Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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«Mflrnonmuu Hai, so darf man vor tan Namen*) nicht -urückschrecken. Von deinem Amte fordere ich — wenn auch nicht gerade Wahrheit, blanke, reine Wahrheil, für welche bekanntlich tan Sinuenmenichen jeder Maßstab ur.d jede- Kriterium «angelt, — so doch wenigsten- Wahrhaftigkeit. A»- Württemberg Am Donnerstag, den 9. Juli, wurde auf der Vemeittdrstube de» israelitischen Kirchenvorsteheramte» Laupheim rin Akt ehrender Anerkennung an einem um da« Gemeindewohl verdienten Mitbürger vorgenommen. E» waren nämlich am 9. Juli 2S Jahre, dag der Recht»anwalt I. LSmmle in Laupheim durch die ZSahl seiner Mitbürger in da» Kirchenvorsteheramt cingeführt wurde, in welchem er seit damal« in nirunterbrochener Folge wirkt. Auf Einladung de» Borsitzcnden waren die Mitglieder de» Borsteheramr» erschienen und auch der Bezirktbeamt«, Herr Oberamtmann Wernle, nahm auf freundliche» Ersuchen durch seine Anwesenheit Antheil an dem Akte. Hr. Rabbiner Wälder verla» ein Protokoll, nach welchem da» Vorsteheramt beschlossen, dem Herrn Rechtsanwalt Lämmle bei seinem sünsundzwanzigjährigen Dienst-Jubiläum seinen Dank und seine Anerkennung auSzusprechcn und ihm al» sichtbare» Zeichen de» Danke» einen silbernen Pokal zu widmen, welcher dem Jubilar überreicht wurde. Der Pokal trägt folgende Inschriften: «Dem Kirchenvorsteher RcchtSanwalt Herrn I. Lämmle zu seinem Übjährigen Dienstjubiläum. Von der iSrael. Gemeinde Laupheim am 9. Juli 1874" Herr Oberamtmann Wernle, dem von AmISwegen die Aufsicht über da» israel. Kirchenvorsteheramt zusteht, drückte in zustiinmender Ansprache dem Jubilar seine Anerkennung au». Der Gefeierte erwiderte, wir er von dieser Kundgebung überrascht sei und wie dieselbe ihn freue und ermuntere; besonder» da er in der letzten Zeit durch seine Mitgliedschaft im Gemeiuderalh manchmal abgehalten gewesen sei, bei den Sitzungen de« Kirchenvorsteheramte» zu erscheinen; er werde dahin streben, im Verein mit seinen verehrten Kollegen da» Wohl der i»rael. Genieinde zu fördern. Er verlieh in bescheidener Weise seinem Danke Ausdruck, und so vollzog sich in der Still« der Akt verdienter Anerkennung an einen Mitbürger für pflichttreue Au»üdung seine» Ehrenamte» in der Kult- und Gemeindebehörde. ivefkerreich. Pest. Die Berichte über die an, Sonnabend und Sonntag, 4. und ü. Juli, slattgehadten Verhandlungen de» ungarischen Reichstage» über die israelitisch« Schulfond»- und Seminar-Angelegenheit liegen nn» vor. Die mir steigender Erregung geführten Debatte», haben gar kein Resultat ergeben. E» wurde am Schluffe über nenn verschiedene Gesetzc»vorschlägc, Resolutionen und Amendement» (einschließlich de« ursprünglichen ministeriellen Anträge«) abgestimmt, die meisten wurden gegen winzige Minoritäten abgelehnt, zwei unterlagen mit einer Majorität non wenigen Stimmen. E« erhob sich nun ein gewaltiger Sturm über die Frag«: Was ist nun beschlossen? wa» soll jetzt geschehe»»? Diese entschieden zuletzt der Ministerpräsident und der Präsident de» Hause» dahin, daß nach der Geschäft-orduung der Antrag als abgelehnt zu betrachten sei und in der gegenwärtigen Session nicht mehr zur Verhandlung kommen könne. Durch länger« oder kürzere Au«züge au« den Reden und Bericht über den Gang der Debatte würden wir unfern Lesern keinen Dienst erweisen. Die ungarischen kennen sie längst. •) Der «am« um nochmal« der «amel Der Herr Lorresp. verschieb» damit «tder Litten den richtig« Gestchttpunkt. Auf dm fUaua leg« auch mir. legt aber auch «ohl z. v. der Dr. Geiger, nicht da« mindest« Gewicht, um »ir gab« in jener klein« Bemerkung, ivelch« d« Staub ausgnvtrbelt zat, nur darum kurzweg von dem „Na««" «sprach«. »eit wir soeben erst in zwei Lettarittäp über Namen und West» »er Gonfirmatlo« »«« Breiten geredet hallen, »er Schluß de« obig« Satze« «aßt« so laut«: „so sollt« »an die iaastrmatton. »eich« Tader« nicht taitfiem und oertetzern." (Bed.) die übrigen sind mtt der Parte siellung der Redner für