Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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t*t Hebräischen tut dieser Schule find die beste« von Bagdad; täglich wird ein zweistündiger Unterricht in Raschi ertheitt, dagegen im Sohar gar nicht unterrichtet; der Cbok-l'ji-rael wird durch das Studiun, der Mischnah mit dem Commeutar der Bariinoro ersetzt; der Unterricht im Talmud ist ausgefchloffen, man bldet eben in einer Elementarschule keine Talmudiften aus. Endlich nmchen die fortgeschrittensten Schüler bereit- Stylübungen im Hebräischen, die ihnen sehr nützlich sein »erden. Alle diese Reformen des Religionsunterrichtes find einstimmig von de» Rabbinen zn Bagdad gebilligt worden, welch« bei mehreren Schulprüfungen Gelegenheit halten, die seit Einführung derselben erzielten schnellen Fortschritte schätzen zu lernen. — Was den Unterricht in der Landessprache und besonders im Arabischen betrifft, so hat derselbe dem Localcomile viel zu schaffen gemacht. Seit einigen Monaten, fügt H. Lurion hinzu, haben wir glücklich eine» dieser Sprache sehr kundigen jungen Lehrer aus Mosul gewonnen und möchten chm gern, wenn es unsere Finauzlage gestattete, auch einen Hilfslehrer, den er braucht, deigebeu. DaS Arabische ist die Muttersprache deS Türkischen und Persischen, man lernt Türkisch um so leichter, je deffcr man Arabisch versteht, das außerdem die Muttersprache der Zöglinge ist. Der Unterricht im Türkischen wird jetzt von eineni gelehrten Perser erlheilt und nur von denjenigen Schülern der ersten Claff« besucht, welche im Arabischen hinlänglich unterrichtet find." Der geehrte Eorrespondel theilt ferner mit, daß, nachdem das Localcomile daselbst während der Osterferien wieder eine Anzahl von armen Schülern ausgenommen hat, Hunderte von Familienvätern um Aufnahuie ihrer Kinder flehentlich bitten, von denen leider bisher nur die wenigsten zugelaffen werden konnten, so daß man mit Bedauern Biele dieser jungen Knaben, die große Intelligenz zu besitzen schienen, abweifen mußt«. DaS C.-Comile bittet den Präirventen des Comite» von Bagdad iuftäudig, so viele anne Kmder als nur irgend wöglich unentgeltlich in die Schule aufzunehmen und chm gefälligst recht bald die hierzu nüthigen Maßnahmen vorzuschlagen. Tanger. H. Director Cohen zeigt an, daß er von dem Gesandten des Deutschen Reiches, Herrn Baron v. Gülich, besucht worden und daß derselbe chm hierbei niancherlei Berdefferuagsvorschläge für seine Schule gemacht und ihn ersucht hat, ihn» den besten seiner Armcnschüler zu bezcichuen, den er in seilte Gesandtschaft nehmen und versorgen wolle. — Auch verschiedene andere Personen, so z. B. H. Hortus, naher Ber wandter eines früheren Bürgermeisters von Paris, H. Portaelt, Mitglied der königl. Akademie von Belgien, H. George, englischer Consul in Casabianca, Graf Ligneville, erster Sekretär au der französischen Gesandtschaft, haben in letzter Zeit diese Schule besucht und, nachdem fie die Schüler in verschiedenen Dingen examinirt, die schmeichelhaftesten Zeugniffe in das Fremdenbuch geschrieben. Auch der Superior des katholischen CleruS von Tanger, H. Benito du Rio, und der englische Gesandte fanden stch in der Schule ein. Man betrachtet eS als ein bemerkenSwer'hes Zeichen der Zeit, daß in Marocco, wo die religiösen Borurtheile noch so viel Einsiuß auSüben, ein katholischer Priester sich von dem Unterricht, der in einer israelüischen Schule erthrilt wird, Kenntuiß zu verschaffen sucht, und man denkt, daß dieser Schritt d«S verehrten Geistlichen zur Festigung der Emizkett unter den Israeliten und Christen de» Landes viel beitragen wird. Was ferner den englischen Gesandten betrifft, so war eS seit Grün-, düng dieser Schule jetzt da» erste Mal, daß Sir John Drummond Hay dieselbe besuchte; er examinirte die Schüler und machte ihnen Lobeserhebungen wegen ihre» Fleißes, guten Betragen» und ihrer Sauberkeit; „meint Kinder", sagte er sodann, „ich reiie nach England