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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 270 — Ur ISugtiet? Nun dann, so nehmt di« Bezeichnung al» v latphcmie;" der Shassid erklärt wiederum Lehre, sein« Negation für Bla»phrmie! Doch iaffr» wir die Thassidim. Da sind zwei Millionen Mi»nagdim (Nicht-Thassidim), di« aber a» die göttlich« Wahrheit der Kabdalchh und die Göttlich« AsttorAät de» Eahar glauben. Wagt e» einmal, die Lehm» der Knbßalah zu läugncn, die Autorität de» Sohar zu bestreiten — und ihr werdet ehrlich f*,«B Mn, da» »ns Befragen zu chuu — s« werdet ihr von zwei Millionen für Minim, Epikorsim und Kosrim erklärt, „vierhundert", ja tauieud polnische Rabbiner und ungarische Geonim werden er unterschreiben. Wir willen hier, der ungelehrten Leser halber, nicht auf die Ärcana der kabbalistischen System« eingehen; reden wir einmal ein paar Worte über die dem Kotterdienst, den» privaten wie dem öffentlichen, zu Grunde liegenden Prinzipien, wie ste die Ideen jener zwei Millionen beherrschen, ihre Grsanimtanschauung über Gebet» ja praktische« Judenthum überhaupt, formtreu. Du« fraglich« Glaubenrbekenntuib geht dahin: dar Universum ist um der Menschen willen (3"3 Kl OHWl) erschaffen, und Gott hat den Menschen, der Mittelpunkt, Kern und Zweck aller seiner Werke ist, erschaffen, damit dieser chm durch seine Worte uud Werke Wohlgefallen ("TJ) bereite Indem der Mensch die vorgeschriebenen Mitzwoth übt, die vorgeschriebeneu Gebete korrekt a u »s p r i ch t, erhält und regelt, stützt uud reparirt er dir unteren und oberen Welten; durch Uebertretuug der Gebote, durch Lerschiebung der äußeren Ordnung der Gebete, ja durch unrichtige Aussprache eine« Worte» richtet er die größten und gröbsten Verheerungen in den oberen und unteren Sphären an. Daher darf um Gotte« und de» Bestand«» der Welt nnllen kein Wort, keine Silbe, kein Pünktchen an den Gebeten geändert we-dcn. denn alle« ist in göttlicher Weisheit gezählt und erwogen; da find es die Punkte, hier Zahl uud Gruppirung der Buchstaben, dort Zusammensetzung der „Namen", di« da« Alle« bewirken oder zerstören. Da rverden Engel erschaffen, dort verwüstende Kräfte entfeffelt. . . . Ihr sagt: da» Alle» ist bildlich zu verstehen, ist im Grunde tief und sinnvoll, nur Mißverständniß, grrb-sinnliche Auffaffung tiefer Mystik hat jene verschrobenen Ideen erzeugt. Da» sagen auch wir. Wir sagen euch noch mehr. In dieser mystischen Auffaffung liegt Sinn, liegt Tonsequenz; wenn ihr aber sagt: „e« darf nicht» geändert werden, denn e» ist einmal so, w«itere Gründe giebt er nicht, und nach anderen frag« wir nicht, so steht e» geschrieben, so ist e» gedruckt, und Minhag ist unabänderlich, denn die „früheren" haben ihn gernacht, die Früheren waren Menschen und wir find.... (ihr wißt ja, war folgt;) — wenn ihr so sagt, so ist da» lediglich ohne Sinn. Aber wie dem sei, geht doch einmal hin und sagt den Frommen in Polen, Galizien und Ungarn, ihre Ansichten über Gebet und Mitzwoth beruheten auf grobem Mißverständniß, und Alle» sei nur Bild mü> Gleichniß — so »vird e» euch entgegenschallen „Stumm die Läugner und Lästerer!" Die Fäuste werden sich erheben, und wenn sie zur Ruhe gekommen, so wird man euch sagen, daß da» ja die „deutschen" Minim inSgesammt sagen; so läugneten oudj Andere z. B. die Offenbarung nicht geradezu, ffo wollten'S ratt bildlich erklären. — Und endlich war haltet ihr von epileptischen Zufällen und geschroollenen Leibern, ist da» da» Werk von Hexe» und Dämonen, die mau vertreiben kann? Spikorfim und „Neuerer" ebensogut au« chqn Munde de» Rabbi Eliah Guünacher in Grätz euhgeM, »Kr diejenigen, die ihr so tituÜrt.