un!» gegen nicht vertraur, während leicht zu «rrathen ist, daß ei* sich bei der Verhandlung, hinter den Eouliffen. mehr um politische Parleikämpfe at« um die jüd Angelegenheit selbst gehandelt hat. Die materielle Seite der Fragen trat gegeit die formalen und juristische» ganz in den Hinlergrunv. Man hat — vernünftigerweise — über da» zu Rechtdestehen von zwei getrennten Konfessionen im Jubenthum und deren dogmatischen Differenzen über den gelehrten Inhalt der ministeriellen Denkschriften nicht gesprochen; desto inehr über dai» ungarische Staat-recht, dessen Boden bekanntlich, durch die Gegensätze der Parteiauffassung, ein sehr schivankender is>. Speciell handelte e» sich darum: ob da» Han» durch di« im März 1870 und 1871 gefaßten Resolutionen, welch« zwei Konfessionen anerkennen, gebunden sei; ob da» Ministerium sich an jene halten müsse; ob die früheren Verordnungen in Betreff de« Schulfond» und de» Seininar» ganz hinfällig oder noch zu berücksichtigen oder noch gültig seien; ob der Fondü überhaupt theilbar sei oder nicht; ob er al» eine kaiserliche Stiftung anzusehen sei, ob daher dem Ministerium die freie Disposition darüber zustehe u. dgl. m. Erfreulich ist'», daß die Redner sich zumeist anerkennen» über Juden und Judenthum ausgesprochen haben, daß, ähnlich wie bei den analogen Verhandlungen im preuß. Adgeord- »etenhause, verschiedene LobeSerh. düngen zu registriren sind. Wohl war von einigen Rednern über dir Bildungsfeindlichkeit der Orthodoxen gesprochen und die „polnischen" Rabbi'» wäre» in ein ungünstige» Licht gestellt »vorden. Dagegen sprach Ed. Zsedenyi: „Der Eingang de« ministeriellen Berichte» weiß dahin, al» ob die orlhovoxen Israeliten nur deshalb die Errichtung eine» Rabbinerseminar» bekämpfen, weil sie in ihre» Rabbinern keine wissenschaftliche Qualifikation dulden und überhaupt den Fortsmritten der Kultur entgegen»«»». Dies« Verdächtigung weisen positive Thalsachen zurück. Die Geschichte wird kaum eine andere GlaubeaSgeuoffeilschast vorweiien, welche Jahrtausende hindurch, trotz aller Verfolgungen an den bewährten alte» Ä!a»»ben»jätzeu ihrer Religion so treu, so au»dauernd sestgehalten, wie di« jüdische, deren Gläubige ihrer Mehrheit nach in allen Ländern, wo ft sich niederließen, der Klaffe der verständigen und lhätigen Bevölkerung angehören. In der Thal wäre e» sehr zu ta dauern, wen» die Reuglauber, von der Ansicht auSgehen», daß die Religiosität mit der Bildung unvereinbar sei, diese Ansicht durch ihren eigenen Lebenswandel erweisen wollten." Bon der entgengesctzten Seile leitete der knltu-iniuister Tresorr seine Au»führung mit folgenden Sätze» ein: „Soweit ich die europäischen Staaten kenne, existlrt kein Land, in welchem die israelitische Bevölkerung nach ihrer Zahl, politischen Fähigkeit, Wirffamkeit und ihrem Besitz einerseii«, andererseil» aber in Folge der wirthschaftlichen und «igeulhüinlichei» socialen Verhältnisse de- Lande» ein solche» Gewicht und eine solche Bedeutung besäße, ivie in Ungar». Hieraufolgt selbstverständlich, daß der »noralische und kulturelle Zustand der israelitischen Bevölkerung iveder sür die Gesellschaft, »och für den Staat gleichgiltig sein kann." Weniger erfreulich sind für un« di« Aeußerungen Pulszkp'r Wenn er sich „al« großer Verehrer der jüdischen Rationalität bekennt, und zwar weil sie groß und edel durch Jahrtausende ihre Eigenart ausrecht erhalten habe, sie verstehen Millionen zu erwerben und zu — erhalten (der ungarische Magnat versteht bekanntlich erstere« nicht, letztere» aber erst gar nicht) wiffen Zeitungen besser al» wir zu redigiren, sie werden Millionste«, Patrioten und sogar Barone, ne haben den Handel in Händen und treiben in hohem Maaz« Wissenschaften" — so schmeckt da» wie da» talmuvisöz« „Schwanzstück mit dem Stachel darin" lieber da«, wa« nun »oetter geschehen soll, bringen die Pefter politischen Zeitungen folgende allerding« auffallend« Rotiz. Eine Deputation der Kongreß- und Seminar-Freunde habe bei dem Luitus-Mintster Trefort Audienz gehabt, »ota dieser geäußert habe: