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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Retzgcraescliäft bciriebn hatte. Wie rf da« Verhängnis wollte, fanden sich bei seiner Verhaftung auch einige der Ermordeten zu eigen gewesene Gegenstände vor, und der Indizien waren nun genügend vorhanden, um Weit vor die Schranken de« Schwurgericht« zu Hellen. Der Angeklagte betheuerte in feierlicher Weise seine Unschuld, und daß er die Vorgefundenen Sachen von eineni ihm unbekannten Manne gekauft habe, wie eben die reisenden Kramer oft ähnliche Geschäfte machen, so daß selbst der Staatsanwalt die Möglichkeit seiner Unschuld liervorgehoben haben soll, uni so mehr, al« Weil rin bestbeleuniundeter Manu war und sich in Umständen befand, daß mau sich eine« derartige» Verbrechendurchaus nicht von ihm hätie versehen können. Umsonst; der Mann wurde schuldig gesprochen und zum Tode verurlheilt. Glücklicher Weife machte der König in diesem Falle von seinem Begnadigungsrechte Gebrauch, und wurde Weil zur Abbüßung der lebenslänglichen Zuchthausstrafe in die Strafanstalt Ludwigsburg verbracht. Drei Jahre befindet er sich nun dort, al« plötzlich von fürchterlichen Gewiffensdiffen getrieben, der wahr« Mörder sich selbst dem Gerichte stellte und ein umfassende» Bekenntniß seiner blutige» Thal adlegte. Nach Erledigung der nöthigen Formalitäten wird nun der unschuldig zum Tode Berurtheilic allerdings freigegeben und seine bürg-rliche Ehre ivieder hergestellt werden. Wa» aber kann ihm Ersatz bieten für die fürchterliche Todesangst, die Schmach, die er auSgestanden, waS Ersatz für drei Jahre HöllenlebenS, die er im Zuchthause, in den Augen der Welt mit dem Fluche der Morde« belastet, zubringeu mußte? (Kur Ausbesserung seiner materiellen Lage wird Ulan doch wohl im One oder Kreise sorgen?) Oesterreich. Pest, 6 Juli. Die Nabbiner-Seminarsrage har in dem Reich« läge eine Aufregung hervorgerusen, die man kaum für möglich hätte halten sollen. Vorgestern, Sonnabend, wurde darüber verh.udelt, und gestern, am Sonntage, eine Exlrasitzung gehalten, uiu die Sache endlich z>l erledige». Nach hitzigen Debatten wurd: endlich beschlossen, oder auch nicht deschloffen, di« Frage bi« zur Herbsljcssion' zu vertage». ES blieb nlchl« Anderes übrig. Es könnte fast erfreulich genannt werde», baß in» Judeusache», die man sonst so gern en bagatelle behandelt, so lange und heftig gestritten worden ist, wenn nur für die Betheiliglen ein denkbarer Nutzen abzuseheu wäre. Wir werden Einzelne« nachtragen. . . . r <Se»itsch (Mähren), 10. Juni. (Or.-Err.) Lokalberichlen von kleinen Orterl dürfte wohl schwerlich in den Spalten Ihrer vielgelesenen „Wochenschrift" Raum gegönnt werden, doch schreib« ich diese Zeilen in der Hoffnung nieder, daß, da auch „ riefe und Berichte ihr Fatum haben, doch vielleicht der Zufall sie ein Plätzchen finden lasten könnte. Darum will ich mich nur kurz fasten. Es würde zu weitläufig werdrn, wenn ich Ihnen umständlich,die mißlichen Zustände unserer Gemeinde während des letzten Dezenniums oder die lOjhärige trübe und widerliche RabbinatSgeschichte mü ihren traurigen Eonsequenzen schildern wollte; obschon sie viele Gemeinden sowohl, wie Rabbiner, mit mancher Erfahrung bereichern würde. Tie RabbinatSstellung hier war eine so verquickte, daß wir hier in Gewilsch, das ehemals seine Rabbiner und Vertreter der Religion so hoch geehrt und geliebt hat, und welches auch immer eine Bildungsschule vieler berühmt gewordener Rabbiner war, ein fürchterliches ddgoftt vor dem ganzen Stande bekamen. Jndesten muß jede» Unheil gerecht und objectiv sein und muß von Individualitäten und Persönlichkeiten abstrahiren. ES ist auf beiden Testen viel gesündigt worden. Es ist heute aber bereits glücklich überwunden und in« Reich der Bergeflenheit übergegangen. Heute kann ich Ihnen die erfreuliche Mi.theilung machen, daß wir für unsere Gemeinde ernen sehr tüchtigen, klugen, bescheidenen und klassisch gebildeten Mann acquirirt haben, der zugleich al» ReligionSlehrer sich an unserer gut geordneten viel versprechenden deutschen und