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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 364 —!I*I Eßrttrmterg, 24. Juli. (Or.-Eorr.) Der„Schw. Märkur* berichtet au» Tübingen, den 23. Juli: „Im Festsaalr der Aula hielt heute vr. Gundelftuger feilte akademische Antrittsrede a'.S außererordentlicher Professor in der naturwissenschaftlichen Fakultät über dre Entwicklung der Geometrie, besonders im IS. Jahrhundert.* — vr Gundelfinger ist der zweite JSraelite, der al» außerordentlicher Profeffor an der Tübinger Universität wirkt. Profeffor vr. Leopold Pfeiffer ist ichon feit mehreren Jahrzehnten als Professor der Rechtswissenschaft thätig. vr. Gundelfinger ist ein noch junger Mann, der au» wissenschaftlichem Drang den exacten Naturwissenschaften sich zugewendet und mit seinem glänzenden Talente und riesigem Fleiß« ohne alle Protektion feine jetzige Stellung errungen hat. Er ist der Sohn de» Kaufmann» Salomo» Gundelfinger und der Julie geb. Sim on in Stuttgart Ich nenne Ihnen den Namen der Mutter, nm bei dieser Gelegenheit eine» Manne» zu gedenken, der zn vielen Hoffnungen berechtigte und auf eine unerklärliche Weise verschwunden ist. In Freudenthal, einer alten jüdischen Gemeinde, unter Stuttgart, wohnte ein wohlhabender Mann Löw Simon, Hofagenl de» Prinzen Paul v. Württemberg. Seinen ältesten Sohn Mose» ließ er sorgfältig erziehen, durch vortreffliche Lehrer unterrichten, und besonders in die talmudischen 'Wissenschaften war der junge Simon als Knabe schon tief einaeweiht Mir chm genoß die Schwester Julie den wissenschaftlichen Unterricht. Im Jahre 1829 brachte der Pater seinen Mose» nach Mannheim in die Talmnvschule de» Rabbi Jakob Et kling er, wo er mehrere Jahre verweilte und in seltener ASketik al» junger Studiosus lebte. Er trat dann inS Gymnasium nach Stuttgart über und machte so rasche Fortschritte, daß er die Maturitätsprüfung glänzend bestand und die Universität Heidelberg bezog. Bei Schlosser, Paulus und Daud war er sehr wohlgelitten; wie er aber früher religchfer ASketiker war, wurde er jetzt Skeptiker. Al» er bei Profeffor D a u b sich zu dem Kolleg „Kritik der Beweise für da» Dasein Gottes* anmeldete, soll Daub ihn mit den Worten apostrophirt haben: „Junger Mann, lernen Sie zuerst glauben, ehe Sie zweifeln!* Sein Sludiengenoffe war der nuninehrige Oberrabbiner v r Jos. Kahnin Trier. — Von Heidelberg wandte er sich nach Berlin. Er hörte Schleiermacher; kam aber bald in engere Beziehung zu Reander und soll sich seiner christlich-orthodoxen Anschauung zugewendtl haben. Moses Simon verschwand in Berlin ohne alle Spur. Die königl. württembergifche Gesandtschaft stellte Recherchen an, aber verglich Das Gerücht ist anfgetaucht, er sei zur eoang. Kirche übergelrelen; aber bi» zur Stunde ist keine Spur von ihm entdeckt worden. Seine Schwester Julie Simon, nunmehr verehlichte Gundelsinger, Mutter des Professor» vr. Gundelfinger, schrieb damal» folgendes Gedicht: Auf meinen verschwundenen Bruder Mose» Si»«n! Dahiageichied'ne» Fürsten erbaut man Mausoleen, Die Gräber seiner Lieden mit einem Stein man schmückt — Den Wanderern zu zeige«, di« dort vorübergehen, Daß «in« thrure Hülle im Erdenschoss, hier liegt. jiur Deine Auhestätt« kann nirgends man erschauen, Loa Deinem jlngedenken zeigt Monument nicht Stein; Drum will in memem Herzen ich Dir ein Grabmal bauen, Und meine herb« ThrSn« soll sein« Jaschrist sein. Und wenn dann mit dem Herzen di« Srabschrift einst »ergehrt. Dean nur im Dod erlischt «er schwesterlich« Schmer, — So lese dann der Pilger. der dort einst trauernd stehet: „ES ruhet hier «invruder in seiner Schwester Her,!" Wir glaube« berechtigt zu sein, wenn wir der Jttauguralrede de» Professor vr. Gundelfinger in Tübingen den Epilog seiner Mutter an chren verschwundenen Bruder beigefügt haben. Alexander Elsässer. Lantzhei«, 24. Juli. (Yr.