchberathen und veröffentlicht wllrden. — Auch der Herr Rabbiner Saul Nathansohn hat gezeigt, wie sehr ihm die Widerlegung am Herzen liegt, indenl er selbst mehrere, den Gegenstand erhellende, Talmadstellen unserem Herrn Referenten zuschickte. Da« VereinScomite hat in seiner vorwöchentlichen Sitzung beschlossen, sich an das Ministerium der Justiz zu wenden, um demselben die Lässigkeit unserer Behörden klar zu legen. Da» Memorandum wird eine Dornenlese aller jener Schandar ikel der Gaz. narod. enthalten, die seit einem Jahre gegen Juden erschienen sind. Aber auch unfern Glauben-brüdern darf der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie selbst dazu beitragen, den Kampf mit den Feinden recht bitter und unfruchtbar zn machen. So hat jüngst der Redakteur der Deutschen Zeitung, unser Glaubensgenosse Herr Münz, sich htnreißen lassen, für seine Glaubensbrüder in MocSiSka einzustehen und hat ein Schuldig-Verdikt daoongetragen, weil diejenigen, die die diesbezügliche Eorrespondenz dem Schomer JSrael überschickt haben, sich förmlich zurückzogen und ihren ärgsten Feinden cm leichte» Spiel gemacht haben, über dieselben zu trtumphiren. Solch ein Verrath an der eigenen Sache wird nur dahinführen, daß kein große« politische« Organ di« Angelegenhest der galizischen Juden zu vertreten wagen wird — Ja selbst der Verein Schomer Israel wird von nun an nur mit größtem Mißtrauen allen Berichten au« der Provinz begegnen — und nur den hundertsten Theil von dem passiren lassen, was er seiten« derselbe» erhalten wird. — Di« fast närrische Schüchternheit seiten» der Juden, die alte Furcht vor dem Porez (Herrn) steckt ihnen noch tief in den Gliedern, we»wegen fl« von den Mienen eine« strengen Polizeidiener« in« Bexhorn zu jagen und nicht zu einem consequenten selbstbewußte Auftreten zu bringen find, wodurch die Führer ohne A'.in«« bleiben, so e« gilt, diese schüchternen Elemente in« Treffen zu führen. Hollaad. K.. Amsterdam, 10. August. (Or.-Torr.) öeute tritt da» RablinatS-Eollegium, bestehend au« den ehrwürd. Herren Hille» fum, Oberrabbiner in Meppel, Content und Wijnkoop, RabbtnatS-Assessoren dahier, zusammen zur Prüfung einiger der t» Besitz« de« Herrn Dr. Dünner sich befindenden „jüngst acqutrirtrn, jchoch antedattrten Diplome von unbekannten Grüßen", wie «» in einer au« Amsterdam datirte», in Nr. 30 der „Alls,. Zeit, de» Judenth." aufgenommene» Eorrespondenz heißt. Vermutlich Hab« Sie diese getreu«, hübsche ^«d intrvessant» *