und werde mir ein Bergnügen darau» machen, dem Board über Eure Fortschritte, von denen ich mich aberzeugt habe, zu berichten; fahret fort, die Freud« Eurer Lehrn ,« sein, die Hoffnung Eurer Eltern und der Sesellschaft und der Stolz der Wohlthäter, di« in der Ferne über Euch mit väterlicher Fürsorge wache«; di« meinige habt Ihr oou> heutigen Tage an, und um Euch meine Zufriedenheit zu beweisen, will ich bei meiner Rückkehr an S von Euch, dir sich am meisten ausgezeichnet haben «erden, 3 Werke vertheilen." Diese Ansprache de» Aeltesten in dem diplomatischen CorpS von Tanger hat eine lebhaft« Sensatton im Publikum geinacht. Eine andere soeben stattgehabt« Prüfung, die von 4, vom Gemeinde-Vorstände delegirten Rabbinen vorgenomnten worden und in Zukunft halbjährlich sich wiederholen soll, betraf den hebräischen Unterricht und stellte gleichfalls den Fortschritt der Anstalt fest. Im Ganze» nahmen diese Prüfungen nicht weniger als 15 Tage in Anspruch, da sämmtliche 280 Zöglinge einzeln in allen UnterrichtSqegea-( ständen der betr. Claffen examinirt wurde». Die lange Reih« ' derselben wurde endlich geschloffen durch einen Besuch de» italienischen Bevollmächliglen H. Comthur Scovaffo, und de» Generalkonsul» von Portugal Herr« Colaco, die beide von einen, BorstandSmitgliede begleitet waren. Auch der italienisch« Bevollmächtigte war, wie H v. Gülich, von der Intelligenz eines jungen Schülers, bt» Sohnes eines an der Anstatt wirkenden Rabbinen, überrascht und versprach, fich um seine Zukunft zu bekümmern. Außerdem haben diese beide» diplomatischen Agenten Herrn Cohen ersucht, der Alliance den Ausdruck ihrer Sympathien zu übermitteln. Jtalte». tkafale Der hiesige Rabbiner, HerrEervi,hat einProgrammzur Bildung eines rabdinischen Vereins in Italien autgearbeitet und im „Educatore" veröffentlicht, wo e» vom Redakteur Prof. Guiseppe Levi mit warnten Worten empfohlen wird. Wir gebe» daffelbe in wortgetreuer Uebersetzung wieder. 1. Es hat sich unter den italienischen Rabbinen ei, Berein constituirt, deffen Zweck darin besteht: a) die Ernennung von Rabbinen in jenen Gemeinden zu befördern, die bi» nun eine» Leiter» entbehren; l,) für den Druck und die Brrbreitung guter jüdischer Bücher, insbesondere aber Schulbücher, Sorge zu tragen; c) den Witlwen von Rabbinen, die zugleich Lerein»- mitglieber find, Pensionen zu gewähren; ck) nach Ort und Zeit vorher festzusetzende rabbinische Versammlungen inS Leben zu rufen. 2. Der Berein sorgt dafür: a) durch jährliche Beiträge der Mitglieder; b) durch Unterstützungen der Gemeinden; c) durch außerordentlich« Spenden an Bücher» oder Geld von Seiten jener edclgcsinitten Männer, deueu die Förderung de« Vereins am Herzen liegt; ck) durch Legate hochherziger Männer, die zu deff«, Consolidirung beitragen werden. 3. Die Mitglieder zerfallen iu zwei Klaffen: Rabbjne, und Richl-Rabbinen. Die ersteren haben al» wirkliche Mttglieder Stimme in de» Berathungen de» Verein» und nehme, an den Versamnilungen Thell. Die letzteren al» Ehrenmttglieder haben keine Stimme in den Sitzungen, denen sie jedoch beiwohnen dürfen. Die eineu wie die anderen erhalte» den Jahresbericht de» Verein» gratis. 4. Jede» Mitglied zahlt ein Minimum von 5 Lire (1 Thlr. 10 Sgr.) jährlich. 5. Die Gemeinde, welche iu ihren Bilanzen über ein« Summe von mindesten» 50 Lire verfügen, könne» sich in de, Generalversammlungen de» Vereins vertrete» laste». 6. Wirklich« Mitglieder de» Verein« find alle Rabbia«, ohne Unterschied de» Titel», Alter» und der materiellen Stellung, gleichviel ob im Amte oder nicht, die ihren Beitritt z» dem vorliegende» Prograurme erklären. 7. Sobald dir genügend« Anzahl von Mitgliedern vorhanden ist, wird ein Comite gewählt, welche» ein Berein»- statut zu entwerfe« hat, da« der Approbation aller Vereins- Mitglieder zu unterbreiten sein wird. 8. Di« Name» und Spender der wirkliche« und Ehre», Mitglieder werden in einem periodische» Journale veröffeüüicht.