-Lorr.) Da gegenwärtig die HungerSnoth in Palästina Gegenstand mehrfacher Erörterungen ist, so sende ich ihnen die Abschrift eines Briefe» der k. preußischen ßlesandtschast in Stuttgart, den dieselbe auf eine vorau»gegange»e Bitte und Anfrage an die HH. vr. Rödel» heimer und Abraham Maier gerichtet. Stuttgart, den 14 Juli 1874. Ew. Wohlgb. beehre ich mich unter Bqugnahm« auf mein Schreiben vom 9. v. M. die mir in Betreff der HungerSnoth uMer den Israeliten in Palästtna ertheilte authentische Artskunft nachstehmd ganz ergebenst mitzutheilen. Nach einem von dem Herrn Minister der auswärtige» Angelegenheiten erforderten Berichte de» Kais. Consulat» in Jerusalem ist die HungerSnoth im Almehmen begriffen. Die Preise sinken wieder und beispielsweise derjenige de» in dem Aufrufe vom 29. Risan 5634 angegebenen Weizenmaßes anf 27 bi» 29 Piaster heruntergegangen. Gleichwohl ist ein allgemeiner Rotbstand noch als vorhanden zu bezeichnen. Ob und wann sich die Zustände verbessern und namentlich di« Preise weiter herabgehen werden, ist nicht zu bestimmen. Ta» Comite ist berufen und iu iwei Abthellungen noch in Thätigkeit, die Eine für die spanische» Juden, welch« dort als türkische Unterthanen leben, die Andere für di« unter fremdländischem Schutze stehenden europäischen Juden. Für Jerusalem allein sind dem Eomite aus Deutschland 13000 fl., aus England 550 Pfund Sterl.; für da» übrig« Palästina aus Deutschland 26000 fl., aus England 1400 - Pfund Sterl. in runder Summe zugeflossen. Die Israeliten zu Jerusalem haben vollständige» Bertrauen zu dem Hause Holländer und Lehren in Amsterdam und halten dasselä: in jeder Beziehung für geeignet, etwaige Geldbeiträge für sie in Empfang zu nehmen. Genehniigen Ew. Wohlgb. di« erneute Versicherung «einer vorzüglichen Hochachtung. A. Freiherr v. Magnu», K. prenß. Gesandt«. lvefterreteh. Wien, 28. Juli. Der Telegraph hat bereit» die Nachricht von dem gestern (Montag) Nachmittag» um di« sechste Stunde in seiner Villa zu Döbling erfolgten Ableben des Freiherr Anselin v. Rothschild gemeldet. Die „N. F. P * widmet dem Leben und der politisch-finanziellen Bedeutung de» Verstorbenen zwei größere Artikel, au» denen wir Au»- zügliche» unseren Lesern mittheilen „Anselm Freiherr v. Rothschild, der ein Alter von 71 Jahren erreichte, wurde im -Jahre 1803 zu Frankfurt a« Main geboren, woselbst er auch die ersten Jahre seiner Jugend verlebte. Später zog er an die Universität Berlin, wo er den Grund zu der umfassenden Bildung legte, welch« ihn, von dem man wohl sagen konnte, daß er e» „gottlob nicht nöthig habe*, in hohem Maße au»zeichnete. Nachdem er die Universität verlaffen hatte, trat er in da» Pariser Geschäft seine» berühmt, n Oheims James, unter dessen Leitung er sich für den künftigen Beruf: der Chef eine» so bedeutenden WelthauseS zu werden, genügend vorbereiten konnte. Groß« Reisen nach den bedeutendsten Stapelplätzen de» internattona» tionalen Handelsverkehr» erweiterten seinen geschästtmänni» schen Horizont, und al» sein Vater, welcher dem Frankfurter Geschäfte Vorstand, alt und schwach geworden, war Baron Anselm genügend mit Kenntnissen und Erfahrungen au»geftattet, um an dessen schwierigen Posten zu trete«. Im Jahre 1855 endlich übersiedelte er nach, Wien, und seither war er der Ehef de» Wiener Hause». Da» Leiden, welchem Baron Rothschild erlag, quälte chn durch volle zwanzig Jahre; e« war der Prostata. Im vorigen Jahre wurde die Krankheit so hochgradig, daß sie de» nunmehr Verschiedenen durch niehrere Wochen an» Bett fesselte. Damals schon gaben die Aerzte alle Hoffnung anf gänzliche Besserung auf, doch erholte er sich nach und »ach so wett, um seinen gewöhnlichen Beschüftiguage« »achgehe», . zu können. Im Herbste vorigen Jahre» rieche» ch« die .

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