Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935028-5935803--2266-5371768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 263 — " «nb «eil da» Blatt in Jerusalem selbst erscheint? Nimmt «an e» da nicht übel, wenn man Einen einen Dieb nennt, »eil . . . .? 6 Celberg, SS. Juli. (Or.-Torr.) Gestern feierten wir hier die Einweibnng des Mischen TurhospitalS, welche» durch die unermüdliche Thätigkeit de» Herrn Rabbiner vr. Goldichmibl und durch die Munificenz de» Herrn R. Open l> c i m tui« Berlin schon jetzt eröffnet werden konnte und erett» zehn Kranke beherbergt. Die Feier begann um 11 Uhr Bormiltag« mit der Enthüllung der Inschrift und der Eröffnung der Pforten de« Hauptportal«. Herr Baunieisttr Marten übergab den Echlüffel dem Borsitzenden de« Eura- . torii, Herrn EanitätSrath Or. Löwe»tbal an» Berlin, dieser Herrn EanitätSrath Vr. Hirschfeld au» Eolberg, al» Vorsitzendem de» Vorstände», und dieser endlich an Herrn N. Oppenheim, welcher da» Hau» »öffnete. Die Herren begleiteten diesen Act mit paffenden kurzen Reden. Hieraus begab sich der Zug durch die »öffneten Pforten in den schön und paffend eingerichteten und auSgeschmückte» Betsaal, wo die Fei» mit der Entzündung der ewigen Lampe «pan -|j durch Herrn Rabbiner vr Treuenfel» au» Stettin begann. Da» von diesem hierbei gesprochen« Gebet knüpste an da» Schüpferworl an: E» werde Licht! Licht sei da» Symdm der Lehre, der Freude, der gottähnliche», werkthätigen Liebe. Da» von Menschen entzündete Licht erhelle da» Dunkel, so wird die werklhätige Liel'e in diesen» Hause an Menschen . geübt werden, denen da» Lebe» seine Schattenseiten zugewendet. Hierauf folgte Ehorgesang. und während der Canlor einen Psalm recitirtc, holten de Rabbinen, sowie die Mitglieder de» Borstande» und de» Euratorii die Thorarollen, deren eine» Herr R. Oppenheim der Anstalt geschenkt und mit reichem Silberschmuck smpn'Ss versehen hat, und brachten dieselben unter Musikbegle lung in den Betsaal. Nach dreimaligem Umzuge n»it denselben wurden sie in die heilige Lade gestellt, und Hr. Rabb. vr. Goldschmidt betrat die Kanzel zur Abhaltung der Weihe; redigt. Diese in Form und Inhalt ausgezeichnete Red« knüpfte an Numeri 24, 5 an und führte di« Worte Simon» de» Gerechte» von den drei Säulen der Well: Gotteslehre, Gottesdienst und Menschenliebe, in beredter und dieser besondern Feier durchaus angemeffeuer Mise au». Rach dieser aus die Zuhörerschaft, welcher auch die Spitzen der Eioil- und Militärbehörden angehörten, ersichtlich lies einwirkenden Rede wurde die Thora auSgehobe», und Herr Rabb. vr. Treuensel» sprach rin sehr eindrucksvolle» EinweihungSgebct, und anknüpsend an die Rede de» Herrn vr. Goldschmidt betonte er, daß gerade in diesem GotieShause «ie in keinenl der w it größeren und prächtigeren Tenipel jene drei Säulen der sittlichen Welt ausgcrichtel werden, well «» innerhalb einer Anstalt, welche der Menschenliebe gewidmet ist, eine Stätte der Gotle»lehre und de» Gottesdienstes »ein »trd. Hieran schloß sich da» Gebet de» Herrn Rabbiner vr. Goldschmidt für König und Vaterland, und nach Absingung von Psalmen schloß mit tcm Mincha-Gebet die Feier, welche >ll«, die daran Theil nehmen durften, allseitig befriedigte und »baute. Abend» gegen 8 Uhr vereinigte die Festgenoffen ei» Mahl im Saal, de» Neuen Geselljchasirhause», an welchem auch der Eommandc,t und ein Magistrat-Mitglied sich bctheiligte. Biele Toaste würzten da» Mahl, wir heben aber besonder» denjenigen de» Herrn N Oppenheim au» Berlin h»vor, der in demselben zeigte, daß er e» nicht blo» verstehe, selbst mit vollen Händen zu geben, sondern auch Andere mit Erfolg zum Geben in passendster Weise aufzufordern. So steht nun diese Anstalt acht jüdischer Wohlthäligkeit da, aber noch lange ist sie nicht mit den Mitteln auSgestatlet, «eiche erforderlich sind, um sie den Segen wirken zu laffen, den sie wirken könnte. Sie umfaßt neben einenl Hof und «tue« großen, schönen Garten, ein Vorderhaus mit einem Botjaal, einem Bureau und SeffionSzimmer für den Bor» stund, und mehreren Dotznräume«, zwei Hintergebäude mtt den DirthschaftSräumea, den Badezellen und IS Zimmern zur Aufnahme von verschämten Armen deutscher Rationalität, welchen d» Besuch eine» See- resp. Soolbade» ärztlich verordnet ist. Die ganze Einrichtung, und namentlich die Krankenzimmer, machen einen überaus freundlichen Eindruck. Möge da» Beispiel de» Herrn N. Oppenheim unsere Reichen zur Nacheiferung anspornen und Alle, die ein jüdische» Herz haben, mögen, Jeder in seinem Kreise üahiit wirken, daß dieser Anstalt Mittel znflies; n. welche sie in den Stand setzen, ihren edle» Zweck in vollem Umfange zu erfüllen. 8. 8. Au» Pommern. (In deir „neun Tagen.") E« ist die stille Woche, und Dank sei dem „Sohar," (?) daß er dem jüdischen Schulmeister den Zuchtriemen während der sogenannten drei Wochen au» seiner Hand nahm. Auch die Kadbalah hat also ihr Gute», aber sonst mag ich vom „Geheimen" nicht» wiffen. Laffen Eie uiich offen reden. Nicht da» preußisch« Kirchengesetz und nicht der LaSker'sche Antrag werden unsere Gemeindeverbänoe störe», soudrrn der Stillstand, die Gleichgültigkeit und die gemeine Unwiffenheit der Juden, die völlige Unkenntniß ihrer Geschichte, die Nachahmung der Gewohnheiten von der allen Großmutter her, — da» sind die Uebel, welche da» Aufblühen und Ausrrstehen de» neuen Geiste» im Judenthum hindern Glauben etwa unsere unwissenden Zeloten, daß sie die * heilige Stadt Jerusalem und den Teinpel dadurch aufbaue» werden, so sie in den sogenannten neun Tagen kein Fleisch effen, de» Barl nicht scheeren u. s. w? Liegt ihnen in der Thal an der Wiederbelebung des Gottesdienste» in Zion, an ihrer Rückkehr und Umkehr? Nein! Da» wollen sie nicht! Bndienen und Handel», eine blühende Paraoß«, bas ist da» Streben und Sehnen der jetzt lebenden gleichgültigen J-raelilen. Biele Gemeinde» legen nicht Hand an die Veredlung und Berbefferung de» Gottesdienstes, bleiben bei dem alten Schlendrian ruhig stehen und nehmen dadurch der Jugend die Lust, theilnehmende Mitglieder der Gemeinde zu werden und zu bleiben Ehorgesang und Predigt ist ihnen u n j ü d i s ch, — darf also nicht eingesührt werden. Sonstige Unarten, die auch schon der Schulcha» Aruch verbietet, behalten sie bei, eben weil sie weder diesen noch moderne Schriften lesen. Darum rufe ich Israel zu: Wache auf, verherrliche und belebe deine ÄlaubenSgemeinve in Synagoge und Schule! Wähle dir gebildete EultuSbeamlen und lebe in und mit der Zeit fortschreitend fort! Sohra» in Oberschlesien, 26. Juli. (Or.-Eorr.*) E» wird gewiß vielei» Verehrern de» verewigten ehrwürdigen Herrn Rabbiner» David Deutsch von Interesse sein, zu erfahren, daß der würdige Schwiegersohn desselben, Herr BezirkSrabbiner S Hahn au» Dambontz vor mehreren Monaten in hiesiger Synagoge dem Berewigten einen ICDn gehalten hat. In beredten liesergreisenden Worten hob Redner die großen Verdienste hervor, die sich der berühmte Verstorbene nicht nur um seine Ge>neinde, sondern um da» Judenlhum überhaupt erworben. — Am Tode-tage de» seligen Herrn Rabbiner» ivurde ihm und seiner, kurze Zeit vor ihm verstorbenen, würdigen Gattin der Leichensteiu gesetzt. Bei dieser Gelegenheit gab Herr Rabbiner vr. Immanuel Deutsch, ei» Sohn der Verklärten, am Grabe der Verblichenen in gehaltvoller, gediegener Rede seinen Gefühlen warnten Ausdruck. Auch Herr RabdinalSaffesor A. Deutsch au» Gleitvitz, ein Bruder de» Verstorbenen, sprach am Grabe in schlichter Weise angemessene Worte. Die hiesige Gemeinde setzt sich selbst ein ehrende» Denkmal durch dir Pietät, die sie gegen ihren verstorbenen Rabbiner bekundet durch die Wahl seine» Sohne», degeuannlen Herrn vr I. Deutsch, zu seinem Amtsnachfolger. Plan hofft, daß der Annahme dieser Stelle keine Schwierigkeiten in den Mg treten werden. *) Durch »»»«sruhett di» Mtftmtm «Utebsam «rspStet.