Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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geändert unb mit ihnen auch die Menschen; nicht mehr werden die jüoijche» Bewohner dieser Stadt von den anderen Glaubensbekenneru gehaßt und verachtet, vielmehr geehrt und geschätzt, und werden sogar zu öffentlichen Ehrenämtern zngclaffen. So ist z. B. Präses der Sparkaffe Hr. Samuel I. R u s s o, und Hr. Bernhard Herzl bekleidet das Amt eines Sr.iinraths. Auch lieserte der edle und humane Schul- und Menschenfreund Hr. E. A. PetrovicS, Bürgermeister der Stadt Eemlin, einen Beweis seiner Nächstenliebe den jüd. Beioohnern gegenüber. Er beehrte die Semliner iSrael. Geineinde- Schule am 8. d. M. mit seinem Besuche und prüfte die Schüler in den einzelnen Lehrgegenständen eingehend. Nachdem er sich über die befriedigenden Fortschritte der Schüler einerieilS und die Leistungen des dort schon 17 Jahre im Amte stc -enden Herr» Lehrers Samuel Polluk andererseits delodend ausgesprochen. halte, richtete er einige ermahnende Worte an die Schüler der Anstalt »uv spendete ihnen 12 fl. zur Anschaffung der fehlenden Lehrmittel. Ihm gebüvn auch der Tan! für das humane Werk, daß die Israel. Gemeind« seitens der Eladtkaffe 360 Gulden Subvention erhält, welche er befürwortete. Herm. Weiß. Skumäuie«. Bukarest. Betreffs der Emancipation der Juden in ‘Rumäilien, schreibt der Special-Correspondrnt des „Daily Telegraph", erkennt die Rumänische Regierung alle zu Gun len derselben geltend gemachten Gründe vollkommen an. Ebenso wenig verkennt sie die übele, ungerechte und unlogische Lage der eingeborenen Israeliten. Viele der Uebel jedoch, we che die Juden treffen, werden denselbeit selbst zugeschrieben, i.nd vor Allem aus der Uuwiffcnheit und dem Aberglauben ibrer Rabbiner hergeleitet. Ebenso gesteht die Regierung offen zu, »aß. kein Ministerium hoffen dürste, die Geschäfte noch 24 Stunden weiter zu führen, wenn es den Juven die gleichen socialen und politischen Rechte zutheilen wolle, wie sie de.en christliche Mitbürger besäßen. Die Gereiztheit gegen die meist.ntheits aus Rußland und Oesterreich eingewandelten Juden ist vorzüglich in der Moldau so groß, daß mau wohl den Versicherungen der Behörden Glauben schenken darf, wenn sie sagen, daß die Eniaucipaiiou der Juden das Signal zu einem allgemeinen Maffacre derselbe» und folglich zum Rücktritt des Fürsten Carl sein würde. Die SUualion erscheint den patriotisch gesinnten Ruuiäniern selbst durchaus nicht befriedigend. Das Ministerium sucht die ihm zu Gebote stehende Maschinerie nach Möglichkeit gut zu handhaben, um am Ruder zu bleiben, darf aber den eigenen Principien nicht folgen, aus Furcht, sofort gegen die Vorurtheile der „vi pollvi“ anzureunen Die Opposition fühlt sich stark genug, ihre Gegner zu vertreiben, wenn sie die Unabhängigkeitserklärung Rumäniens auf ihren Schild erhebt. Beide Parteien sind, ivie nur scheint, den Juden freundlich gesonnen, nicht aus Neigung zu denselben, sondern weil sie einjehen, daß die An und Weise, wie die Israeliten ru ihrem Lande behandelt werden, Einfluß auf die Haltung der Großmächte betreffs ihrer Unterstützung der Unal hängigkeilSwünsche ausüben muß Denn eine Regierung, welche cingestandenerulaßen nicht mächtig genug ist, eine Klaffe ihrer Unlerthanen gegen die anderen zu schützen, kann nicht darauf rechnen, die Sympathien der civilisirten Nationen zu erhalten. Nie hat aber die Verfolgung aus „religiösen" Gründen statlgefunden, wie man mir allseitig, selbst von Seite» der Juden versichert hat, der Ruuiäne ist vollständig urcligiös und gegen jedes Dogma indifferent Den Verfolgungen lagen stelS politische und sociale Ursachen z» Grunoe. „Wenn, sagen die Minister, die Juden von ihren Vorsteheru dazu gebracht werden könneil, daß sie sich in H,!