Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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mundi fein btt musikalische Smitor<9lab6ittrr in RaubnitzI In Brüx wurde dem neu angeftellten Rabbiner, der nebst seinen Fachstudien auch noch di« philosophische Doktorwürde erworben haben innfjtt, ein gleich große» Gehalt mit dem Eantor stipnllrt. Ohne den Leistungen der Lantoren irgendwie »ahezulrele». muß e« doch unheimlich anmuthen, daß ein Mann, der die so schwierigen rabbinischen und akademischen Studie» adsolvirt Hai, von Seile de» Borstande» keiner höheren Entlohnung wenh gehalten wird, al» der Eantor, welcher, um seinem Berufe -u entsprechen, wahrlich nicht die Rächte zu seiner Au»bild ing opfern muß. Brüx ist freilich eine junge Gemeinde, die fugend schießt oft über d « Ziel hinaus, aber die alte ftchilla Raudnitz sollte die Sache doch schon besser zu würdigen verstehen. Zn den jungen Gemeinden geht e» überhaupt oft ganz bunt zu. In ft—d halte der Rabbiner eine Leichenrede zu halten; er erwähnte in terselben die von Trauer ergriffenen Ellern, vermied aber ab'ichliich die Gattin de« Verstorbenen zu nennen, um ste nicht noch mehr aufzuregen; dieselbe ist zufällig eine Proselytin, welchen Umstand einige Heißsporne auSzudeulen suchten, uni de» Rabbiner im Lokalblatt« al» Zeloten zu verschrei,n, und der wohlbestallte Setzer de» Blättchen» konnte auch der Versuchung nicht wiederstehen, geistreich zu sein, er fügte der famosen Epistel die Randgloffe hinzu: „Psaff bleibt Pfaff." So weiden die Männer belohnt, die unter schweren Entsagungen dem Wähle ihrer GlaubenSbrüder ihr Leben gew.lhl! Weitere Reflexionen über ein solche» Gebühren anzustellen, ist hier nicht am Orte, aber aus einen Punkt soll hier ausmerks in, gemacht werden: wenn man unter den verschiedenen Be:uf»itänden Umschau hält, so flndel man überall da« Bestreben eine» engen Anschließend der einzelnen Mitglieder durch da» Zusammcntreten zu einem Vereine , e» ist die» in der Gegenwart eine Regel, von welcher nur der Rabbinelstand eine Ausnahme bildet, der Rabbiner steht sonach allein, und ist in unserer geistesstarken Zeit leicht allen Angriffen auSgesetzt. Ich ha.tc für eine LedenSsrage de« Raddlncrstande» die Ereirung eine» Rabbiner-Vereine», und wenn meine Proposition Ank.ang finden sollte, bin ich bereit, mich über den Gegenstand eine» Weitern auSzusprechen, zugleich erklärend, daß ich diese Proposition nicht pro domo gemacht habe. Grotzbrttanvte«. London. Sir Franci» Goldsmid hat an „Daily Telegraph" in Betreff de» (in unserm vorletzten Blatte milgetheilten) Schreiben» au» Bukarest eine Entgegnung gerichtet, welche wir auszüglich wiedergeben. Der Eorrespondenl müsse, meint Sir Francis, seine Jnsormationen bei der rumänischen Regierung geholt haben, und habe sich so zu ihrem Mundstück« hergegeben. Er rerthcidige sogar da» Gesetz, welche» die Juden aus den» Branntweinhandel hinauSjage, c» sei da» im Jntereffe der Bauern geschehe»; er könne aber durchaus keinen Beweis dasür bringen, daß die mit dem Handel von gebrannten Waffern verbundenen Umstände den ftäusern gefährlicher seien, we»n die Verkäufer Juden, al» wenn sie Ehristen seien. Ferner heißt eS: „Er behauptet zu Gunsten der Regierung, daß die Juden, um emanzipirt zu werden, ihren ftindern eine befferc Erziehung geben und zeigen müßten, daß sie sich ganz als Rumänier betrachteten. Ich unterschätze die Wichtigkeit mrbefferten Unterricht» durchaus nicht. Ader e» steht erstlich einer Regnrung schlecht an, einem Theile ihrer Ünlerrhanen Uinriffenheit vorzuwerfen, wenn sie da» Aeußerstc thul, um sie von besserem Unterricht abzuschrecken, indem sie sie ungerechrerweise von liberalen Beschäftigungen auSschließl, und zweiten» scheint mir die Idee, daß die Juden besser unterrichtet sein müßten, um emanzipirt zu werden, iu schroffem Widerspruch mit einer anderen Behauptung Ihre» Eorreipondenten zu stehen, da wo er nämlich sagt, daß di« Moldauer die Jude«, wegen ihrer überlegenen Intelligenz, Lhätigkeit und GeschäflSkenntniß Haffen. Ich halte übrigen» dich« letztere Angabe Ihre» Lorrespondente» für die richtigere. te, ' ' f Wenn man verlangt, daß di« Juden ganz rumänisch fühlen I sollen, so verlangt man etwa» Unnatürliche». Heine Art von Menschen kann warme» patriotische» Gefühl gegen ein Land empfinden, von dem sie unterdrückt werden. (Die» hat sich gleichwohl in der Geschichte der Juden oft gezeigt.) Ich bin alt genug, um gehört zu haben, wie man dieselben Grünt« gegen die Aufhebung der politischen Beschränkungen der englischen Juden vorgebracht hat, und ich habe der glänzenden Red« gelauscht, in der Macaulay jene Argument« widerlegt hat." — E« ist noch weiter die Unmöglichkeit, die Inden Rumänien« au«wand«rn zu laffen, autetnandergesetzt. Da gegenwärtig die Verhältnisse in Nordamerika so liegen, daß allwöchentlich Hunderte nach Deutschland zurückwandern, io bedarf e» keine» andern Beweise« dafür, daß jetzt nicht die Zeit zun» AnSivandern ist. Und doch könnte nur von Auswanderung »ach den Vereinigten Staate» dt« Rede fein. OK. Belfast, im August. (Or.-Eorr.) Wa» da» englisch« Iudenlhum lange vermißte, näml'ch ein Blatt in seiner Mitte erscheinen zu sehen, welche» frei und offen, ohne allz rviel Rücksichten und Diplomatie sich autspricht und, um mit Shakespeare zu sprechen, „einen Spaten Spaten nennt," hat e» in der seit einigen Monaten in London erscheinenden Wochenschrift „The Jewish World" gefunden. Der Redakteur diese» Blatte« zeichnet sich von seinen confräres dadurch besonders au», daß er Themata berührt und über Gegenstände und Handlungen zu Gerichte sitzt, die für andere ähnliche Organe ein noli ws längere sind Wie Ihnen vielleicht bekannt, bilden hier zu Lande in allen Gemeinden, mit Ausnahme der reformirlen, die Piutim und die endlosen „Mi Sch'berach" noch immer einen inr.e* grirenden Theil de» SabdathgolteSbienne«, und obschon Viel« sich in Folge dessen veranlaßt sahen, von der Synagoge wegzableiden, weil ihnen ein 3—»ständiger Gottesdienst, namentlich im Hochsommer, doch gar zu ermüdend und anstrengend erscheint, so leidet dessenungeachtet die Gebelfülle keine B:rkurzung. Denn „wenn sich nur zehn Gerechte" in den Synagogen einfinden, die eine gute Lunge und starke Nerren haben, um den Singsang milanzuhören, so kann ja Alle» im alte,» Geleise forlgehen. Nu» hat sich aber besagte« Blatt die Ausgabe gestellt, über gewisse Mißbräuche zu «ferne« und sie vor da« Forum der Öffentlichkeit zu ziehen, und in erster Reihe finden wir da da« Piutimwesen einer scharfen ftrilik unterzogen.*) In dieser Hinsicht aber ist da» Verfahren diese» Blatte» em ganz einfache». E» greift gelegentlich au» den Sabbathpiuiim ein Stück herau», versucht e», dasselbe, so gut e» gehr, zu übersetzen,!lnd wenn die» geschehen, und die Leser sich zur Genüge überragt haben,!>aß incht Alle» Sinn habe» muß,, wa» sich reimt, ruft e» ihren zu: „Sehet, liebe Leser, da» sind Eure Gebet«, di« Ihr andewußt für echte Herz»n» erguflezu Eurem Gotte emporsendet I" E» ivürde mich zu weit führen, wollte ich hier über rock, viele andere Gegenstände berichten, die im besagten Blatt«! hin und ivieder die Revue passiren und n«»ch Verdienst entweder gelobt oder gegeißelt werden. Bemerte>»»werth jedoch ist ein daselbst entworsene» Bild vom Wesen der Majorität unserer jüv. Geistlichen,**) und wenn man die betreffende Schilderung lieft, muß man sich oerwuildert fragen: Ist t-ieil Dichtung oder Wahrheit? Ist e» möglich, daß manche urse- *) Zur richtigen Information unsrer deutschen Leser bemerken mir, dag e« sich bei »er Besü.'wortung von „Reformen" iin „Jew. World" eben nur um diese Dinge handelt: Abschaffung einiger Jozeroth ftr die „»»»gezeichneten" Sabbathe, (nach dem polnischen Ritu«— z B.fbr die Sabbathe Schtach lcha u s. w.). Bei un« würde da« Blatt sür ga>«z orthodox gelten. Zwischen einem englischen Reformer und einem >xu^ schrn ist rrömli» ein gar gewaltiger Unterschied. So wissen wir von einem Angehörigen der Londoner sog. Reform-Semeinde, daß er niü-t nur die Speisegesetze beobachtet, sondern aus da» Gewissenhafteste -lad« fragt, ob da« ihm außer dem Hause al« toi «her Angeboten« auch hrice und reell-koscher sei. (Red.) **) Mot» b«ne da« Wort i» «nglischen Sinn«, wobei Lhasa», Unter-Lhas«, Kor«. Schaf «rbUtser, Lhnppe-Stungenhalter ic. per Ltergy gerechnet werden. (Red.)