Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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262 — _ Jude» aber wissen oder fühlen, daß dogmatische Zänkereien und Tüfteleien gar nicht „in der Sri" de« JudenthumS liegen. Wir sagen, man würde von beiden Seiten über Bekenntmß, Eoufesfion u. s. w. gar nicht gestritten oder nur geredet haben, wenn man nicht, in Preußen wie in Ungarn, genöthigt gewesen wäre, den Streit vor Landtagen und Regierungen zum SuSlrag zu bringen, demnach über die Anwendbarkeit der für christliche Eonfessionen bestimmten Gesetze aus die Juden zu diSputiren. „Ein Vergleich der innerhalb deS JudenthumS hervorgetretenen Differenzen mit den Verschiedenheiten, welche im Ehriftenthum zu gesonderten Eonfessionen geführt haben, ist unstatthaft; jene Differenzen sind mit diesen Verschiedenheiten inkommensurabel"; so erklärte die „Hochschule", so ist es vollkommen richtig und unbestreitbar — und dennoch fühlte nian sich gedrängt, auf die Vergleichung einzugehen und da« Inkommensurable an einander zu rücken. Es geschah, waS nicht auSbleiben tonnte: man hat gestritten uno hat, nach Göthe'S Wort, das Unrecht auf beiden Seiten ohne Zweifel gefühlt. Hirsch (um statt oielwortiger Umschreibung „Namen" zu nennen) weiß, daß sich bestimmte Eonfessionen im Judcnthum nicht herausgedildet haben, Geiger weiß, daß tiefgehende Differenzen über Religionslehren vorhanden find. Und so hat dieser Streit um „Kaisers Barl", um daS Unding: jüdische Eonfrssionen, das entsprechende Resultat gehabt. Der Landtag bat, in Preußen wie in Ungarn, gesagt: „diesen Streit zu schlichten sind wir nicht kompetent; Herr Hirsch — resp. der Schomer Hadath-Berein — sagt: „ich fühle mich von den Leuten da gegenüber konfessionell getrennt", ob mit Recht oder Unrecht, gehört nicht vor unser Forum — so genehmigen wir die Trennung." „Angebrachtermatzen" niutzte der Laitdtag dem Anträge von Hirsch und Consorten entsprechen Wir aber fragen nun, ob materiell das Recht auf ihrer Seite sei. Ihr sagt (so erlauben wir unS die Herren Hirsch, Hildesheimer, Lehmann zu apostrophiren): wir fühlen uns von einem Theile der Judenheit konfessionell getrennt. Ihr meint, auch in Hinsicht auf Lehre — vom Gesetze reden wir später. Ihr seht dabei nach „links." Wollt ihr nicht auch einmal geiälligst nach rechts blicken, nach rechts auch im Sinne der Landkarte, wie sie gewöhnlich vor unS liegt. Da wohnen in Rußland, Galizien und Ungarn gut eine halbe Million Ehassidim, und ebenso noch zwei Millionen, die nicht Ehassidim find, aber in gewiffen Lehrsätzen mit diesen übereinstimmen, und diese dritthalb Millionen Juden fühlen sich konfessionell von Euch getrennt. Von den Ehassidim brauchen wir da« gewiß nicht durch viele Worte zu beweisen Ihr läugnet dir Wunderkrast und Wundermachl ihrer Rebben, deS Gebete-., Segens rc. derselben, nicht de« einzelnen Rebben, sondern der Rebben überhaupt — und die halbe Million Ehasfid-m erklärt euch dafür für Minim, Epikorsinl, Kosrim, und zwar mit noch ganz anderer Energie, al« ihr e» euren. Gegenüber thuk. Begebt euch einmal unter eine Gruppe von Ehassidim in ihrer Heimath, und gebt eurer Läugnung Ausdruck, ob wohl „euer Rücken von Schlägen frei bleiben wird und eure Wange von, Gerauslwerden." Dagegen haben wir (und Ihr) sehr erhebliche confesfionell« Bedenken gegen manche chassidäische Lehren und Meinungen, die ua« viel eher heidnisch al« jüdisch erscheinen. Wir fühlen uu» von mancher solche« Lehr« ebenso „klmfesfionell getrennt," wie von einzelnen Ansichten der Gegner auf der linken Seite, da« Eine »me