- luug uiii Kleiduiig ihren Mitbürgern assimiliren, dag sie ih.e Haarlocken abschueide», ihren Rock lürzen, sich unfern C»v>>- gesetzen unterwerfen, ihre Kinder so erziehen, daß sie ibnen die Sprache und Geschichte ihres jetzigen Vaterlandes lehren und ihnen ein Gefühl von Patriotismus einprägen, dann würden sie uns alle Schwierigkeiten überwinde« helfen. Ader ihre Rabbiner erlauben ihnen nicht, dies zu thnn. Dieselbe« find unwiffeud und abergläubisch. Die beste Wohlthät, welch« nuferen Juden erzeigt werden könnte, wäre, wenn sie von diesen Tyrannen befreit würden, welche ihnen ihr Blut aussaugen und sie moralisch und physisch verkommen lassen. Eine ebenso große Wohltbat würde eS sei», wenn anfgekläite Juden Englands, Deutschlands rc. kämen und den Aberglauben zu beseitigen verständen. In kilrzer Zeit würde die Judenfrage gelöst sein. Wir ivolle» nicht die Juden allein für die Uebel, die sie treffen, veranlwortlich machen, aber bei der strengen Jsolirung, welche sie aufrecht erhalten, bei ihrer Neigung, die Gesetze zu unigehen, und bei der Art ihre Geschäfte, welche vorzugsweise geeignet sind, den Bauer zu ruiniren, und vor Allem bei der fortwährend zunehmenden Einwanderung hat sich ein solcher Widerwille gegen dieselbe» in dem Kopfe unserer unwissenden, schlecht geleiteten Bauern festgesetzt, daß jeder Versuch unsererseits, die Lage derselben zu verbeffern und ihnen mehr Rechte zu gewähren, darin gipfeln würde, daß ein allgemeines Maffacre ei,«treten und uns vor den, Tribunal der Menschlichkeit zu blutdürstigen Wilden stempeln würde. Wenil die Juden klug sein wollen, müffen sie allein nach und nach an ihrer Emancipation arbeiten. Laßt sie Rumänische Bürger werden, laßt sie ihre schändlichen, intrigulrenden Priester verjagen, laßt sie ihren christlichen Mitbürgern beweisen, baß sie Rumänen sind, und wir werden im Stande sein, Maßregeln zu ihrem Schutze und ihrer Emancipation zu ergreifen. Außerdem aber laßt die Freunde der Juden im Westen dafür sorgen, daß uns ein Theit der Israeliten abgenommen wird, welche unS in den letzten Jahre» überichweitinit haben. Laßt uns von den Juden auS Russisch-Polen, dein Auswurfe der Menschheit, befreit werden, wenn man in Wirklichkeit den Rumänischen Jude« wohl will, die wir als Brüder betrachten, und denen wir zu ihrem Erbe verbelsen wollen." (Wir geben diesen Artikel auS der „B«rl. Börs.-Zeit." ohne Coinmentar. Unsre Leser werden selbst finden, daß darin ein Körnchen Wahrheit unter viele Uebertreibungen und Entstellungen gemischt ist. Daß jetzt noch Juden nach Rumänien einwandern sollten, ist undenkbar, ilnd wohin sollten wir die früher Eingewanderten bri gen? Einen großen Theil de« hier Vorgebrachlen hat man vor nicht gar langer Zeit mit ganz geringen Veränderungen auch gegen die Emancipation der Juden in Deutschland eingeweitdet. WaS von den blutsaugenden rc. Priestern gesagt ist, ist Thorheit. Das Unsinnigste aber ist die Argunientation: Wen» wir die Jude« emancipiren, so werden unsere Rumänen sie uiaffacriren, und dann sind wir blarnin, also — civilisiren wir u»ser Volk? Rein! darum jagen wir die Juden fort. Analog behauple« die Socialdemokraten: Solange es Eigenthümer gibt, gibt es auch Diebe, und das ist schlimm. Also — bessern wir die Diebe oder machen wir sie unschädlich? Nein! Darum müssen wir den Besitzenden ihr Eigenthum nehmen, damit der Dieb keine Verlockung mehr finde.) T Berlad, 20. Juli. (Or.-Corr.) Sie haben ganz wohl daran gethan, in Nr. 29 Ihre» Blattes die Nachricht de« „Jew. Ehr." (welche ebenso von der „N. Fr. Pr." gebracht war) in Betreff der Aushebung des tz 8 des Spirituofengefetzes als noch der Bestätigung bedürfend zu bezeichnen. Die Nachricht ist wirklich ganz unbegründet. Nicht ein einziger Jude im Lande hat eine Branntweinpacht auf seinen Namen erhalten, sondern nur auf den -tarnen ihrer Diener und von Beamten, oie sich dafür reichlich bezahlen ließen; so daß der Verdienst zu ungleichen Theilen zwischen dem Jude« und den andern Faktoren gethellt werden muß. Ist da der Jude der „Blutsauger", oder wird ihm vas Blut auSgesogen?