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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Kündig«»" (letztere Bezeichnung wählte man dort, wo au der Spitze der Rituelle» auch sogeuanutr Gebildete standen) vertrugen. In großen Gemeinden waren mebcerc Synagogen vorhanden. in welchen man den verschiedenen Richlungen gerecht «erden konnle, über sonstige Einrichtungen ließ man .»ißer den predigende» Rabbinen noch einige R.ibbonim der allen Schule walten. Dieser urockus vivvucki änderle sich gänzlich, «iS eben in der größte» jüdische» Gemeinde Deutschland», derjenigen der Residenz, dir durch da» Zusammenwirken der religionsfeindlichen, indifferenten und aller nach link» neigenden Elemente zu Stande gebrachte Majorität jede Rücksicht bei Seite setzte. Nicht nur, daß man keinen einzigen den rituell Gesinnten Zutrauen einfGßendeu Rabbinen auf eine der sämmtlich vacant gewordenen Stellen berief, nicht nur daß uian den Gottesdienst in der mit ebenso großen Kosten als überflüssigem Luxu» autgeftattele» neuen Synagoge ganz umge ftaltete, man zwang schließlich die in der alten Synagoge Berdliedenen, Rabbinen predigen zu hören, deren Thaten und Worte ihnen ein Gräuel sind. Mußten nicht solche Gewaltlhätigkeiten — andere Bezeichnung finden wir hierfür nicht — das Extrem aus der audern Seite herau»foroern? und erscheint deffen Auftreten nicht gerechtfertigt, werm wir lesen, wie inan trotz der drohenden Aufhebung de» GemeinbezwaugeS fortfädrt. in kindischer Berblcndnng die Gegenpartei zu reizen durch Anordnungen, baß Lehrer und Schüler in der Thora rc. entblößten Haupte» zu ftudiren gezwungen sein sollen, oder daß uian di« allen Israeliten heilige Grabesruhe durch Anlage von Turnplätzen und botanischen Gärten stört? (Schluß folgt.) Berichte und Correfpoudeuzea. Deutschland. Ragdtbnrg, 13. August. (Or.-Eorr) „Was sagen Sie zu dem von Judenhaß strotzenden „Feuilleton" der heutigen Magdeburger Zeitung?" jo schrieb uns am gestrigen Tage ein befreundeter Herr au» einem Städtchen in der Umgegend, — „wird man in Magdeburg dazu schweigen?" Es hat nümlich der Redaktion dieses liberal sein wollenden Blattes, da» die Leser der „Wochenschrift" erst jüngst (in Nr. 31) kennen gelernt haben, diesmal gefallen, eine in Galle und Gift getauchte Feder zur Abwechselung einmal „unter'm Strich" gegen die Juden loszulaffen Wie früher einmal!>egen die „Häuscrjuden", jüngst gegen die „deutschfeindlichen", o wendet sich das Butt diesmal gegen die „Börsenjuveu"; warum soll es nicht auch einmal wie so viele andere juden-!gehässige Blätter dies,!» bis zum Ekel abgedroschene und tau endmat schon widerlegt« Thema behandeln? DieBeraulaffnng ist zu verlockend, es ist die, wie es darin heißt, „bi» an den Rand der Schmutzerei getriebene Einfachheit" des zu Wien verstorbenen Freiherrn v. Rothschild, die den willkommeneu Anlaß dazu giebt. Da werlwn di« schönsten Jnstitulionen de» Juden - thum» ohne Verstäub,iß brurtheilt und in den Staub gezogen, den Juden iui Allgemeinen wird der Borwurf gemacht, sie wollte» durch ihr G>: d di« Ehristen beherrschen, und ihnen di« Sucht imputirt, leicht und rasch reich werben zu wollen;*) dann wird über die „Börsenjuden" hergesallen, (man ist dabei so freundlich, auch «tlichen Ehristen diesen Ehrennamen beitznlrgen), Polybius falsch mm, und de» unbeständigen Renan's *) «l« ob »i« Herulsgeber de« „Magd. Zeit.", di« kurz vor Auf» htbuntz der Zeitu»g»st«u«r über Aa-Ht dir »ierspalrigeu Inseraten-ti«. Uwwen in fü»sfp«ltt-« funter Beibehaltung »es «rh-ht-nInsertion«. für di« »ierspetrige geil«) verwandelten, nicht von dersrlb« »«schliche, lntchechnnw» südifche») Schwäch« gleitet »drden l Urtheil über Juden bei den Haaren berbeigezogen. Daß darin auch in Knittelversen gemauschelt wird, das gebürt zu >«rartigen aiiständigen (?) Ariikeln wie da» Klappern zum Handwerk „O > von stier ans etwa» dagegen geschehen iverde" — | fragen Sie. Ebeiiiowaig ivie man e» der Mühe wertb hält, j etwa die deutsch f> in'lichen Schimpfereien de» Münchner „Vaterland" (von Ur. Sigl) zu wtderlrgen, das hieße einen Diahren weiß waschen wollen — Für die Ehre der verstorbenen Rrthschild, die in dem Artikel sehr hart ulitgenrmmen ist, einzulre!