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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Aüche«. Da« zu Grevenbroich herau-gegebene „Rationale Wochenblatt für Stadt und Landbringt unter feine« trefflichen Artikeln: Lebensbilder hervorragender Männer au« Rheinland Westfalen, und unter Viesen ein«, welche« dem Andenken deL Aachener Dr. Wilhelm Smet» gewidmet ist Wir gebt'« daraus einen hübschen Zwischenfall: Der junge Smet« hatte sich, vom deutschen Patriotismus getrieben, an den Freiheitskriegen bctheiligt Mil einem Schatze von Lebenserfahrungen kehrte er an den Rhein zurück und fand, auf Empfehlung von Freunden, erst an der Kriegsschule zu Koblenz, darauf 1818 am dortigen Gymnasium ein« Lehrerstclle. Doch eine hoffnungslose Liebe, die er iu Sonetten feierte, drängte ihn zun, Priesierstaude Unter den Freunden Brentano'« und Görre's fand er überschwängliche Aufniunterung, aber keine Mittel Vazn. WaS ihm aber die katholischen Glaubenshelden versagten, sollte ihm van der Dankbarkeit der Koblenzer Juden gewährt werden. Obwohl Smet« die Bühne für immer verlassen hatte, so beschäftigte er sich doch init Theaterkritiken, wodurch er sein knappes Lehrereinkammen vermehrte. Damals machte die Poffe: „Unser Verkehr,- worin die Juden verspottet waren, Glück. Unser Kunstrichter aber trat mit größter Entrüstung seine« sittlichen Gefühles dagegen ans, verrief die Posse m» nichtSwürdig, weil sie gerade da« verspottete, wa« auch dem Ehriften am heiligsten sein sollte, di« Elternehrfurcht, und brachte e» durch sein verwerfende« Urtheil dahin, daß da« Stück nicht mehr gegeben werden durste. Seil dieser Zeit, so erzählte uns der Dichter, ward chni die Aufmerksamkeit der Juden augenfällig. Er sah Mütter, die ihre Kinder emporhobe», wenn er vorüderging, die ihren Kleinen den Manu zeigten, der eingestanden sür die vielgeschmähten Juden. Doch nicht nur die Achtung, auch die Dankbarkeit der Israeliten sollte er erfahren. Eine- Abends kam der Vorsteher dortiger Judengemeindzu ihm und erzählte, seine Glaubensgenossen hätten erfahren, daß er sich dem geistlichen Stande zu widmen wünschte, ihm aber die Mittel dazu fehlten. Seine dankbare Gemeinde hätte sich entschlossen ihm zu Helsen, und sür drei Jahre eine Summe gezeichnet, die denr Bedürfinffe reichlich entspreche. SmetS traute seine» Sinnen nicht, und als der Rabbi sich nicht in Nebel auflöste, sondern dir Hane» Silderthaler für das erste Semester auf den Tisch zählte und der anfänglichen Ablehnung des Dichter« so liebevoll, so rührend zu begegnen wußte, da nahm dieser, vor Freude und Bewunderung weinend, mit Dank an. Im Frühling 18lS reiste SmetS nach Münster, wo er die Zahl der begeisterten Schüler de« Professors Herme« vermehrte. | Lanpheim, IS. Juli. (Or.-Eorr.) Der „Talmuojudevou Rohling, diese T«ild«»zjchmähschrist gegen daS Jndenlhum, wird in hiefigtr Gegend unter Katholiken stark verbreitet. Tae stört und nicht, denn in ullramontan-fanatischen Kreisen kann nicht« verschlimmert werden. Run aber ist diese Schrift auch in die Hä»d« wohlgesinnter. sonst Inden wohlgeneigter Beamten gespielt worden, die dadurch eine schiefe Ansicht vom Judenthunl bekoiume». Ich Halit zwar sür mrrne Person nichtvon Gegenschriften gegen Libelle, man muß solche niedriger hängen lassen, wie Friedrich der Große, la aber einige Gegenschriften contra Rohling bestehen, so möchte ich sie doch den erwähnten Herren und Kreisen zustellen. . . (Wir haben na» erlaubt, diese« Privatschreiben, Anfrage über Titel u. s. w. eirer Entgegnung aus da« darin erwähnte Libell, zu veröffentlichen und geben hier auch öffentlich die Antwort, weil sie auch Andern nützlich sein könnte. E« scheint ja, daß man die Rohling'sche Schrift, welch« ursprünglich wohl nicht über ihre Heimarhgegcnv, Münster, hinauSgekom- «e« ist, neuerding« verbreitet, sie ist auch in« Polnische übersetzt uird wird