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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 36» Lerzte da» mild« Klimc von, Görz; «» schafft« dem Kranken einige Erleichlernng, und „IS er nach Wien zurückkehrte, hofft« rr so «ntschiedrn aus eine Genesung, daß er weitanSsehend« Pläne, dir sich auf einen Umbau seine» Palai» bezogen, faßte. Bor wenigen Wochen ronferirte er noch eingehend mir >«m Stavlgärtner wegen der Anlage eine« Parke» hinter seinem Palai». Geil vierzehn Tagen machte sich eine rapide Abnahme der Kräfte bemerkbar, in den letzten Tagen machten dt« Aerzte der Familie kein Hehl mehr au« der ernsten Lage de» Kranken. Al» am 28. zwei seiner Söhne in Wien anlaiigten und zu dem Bette traten, erkannte sic der greise Kranke nicht mehr.j Im Laufe de» 26 trat eine ganz vorübergehende Besserung ein, die jedoch nicht inehr so weit vorschritt, daß dem Kranke» die einzige Nahrung, welche er seit Langem zu sich nahm, lautere Milch, zugesührt werden konnte. Am 27. Bormittag» um 10 Uhr versiel er in Agonie, die Söhne und die nächsten Freunde des Hause» wichen nicht von dem Krankenbette, di» wenige Minuten vor 6 Uhr Abend» der Tod eintrat. Freiherr Anselm o. Rothschild beobachtete im Leben die rituellen Gebräuche seine» Glauben», und unter Einhaltung derselben ist er auch verschieden. Zehn Männer sprachen die üblichen Todtengedele. Ein eigenthümliches Spiel de» Schicksal» ist «» wohl zu nennen, daß Freiher v. Rothschild nach dem jüdischen Kalender an dem Todestage seine» Vater» au» dem Leben schied. Zn d -mselben Augenblicke, in welchem man sich an die EultuSgemeinde um die Beistellung der Männer wendete, welche die Todtengebete verrichten sollten, traf von dieser Stelle die Erinnerung ein, inan »lüffe heute Abend da» gebräuchliche Jahrzeitlicht für Baron Salomon Rothschild anzünden. Die Gattin de» Baron» ist ihm schon im Jahre 1889 im Tode vorau-gegangen; sie stammte au» dem englischen Zweige der Familie. Die Ehe, welche stet» al» eine sehr glückliche geschildert wurde, ivar von 7 Kindern gesegnet, welch« sämmtlich noch am Leben sind. Baron Rothschild hinterläßt drei Söhne: Nachaniel, Salomon Albert und Ferdinand, und vier Töchter: Julie, welche an Adolph Freiherrn v. Rothschild in Gens vermählt ist, Mathilde, welche Baron Wilhelm Rothschild heimgeführt hat und die durch verschiedene Eomposilionen auch in »er Künstlerwelt bekannt ist, Louise, welche mit Baron Franchetti in Turin vermählt ist, und Alice, die gegenwärtig noch unvermält ist und bei ihren Verwandten in London lebt. Man schildert den Verstorbenen al» einen Mann von höchst bescheidenem Auftreten, trotz der außerordentlichen Stellung, weiche ihm sein coloffaler Reichthum i» der Gesellschaft anwie». Al» bezeichnend in dieser Beziehung mag die Tharsache angeführt werden, daß Freiherr v. Rothschild selten ander» al» im schmucklosen Frack de» einfachen Bürger» erschien, während die zahllosen Orden, die ihm von allen Potentaten vrrliehen wurden, daheim unter Verschluß ruhten. Der Kaiser von Oesterreich hatte den Baron mit der Eisernen Krone erster Elasse ausgezeichnet, mit welchem Orden bekanntlich die Geheimrachswürde und der Excellenztitel verbunden sind. Der Decorirte war jedoch nicht dazu zu bewegen, daß er diese chm zustehenden Rechte anspreche, trotzdem einflußreiche Persönlichkeiten und seine Umgebung ihn lange zu diesem Schritte drängten. Sogar an sein religiöse» Gefühl wurde mit dem Hinweise appellirt, daß er der Erste unter seinen GlaubenSgenoffen fei, der solcher Auszeichnung theilhaftig werde. „Ich bin Kaufmann und keine Excellenz," lautete seine stcreolype Antwort, „und e» würde mich sonderbar berühren, wenn mich meine GeschäftSgenoffen im kommerziellen Verkehre mit t'cxcellenz titulieren." Freiherr v. Rothschild war mit unter den ersten Mitgliedern der österreichischen PairSkammer bei deren Gründung; die Würde ist ihm auf Lebensdauer verliehen worden. Er hatte neben dem Historiker Ritter v. Arnech und in der Nähe Schmerling'» seinen Sitz eingenommen. Eine prononcirt politische Färbung hatte seine Dhätigkeit im Hause nicht, sie