Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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sich derselbe auf einer Rfise, wir fiud »icht i» Staude, augeußticklich nähere Erkundigung von ihm eiuzuziehen. und er» suchen ihn daher, auf diesem Wege un« seine Erklärung }u> »Hk» tu laffen. SRtgkluig, 15. Juli. (Or.-Lorr.) Mein in Rr. 26 gemachter Borichlag, die sür die Rothieivenden in Palästina Nachträglich (d. h. nach dem 25 Juni, dem Datum, an welchem die Sir. 26 erschien) »och immer eingedenbe» Beiträge zur Hälfte für die etwaige Roth, u»v zur Hülste für die zu errichtenden Waisenhän er in Palästina zu verwenden, hat mir eine doppelte Erwiderung eingedracht. Zunächst umgehend an» Berlin von einem Manne, dessen Liebe zum heil. Lande bekannt, der sich darüber wundert, warum nur die Hälfte sitr die Waisenhäuser bestimmt sein solle, da notorisch von einer Hungertnolh in Palästina zur Zeit gar -nicht »ehr die Red« sein könne. (Siehe Wochenschrift Rr. 26 unter „Berlin") Sodann von einem Hamburger Lorrespondrnleu in der „Jüd. Pr." Rr. 27, der, nachdem er meine Worte entstellt angeführt — er läßt in dem Satze: „um bi« Gemeinde» in dieser geschäsltftillen Zeit nicht doppelt zu belästigen" da» Wörtchen „nicht" au» —, wie folgt fort» fährt: „Wenn wir recht den Sinn jener Zeilen ersaßt haben. so scheint der Verfasser jene» Schreiben» nicht recht mit de» Sammlungen für unsere liesdedrückten, hungernden Glaubeu»genoffen einverstanden zu sein" Der Herr «-Torr, au» Hamburg hat nun (zu seiner Beruhigung sei c» gesagt) den Sinn meiner Zeilen nicht recht erfaßt; daß für Hungernde gesammelt «erde, findet jeder, der ein Herz hat, in Ordnung — di« Magdeburger Gemeinde war eine der ersten, die zu diesem Zwecke hier sammeln ließ —, aber al» ich jenen Borschlag der Theiinng der Beiträge machte, da war e» bei den Eingeweihtereil bereit» ein offene» Geheimniß, daß die Roth tu Palästina längst erloschen, ja, da ß vo n einer eigentlichen Hungersnolh überhaupt daselbst in diesem Jahre gar keine Red« war, da wa: mir von sehr achtbarer Seile, Von Personen, die mit Aufopferung und Liebe jeder Roth in Palästitta Hilfe zu gewähren, stet» bereit sind, die authentische Mittheilung, daß man dem diesjährigen Rothichrei nicht recht traue, baß die durch Anhäufung der Pilger zu Ostern bervorgerujene Theuerung der Lebensmittel bald nachgelassen. Anfang» Mai seien die Preise wieder ganz normal gewesen. Kn» diesem Grunde sei auch der „Verein für palästinensische Angrlegtuyeilen" in Berlin, an drfien Spitze der durch seinen regen Eifer sonst so ausgezeichnete Hr. Rabbiner Dr. Hilde»- heüner steht,von vornherein für eine Sammlung nicht eingeuomnlen gewesen; man qnittirle nur über da», wa» freiwillig znfloß Europäer, welche sich in Jerusaleni anfhalten, wundern sich über die Leichtgläubigkeit der deutschen und englischen Juden, und besonder» darüber, daß sie nicht einen glaubhasten Mann hingesendet, um selbst zu prüfen, zu berichten. In den Briefen jener Männer stand noch Manche», «a» via» leider „au» Rücksicht für da» Wohl Jerusalem»" Nicht so offen sagen darf; ober die Ueberzeugung hatte ich gewonnen, daß Biele» in Bezug auf die E>>laniität übertrieben worden, um die begonnenen. Sammlungen recht lange warm 5i halten, und daß zur Zeit, da ich jene Zeilen schrieb, (25. uni) di« Theuerung unzweifelhaft vorüber war. Da hielt ich «< eben für Pflicht, mit meinen! Borschlage in die Oeffentlichkeit zu treten, weil ich den Mißbrauch, de» man mit der Estildthätigkeil frommer Geber trieb, nicht länger mitansehen tarnte. Schrieb doch selbst der Redakteur de» „JSraelit" (in Rr. 26) nnler'm 24. Juni am Schluffe de» Leitartikels «örtlich wir folgt: „Wir hoffen in gan z kurzer Zeit berichten zu können, daß dir Ealamitäl in Palästina vorübergegangen ist. E» liegt jedoch in der Natur der Sache, daß mimenilich au» entfernten Ländern auch dann noch Gaben fließen zur Linderung «iner Hungertnolh, die dann unter göttlichem Beistände schon der Vergangenheit angehöreu