da« Andere sieht unS eher heidnisch al« jüdisch au«. Schließt ihr nun die Ehassidim vom Judrnthum au»? Erkennt ihr sie nicht mehr al» Brüder (wir meinen natürlich nicht bloß: Menschenbrüder) und Glaubensgenossen an? Warum nun aber zweierlei Maaß für rechts und link«? (Forts, folgt.) Berichte und Correspondenzea. Deutschland. Stettin, 26. Juli. Wir erhalten verspätet Rr. 35 de» „vabazeletb" vom 26. v. M. Diese» in Jerusalem selbst in hebr. Sprache erscheinende Blatt, welche« sich sicherlich hüten wird, die dorttge Almosenverwaltung zu reizen, enthält gleichwohl verschiedene Klagen gegen dieselbe, die in vorsichtigster Verhüllung auf Unzukömmlichkeiten Hinweisen. Wir legen zwar keiner- Werth daraus, daß der Herausgeber in einer Anmerkung sich darüber beschwert, daß man von Amsterdam aus nach Jerusalem verhältnißmäßig viel weniger Geld gesendet habe als nach den anderen Städten, die Theurung sei nicht, wie inan nach Amsterdam berichtet habe, in den kleinen Städten größer als in Jerusalem sondern es sind« gerade da« Umgekehrte statt. — lieber das Maß der Gaben werden di« Armen in der Ziegel mit dem Beriheilenden rechten, der eine, weil er weniger, der andere, weil er nur ebensoviel als sein Nebenmann erhalten habe. Wichttger aber ist, daß auf da« Bestimmteste in Abrede gestellt wird, 1) daß von Marseille Getreide nach Palästina gesenvet worden, 2) daß solche „zu ganz wohlfeilen Preisen" den Armen überlassen worden sei, 3) daß etwa 5 flor. pro Kops an di« Bewohner der heil. Stadt vertheilt worden seien; es betrage kaum die Hälfte, oder auch nur ein Drittel oder Viertel dieser Summe. — Die Behauptungen oder Angaben, welche hier widerlegt werden. hatte der „Israelit" gebracht. Was die Getreidevertheilung speziell betrifft, so wird angegeben, es sei verdorbenes Mehl rröp) von den Vorstehern (ll')lvv heißt es dort — damit man uns nicht wieder entgegenhalte, die betreffenden Verwalter seien keine „Vorsteher" —) der Peruscht« an ihre Annen verkauft worden und zwar um einen Piaster billiger als gutes in der Zeit am Martte kostete, und auch 1 nur je ein Rotol wöchentlich pro Kopf. Weiter zieht dann der Herausgeber gegen einen gewisse» Riwlin zu Felde. Dieser ist, wie wir aus der von Hrn. Lehren Unterzeichneten, hier in Nr. 36 abgedruckten Erklärung wissen, der Schwager des besprochenen I. M. Goldsmtt, Sekretär der aschkenafischen Gemeind« zu Jerusalem, und auf Beide ist die Function der Verisicirung der Unterschriften der Almosenempsänger „abergegangen". Der Herausgeber de« „Habazeleth", I. B. Frumkin, lebt in Jerusalem, und er muß in Bildern, biblischen Anspielungen, Wortspielen, Witzeleien u. dgl. reden. Da wir keine Ursache haben, den Zorn des p. p. Riwlin zu scheuen, so sagen wir ohne jeglich« Verhüllung, daß ihm in'S Gesicht gesagt wird, er habe die Arme» bestohlen Es wird z. B. der BerS auf ihn ongewendet: „gestohlenes Wasser schmeckt süß" — das Wort „gestohlen" ist aber nur durch Puntte angedeutet, und vorher wird darüber gewitzelt, daß da« „gräulich stinkende" Mehl den Armen nicht „süß", sondern „bitter" gewesen sei, für R. aber „süß." Wenn also der „Israelit" andeutet, daß die gegen Goldsmtt erhobene Beschuldigung zu gerichtlichein AuStrage gebracht werden solle, waS wir ja vollständig in Ordnung finden, so hätte der p. p. Riwlin noch weit eher Ursache, gegen den ihm namentlich und persönlich bekannten, für die Angabe selbst verantwortlichen Redafteur Frumkin, der ihm Diebstahl vmr- A2 geworfen, vorzugehen. Oder ist da» nicht so schlimm, «dl # Ug in hebräischer Sprache und in feine» „Wäüch«" gefngt tk' I