erfolgte jedoch immer in liberalem Sinne; er war fast ständig Mitglied der Finanz-Eommisfion, fehlte bin keiner wichtigen Verathung und sungirte unter Ander« al» Berichterstatter über die R<- duction de» Silberanlehen» vom 2. Mat 1864 und über den Staatsvoranschlag, „Zinsen der Staatsschuld". In der corfessionellen Debatte de» Jahre» 1868 stimmte er mit den Liberalen; an der konfessionellen Debatte der jüngsten Zeit theiizunehmen, war er bereit» durch seine Krankest verhindert. Die excepttonelle Stellung, auf welche Freiherr v. Rothschild erhoben war, brachte ihn auch in vielfache und sehr intime Beziehungen zu den Mitgliedern der hohen GeburtS-Aristokratie. Die gewaltige Goldprobe, welche er zu bieten im Stande war, überwog in seinem Falle die in diesen Kreisen stet» so bedachtvoll vorgenommene Ahnenprobe, und man sah die weiblichen Abkömmlinge der Metternich» und Züchy» iir den Salons de» Geldfürsten mitunter in Vertretung seiner Gattin die Honneur» machen. Die Munisizenz de» Verstorbenen wird in Legaten und Stiftungen eine Fortsetzung sindeii. Man spricht davon, daß er solche in großer Zahl hinterlassen habe; seinen Söhnen ist in dieser Beziehung ein weile» diScretionäre» VersügungSrecht eingeräumt. Da» Hospital in der Roßau, welche» Freiherr v. Rothschild um fast eine halb« Million Gulden errichten ließ, gestattet wohl einen Schluß auf die Größe seiner letztwilligen wohlthätigen Anordnungen. Von der Höhe seine» Nachlasse» in bestimmten Ziffern zu sprechen, ist wohl selbst den nächsten Angehörigen jetzt unmögmöglich; diezes riesige Vermögen, von welchem noch ein große, Theil fortwährend fluctuirte, wird von den Einen auf vierhundert. von Anderen auf sechshundert Millionen geschätzt. Als Besitzer von 'Nordbahn- und Creditactien war R. in Oesterreich selbstverständlich stets in entschiedener Uebermacht. Es soll hier der Wahrheit gemäß betont werden, daß der Verblichene der ärmeren Menschheit von diesem gigaMischen Reichthume fortwährend seinen starken Tribut als ielumstürmte, Wvhlthäter zollte. Sein Haus ward von Bittstellern buchstäblich niemals leer, und die Bettler in allen Formen und oft mit den ungemeffensten Ansprüchen drängten sich heran; keiner ging leer aus. Baron Rothschild hat verfügt, daß er in Frankfurt am Main an der Seite seiner verstorbenen Gattin zu ruhen wünsche, und daß sein Leichenbegängniß ohne jeden auffällige» Prunk und ohne besondere religiöse Feierlichkeiten stattfind«. Blos sein aller Kammerdiener soll die Leiche von Wien nach Frankfurt begleiten. In dem ausgegebenen Partezettel möge, um den großen Andrang von Theilnehmern an dem Leichenbegängnisse zu vermeiden, die Stunde desselben nicht angegeben werden. Diesem Wunsche wurde auch pünktlich entsprochen. Der Kammerdiener des Barons wird nicht im Stande sein, den letzten Wunsch seine» Herrn zu erfüllen, da er selbst krank ist. Man wird, wie un» mitgetheilt wird, wohl einige Wochen mit der Sichtung der hinterlaffenen Papiere beschäfügt sein, welche umsaffende Detailverfügungen über die zahlreichen Besitzungen, wie über da» mobile Vermögen enthalten. Nicht weniger al» vierzehn Eodicille sind zu dem Hauptte lamenle vorhanden. Au» der Umgebung des Berstorbenen wird un» erzählt, daß der Rothschild'sche Fond», den Ritter v. Goldschmidt für laufende wohlthätige Zwecke zur freien Verfügung hatte, einige Hunderttausend« betrug. — Von dem Giebel der Rothschild-Spital-Stiftungen in Döbling weht eine schwarz« Fahne." Bon der öfterreichrsche« MUitärgreuze, 14. Juli Heute will auch ich eine kleine 'Notiz von unserer Rachbar-Gemeinde Semlin berichten. Einst herrschte dort Intoleranz. In Semlin besteht nämlich wohl seit Jahrhunderten eine jüvis-se Gemeinde, aber jüdische Einwohner konnten nicht nach eigene« Belieben sich dort ansässig machen, sondern da« Gesetz zog ihrer Vermehrung enge Grenzen, so daß nur dem erstgeborenen Sohne da» Recht zur Gründung eine» eigenen Hause» vrrliehen war, die anderen aber mußten entweder unverheirathet bleiben oder ausmandern. Hentr haben sich dt« Zeilen

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