wird. In diesem Falle sollen, so erlauben wir uwl vMzuschlageudie verspätet «iufließendeit Gaben nU^t «ohr »erthetlt, sondern lediglich zu» Vesten der Kranken, zur- Anschaffung von Arzueie» re. bestimmt werden. Der arme Kranke ist immer hilfsbedürftig, selbst in den Zeiten der Fülle und der Sättigung." Wa» sagt der g -Eorrespondent der „Jüd. Pr." zu diesen« Vorschläge? Wird er da auch von „Sophisterei der Begründung" reden? „Ja, lieber Bauer, lautet die Antioort Alexander'», da» steht im „J-roelit", da» ist etiva» And're»!" (Ein oificiellc» Schreiben von dem Chachnm Baachi d. d. 4 Turnus (d i. 19. Juni) macht kund, daß die Lebentmittelpreise ziemlich aus die normale Höhe zurückgegaugen find. Darum hat freilich der Rothstand in Jerusalem nicht ausgehört, ja er wird nie aufhüreu, solange di« Berhültniff« sich nicht gründlich ändern, denn die von Aluiosen lebende Bevölkerung, diejenigen, welch« nicht» Hoden und nicht» erwerben, könneil ohne Unterstützung nicht leben, gleichviel ob da» Maaß Getreide 50 oder 15 kostet. Wir haben natürlich alle» bei un» Eingegangene zur Unterstützug der Roihleidenden abgesendet, da wir zu anderer Verwendung nicht ermächtigt waren. Rur die zuletzt au» E ö t h e n (s. vor. Rr. unter Eorresp.) cingegangenen 29 Thlr. 2 Sgr., *) bei denen uns freigestelll war, da» Geld der Gründung von Waisenhäusern zu ivibmen, wenn unsre» Erachten« die HnngerSnoth ein Ende habe, werden wir dem betreffenden Eomite übermitteln. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit, daß voin Ende April bi» gegen Ende Juni in Mainz bei der Red. de» „Israelit" AA999 fl , in Amsterdam bi» Mitte Juni <9990 fl. für die Roihleidenden in Palästina «ingegangen find. Red.) Königsberg, SV. Jun«. (K. H. Z.) Der berliner Feuilletonist der Hartg. Zeitung betonte neulich einmal die Rothwendigteil einer Reorganisation der Hochschule in der Metropole de« deutschen Reich». Roch dringlicher erscheint un» die Reform unserer Alma Albertina, welche noch manchen mitteraltlichen Zopf der Exclusioitäl und der Intoleranz adzuschneiden hat. Wir sprechen nicht bloß von der durchweg pielistisch-orlhodoxen theologischen Facultät, welche keine freiere religiöse Richtung in ihrer Mitte auskowmen läßt, vielmehr die ihr unbequemen aufgeklärten Männer der Wiffenschaft hartnäckig vo» sich aitSstvßl uni sie in die — philosophische Facultät hineindrängt. Auch diese letztere selbst trug di» in» vierte Decennium diese» Jahrhundert» herab einen häßlichen, sie verunstaltenden Zopf, iildem sie, die philosophische Facultät, bi» dahin keinen Richt-Ehristen die Doctorwürde verlieh. Wa» soll man aber dazu sagen, daß während die medicinische Facultät der Albertina eineil J»raelilen sogar zu ihren ordentlichen Professoren zählt, noch heuiigei« Tage» die juristische Faculiät keinen Juden zum Docior beider Rechte, also auch de» heiligen canoittschen Rechte», proinovirl und so ihre Caubidaten nölhigt, sich auf anderen preußischen Universtlären diese Würde zu erwerben? Un» sind beispielsweise in dieser Beziehung zwei eklatante Fälle au» neuester Zeit be&nmt geworden : in dem einen mußte der jüdische Recht»-Eandidat, jetzt KreiSrichter in Lyck (Herr Kreisrichter Sllbermann) »vor wenigen Jahren von hier nach Greifswald, «u dem andern der betreffende Eandidat, ein königsdcrger Siaotkinv (Referendariu» Silberstein) noch vor wenigen Wochen nach Gölungen gehen, um sich da» juristisch« Doclocoiplom mit allen seinen christlich-germanische» Privilegien heimzuholen. Und doch ist Königsberg di« GeburlSstatte de» transjcendentalen Idealismus, und doch hat schon vor beinahe hundert Jahren in unserer Pregelstadt der Schöpfer de» philosophischen Kruicimu» da» Flußbeu gegraben, in welchem jeder künftige speculativ« Gedankeustrom de» menschlichen Geiste» nothwenvigerweise fließen muß. *) wir qittiren hier über diesen Posten: Ertrag de» «. a. D. erwähnten Soniert» 27 Thlr., Hr. 6. Löwen stein L Thlr., Ungen. 1 Thtr, Hr. H. Arenset 10 Sgr.; ab 4 Mat Porto — 29 Thlr. 2 Sgr. <**.)