*) Solang« ihr als« nicht noch ein«« GH ritt weiter geht und eure Ansicht, euer Glauben und Richtglauben, euer Bejahen und Verneinen al« allein berechtigt und euch für unfehlbar erklärt, so fühlt euch nicht vorschnell „«onsesfionell getrennt", sprecht nicht rasch von Bla«phemie. Sagt nicht: wir können nicht mit dem und jenem zusammen bleiben. „zeh du linkwärt», laß mich rechtwärt« gehn!" denn auf je Einen von euch kommen tausend, die euch dasselbe sagen, euch linkSioär«» weisen, in weniger klassischem, aber vollkommen verständlichem Ausdruck. 6. 28as ist mm z« tfettn? II.**) Wir haben am Schluffe unsere» ersten Artikel» die Behauptung aufgestellt, die Zustimmung de» Landtage» und der Regierung zu dem LaSker'schen Anträge wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht der Mangel jede« Zusammenhang« und jeder gemeinsamen Organisation innerhalb der jüv. Gemeinden der altpreußischen Provinzen die geeignete Handhabe dazu geboten hätte. Wir müssen unS, da gerade dieser Punkt un» für die weitere Entwickelung von besonderer Wichtigkeit zu sein scheint, noch etwa» naher darüber erklären. E« wird kein Billigdeukender daran zweifeln, daß die Motive, von denen sich Laster und seine Senoffen bet ihrem Borgrben leiten ließen, in der Thal auf die Wahrung der Gewiffentfreihrit gerichtet waren. Daß innerhalb de« Judenlhum» verschiedene religiös« Richtungen einander gegenüber» stehen, ist eine nicht wegzuleugnende Lhatsache. Da« neue Gesetz null er sich daher zur Ausgabe machen, durch di« Möglichkeit einer Trennung gleiche» Recht für alle Richtungen zu schaffen Soweit liebe sich dagegen Nicht« einwenden. Die nolhwendige Voraussetzung zu diesem Au«nahmegesetze aber wäre die, daß di« Parteivrrhältnlffe innerhalb de« Judentbum» völlig verschieden seien von denen der anderen Eonfesfionen und daher auch nach einem anderen Raßstab« gemeffen werden müßten. Entspricht die« nun dem wirklichen Sachverhaltes Stehen sich di« verschiedenen religiösen Richtungen »m Judrnthum schroffer gegenüber, al» in den anderen Tonsessivnen s Hier fängt für un« da» Räthsel an. Wir sollten «»einen, zwischen Knaak und Sydow bestehe «ine mindesten» ebenso tiefe Kluft wie z. B. zwischen Hirsch und Geiger. Eine so nah« liegend« Analogie kann eitler so erleuchteten Versammlung, wie da« preußische Abgeordnetenhaus, nicht entgangen sein. Wenn wir nicht, wie r» ein andere« Blatt wirklich gethan hat, geradezu eine grwiffe Böswilligkeit von Seiten der maßgebenden Personen annehmen wollen, so müffen wir un» nach einer Erklärung umsehen für diese auffallende Verkennung so offenbarer Thatsachen. Hier kommen wir nun auf den von un» in'» Auge gefaßten Punkt zurück. Der Mangel jede» organischen Zusammenhang« unter den jüdische» *) »U Epikonim und D,B?in bezeichnet verfette in seinen 9mm Im di« Ltugner seiner Dämonologie —) Steh« Nr. SO.

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