hebräische» Schule mit mehreren Stunden täglich betheiligt rmd die Religio» an der hiesige» Sklasfige» Bürgerschule vorträgt. S» ist der Ihnen gewiß auch schon literarisch bekannte Hr. Dr. Lamderg au« MiSlitz in Mährm, ein Mann, der uns nach allen Richtungen hin volle Befrievigung und Entschädigung bietet. — Möge unsere Gemeinde nun wieder einmal in Ruhe und Frieden prosperiren und man Ihnen immer gedeihlichere Fortschritte von allen Seiten berichte» können. Ar«»»kret«h Pari«. (Monatsbericht der Alliance J«r. Univ. für Juni. Schluß.) Wir trage» zur vorigen Nummer nach, daß die von der Berliner Loufereuz in Aussicht genommenen Ansprache an die russischen Juden inzwischen erschiene» ist. Sie ist in dem hebräischen Original im „Hamaggid" abgedruckt. Wir geben nun einige Auszüge aus dem Berichte über die Schulen. ES ist wohl kaum »öthig hervorzuheben, welch' einen günstigen Eindruck, welch einen wahren und erhebenden Kiddusch haschcm im fernen Orient eine Schulprüsung wie die gleich zu erwähnend« machen muß. Bagdad. Am 30. März cr. hat daselbst ein öffentliches Schulexamen stattgefunden, an welchem außer Sr. Exc. Rats Pascha, durch den sich Se. Exc. der Bali, Radis Passt,a, Unwohlseins halber vertreten ließ, folgende Herren theilnchmen: der engl. Gesandte H. Oberst Herbert, der frauz. Eonjul H. Destrvcs mit seinem Secretär und Dragomau, der General de- GenircorpS, die Directoren und Professoren der Mi'.ilär-und Gewerbeschulen, die Etvil- und Militärärzte, di« ßlegieruug»-Ingenieure, die Rabdiuen, die Rolabeln, die Mitglieder de» EomiteS mit besten Präsidenten H. Lurion und viele Fauiilienväter. Aus eineni Tische waren die Hefte der Schüler in den verschiedenen Uulernchlsgegenstäuden der Schule auSgelegt. Die erste Elaffe wurde in der lürtischeu Sprach, in der Geschichte, in der Ge graphie der Türkei, in den Naturwissenschaften und der elementaren Weltkunde examinirl und antworte:« zu sichtbarer Befriedlguug der Zuhörer schnell und genau. Die zweite Elaffe begann mi: den» Arabischen; mehrere Schüler lasen poetische Stücke, die sie iu di«'er Spruche erktärleu, andere lösten Recheuexeiupel oder wurde» iu der Gramniatik auSgefragl; jooanu ging« an die fraujhsilch« Sprache nnb die allgemeine Geographie Asien« mit Details von Bagdad. Die folgenden Elaste,» wurden vwl schneller geprüft, da bereit« 3 Stunden verstrichen waren; eine Prüfung aller Elaffe» in sämnltiichen UnterrichlSgeg«»- ftänden hätte mindestens 4 Tage in Anspruch genomuun. Die Prüfung endigte mit einer von einem Schüler vorgenagenen arabischen Red«, a» die sich ein Geber für S«. Mas. de» Sulla» anschloß, und mit einer Prämienvrrchetlung an die beste» Schüler Die Auwejeude» beglückwünschten Herrn Garat zu den Fortschritten seiner Schul«, und S« Exc. Rlt Pascha bezeugte seine Zufriedenheit dadurch, daß er in!>ie amtliche Zeitung von Bagdad den Prüfungsbericht und »ie genannte Rede einrücken ließ. — H. Lurion, Präsident de« Locaicom.reS, macht ähnliche Mittheilungen und vergleicht hierbei die an dieser Schule angewandte UnterrichtSmeihcde im Hebräischen mit der iu den dortigen Eheoarim üblichen: „Dorr, sagt er, kein ernste« Studium; man läßt nur den Text der Bibel singen und übersetzt ihn singend in mechanischer Weise in da« traditionelle arabisch« Idiom, ohne je auf irgend einen Eommenrar, nicht einmal aus Rasch», zu verweisen. Wenn da« Kind mit solchem Lesen und llebersetzen der Bibel fertig geworden, erklärt man chm die taluiudischen Stücke im Ehok l'jiSrael, beginnt sodanu mü ihm »ach und nach da« Studium des Sohar und vollendet serne Bildung mü Erklärung einiger Seiten des Talmud; da« »st t er Borralh von Kenntniffen, mit welchem der junge Geleh.te da« Ehedar verläßt und iu da« Leben eintritl. Ander« ist e« in der Schule der Alliance. Sobald der Schüler den Text eine« TheUe« der Bibel lese» und vonragen kann, übers, tzl chm der Lehrer Won für Wort den Süln eine« jeden Satze« unter Hinzufügung von grammatischen und exegetischen ltlrkläruuge« je »ach der Faffungäkraft desselben; die Lehrer

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