««, ist Pflicht der Erden seines großen Vermögens, denen man die betreffende Nr wohl znsende» wir> Was die allgemeinen Angriffe gegen Juden und Judenthum anlaagt, so iei hier statt einer Widerlegung unsererseits lieber mne Stelle au» dem jüngst erschienenen Buche eine» k a t h o l i i di« n Geistlichen citirt, sie lautet: „E» steht der göttlichen ßkorsehung noch ein Menschenstamm zu Gebote, um die gefallene Menschheit anfzurichten Bor 1800 Jahren haben Juden: Ehristu» und seine Apostel, die heidnische Welt au» der th.eri» schen Sittenlosigkeit zur Humanität gehoben; von den Irden kann man auch eine Erlösung der gefallenen Christenheit erwarten, wenn die christliche Kirche durch Aberglauben, die Schule durch Unglauben die Vernunft unterdrück«» und die Thierheit im Menschen herrschend machen. In moralischer Hinsicht sind oie Juden den Ehristen überlegen, übertriffea sie vorzüglich an Bejonnenheit, Mäßigkeit, Intelligenz, Wohlthätigteit und auch an Patriotismus, sie sind kein« politischen Wühler, wie die Ultramontanen und Mucker." Das sagt kein Anderer als der dieser Tage vom Papst excommunicirte Pater Prutek in seiner Schrift: „Die rationelle Kirche" (siehe „Neueste Nachrichten" unter „Tesche»"). Man könnte mit einiger Abänderung Göthe's Wort hier anwenden: Ich Hab' es öfter» rühmen hören. Ein katholischer Pater könnt' eine» p r o t e ü a it» tische» Redakteur lehreni Berlin. Der Fortschritt, den wir auf dem Gebiete der Schulgesetzgebung unter dem Ministerium Falk machen, docunientirt sich schon in den 3 ersten grundlegenden Paragraphen über die Volksschule, welche daneue Unterrichts zes,tz enthält. Nach dem Mühler'schen Entwurf (1869) lautet«» dieselben: § 1. Die öffentliche Volksschule hat die Aufgabe, d-r Jugend für daS Leben in Staat und Kirche, sowie für dc.» Berufsleben durch Unterricht, Uebung und Erziehung in Grundlagen der Bildung und sittlichen Tüchtigkeit zu gewähren. Z 2. Diese Aufgabe der Volksschule umfaßt: v.nt,rweisung in der Religion, sowie Einführung in das Pestänb- »iß des kirchlichen Bekenntnisses und Lebens derjenigen Eonfession, welcher die Schule angehört, Anleitung zum richtigen Gebrauch der deutsche» Sprache rc 8 3. Nach Maßgabe dieser Bestunmungen wird durch den Minister der Uuterrichtsangelegenheiten, nach Anhörung der kirchlichen Behörden in Betreff de» Religionsunterrichts, ein Grundlehrplan ausgestellt rc. — Der Falk'sche Entwurf lautet: 8!• Die öffentliche Volksschule hat die Aufgabe, der Jugend durch Unter-' chl und Erziehung die Grundlagen der Bildung und sittlichen Tüchtigkeit zu gewähren. 8 2. Diese Aufgabe der öffentlichen Volksschule uinsaßi: Unterweisung in der Religion, Anleitung zum richtigen Gebrauch der deutschen Sprache rc. 8 3 Nach Maßgabe dieser Beitimmuugen wird durch den Minister der UnterrichlSangelegen)eiten, nach Anhörung der betreffenden ReligionSgesellschaften in Betreff des Religionsunterrichts ein Grundlehrplau aufgestell. rc. Berli». In der „Volksztg." erhebt sich die Stimm« eine» Rechtskundigen gegen die Besoldung der Geistlichen jeder Religionsgesellichaft und Erhaltung ihre« Eultus, um die Gleichstellung auf solche Weise zu dmumenliren. Der Schluß jenes Artikel» lautet wie folgt: „Dabei sind wir jedoch keine» Weges der Ansichi, I>aß nur der katholischen Geistlichkeit jede Zihluug au» der Staotskaffe entzogen werd«, sondern dringe» Überhaupt daraus, i,aß in diesem Punkte gleichmäßig gegen alt« Eonfesfionen, Pvo-

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