in Galizien au »ge streut. Der Titel einer Gegenschriit lautet: „Entstellte«, Unwahre» und Erfundene« tu de« „Talutudjuden- Prof. Dr. August Rohling'« nachgewiejen van Dr. Krönet. Münster bet Obertüschen 1871. Preis 8 Sgr. — Ruck iu de« Lenrberger „Israelit" erscheint - eben eine Erwiderung, welche recht zweckmäßig abgefaßt ist. i Er wäre wohl rathsa«, wen» sie, vielleicht mit Weglassung l der hebr. Eitate, an deren Statt nur die Stellennachweise gegeben zu werden brauchten, in einem Scparatabdruck er» tcheine. Die älteren Broschüren aus den zwanziger Jahren, iu denen da« von Rohling Aufgewärmte längst widerlegt lst, sind jetzt nur noch selten zu haben. Red ) Arankreich. Pari«. Eine Ministertal-Verfügung benimmt, daß fortan in den Dienstbüchern (lirrets) der Soldaten dir Relrgie« derselbe» vermerkt werden soll. Die Maßregel wird eben >n Pari« nuSgefiihrl, man hat die Soldaten über ihre Religion befragt. (Eine Eonsequenz de« neue« Gesetze» über die Mi» lrtär-Seelsorge — ist aber in Frankreich unerhört ) Der Polizeidirector in Bordeaux hat einen Sergeant«» bestraft, weil er einen Bürger aufgefordert hatte, vor einar vorübergehenden Prozession den Hut abzunehmen. An eine« anderen Orte ist ein Israelit mit einem und ein Katholik mit acht Tagen Gefängniß bestraft worden, weil sie tun Kopf nicht entblößt hatten. Wieder an einem Orte im Süden Frankreichs ist ein erbitterter Federkrieg zwischen den« klerikalen und dem liberalen Blatte geführt worden, weil «in Jul« vor einer Prozession den Hut nicht abgenommen und ein Geistlicher ihn darüber zur Rede gestellt hatte. Pnri« Die Akademie halte zuni Eoncour« de» Preis,« Brunet eine Bibliographie de» h. Lande« seit dem 4. Jahrhundert bi« auf unsere Tage ausgeschrieben Der Betrog diese« Preise« (3000 Fr.) wurde zwischen dem Memoire Rr. 1 von Herrn M. Schwab und dem Rr. 3 von Herrn Ent getheilt. — In Ranlerre wird ein große« Gefängniß gebaut, wtlche« 1S00 Personen aufnehmen kann. Ja demselben wird eine Kapelle, eine protestantische Kirche und eine Syncg o g e errichtet. . .; — Der Municipalrath von Rheim« hat der i»r. Gemeinde eine« Platz mitten im Eentrum der Stadt zur Errichtung einer Synagoge bewilligt, anstatt derjenigen, welä>« gegenwärtig ain AuSgange der Stadl, schlecht gelegen ist. Pari«. Da« Sentral-Eomite der Alliance J«r. Uni», hat unter dem Titel 0"IB p*2 '-3 71112 PD^ro ein« hebräische llebersetzung der dem Schah überreichten Adressen, der Antworten und Audienzberichte anfertigen und drucken lassen. Dieselbe ist, wie der Titel angibt, zur Verbreitung unter den persischen Juden bestimurr, und rü ist eine Aufprall« an dieselben vorauSgeschickl, worin sie über den Zusammenhang der Sache, über die Stellung ihrer Glaube»«brüder in- Europa b.-lehrr und zur Aneignung von Kenntnissen aufgr» fordert werden. — Auch der Calendrier 4 l'uaage des Isradlites pour l'annde 5835 von L. Blum enthält einen Ahdruck der erwähnter. Adressen rc. m französischer Sprache und — ein Portrait de« Schah 9tma<taien. Bnkiretz, 15 Juli. Da« von den beiden Kammern vctirte neue Kommunalgesetz verleiht den rumänischen Israel» len die munizipalen Rechte unter gewissen Bedingungen. Diese Bedingungen sind: 1) wenn dieselben, in der rumänische, Armee dienend, den Grad eines llnteroffizier» erlangt haben; 2) wenn dieselben an einer rumänischen Universität studirt haben; 3) wenn dieselben an einer au«wärtigen Universität da» Doctor- oder Licentiaten-Diplom erlangt haben und diese» Diplom von der La»de«regterung anerkannt ist; 4) wem: sie in Rumänien eine dem Lande nützliche Fabrik oder Manufaetur gegründet haben, in welcher sie mindesten« fünfzig Arbeiter beschäftige». — Von den in Rumänien lebenden Israelit«« befindet sich natürlich nur «in verschwindend kleine: > Thetl in der Lage, diese Bedingungen erfüllet zu können;

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